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Politik im Kaiserreich

Mit seiner bündnisorientierten Innen- und Außenpolitik hat Otto von Bismarck - deutscher Reichskanzler neben Wilhelm I. - die Politik um und nach der Reichsgründung maßgeblich geprägt.

Reichsgründung 1871

Bevor das Deutsche Kaiserreich im Jahr 1871 gegründet wurde, bestand das Gebiet aus vielen Einzelstaaten. Du kannst dir das bildlich wie einen zusammengenähten Flickenteppich vorstellen. Nach der Gründung des Reiches herrschte dann eine konstitutionelle Monarchie. Es gab also einen Kaiser, Wilhelm I., der gemeinsam mit dem Bundesrat und dem Reichskanzler Otto von Bismarck das neu gegründete Reich regierte.

Bismarck wollte Deutschland nach den Einigungskriegen und der Reichsgründung nun als saturiert präsentieren, was bedeutet, dass es keinen Bedarf mehr an der Ausweitung der Gebiete hegt. Anfangs hatte vor allem die Monarchie da jedoch andere Pläne: Das Deutsche Reich sollte eine europäische Großmacht werden. Später, und besonders nach der Abdankung Otto von Bismarcks 1890, war dann auch im Reichstag zunehmend von einem Platz an der Sonne die Rede (Außenminister von Bülow, 1897).

Damalige Kritiker des Kaiserreichs bemängelten die fehlenden Grundrechte und die wenige Macht, die die Volksvertreter innehatten, außerdem Bismarcks innen- wie außenpolitisch hartes Vorgehen sowie den nationalen, militaristischen und autoritären Zeitgeist, der aber auch den Rest Europas befallen hatte. Doch wurde derartigen Stimmen leider nur wenig Beachtung geschenkt. Mit fatalen Konsequenzen, wie sich noch herausstellen sollte.

Militär

Die Innenpolitik des Deutschen Kaiserreichs

Die Innenpolitik des Reichskanzlers war einem Kaiserreich entsprechend konservativ, autoritär und monarchisch. Deutlich wird, dass er die deutsche Einheit stärken wollte. Allerdings betonte er hierbei immer die Vormachtstellung Preußens, dem Gebiet, aus dem Bismarck stammte und in dem er Ministerpräsident war.

Du kennst Otto von Bismarck vielleicht in Verbindung mit dem Begriff des Kulturkampfes. Sein Ziel war es, Staat und Kirche voneinander zu trennen, um auf diesem Weg eine Einmischung der Kirche und des Papstes in die Politik des Deutschen Kaiserreiches zu verhindern. Aus diesem Grund stand er der Zentrumspartei, die überwiegend aus Katholiken bestand, kritisch gegenüber. Im Laufe seiner Regentschaft erließ Bismarck mehrere Gesetze, die das Wirken dieser Partei und der Kirche einschränkten. Der sogenannte Kanzelparagraph besagte beispielsweise, dass im Gottesdienst keine politischen Angelegenheiten gepredigt werden dürfen. Seit dem Jahr 1872 wurde mit dem Schulaufsichtsgesetz festgelegt, dass Schulen nicht mehr von Kirchen organisiert werden dürfen und ab dem Jahr 1874 koordinierte das Standesamt als erste Instanz Eheschließungen. Besonders einschneidend war das Brotkorbgesetz von 1875, durch das die Kirche keinerlei staatliche Unterstützung mehr erhielt.

Doch auch mit der aufkommenden Sozialdemokratie und weiteren sozialistischen Arbeiterbewegungen, die im Zuge der Industrialisierung entstanden, konnte Bismarck nicht viel anfangen. Also versuchte er die Macht dieser Widersacher zu minimieren. Bismarck fürchtete ein zu starkes Eingreifen der Sozialdemokratie. Mit den Sozialistengesetzen durften ab dem Jahr 1878 keine sozialdemokratischen Schriften mehr veröffentlicht werden und der Partei wurde es u. a. verboten sich zu treffen. Da er sich trotzdem der sogenannten sozialen Frage und der prekären Lage des Proletariats stellen musste, um die Arbeiter zumindest zu besänftigen, führte Bismarck im Jahr 1883 die Sozialgesetzgebung ein. Über die Jahre erhielt jeder Arbeiter dadurch eine Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung – Versicherungen, wie du sie noch heute kennst.

Die Außenpolitik Otto von Bismarcks

Bismarcks Außenpolitik stand im Sinne der Realpolitik: Der Fokus lag auf dem Nutzen verschiedener politischer Abkommen für das Deutsche Kaiserreich. Bismarcks Ziel war es, das Misstrauen anderer europäischer Länder gegenüber des neu gegründeten Kaiserreichs abzubauen und die Rolle Deutschlands zu stabilisieren. Anders als von anderen europäischen Ländern erwartet, war es nicht seine vorrangige Bestrebung, neue Gebiete und Kolonien zu erschließen. Seine Absicht war es vor allem, Frankreich vom Rest Europas zu isolieren und selbst eine Vermittlerrolle einzunehmen.

Bismarcks Außenpolitik

Besonders die Angst vor einem einkesselnden Zwei-Fronten-Krieg - also einem Krieg sowohl von Russland als auch von Frankreich kommend - prägte seine Außenpolitik. Einen solchen versuchte er durch verschiedene Bündnisse zu verhindern. Vor allem mit Russland und dem benachbarten Österreich-Ungarn zielte der Reichskanzler auf Versöhnung, auf gegenseitige Absicherung und Neutralität im Kriegsfall. Er schloss im Jahr 1873 das Dreikaiserabkommen und 1881 den Dreikaiserbund mit diesen beiden Staaten. Auch für den Fall eines Krieges mit Russland sicherte sich Bismarck 1879 durch einen Zweibund mit Österreich-Ungarn ab, der später zu einem Dreibund mit Italien erweitert wurde. Um seinem Ziel, der Isolierung Frankreichs, noch näher zu kommen, verbündete er sich 1887 durch das Mittelmeerabkommen mit Großbritannien, Italien und Österreich-Ungarn. Auch Russland wurde durch den Rückversicherungsvertrag von 1887 nochmals besänftigt, indem sich Bismarck zur Neutralität im Kriegsfalle Russlands mit Österreich-Ungarn verschrieb.

Du siehst, Bismarcks Außenpolitik erstreckte sich durch komplizierte Bündnisse über ganz Europa. Sein Versuch einer Gleichgewichtspolitik und der stete Versuch, eine Maklerrolle im Zentrum Europas zu spielen, fand dabei in einer wahrlich schwierigen Zeit statt. Jedes Land versuchte, auch durch seine kolonialen Eroberungen imperialistischen Machtbestrebungen nachzukommen. Das Deutsche Kaiserreich selbst stand dabei stets im Zentrum dieser Abmachungen, und Bismarcks Leistungen - wenn auch alles andere als uneigennützig - waren trotzdem beachtenswert.

Der Weg zum Ersten Weltkrieg

Wilhelm II., Nachfolger und Enkel Wilhelms I., verfolgte gänzlich andere Ansichten: Sein Plan war es, die Macht Deutschlands zu vergrößern und keine weiteren Bündnisse zu schließen. 1890 trat Otto von Bismarck von seinem Posten als Reichskanzler zurück. Am Ende blieb nur noch Österreich-Ungarn als letzter Bündnispartner übrig. Hinzu kam der bereits angesprochene autoritäre und militaristische Zeitgeist, der eine allgemeine Kriegslust der nach Macht strebenden Staaten Europas mit sich brachte, und dies alles mündete dann im Ersten Weltkrieg. In diesem standen sich vor allem Großbritannien und Frankreich auf der einen, und Deutschland mit seinem Verbündeten Österreich-Ungarn auf der anderen Seite gegenüber. Das Europäische Bündnissystem vor dem Ersten Weltkrieg, geprägt durch Bismarcks Außenpolitik, war also durchaus von Bedeutung, denn es konnte die späteren Kriegsparteien eine Zeit lang kontrollieren. Doch mit dem Abgang Bismarcks war auch dieses nicht mehr zu halten: Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 endete auch die Deutsche Monarchie.

Kaiser Wilhelm