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Sprachwandel – Einfluss neuer Medien 06:17 min

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Transkript Sprachwandel – Einfluss neuer Medien

Sprache ist wie ein Chamäleon – sie ist anpassungsfähig und reagiert auf ihre Umwelt. Wenn das Chamäleon in Berlin unterwegs ist, kann es sich durch gekonntes ick und wa? als Berliner tarnen. Wandert es durch die bayrischen Alpen, wäre ein Grüß Gott angebracht. Vor 100 Jahren hätte es sich sicher mit erquicklichen Leibesübungen ertüchtigt. Und taucht es in deinem Schulaufsatz auf, bemüht es sich, möglichst korrekt und ordentlich auszusehen. So kann sich unsere Sprache an regionale und kulturelle Unterschiede anpassen und sich im Laufe der Zeit und je nach Situation verändern.

Aber was genau passiert mit unserem Sprachchamäleon, wenn du ihm einen Laptop mit Internetzugang und ein Smartphone zur Verfügung stellst? Oder anders formuliert: Welchen Einfluss haben die neuen Medien auf unsere Sprache? Medien sind Kommunikationsmittel – also die Mittel, die verwendet werden können, um sprachliche Botschaften zu transportieren. Sehen wir uns an, an welche neuen Medien sich die Sprache wie angepasst hat.

Die neuen Medien wie SMS, Mails und Chats haben großen Einfluss auf die Kommunikationsverhältnisse und Textformen. Sie definieren neu, wie viel durch welche Art von Texten worüber kommuniziert wird.

Dafür müssen zunächst neue Wörter in die deutsche Sprache integriert werden. Die Veränderung der Lebensumstände sorgen immer wieder für neue Bezeichnungen. Geräte, wie Smartphone oder W-Lan-Router werden erfunden und bekommen Namen. Aber auch Tätigkeiten, wie chatten, mailen oder simsen gab es früher nicht.

Durch die neuen Medien hat außerdem die Menge der schriftlichen Kommunikation zugenommen. Mails, Internetforen, Chats und Posts zu aktuellen Ereignissen sorgen dafür, dass heute weit mehr geschrieben wird als früher. Laut einer Studie hat ein in den USA lebender Teenager 2010 innerhalb eines Monats durchschnittlich 4050 SMS versendet.

Im beruflichen Kotext sind Mails nicht mehr wegzudenken. Egal ob Arbeitsanweisungen und Absprachen innerhalb eines Betriebes oder Beratung und Coaching per Mail und Chat – überall wird geschrieben, was das Zeug hält.

Das kann natürlich nicht ohne Auswirkungen auf die Schriftsprache bleiben. Sehen wir uns dies genauer an:

Die Schriftsprache dient heute mehr als früher auch der informellen Kommunikation, zum Beispiel, wenn Absprachen auf schnellem Weg schriftlich getroffen werden oder man sich schriftlich beraten lässt. Darum weist sie vermehrt Merkmale mündlichen Sprachgebrauchs auf. Man unterhält sich - nur eben schriftlich. Häufig besteht keine Notwendigkeit, sich ausführlich und detailliert auszudrücken oder die Standardsprache zu verwenden. Versteht der andere etwas nicht, hat er sofort die Möglichkeit, nachzufragen. Die Verwendung eher mündlichen Sprachgebrauchs dient hierbei auch dazu, die Barriere der Schriftlichkeit zu überwinden und sich einander nah zu fühlen. Die Hürde, statt einem „Sehr geehrter Herr … „ ein unförmliches „Hallo“ zu schreiben, ist wesentlich geringer als in einem Brief.

2) Aufgrund der großen Anzahl der zu produzierenden Texte, der erhöhten Geschwindigkeit der Kommunikation und der begrenzten Anzahl der Zeichen beisielsweise bei einer SMS, besteht die Notwendigkeit, ökonomisch zu schreiben. Die Frage lautet: Wie kann ich die Aussage mit so wenig Aufwand wie möglich transportieren? Sieh dir dieses Beispiel aus meinem Postfach an:

bräuchte mal deine meinung zu punkt b bin mir nich sicher ob das so ok ist

klar schick mir das doc guck dann gern drüber bekommste morgen bzw. übermorgen zurück

Was fällt dir dabei auf? Es wird auf Großschreibung, Anrede und Gruß verzichtet. Satzteile und Satzzeichen, wie zum Beispiel, Kommas und Punkte, werden ausgelassen und einzelne Wörter abgekürzt. Auch wenn wir nicht verstanden haben, worum es genau ging – die Schreiber wussten es und am Ende war alles Notwendige gesagt. Je mehr du also zu schreiben hast, umso mehr wirst du dich bemühen, dich kurz zu fassen.

3) Wenn mündliche Kommunikation verschriftlicht wird, gibt es noch eine große Herausforderung. Nonverbale Elemente, wie Stimmlage, Pausen, Mimik und Gestik müssen ebenso verschriftlicht werden, da sie für den Sinn einer Aussage unter Umständen eine große Rolle spielen. Du Idiot! sagt etwas anderes aus als Du Idiot ; ) Neben den sogenannten Smileys und Emoticons helfen auch Abkürzungen wie “Laughing out loud”, “Rolling on the floor laughing” und “See you”, schnell zu kommunizieren und die Aussage zu unterstützen. Diese in der Kommunikation mit neuen Medien gebräuchlichen Abkürzungen, häufig sind das Akronyme, werden auch als Netzjargon bezeichnet. Jetzt weißt du, wie unser Sprachchamäleon versucht, mit der neuen Fülle und Geschwindigkeit schriftlicher Kommunikation klarzukommen. Vielleicht hast du schon mal davon gehört, dass es schlecht sein könnte, wenn sich die Sprache so stark verändert. Manche denken, unsere Sprache würde dadurch verfallen und die Sprecher wären nicht mehr in der Lage „ordentliches“ Deutsch zu sprechen und zu schreiben. Doch was macht das Chamäleon aus? Genau, dass es sich der Umgebung und Situation anpassen kann. Mit der Sprache ist es genauso: Je nach Situation kann ein unterschiedlicher Sprachgebrauch zielführend sein. In einer SMS ist “In my humble opinion” definitiv angebrachter als im nächsten Aufsatz. Dort sollte sich das Chamäleon dann doch lieber einen korrekten „meiner Meinung nach“ -Anzug anziehen.

2 Kommentare
  1. Img 0856

    Hervorragend veranschaulicht

    Von Haji A., vor etwa 2 Jahren
  2. 7 img 1864

    Tolles Video! :) Super und leicht erklärt... ;)
    Bitte mehr!!!

    Von Li Don De M., vor mehr als 2 Jahren