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Was ist Sprache? 09:42 min

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Transkript Was ist Sprache?

Hey Leute! Ich bins, Tim. Habt ihr schonmal darüber nachgedacht, was Sprache eigentlich ist? Wie denkt ihr eigentlich über Sprache nach, wenn nicht mit Sprache? Können wir ohne Sprache leben? Und wenn ja, könnten wir mit anderen zusammen leben, oder müssten wir alleine sein? Bei einer so großen Frage wie “Was ist Sprache?” kann es natürlicherweise nicht nur eine einzige, “richtige” Antwort geben. Jeder denkt immer ein bisschen anders darüber, was ihm Sprache bedeutet und warum sie wichtig ist. Ich stelle euch hier einige Ansätze vor, die alle aus verschiedenen Fachrichtungen wie der Anthropologie, der Neurologie, der Linguistik, der Rhetorik und der Psychologie kommen.

Was unterscheidet den Menschen vom Tier? Die Anthropologie behauptet, dass sei auf die einzigartige Sprachfähigkeit des Menschen zurückzuführen: Keine andere Art hat ein solch feingliedriges System zur Verständigung mit seinen Artgenossen ausbauen können. Schon im Säuglingsalter fangen die Menschen an, Ältere zu imitieren, ihre Laute nachzumachen, um so nach und nach das komplexe System menschlicher Sprache zu lernen. Sprache ist also eine natürliche Fähigkeit. Noch dazu kommt die erstaunliche Vielfalt menschlicher Sprache: Es werden mehr als 6500 Sprachen auf der Erde gezählt, jede einzelne mit eigener Grammatik und eigenem Wortschatz.

Grammatik und Wortschatz sind feste Bestandteile einer jeden Sprache: Die Grammatik ist das Regelwerk der Sprache, die Ordnung zwischen den einzelnen Wörtern schafft. Der Wortschatz legt den Laut und das Zeichen der Sprache fest. Sprache ist also das, was die Linguistik untersucht: ein geordnetes System von Zeichen, geordnet durch Grammatik und Wortschatz. Jedes Wort ist dabei ein Zeichen, das auf etwas anderes verweist: es deutet und hat deswegen eine Bedeutung; es hat einen Sinn, da es auf etwas Sinnliches hinweist. Das Zeichen steht für ein reales Objekt, von dem wir eine Vorstellung im Kopf haben. Die Ordnung von Grammatik und Wortschatz ist aber keineswegs fest: Sprachen sind in ständigem Wandel begriffen, sie nehmen neue Begriffe auf, vergessen veraltete, vergessen sogar sich selbst, bis sich keiner mehr an sie erinnert. Manche Menschen, wie Shakespeare, waren sogar so einflussreich in ihrer Sprachverwendung, dass sie die Sprache nachhaltig verändern konnten, etwa indem sie neue Wörter und Wendungen in das kollektive Gedächtnis der Mitbürger einbrannten.

Sprache ist deshalb so wichtig, weil wir “zivilisierten” Menschen uns heute vor allem mit Sprache verständigen: Neben den alltäglichen Dialogen mit Familie, Freunden, in Arbeit, Schule und Freizeit tauschen wir nicht nur Neuigkeiten über ständig präsente Medien aus, sondern lösen heutzutage auch viele Konflikte mit Sprache, was früher tendenziell nicht der Fall war. Andere, außersprachliche Kommunikationsmittel sind natürlich nicht wegzudenken: Ohne Gestik, Mimik und Intonation ist Sprache um einiges schwieriger zu verstehen; ohne andere Zeichensysteme wie die Musik, die visuelle Kunst, aber auch Körperkulturen wie Sport wäre unser Leben um ein Vielfaches ärmer. Sogar über das Essen und Trinken verständigen und verstehen wir uns. Wer allerdings schonmal im Ausland war, wo keiner seine Sprache spricht, wird gemerkt haben: Ohne Sprache ist jede Kleinigkeit ein aufwendiges, nervenaufreibendes Unterfangen. Sprache ist also unser wichtigstes Kommunikationsmittel! Nicht umsonst heißt es: Wissen ist Macht. Und: Die Feder besiegt das Schwert. Wer rhetorisch begabt ist, sich gut ausdrücken kann, der kann andere um Geist und Verstand und so schwindlig reden, bis der Andere seinen Schwindel nicht mehr merkt: Wer gut in Rhetorik ist und gut reden kann, der hat die Macht, andere zu über-reden. Sprache überträgt also nicht nur die pure Information: Sie geht durch den Willen der Menschen hindurch und wird unterwegs gefälscht und abgefälscht, so dass sie nur den Pfosten der Wahrheit trifft. Deshalb Vorsicht: Wer redet und ein Ohr findet, der hat Macht, der kann beeinflussen und andere benutzen.

Physiologisch wird Sprache als Fähigkeit aufgefasst, Äußerungen zu produzieren und aufzunehmen. Die Phonetik als Lautlehre des Sprechens untersucht, wie Sprache in unseren Stimmbändern, Mündern, Nasen und vielen anderen Organen entsteht. Die afrikanischen Khoisan-Sprachen z.B. erzeugen ihre Sprache durch Klicklaute, die in unserer indogermanischen Phonetik nicht zu finden sind.

Diese Klicksprachen haben jedoch genau dieselbe, wichtige Funktion wie unsere Sprache: Sie organisieren unser Denken. Die Neurologie behauptet sogar, dass man ohne Sprache nicht denken könnte, oder, anders ausgedrückt: je komplexer und ausgefeilter eine Sprache, desto umfangreicher das Denkvermögen. Denn durch Sprache kategorisieren und ordnen wir unsere Umwelt und die Sinneseindrücke, die auf uns einströmen, indem wir die Objekte unter das Joch der Begriffe werfen, in unser Sprachsystem einspannen und damit Beziehungen herstellen können: Die Begriffe “Baum” und “Apfel” erzeugen ein eindeutiges Bild bei den meisten Deutschen. Es dürfte aber wohl jedem klar sein, dass auch Tiere sprechen und denken können, selbst wenn wir das dann - wahnsinnig feinfühlig - als “Grunzen” oder “Krächzen” bezeichnen würden. Eines wird man aber meiner Einschätzung nach sagen können: Die elaborierte Sprachfähigkeit des Menschen ist Ursache und Wirkung seines großen Kopfes als auch seiner Überheblichkeit und Überhobenheit gegenüber seinen nicht-menschlichen Mitbewohnern.

Andererseits will ich auch nicht leugnen, dass es für die meisten schwieriger ist, mit Tieren zu kommunizieren, als mit Menschen. Durch Sprache vermitteln wir Anderen Eindrücke, Informationen und Wünsche. So können wir sie zum Handeln bewegen und soziale Interaktion herstellen. Mit Warnungen verursachen wir im Normalfall ein Gefühl von Wachsamkeit im Anderen, mit Liebeserklärungen lösen wir im Bestfall ein Gefühl von Glück im Anderen aus - begleitet von schnellem Herzschlag, Schwitzen, Adrenalin und alles, was der Körper zu bieten hat. Die Sprachwissenschaften unterscheiden Sprache in künstliche und natürliche Sprachen. Künstliche sind dabei Sprachen, die sich Leute für irgendwelche Zwecke ausgedacht haben. Darunter fallen z.B. die Programmiersprachen, in denen unsere Computer “denken” und sprechen, aber auch menschliche Sprachen wie das Esperanto, eine Sprache beeinflusst von verschiedenen europäischen Sprachen, mit eigener Grammatik und Wortschatz, konstruiert als neutrale, internationale Sprache, also mit derselben Funktion wie heutzutage das Englische. Natürliche Sprachen sind hingegen alle menschlichen und tierischen Sprachsysteme, die nicht bewusst geschaffen wurden, sondern sich evolutionär entwickelt haben.

Was zeichnet Sprache noch aus? Sprache und Sprechen - das klingt, als gehöre es notwendig zusammen. Aber Sprache kann auch geschrieben werden. Die Schrift wurde - wie die künstlichen Sprachen - irgendwann vor ca. 6000 Jahren erfunden. Sie hat sich allerdings seitdem so stark weiterentwickelt, dass sie heute viel komplexer als gesprochene Sprache ist. Und das muss sie auch sein: Der Schrift verdanken wir zum größten Teil die Überlieferung von Wissen, das uns so weit gebracht hat. So sind die ersten Schriften immer dort zu finden, wo sich eine frühe Hochkultur herausgebildet hat, wie bei den Ägyptern, den Chinesen, den Maya und den Sumerern.

Sprache, Wörter, Regeln, Wissen Sprache würd’ ich sehr vermissen: Was ist also Sprache? Sie ist - ein komplexes System von Zeichen, mit Grammatik und Wortschatz - das wichtigste Kommunikationsmittel des Menschen - unerlässlich zum Denken und Handeln: Sprache ordnet unsere Welt - der ausschlaggebende Faktor der sozialen Interaktion: über Sprache leben und überleben wir zusammen Außerdem gibt es künstliche und natürliche Sprachen, und gewaltige Unterschiede zwischen gesprochener und geschriebener Sprache. Das wars mal wieder! Haltet Sprache in Ehren! Ich sag ciao und c ya!

2 Kommentare
  1. Sprache ist .... danke!

    Von Pema L., vor etwa 4 Jahren
  2. Yooo Leute ich bins TIM! ^^

    Von Tom Matthes, vor mehr als 4 Jahren

Was ist Sprache? Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Was ist Sprache? kannst du es wiederholen und üben.

  • Ordne den Aussagen über Sprache den passenden Fachbereich zu, in dem man diese Sätze zu hören bekäme.

    Tipps

    Welchen Aspekt menschlichen Lebens untersuchen die einzelnen Fachbereiche? Mit welchem Körperteil beschäftigt sich beispielsweise die Neurologie, womit die Phonetik?

    Die Anthropolgie untersucht, was den Menschen zum Menschen macht, was ihn daher von anderen Lebewesen unterscheidet. Die Soziologie untersucht das Zusammenleben von Menschen.

    Lösung

    Wenn wir Sprache definieren wollen, müssen wir uns ganz unterschiedliche Ansichten einholen, denn Sprache hat viele verschiedene Funktionen und Aufgaben. Und da Sprache alle Lebensbereiche menschlichen Handelns durchdringt, kann sich jeder wissenschaftliche Fachbereich, der sich mit dem Menschen beschäftigt, auch zu diesem Bereich äußern:

    • Die Neurologie untersucht das menschliche Gehirn und Denken. Sie sagt, dass ohne Sprache kein abstraktes Denken möglich wäre.
    • Die Psychologie und Soziologie sagen, dass Sprache unser wichtigstes Kommunikations- und Interaktionsmedium ist; ohne Sprache wäre unser Zusammenleben sehr kompliziert.
    • Die Anthropologie untersucht, was den Menschen von anderen Lebewesen unterscheidet und kommt zu dem Ergebnis, dass kein anderes Lebewesen ein derart komplexes und feingliedriges System zur Kommunikation erschaffen hat.
    • Die Linguistik untersucht die Sprache als ein System von Zeichen, das durch Wortschatz und Grammatik geordnet ist.
    • Die Rhetorik zeigt auf die Beeinflussung, die durch Sprache vorgenommen werden kann. Sprache ist also ein Mittel zur Übertragung eines Willens auf Andere.
    • Die Phonetik untersucht, wie Sprache lautlich im Körper gebildet wird, denn Sprache besteht zuallererst aus Lauten. Die Schrift kam später hinzu.
  • Beschreibe die Beziehung zwischen sprachlicher und außersprachlicher Kommunikation.

    Tipps

    Auf welche Weise können wir noch kommunizieren als nur über Sprache? Welche Funktion hat das Gestikulieren oder die Intonation? Und welche Vorteile hat außersprachliches Kommunizieren?

    Lösung

    Sprache ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel. Über die Jahrtausende haben wir komplexe Regeln der Grammatik, einen reichhaltigen Wortschatz und kleinste Lautunterschiede geschaffen. Damit können wir präzise Aussagen über die Welt treffen und detaillierte Informationen weitergeben.

    Doch die Komplexität der Sprache hat den Nachteil, dass sie aufgrund der vielen Regeln und globalen Unterschiede sehr uneinheitlich und fehleranfällig ist. Viele Aussagen können so oder so verstanden werden und müssen immer interpretiert werden. Die Ironie ist ein bekanntes Beispiel dafür.

    Bei dieser Interpretation von sprachlichen Aussagen können außersprachliche Kommunikationsformen wir Gestik, Mimik oder Intonation behilflich sein. Da diese Zeichensysteme einfacher und einheitlicher sind, sind sie auch eindeutiger und tragen daher maßgeblich dazu bei, dass sich Menschen auch überregional verständigen können.

    Aufgrund der relativen Einfachheit und intuitiven Begreifbarkeit der außersprachlichen Formen sind diese in einigen Feldern der Bedeutungsübertragung der sprachlichen Äußerungsform aber weit voraus: Gefühle, häufig intuitiv, unbewusst, unbeabsichtigt, unkontrolliert und daher nicht vom Denken beeinflusst, können häufig besser über außersprachliche Zeichensysteme wie Lachen, Weinen, Brüllen etc. weitergeleitet werden als über lange Rede und kurzen Sinn.

  • Gib einige Charakteristika von Sprache wieder.

    Tipps

    Überlege, was die einzelnen Fachbereiche dazu sagen würden: Welche Funktion übernimmt Sprache in unserem Denken, Handeln, Interagieren, Erkennen, Überleben? Woraus besteht Sprache? Und wie kann sie unterteilt werden?

    Lösung

    Die menschliche Sprache ist einzigartig: Sie hat sich in langer Zeit sehr komplexe Regeln geschaffen, mit denen auf äußerst exakte Weise ein Abbild der Realität geschaffen werden kann. Zwar sprechen auch Tiere mit eigenen Zeichensystemen, die Komplexität der menschlichen Sprache ist aber unerreicht.

    Sprache ist vor circa 40.000 bis 20.000 Jahren entstanden. Wir erlernen sie durch Imitation, wobei die Fähigkeit zur Sprache aber grundsätzlich bei jedem Menschen angeboren ist: Physiologisch und neurologisch haben alle gesunden Menschen die nötigen Voraussetzungen zum Sprechen.

    Sprache ist jedoch nicht unsere einzige Kommunikationsform: Wir kommunizieren mit unserem ganzen Körper. Sie ist nur die wichtigste Form: Mit Sprache können wir beeinflussen und andere zum Handeln bewegen, in anderen sogar Körperreaktionen hervorrufen.

    Alle Sprachen bestehen dabei aus einem Zeichensystem, in dem Zeichen nur deshalb eine Bedeutung haben, weil neben ihnen andere Zeichen stehen, die sich voneinander abgrenzen. Zeichen, wie z.B. Wörter, haben daher ihre Bedeutung nur über eine Negativ-Definition: Wir wissen, was sie sind, weil wir wissen, was sie nicht sind. So ist auch unser Denken aufgebaut: Wir ordnen und kategorisieren die verschiedenen Wahrnehmungen über Sprache ein und erschließen uns so die Welt. Was keinen Begriff hat, kann wahrgenommen, aber nicht begriffen werden.

  • Analysiere das folgende Zitat darauf, was ein Zeichen ist.

    Tipps

    Ein Zeichen besteht aus zwei Seiten: der Bezeichnung und dem Bezeichneten.

    Lösung

    Saussure war ein sehr einflussreicher und bis heute nur in Details angefochtener Sprachtheoretiker und Linguist. Sein Fachgebiet war die Semiotik, das heißt Zeichenkunde.

    In seinen berühmt gewordenen „Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft“ legte er da, was man bis dato nicht beachtet hatte. Denn normalsprachlich wird als ein Zeichen das betrachtet, was auf einen Gegenstand, eine Idee, ein Ding, eine Vorstellung, eine Handlung, ein Phänomen hinweist: nämlich ein bestimmtes Lautbild oder Schriftbild, bestehend aus sinnlich wahrnehmbaren Tönen, Frequenzen, Buchstaben, Strichen.

    Saussure deutete nun darauf hin, dass im Zeichen eine zweite Seite enthalten ist, ohne die ein Zeichen nicht gedacht werden kann, ohne die ein Zeichen keine Bedeutung hat: Die Vorstellung dessen, was das Lautbild oder Schriftbild bezeichnen.

    Als Beispiel: Das Zeichen für Baum enthält auf der einen Seite die Bezeichnung oder das Bezeichnende, das aus vier Buchstaben und einer Silbe besteht. Diese vier Buchstaben wären allerdings sinnlos, wenn sie nicht einem bestimmten Objekt der Realität (zumindest der Realität in unseren Köpfen) zugeordnet wäre. Deshalb definierte er diese Vorstellung in unserem Kopf als das Bezeichnete.

    Das Bezeichnende/die Bezeichnung und das Bezeichnete ergeben also nur zusammen ein sinnvolles Zeichen.

  • Entscheide, ob es sich bei den Beispielen um künstliche oder natürliche Sprachen handelt.

    Tipps

    Überlege, ob sich die Sprache über lange Zeit und evolutionär entwickelte, oder ob sie für einen bestimmten Zweck intentional erfunden wurde.

    Lösung

    Sprachen können viele verschiedene Formen annehmen. Wir können daher künstliche und natürliche Sprachen unterscheiden. Natürliche Sprachen haben sich über lange Zeit evolutionär entwickelt und wandeln sich nur langsam. Beispiele sind alle Tiersprachen wie Wolfsgeheul, Grillenzirpen oder der berühmte Schwänzeltanz der Bienen. Aber auch alle Nationalsprachen der Menschen wie Englisch, Deutsch oder Ungarisch sind natürlich gewachsen.

    Anders die künstlichen Sprachen: Sie wurden von Menschen zu einem bestimmten Zweck entworfen und haben daher einen beschränkten Anwendungsbereich. Dazu gehören Programmiersprachen wie das C++, das Periodensystem der chemischen Verbindungen, mathematische und physikalische Formelsammlungen und Zeichensysteme ebenso wie die verschiedenen Musiknotationen, die Gebärdensprache für Taubstumme oder die neutrale Weltverständigungssprache Esperanto. Ob die Sprache der Buschtrommeln natürlich gewachsen ist oder künstlich entwickelt wurde, darüber lässt sich eventuell streiten: Jedoch ist sie dem Menschen nicht angeboren und wurde wohl zu einem bestimmten Zeitpunkt, mit der Erfindung der Trommeln, auch erfunden.

  • Untersuche anhand des folgenden Zitats Vor- und Nachteile der Schrift.

    Tipps

    Gehe jeden Satz des Zitats einzeln durch: Wie viele unterschiedliche Kritikpunkte an der Schrift kannst du im Zitat ausmachen?

    Lösung

    Die Erfindung der Schrift war ein großer Fortschritt für die Entwicklung der Menschheit: Durch das Verbreiten von Wissen, unabhängig von Zeit, Ort oder Verfasser, konnte sich Wissen akkumulieren, d.h. ansammeln. Und nur durch den Wissensbeitrag vieler kleiner, emsig studierender und forschender Menschen ist es gelungen, Techniken hervorzubringen, die die Natur beherrschen können. All die Gesellschaftssysteme, die sich in den ersten Hochkulturen mit komplexen Gesetzen und Regeln herausgebildet haben, konnten nur aufgrund der Schrift Bestand haben: Die Verwaltung eines derart großen Gebildes ist durch das menschliche Gehirn nicht mehr zu bewältigen. Die künstlich geschaffene Schrift ist also Ursache und Zeichen einer Hochkultur.

    Doch dass die Schrift viele Nachteile bringt, die eventuell die Vorteile überwiegen könnten, das haben schon frühe Philosophen wie Platon erkannt:

    • Wir hatten gesagt, Schrift ist zeitunabhängig: Das ist gefährlich, denn Wissen ist oft kontextabhängig und hat zu einer anderen Zeit eine andere Bedeutung (bestes Beispiel sind religiöse Texte wie Bibel und Koran).
    • Sie ist außerdem ortsunabhängig und erreicht Zuhörer, für die es nicht bestimmt ist: Wenn Wissen in die falschen Hände gelangt, kann es missbraucht werden (siehe gestohlene Atombombentechnik).
    • Weiterhin ist es unabhängig vom Urheber: Der Verfasser ist nicht bei der Schrift und kann nicht nach Sinn und Interpretation der Worte gefragt werden.
    • Und schließlich kann man durch Aufschreiben der Mühe entgehen, Wissen auswendig zu lernen und bei sich im Gedächtnis zu behalten. Eine schlechtere Gedächtnisfähigkeit kann die Folge sein.