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Was ist Sprache?

Sprache ist ein sich stetig wandelndes, komplexes System voller Zeichen, das die Kommunikation ermöglicht. Durch Grammatik und Wortschatz geordnet, beeinflusst sie unser Denken und Handeln. Neugierig geworden? Erfahre in unserem Text mehr über die Vielfalt, Bedeutung und Wandelbarkeit der Sprache!

Alle Inhalte sind von Lehrkräften & Lernexperten erstellt
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Die Autor*innen
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Tim Weichselfelder
Was ist Sprache?
lernst du in der 11. Klasse - 12. Klasse - 13. Klasse

Was ist Sprache? Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Was ist Sprache? kannst du es wiederholen und üben.
  • Ordne den Aussagen über Sprache den passenden Fachbereich zu, in dem man diese Sätze zu hören bekäme.

    Tipps

    Welchen Aspekt menschlichen Lebens untersuchen die einzelnen Fachbereiche? Mit welchem Körperteil beschäftigt sich beispielsweise die Neurologie, womit die Phonetik?

    Die Anthropolgie untersucht, was Menschen zu Menschen macht, was sie daher von anderen Lebewesen unterscheidet. Die Soziologie untersucht das Zusammenleben von Menschen.

    Lösung

    Wenn wir Sprache definieren wollen, müssen wir uns ganz unterschiedliche Ansichten einholen, denn Sprache hat viele verschiedene Funktionen und Aufgaben. Und da Sprache alle Lebensbereiche menschlichen Handelns durchdringt, kann sich jeder wissenschaftliche Fachbereich, der sich mit Menschen beschäftigt, auch zu diesem Bereich äußern:

    • Die Neurologie untersucht das menschliche Gehirn und Denken. Sie sagt, dass ohne Sprache kein abstraktes Denken möglich wäre.
    • Die Psychologie und Soziologie sagen, dass Sprache unser wichtigstes Kommunikations- und Interaktionsmedium ist; ohne Sprache wäre unser Zusammenleben sehr kompliziert.
    • Die Anthropologie untersucht, was Menschen von anderen Lebewesen unterscheidet und kommt zu dem Ergebnis, dass kein anderes Lebewesen ein derart komplexes und feingliedriges System zur Kommunikation erschaffen hat.
    • Die Linguistik untersucht die Sprache als ein System von Zeichen, das durch Wortschatz und Grammatik geordnet ist.
    • Die Rhetorik zeigt auf die Beeinflussung, die durch Sprache vorgenommen werden kann. Sprache ist also ein Mittel zur Übertragung eines Willens auf Andere.
    • Die Phonetik untersucht, wie Sprache lautlich im Körper gebildet wird, denn Sprache besteht zuallererst aus Lauten. Die Schrift kam später hinzu.
  • Gib einige Charakteristika von Sprache wieder.

    Tipps

    Überlege, was die einzelnen Fachbereiche dazu sagen würden: Welche Funktion übernimmt Sprache in unserem Denken, Handeln, Interagieren, Erkennen, Überleben? Woraus besteht Sprache? Und wie kann sie unterteilt werden?

    Lösung

    Die menschliche Sprache ist einzigartig: Sie hat sich in langer Zeit sehr komplexe Regeln geschaffen, mit denen auf äußerst exakte Weise ein Abbild der Realität geschaffen werden kann. Zwar sprechen auch Tiere mit eigenen Zeichensystemen, die Komplexität der menschlichen Sprache ist aber unerreicht.

    Sprache ist vor circa 40.000 bis 20.000 Jahren entstanden. Wir erlernen sie durch Imitation, wobei die Fähigkeit zur Sprache aber grundsätzlich bei jeder Person angeboren ist: Physiologisch und neurologisch haben alle gesunden Menschen die nötigen Voraussetzungen zum Sprechen.

    Sprache ist jedoch nicht unsere einzige Kommunikationsform: Wir kommunizieren mit unserem ganzen Körper. Sie ist nur die wichtigste Form: Mit Sprache können wir beeinflussen und andere zum Handeln bewegen, in anderen sogar Körperreaktionen hervorrufen.

    Alle Sprachen bestehen dabei aus einem Zeichensystem, in dem Zeichen nur deshalb eine Bedeutung haben, weil neben ihnen andere Zeichen stehen, die sich voneinander abgrenzen. Zeichen, wie z. B. Wörter, haben daher ihre Bedeutung nur über eine Negativ-Definition: Wir wissen, was sie sind, weil wir wissen, was sie nicht sind. So ist auch unser Denken aufgebaut: Wir ordnen und kategorisieren die verschiedenen Wahrnehmungen über Sprache ein und erschließen uns so die Welt. Was keinen Begriff hat, kann wahrgenommen, aber nicht begriffen werden.

  • Entscheide, ob es sich bei den Beispielen um künstliche oder natürliche Sprachen handelt.

    Tipps

    Überlege, ob sich die Sprache über lange Zeit und evolutionär entwickelte, oder ob sie für einen bestimmten Zweck intentional erfunden wurde.

    Lösung

    Sprachen können viele verschiedene Formen annehmen. Wir können daher künstliche und natürliche Sprachen unterscheiden. Natürliche Sprachen haben sich über lange Zeit evolutionär entwickelt und wandeln sich nur langsam. Beispiele sind alle Tiersprachen wie Wolfsgeheul, Grillenzirpen oder der berühmte Schwänzeltanz der Bienen. Aber auch alle Nationalsprachen der Menschen wie Englisch, Deutsch oder Ungarisch sind natürlich gewachsen.

    Anders die künstlichen Sprachen: Sie wurden von Menschen zu einem bestimmten Zweck entworfen und haben daher einen beschränkten Anwendungsbereich. Dazu gehören Programmiersprachen wie das C++, das Periodensystem der chemischen Verbindungen, mathematische und physikalische Formelsammlungen und Zeichensysteme ebenso wie die verschiedenen Musiknotationen, die Gebärdensprache für Taubstumme oder die neutrale Weltverständigungssprache Esperanto. Ob die Sprache der Buschtrommeln natürlich gewachsen ist oder künstlich entwickelt wurde, darüber lässt sich eventuell streiten: Jedoch ist sie dem Menschen nicht angeboren und wurde wohl zu einem bestimmten Zeitpunkt, mit der Erfindung der Trommeln, auch erfunden.

  • Untersuche anhand des folgenden Zitats Vor- und Nachteile der Schrift.

    Tipps

    Gehe jeden Satz des Zitats einzeln durch: Wie viele unterschiedliche Kritikpunkte an der Schrift kannst du im Zitat ausmachen?

    Lösung

    Die Erfindung der Schrift war ein großer Fortschritt für die Entwicklung der Menschheit: Durch das Verbreiten von Wissen, unabhängig von Zeit, Ort oder Verfasser/-in, konnte sich Wissen akkumulieren, d. h. ansammeln. Und nur durch den Wissensbeitrag vieler emsig studierender und forschender Menschen ist es gelungen, Techniken hervorzubringen, die die Natur beherrschen können. All die Gesellschaftssysteme, die sich in den ersten Hochkulturen mit komplexen Gesetzen und Regeln herausgebildet haben, konnten nur aufgrund der Schrift Bestand haben: Die Verwaltung eines derart großen Gebildes ist durch das menschliche Gehirn nicht mehr zu bewältigen. Die künstlich geschaffene Schrift kann also Ursache und ein Zeichen von Hochkultur sein.

    Doch dass die Schrift viele Nachteile bringt, die eventuell die Vorteile überwiegen könnten, das haben schon frühe Philosophen wie Platon erkannt:

    • Wir hatten gesagt, Schrift ist zeitunabhängig: Das ist gefährlich, denn Wissen ist oft kontextabhängig und hat zu einer anderen Zeit eine andere Bedeutung (das beste Beispiel sind religiöse Texte wie Bibel und Koran).
    • Sie ist außerdem ortsunabhängig und erreicht Zuhörer/-innen, für die es nicht bestimmt ist: Wenn Wissen in die falschen Hände gelangt, kann es missbraucht werden (siehe: gestohlene Atombombentechnik).
    • Weiterhin ist es unabhängig von dem/der Urheber/-in: Der/die Verfasser/-in ist nicht bei der Schrift und kann nicht nach Sinn und Interpretation der Worte gefragt werden.
    • Und schließlich kann man durch Aufschreiben der Mühe entgehen, Wissen auswendig zu lernen und bei sich im Gedächtnis zu behalten. Eine schlechtere Gedächtnisfähigkeit könnte die Folge sein.

  • Beschreibe die Beziehung zwischen sprachlicher und außersprachlicher Kommunikation.

    Tipps

    Auf welche Weise können wir noch kommunizieren als nur über Sprache? Welche Funktion hat das Gestikulieren oder die Intonation? Und welche Vorteile hat außersprachliches Kommunizieren?

    Lösung

    Sprache ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel. Über die Jahrtausende haben wir komplexe Regeln der Grammatik, einen reichhaltigen Wortschatz und kleinste Lautunterschiede geschaffen. Damit können wir präzise Aussagen über die Welt treffen und detaillierte Informationen weitergeben.

    Doch die Komplexität der Sprache hat den Nachteil, dass sie aufgrund der vielen Regeln und globalen Unterschiede sehr uneinheitlich und fehleranfällig ist. Viele Aussagen können so oder so verstanden werden und müssen immer interpretiert werden. Die Ironie ist ein bekanntes Beispiel dafür.

    Bei dieser Interpretation von sprachlichen Aussagen können außersprachliche Kommunikationsformen wir Gestik, Mimik oder Intonation behilflich sein. Da diese Zeichensysteme einfacher und einheitlicher sind, sind sie auch eindeutiger und tragen daher maßgeblich dazu bei, dass sich Menschen auch überregional verständigen können.

    Aufgrund der relativen Einfachheit und intuitiven Begreifbarkeit der außersprachlichen Formen sind diese in einigen Feldern der Bedeutungsübertragung der sprachlichen Äußerungsform aber weit voraus: Gefühle, häufig intuitiv, unbewusst, unbeabsichtigt, unkontrolliert und daher nicht vom Denken beeinflusst, können häufig besser über außersprachliche Zeichensysteme wie Lachen, Weinen, Brüllen etc. weitergeleitet werden als über lange Rede und kurzen Sinn.

  • Analysiere das folgende Zitat darauf, was ein Zeichen ist.

    Tipps

    Ein Zeichen besteht aus zwei Seiten: der Bezeichnung und dem Bezeichneten.

    Lösung

    Ferdinand de Saussure war ein sehr einflussreicher und bis heute nur in Details angefochtener Sprachtheoretiker und Linguist. Sein Fachgebiet war die Semiotik, das heißt Zeichenkunde.

    In seinen berühmt gewordenen „Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft“ legte er dar, was man bis dato nicht beachtet hatte. Denn normalsprachlich wird als ein Zeichen das betrachtet, was auf einen Gegenstand, eine Idee, ein Ding, eine Vorstellung, eine Handlung, ein Phänomen hinweist: nämlich ein bestimmtes Lautbild oder Schriftbild, bestehend aus sinnlich wahrnehmbaren Tönen, Frequenzen, Buchstaben, Strichen.

    De Saussure deutete darauf hin, dass im Zeichen eine zweite Seite enthalten ist, ohne die ein Zeichen nicht gedacht werden kann, ohne die ein Zeichen keine Bedeutung hat: Die Vorstellung dessen, was das Lautbild oder Schriftbild bezeichnen.

    Als Beispiel: Das Zeichen für Baum enthält auf der einen Seite die Bezeichnung oder das Bezeichnende, das aus vier Buchstaben und einer Silbe besteht. Diese vier Buchstaben wären allerdings sinnlos, wenn sie nicht einem bestimmten Objekt der Realität (zumindest der Realität in unseren Köpfen) zugeordnet wäre. Deshalb definierte er diese Vorstellung in unserem Kopf als das Bezeichnete.

    Das Bezeichnende/die Bezeichnung und das Bezeichnete ergeben also nur zusammen ein sinnvolles Zeichen.