30 Tage testen: Mehr Spaß am Lernen.
30 Tage risikofrei testen

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte.

30 Tage risikofrei testen

Sprachgeschichte und Sprachwandel – Überblick 09:02 min

Unsere
Auszeichnungen:

89

89 % verbessern die Noten

98 % zufriedene Kunden

Textversion des Videos

Transkript Sprachgeschichte und Sprachwandel – Überblick

Hi, ich bin’s, Tim. Hast du dich schon mal gefragt, warum sich Englisch und Deutsch so ähnlich sind? Und hast du gewusst, dass das Niederländische als eine Brücke zwischen beiden gesehen werden kann? Und hast du dir dann schon mal vorgestellt, wie es wäre, im mittelalterlichen Deutschland zu sein, als sich Niederländisch und Deutsch noch viel ähnlicher waren? Wir würden wahrscheinlich kein Wort verstehen. Warum nicht? Wegen dem Sprachwandel. Stop! “Wegen dem Sprachwandel” ist doch falsches Deutsch? Es müsste “Wegen des Sprachwandels” heißen! Viele Sprecher gebrauchen heutzutage den Genitiv nur noch selten und bevorzugen den einfacheren Dativ. Sprache wandelt sich also. Was das für uns heißt, das beleuchten wir in diesem Video. Was ist Sprachwandel? Durch die Zeit ändert und entwickelt sich die Sprache, die wir benutzen, und je weiter wir zurückblicken, desto weniger Ähnlichkeit werden wir feststellen können. Denn Sprache ist kein ewig feststehendes System. Was früher falsch war, kann heute unter Umständen richtig sein. Unter unseren Umständen wohlgemerkt, denn Sprache passt sich immer den Umständen und Erfordernissen der Zeit an. Dass sich Sprache gewandelt hat, sagen wir allerdings erst dann, wenn die Neuerung sich über längere Zeit in der Sprachgemeinschaft bewiesen hat.

Wir können also zwei Ursachen für Sprachwandel ausmachen: 1. Sprache mischt sich mit anderen Sprachen. Es gibt schlichtweg keine reine und autonome Sprache, denn Sprachen vermischen sich genauso wie Menschen es tun. Sie stammen zusammen mit verwandten Sprachen aus Sprachfamilien ab, die sich entwickelt, gewandelt und verändert haben. In diesem Verlauf ändern sich die Laute, die Bedeutungen, die Satzstellung und der Sprachstil. 2. Sprache passt sich immer ihrem Zweck an. Sie reagiert auf veränderte Lebensbedingungen und Interessen, indem sie bzw. ihre Sprecher Sätze anders bauen und neue Wörter hinzufügen, wie das zurzeit mit der Aufnahme von Anglizismen geschieht.

Den sprachlichen Wandel des Deutschen können wir dabei in bestimmte Zeitperioden einteilen. Diese Perioden beziehen sich dabei vor allem auf einen Wandel der Aussprache, also auf lautliche Kriterien. Das Deutsche hat hier zwei größere Lautverschiebungen durchgemacht, die es von der vorhergehenden Aussprache trennt: 1. die Erste Lautverschiebung, auch germanische Lautverschiebung genannt . Sie trennte im ersten Jahrtausend vor Christus das Germanische vom Indoeuropäischen, indem sich die Aussprache von bestimmten Konsonanten veränderte. Damals hatte unser Sprachvorgänger etliche verwandte Charakteristika mit der Sprache, die sich bis in den Iran und Indien ausbreitete und nach und nach in Einzelsprachen auftrennte. Zu dieser Gruppe gehörten unter anderem alle nordeuropäischen Sprachen.

Für uns besser zurückzuverfolgen ist jedoch die Zweite Lautverschiebung im 4. bis 6. Jahrhundert nach Christus, die auch althochdeutsche Lautverschiebung genannt wird. Aus dem Germanischen entsteht das Althochdeutsche und auch hier verändert sich die Aussprache von bestimmten Konsonanten. Diese Verschiebung trennte z.B. das Englische vom Deutschen. P wurde zu pf, wie pipe zu Pfeife; t zu z oder s, wie ten zu Zehn wurde; k wurde zu ch, wie break zu brechen wurde; und d wurde zu t, wie day zu Tag wurde. Diese Lautverschiebung erreichte allerdings nicht das gesamte Gebiet, das heute Deutschland ist. Sie gelang in etwa bis zu einer Linie, die von Kassel nach Berlin reichte. Alles nördlich davon behielt tendenziell die alte Lautsprache bei, die südlichen Regionen machten die Lautverschiebung mit. Dieser Sprachwandel begünstigte auch das Entstehen von verschiedenen Dialekten wie man sie heute noch in allen Landstrichen Deutschlands findet. Mit dieser Trennlinie grenzte sich das Hochdeutsche vom Niederdeutschen ab, das heute seinen modernen Nachfolger im Niederländischen hat. Im Gegensatz dazu bildete sich das Hochdeutsch so lange heraus, bis es sich im 16. Jahrhundert als Einheitssprache durchsetzte.

Von der Zweiten Lautverschiebung des Hochdeutschen aus können wir die Entwicklung des Deutschen in vier Stufen unterteilen: Althochdeutsch, das im Reich Karls des Großen gesprochen wurde, hatte als Konkurrenten noch das Latein, das vor allem als Schrift- und Gelehrtensprache eingesetzt wurde. Mittelhochdeutsch, von ca. 1050 bis 1350, fand erstmals einen Zugang in die Literatur, wo es vor allem im Minnesang Einsatz fand und sich eine gewisse Hofkultur um diese Lyrik bildete. Frühneuhochdeutsch schloss daran bis ca. 1650 an. In dieser Zeit bildeten sich starke Städte in den deutschen Landen heraus, die, durch Luthers Bibelübersetzung in das Frühneuhochdeutsche, eine wichtige Rolle im Dreißigjährigen Krieg spielten. Die letzte Epoche, das Neuhochdeutsche, das wir immer noch sprechen, zeichnet sich durch eine starke Normierung und Vereinheitlichung aus. Buchdruck und Goethe formten unsere Sprache und setzten den Rahmen für das heutige Denglisch. Denn zu den Erbwörtern, die wir als Erbe des Germanischen beibehalten haben, kamen während der deutschen Sprachgeschichte etliche andere Lehn- und Fremdwörter hinzu. Lehnwörter haben sich dabei in Schreibung und Aussprache an das Deutsche angepasst, wie das Französische danser zu tanzen wurde. Fremdwörter hingegen behalten ihre fremde Form eher bei, wie der Flirt oder der Salon.

Allerdings wandelt sich Sprache nicht nur auf der lautlichen Ebene. Auch auf der Bedeutungsebene finden Veränderungen statt, wobei wir vier Kategorien unterscheiden können: Bedeutungserweiterung, -verengung, sowie Bedeutungsverschlechterung und -verbesserung. Der Begriff “Dirne” beispielsweise war früher lediglich eine Bezeichnung für ein junges Mädchen. Durch die Zeit wurde daraus aber ein Synonym für eine Prostituierte. Im Norden Deutschlands findet man jedoch immer noch die ältere Bedeutung vor: Eine junge Deern ist dort absolut nichts Schlechtes.

Fassen wir also alles nochmal kurz und knapp zusammen: 1. Sprache wandelt sich, es ist kein festes System. Denn es entsteht einerseits aus anderen Sprachen, es gibt also keine reinen Sprachen, und andererseits passt sie sich immer ihrem Zweck an. 2. gab es zwei große Lautverschiebungen in der deutschen Geschichte, die germanische und die althochdeutsche. 3. gab es danach vier Epochen der deutschen Sprachentwicklung, nämlich a) die althochdeutsche, b) die mittelhochdeutsche c) die frühneuhochdeutsche und d) die heutige neuhochdeutsche Sprache. Außerdem können wir 4. eine Vermischung unseres Erbwortschatzes mit Fremd- und Lehnwörtern beobachten sowie 5. Veränderungen auf der Bedeutungsebene der Wörter nachvollziehen. Sehr gut! Über 3000 Jahre deutsche Sprachgeschichte. Ich sag Ciao!

2 Kommentare
  1. Default

    wirklich gut und prägnant gestalteter Überblick

    Von Andreas Kieber, vor mehr als einem Jahr
  2. Default

    Sehr gutes Video! Es hat mir sehr weitergeholfen, danke dafür.

    Von Ostermany, vor fast 2 Jahren