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Was ist Kommunikation? 08:54 min

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Transkript Was ist Kommunikation?

Hi, ich bin’s, Tim. Wir untersuchen in diesem Video den Begriff “Kommunikation”. Wie ihr bestimmt wisst, umfasst er nicht nur Sprache, sondern auch alle anderen Arten der Übermittlung einer Botschaft zwischen uns, also z.B. auch Gestik und Intonation. Ich gehe hier auf die Definition von Kommunikation, verschiedene Erklärungsansätze und Aspekte von Kommunikation und zum Schluss auf ein Modell der Kommunikation ein. Los geht’s! Kommunikation ist der Prozess, in dem man Nachrichten in Form von Zeichen überträgt. Daran sind sowohl ein Sender als auch ein Empfänger beteiligt. Jede Kommunikation baut auf einem bestimmten Code auf, der im besten Fall beiden Seiten bekannt ist und entschlüsselt werden kann. Wenn ich also eine bestimmte Gestik oder Mimik mache, um euch etwas mitzuteilen, gehe ich davon aus, dass ihr diese Zeichen interpretieren könnt. Allerdings ist die Art der Informationsübertragung vielfältig: Neben Körpersprache umschließt sie z.B. die verbale Sprache, die unsere wichtigste Kommunikationsart darstellt, aber auch Künste wie die Musik, die Malerei, Tanz und alles, was als eine Äußerung an eurem Verhalten beobachtet werden kann. Doch was zeichnet Kommunikation noch aus?

Ich stelle euch jetzt einige zusätzliche Erklärungsansätze für Kommunikation vor. Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick legte großen Wert auf die Erkenntnis, dass man nicht nicht kommunizieren kann. Denn auch wer in bestimmten Umständen schweigt, wie in der Schule bei einer Abfrage, verrät etwas über sich. Die Gründe für das Schweigen unterliegen natürlich einer unsichereren Interpretation für den Anderen: Der Schüler könnte Angst haben, stumm sein, nicht gelernt haben, es könnte ihn aber auch etwas gänzlich anderes bewegen. Dadurch, dass sich Lehrer und Schüler in den meisten Fällen jedoch kennen, kann der Lehrer seinen Schüler mehr oder minder einschätzen. Jede Kommunikation enthält außer dem Inhaltsaspekt also auch einen Beziehungsaspekt.

In der Wissenschaft unterscheidet man die analoge von der digitalen Kommunikation. Die analoge ist dabei die ältere. Sie beinhaltet z.B. Mimik, Gestik und Ton einer Äußerung. Da sie weniger komplex und bis zu einem gewissen Grad allen Völkern der Erde gleich ist, geht man davon aus, dass viele dieser Zeichensysteme angeboren sind. Dabei bezieht sich die analoge Kommunikation aufgrund ihrer Einfachheit eher auf emotionale Aspekte, die die Beziehungen zwischen Personen betreffen, wie z.B. Lachen und Weinen.

Die digitale Kommunikation ist jüngeren Ursprungs. Sie kann durch die Komplexität ihrer Regeln und den höheren Grad der Abstraktion stärker auf Inhalte eingehen. Dazu gehören z.B. verbale und logische Kommunikation, also natürliche und künstliche Sprachen. Da diese Sprachen komplexer sind, sind sie auch fehleranfälliger, da teilweise die Regeln nicht bekannt sind oder falsch angewandt werden. Da außerdem stärker zwischen der Ebene des Inhalts und der persönlichen Beziehung getrennt werden kann, produziert diese Kommunikationsart häufiger Missverständnisse. Ein bekanntes Phänomen, bei der diese Trennung absichtlich eingesetzt wird, ist die Ironie.

Kommunikation kann man auch auf die soziale Stellung der Teilnehmer untersuchen. Dabei unterscheidet man zwischen symmetrischer und komplementärer Interaktion. Symmetrisch ist eine Kommunikation, wenn Sprecher und Empfänger, z.B. zwei Schüler desselben Jahrgangs, auf einer gleichen Machtstufe stehen. Der eine könnte dem anderen nicht ohne weiteres einen Befehl geben. Komplementär ist hingegen eine Kommunikation, in der eine superiore, also übergeordnete, Person dazu befähigt ist, der inferioren, untergeordneten Person eine Anweisung zu geben und deren Ausführung zu erwarten. Das ist z.B. zwischen Lehrer und Schüler der Fall.

Wenn sich die beiden Teilnehmer nicht verstehen, hilft oft nur, dass sie sich über die Kommunikation selbst unterhalten. Das nennt man “Metakommunikation”, die z.B. immer vorkommt, wenn wir fragen: “Wie meinst du das?” “Was heißt das und das?” “Meinst du das ernst?”

Wenn ich euch etwas sage, könnt ihr diese Nachricht auf unterschiedliche Weisen verstehen. Wir gehen darum davon aus, dass eine Nachricht aus mehreren, nämlich vier Botschaften bestehen kann. Denn jede Nachricht können wir 1. daraufhin untersuchen, worüber ich informiere, was sich also auf den Sachinhalt der Botschaft bezieht; 2. das, was ich von mir selbst kundtue, wie ich mich selbst darstelle. Das nennen wir die Selbstoffenbarung. 3. gibt die Nachricht eine Botschaft über die Beziehung mit, wie wir also zueinander stehen und welche Meinung ich von dir habe. Und 4. beinhaltet die Nachricht einen Appell, mit dem ich dich zu einer bestimmten Handlung veranlassen will.

Sehen wir uns ein Beispiel an. Giuseppe sitzt am Steuer eines Autos, seine Frau Anabella daneben. Sie meint zu ihm: “Du, da vorne ist grün.” Giuseppe antwortet: “Fahre ich oder fährst du?” Damit fasste er die Nachricht seiner Frau auf der Beziehungsebene auf, denn er fühlt sich durch die Äußerung bevormundet. Hätte er sachlich - also auf der Sachebene - geantwortet, hätten wir ihn sagen hören können: “Das habe ich gerade gesehen, danke.” Wäre er ein sensibler Psychologe, der sich vor allem auf die Selbstoffenbarung von Anabella bezieht, hätte er nach ihrer Motivation der Äußerung fragen können: “Warum hast du es denn so eilig, wir haben doch Zeit?” Und letztendlich hätte Giuseppe die Äußerung als Appell zum Schnellerfahren auffassen können und dann z.B. geantwortet: “Ich will nicht geblitzt werden.”

Fassen wir also nochmal zusammen: 1. Bei einer Kommunikation überträgt ein Sender eine zeichenhafte Nachricht an einen Empfänger. Diese Nachrichten können sowohl sprachlicher als auch außersprachlicher Art sein. 2. Erklärungsansätze: Wir können nicht nicht kommunizieren, verraten uns also auch durch Schweigen und Nicht-Agieren. dabei unterscheiden wir a.) zwischen analoger Kommunikation, wie Gestik und Mimik, und digitaler Kommunikation wie verbalen und logischen Sprachen. b.) können wir entweder eine symmetrische oder eine komplementäre Nachricht verschicken, was von unserer jeweiligen sozialen Stellung zueinander abhängt. und c.) müssen wir uns manchmal durch Metakommunikation über die Nachricht selbst unterhalten, wenn wir Missverständnisse aufklären wollen. 3. kann eine Nachricht nicht nur aus einer, sondern aus bis zu vier verschiedenen Botschaften bestehen: Dem Sachinhalt, der Selbstoffenbarung, der Beziehung und dem Appell.

Spielt dieses Modell doch mal mit eigenen Äußerungen durch, meist ist es nicht zu schwer, die vier Botschaften herauszulesen. Ich sag tschüss, pfiadi und ciao!