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Semiotik – Lehre von den Zeichen 09:12 min

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Transkript Semiotik – Lehre von den Zeichen

Hey Leute! Ich bins, Tim. Wir steigen in diesem Video ganz tief in die Welt der Zeichen ein. Denn es geht um Semiotik. Viel Erkenntnis! Wir befinden uns in der Philosophie und Sprachwissenschaft. Die Semiotik ist die Lehre von den Zeichen. Und Zeichen sind überall! Viele Wissenschaftler behaupten, dass fast alles, was wir wahrnehmen, Zeichen sind. Man muss sie nur richtig lesen können. Was ist also ein Zeichen? Und wofür nützt uns das? Die Semiotik untersucht das Wesen, die Semiose (das ist die Entstehung von Zeichen) und den Gebrauch von Zeichen, also wie wir Zeichen anwenden und wo sie zu finden sind. Denn außerhalb von Naturwahrnehmungen, d.h. überall dort, wo wir Kultur sehen, gibt es Zeichen: alle Schriften und Bilder können Zeichen sein, aber auch Gestik, Formeln, Sprachen, Verkehrszeichen, bestimmtes Verhalten von Menschen (das Augenzwinkern z.b.) und vieles mehr.

Vor allem im 19. Jahrhundert beschäftigten sich Theoretiker mit der Lehre vom Zeichen, aber man weiß noch längst nicht alles über sie, und ihre Ursprünge gehen über Platon im antiken Griechenland hinaus. Schon Platon deutete darauf hin, dass Zeichen sinnlich wahrnehmbar seien und etwas repräsentieren, d.h. für etwas anderes stehen. Zeichen haben also eine übertragene Bedeutung. Sie sind nicht das Ding selber, sondern verweisen auf es: Ein Totenschädel verweist auf Tod und daher auf Gefahr, das Wort “Sonne” verweist auf das Objekt, das wir tagsüber bei schönem Wetter am Himmel wahrnehmen, ein Glockengebimmel kann ein Zeichen für Pause, Essen oder Gottesdienst sein.

Charles Sanders Peirce war ein berühmter, amerikanischer Sprachphilosoph. Man sieht ihn als den Begründer der modernen Semiotik, der viele Schriften über das Wesen und die Gemeinsamkeiten von Zeichen verfasste. Er ist so bedeutsam für die Zeichenlehre, weil er das Konzept des Zeichens nicht nur auf Sprache anwandte, sondern viel weiter fasste. Er ging damit über einen anderen wichtigen Semiotiker, Ferdinand de Saussure, hinaus.

Peirce arbeitet, ähnlich wie Saussure, mit einem Dreiecksmodell von Zeichen: Wenn wir z.B. “Baum” sagen oder schreiben, stellt sich in unserem Kopf das Konzept oder Bild eines Baumes ein, mit dem wir alle wirklichen Bäume, z.B. im Wald, im Garten, in den Bergen, beschreiben können. Das Zeichen ist dabei das, was von uns abgelöst ist: Eine Äußerung, ein Laut, ein Bild, kurzum: etwa physisch Messbares, in unserem Fall der Laut oder das Schriftbild für “Baum”.

Peirce teilte in seiner Theorie Zeichen in drei unterschiedliche Kategorien ein: Ikon, Index und Symbol. Sie unterscheiden sich durch ihr Verhältnis zum bezeichneten Gegenstand. Schauen wir uns diese Begriffe Schritt für Schritt an.

Das Ikon ist ein Zeichen mit bildhaftem Charakter. Ikone sind Zeichen, die auf einer Ähnlichkeit zwischen Vorstellung und Objekt beruhen und das Objekt oder Teile davon repräsentieren. So wird es häufig in der Religion verwendet: Vor allem im osteuropäischen und orthodoxen Christentum gibt es häufig gemalte Bilder von Heiligen, die als Ikonen verehrt werden. Dabei ist das Bild selbst das Zeichen, das auf den realen, geschichtlichen Heiligen verweist, der eine bestimmte Bedeutung im Betrachter hervorruft. Außer den christlichen Ikonen gibt es in den visuellen Künsten z.B. noch die Piktogramme, Gemälde oder Diagramme. Im auditiven Bereich gibt es die Onomatopoetika wie “Wauwau” und “Kuckuck”, also Lautnachahmungen, die zu Wörtern wurden und durch die Ähnlichkeit mit den Lauten der jeweiligen Tiere auf die Tiere selbst verweisen. Wenn ich also Wauwau sage, meine ich nicht das Bellen eines Hundes, sondern den Hund selbst. Ein Ikon ist also ein Zeichen mit Ähnlichkeit zum bezeichneten Objekt.

Die zweite Kategorie ist der Index, also ein Anzeichen für ein Objekt. Die Verbindung beruht hier nicht auf Ähnlichkeit, sondern auf Wissenszusammenhängen oder kausalen wenn-dann-Zusammenhängen zwischen dem realen Objekt und dem Zeichen. Ein Beispiel ist der Wetterhahn: Wenn der Wind aus Süden kommt, dreht sich der Hahn in Windrichtung und gibt somit die Richtung an. Der Wetterhahn wird zu einem Zeichen für Wind und Windrichtung. Dabei ist ‘Wissen’ notwendig: Ich muss wissen, dass der Hahn sich bei Wind um seine Achse dreht, damit ich durch ihn auf Wind schließen kann. Ein zweites Beispiel ist das Fieber, das als Anzeichen oder Symptom für eine Krankheit steht. Das Fieber selbst ist nicht die Krankheit. Ein Index ist also ein Zeichen durch eine kausale Verbindung mit dem Objekt.

Die dritte Kategorie ist das Symbol, das, was wir meistens unter Zeichen verstehen. Es umfasst alle Sprachen und Zeichen, die durch Konvention entstanden sind. Das bedeutet, dass ein bestimmter Laut oder ein Bild willkürlich ausgesucht wurde, um auf etwas anderes hinzudeuten. Die Verbindung wurde von den Mitmenschen genauso verwendet und ist dadurch Konvention geworden. Ein Symbol ist immer konventionell, es beruht also weder auf Ähnlichkeit noch auf einem logischen wenn-dann-Zusammenhang. Allerdings muss das Zeichen, wenn es konventionell ist, vom Mitmenschen gelernt werden, um verstanden werden zu können, es erschließt sich nicht von selbst. Beispiele dafür sind die Verkehrszeichen, die man für die Führerscheinprüfung lernt, oder fremde Sprachen wie Englisch und Spanisch. Die Wissenschaft, die sich mit sprachlichen Zeichensystemen beschäftigt, ist der Strukturalismus.

Wenn man die Zeichenwelt nun analysiert, kann man das wieder unter drei Gesichtpunkten machen, nach denen die linguistische Sprachwissenschaft aufgebaut ist: Die Syntaktik beschäftigt sich mit der Beziehung der Zeichen untereinander, wenn sie also in einem Satz verknüpft und nebeneinander gestellt sind. Die Semantik beleuchtet die Beziehung zwischen Bezeichnetem und Zeichen, also das, was man allgemein als Bedeutung eines Zeichens betrachtet. Die Semantik arbeitet also viel mit Definitionen. Und letztlich kann man sich mit der Pragmatik beschäftigen: Sie untersucht die Beziehung zwischen Bezeichnetem, Zeichen und Benutzer. Sie ist wichtig, weil wir nicht immer nur das meinen, was wir auch sagen: Unser Sprechen ist immer kontextabhängig. Wenn ich z.B. an einem überfahrenen Tier vorbeifahre und sage “Ich liebe Tiere”, würde das eine ganz andere Bedeutung bekommen. Ironie und Satire sind häufig untersuchte Gebiete der Pragmatik.

Fassen wir kurz das Wichtigste zusammen: - Die Semiotik ist die Lehre von den Zeichen - Begründer der modernen Semiotik war Peirce - Peirce unterschied drei Arten von Zeichen: 1. das Ikon, das auf Ähnlichkeit beruht 2. der Index, der auf kausal-logischer Verbindung beruht und 3. das Symbol, das auf Konvention beruht - die Analyse von Semiotik, also die Linguistik, wird gegliedert in die Syntaktik, also den Satzbau, die Semantik, also die Bedeutung, und die Pragmatik, das ist der Kontext der Zeichen. Philosophie ist eine langwierige Sache. Doch wer mehr mitnimmt, der mehr gewinnt. Deshalb: Bis zum nächsten Mal! C ya!