30 Tage kostenlos testen: Mehr Spaß am Lernen.
30 Tage kostenlos testen

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte.

30 Tage kostenlos testen

Saussures Zeichenmodell 07:18 min

Textversion des Videos

Transkript Saussures Zeichenmodell

Hey Leute! Ich bins, Tim. In diesem Video geht es um den Zeichencharakter der Sprache und Saussures Zeichenmodell.

Was ist mit dem Zeichencharakter der Sprache gemeint? Wir sind umgeben von verschiedenen Welten von Zeichen, z.B. der Verkehrszeichenwelt, der Mathematikzeichenwelt, der Kunstzeichenwelt und so weiter. Wir werden sehen, dass auch unsere alltägliche Sprache ein System aus Zeichen ist, und uns fragen: Aus was besteht überhaupt ein Zeichen? Wie sind Zeichen entstanden und was macht ein Zeichen aus?

Ein Zeichen ist nach der Definition des Dudens “etwas Sichtbares, Hörbares (besonders eine Geste, Gebärde, ein Laut o. Ä.), das als Hinweis dient, etwas deutlich macht, mit dem jemand auf etwas aufmerksam gemacht [oder] zu etwas veranlasst wird”

So warnen wir beispielsweise mit Ausrufen vor Gefahren, mit dem Finger zeigen wir auf andere Leute, wir weisen mit Schildern, Gesten oder besonderem Verhalten auf etwas anderes hin. Das sind alles Zeichen.

Diese Zeichen sind in einem System verknüpft, das heißt, sie sind geordnet durch Regeln - in unserem Sprachsystem ist das die Grammatik. Außerdem sind sie untereinander verbunden (z.B. durch Definitionen wie die vorige aus dem Duden, in der ein Wort durch andere Wörter ersetzt wurde). So hat jedes Wort seine Bedeutung im System.

Für das System der Sprache interessierte sich Ferdinand de Saussure, ein Schweizer Sprachwissenschaftler, der als Begründer des Strukturalismus gilt.

Saussure meinte: Wenn Sprachsysteme immer aus Zeichen bestehen, woraus bestehen denn dann die Zeichen? Und er fand heraus, dass ein Zeichen immer aus zwei Seiten besteht: Nämlich dem Lautbild auf der Ausdrucksseite und der Vorstellung auf der Inhaltsseite. Das Lautbild ist sozusagen der Ton, den du hörst, oder auch das Schriftzeichen, das du siehst, und das dazu führt, dass ein bestimmtes Bild in deinem Kopf hervorgerufen wird, das sich auf die Realität bezieht. Die Vorstellung meint also ein Konzept von einem Gegenstand oder Sachverhalt, das in deinem Kopf existiert. Wenn du “Baum” sagst oder schreibst, gehört dazu ein passendes Bild eines Baumes in deinem Kopf. Leider werden für diese zwei Seiten auch andere Begriffe verwendet: Für die Inhaltsseite auch “Signifikat” (d.h. “das Bezeichnete”), und für die Ausdrucksebene “Signifikant” (d.h. “das Bezeichnende”). Diese beiden Seiten können nicht unabhängig voneinander existieren, sie sind untrennbar miteinander verbunden. Die Verbindung von Lautbild mit einer Vorstellung wird durch Assoziation, also durch Wiederholung, erlernt.

Es gibt zwei besondere Merkmale dieser Verbindung: Erstens nämlich die Arbitrarität des Lautbildes. Arbitrarität heißt zu gut Deutsch “Willkürlichkeit”. es gibt also keine besondere Regel, nach der man das Lautbild auswählt. Zwischen der Inhalts- und Ausdrucksebene eines Zeichens gibt es also meist keinen Zusammenhang; die Zuordnung ist willkürlich. Man könnte meinen, alle Wörter sind durch eine Ähnlichkeit mit dem bezeichneten Objekt entstanden, wie es bei den Lautmalereien (den sogenannten “Onomatopoesien”) der Fall ist. Zum Beispiel heißt der Kuckuck “Kuckuck”, weil man sein typisches Geräusch nachgeahmt hat, das so zu seinem Namen geworden ist. Man könnte noch weitergehen: Warum heißt die Kuh “Kuh”? Warum bezeichnet man das “Quaken” des Frosches so? Andererseits kann man heute keine Ähnlichkeit zwischen dem Wort “Hund” und irgendeiner hündischen Äußerung mehr feststellen.

Das zweite Merkmal von Zeichen ist die Konventionalität oder Übereinkunft. Das heißt, dass die Lautbilder zwar willkürlich oder arbiträr ausgesucht sind, sich aber dann im Laufe der Zeit, durch den Sprachgebrauch einer Gruppe, festgesetzt haben und nur schwer wieder verändert werden können. Die Gruppe hat sich - eher unbewusst als bewusst - auf die besondere Verbindung zwischen Lautbild und Konzept geeinigt.

Wir könnten zum Beispiel folgendes Experiment machen: Ich habe gerade ein Gerät erfunden, mit dem man nicht nur telefonieren und im Internet surfen kann, sondern das auch eine Mikrowelle enthält und bei Bedarf Pflanzen sähen kann. Da es dieses Gerät noch nicht gibt und ich der stolze Erfinder bin, gebe ich dem Gerät willkürlich den Namen “Hoasledriner”. Nach kurzer Zeit wird mein Hoasledriner ein Kassenschlager, das Gerät ist in allen Händen und der Name in aller Munde. Wenn man jetzt vom Hoasledriner spricht, denkt man automatisch an mein Gerät; der Name ist konventionell geworden.

Mit Saussures Theorie kann man aber noch andere Sachen erklären:

zum Beispiel, warum ich kein Chinesisch verstehe (die Chinesen haben sich auf andere Lautbilder und Schriftzeichen geeinigt), oder warum ich ein bisschen Schwedisch verstehe, obwohl ich es nie gelernt habe (Deutsch und Schwedisch sind nämlich verwandte Sprachen. Wir haben gemeinsame Vorfahren, die sich auf eine Sprache verständigten; nach einiger Zeit sind die Deutschen und die Schweden aber in verschiedene Richtungen gewandert und haben dabei die Lautbilder ihrer Sprachen langsam abgeändert). Oder es wird auf einmal klar, warum man im Bayrischen “Madl” und “Bua” sagt und im Hochdeutschen “Mädchen” und “Junge”.

Aber noch etwas anderes hat weitreichende Konsequenzen: Nicht nur das Lautbild ist bei verschiedenen Erdbewohnern anders, auch das Bild in deinem Kopf unterscheidet sich manchmal sehr von dem der anderen: Ein Insulaner der Karibik wird mit dem Wort “Baum” wohl eher eine Palme in Verbindung bringen, während in Deutschland Aufgewachsene eher an eine Tanne oder eine Buche denken würden. Mit einer fremden Sprache muss man also auch immer ein Stück weit mitlernen, wie der Andere denkt und wie er die Welt sieht.

Kurz zusammengefasst kann man sagen, dass Saussure der Begründer des Strukturalismus war. Das ist eine Lehre, die Sprache als ein Zeichensystem auffasst. Das Zeichen hat dabei zwei Seiten, das Lautbild und die Vorstellung, oder auch das Bezeichnende und das Bezeichnete. Die Verbindung dieser beiden Teile ist einerseits arbiträr, das Lautbild also willkürlich gewählt, und andererseits konventionell, also regional-geschichtlich an eine Sprachgemeinschaft gebunden. Das wars soweit von mir. Bis bald, machs gut und habe die Ehre!

2 Kommentare
  1. 44270d236cddddee69da083174ccbd81

    Gut erklärt, nun blicke ich endlich durch!

    Von Kim H., vor mehr als einem Jahr
  2. Default

    Wirklich sehr gut für den Unterricht! Äußerst anschaulich!

    Von J.L., vor mehr als einem Jahr