30 Tage kostenlos testen:
Mehr Spaß am Lernen.

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte.

Jetzt Teil der Test-Community werden und tolle Dankeschöns kassieren!

Sprachgeschichte und Sprachwandel – Überblick 09:02 min

Textversion des Videos

Transkript Sprachgeschichte und Sprachwandel – Überblick

Hi, ich bin’s, Tim. Hast du dich schon mal gefragt, warum sich Englisch und Deutsch so ähnlich sind? Und hast du gewusst, dass das Niederländische als eine Brücke zwischen beiden gesehen werden kann? Und hast du dir dann schon mal vorgestellt, wie es wäre, im mittelalterlichen Deutschland zu sein, als sich Niederländisch und Deutsch noch viel ähnlicher waren? Wir würden wahrscheinlich kein Wort verstehen. Warum nicht? Wegen dem Sprachwandel. Stop! “Wegen dem Sprachwandel” ist doch falsches Deutsch? Es müsste “Wegen des Sprachwandels” heißen! Viele Sprecher gebrauchen heutzutage den Genitiv nur noch selten und bevorzugen den einfacheren Dativ. Sprache wandelt sich also. Was das für uns heißt, das beleuchten wir in diesem Video. Was ist Sprachwandel? Durch die Zeit ändert und entwickelt sich die Sprache, die wir benutzen, und je weiter wir zurückblicken, desto weniger Ähnlichkeit werden wir feststellen können. Denn Sprache ist kein ewig feststehendes System. Was früher falsch war, kann heute unter Umständen richtig sein. Unter unseren Umständen wohlgemerkt, denn Sprache passt sich immer den Umständen und Erfordernissen der Zeit an. Dass sich Sprache gewandelt hat, sagen wir allerdings erst dann, wenn die Neuerung sich über längere Zeit in der Sprachgemeinschaft bewiesen hat.

Wir können also zwei Ursachen für Sprachwandel ausmachen: 1. Sprache mischt sich mit anderen Sprachen. Es gibt schlichtweg keine reine und autonome Sprache, denn Sprachen vermischen sich genauso wie Menschen es tun. Sie stammen zusammen mit verwandten Sprachen aus Sprachfamilien ab, die sich entwickelt, gewandelt und verändert haben. In diesem Verlauf ändern sich die Laute, die Bedeutungen, die Satzstellung und der Sprachstil. 2. Sprache passt sich immer ihrem Zweck an. Sie reagiert auf veränderte Lebensbedingungen und Interessen, indem sie bzw. ihre Sprecher Sätze anders bauen und neue Wörter hinzufügen, wie das zurzeit mit der Aufnahme von Anglizismen geschieht.

Den sprachlichen Wandel des Deutschen können wir dabei in bestimmte Zeitperioden einteilen. Diese Perioden beziehen sich dabei vor allem auf einen Wandel der Aussprache, also auf lautliche Kriterien. Das Deutsche hat hier zwei größere Lautverschiebungen durchgemacht, die es von der vorhergehenden Aussprache trennt: 1. die Erste Lautverschiebung, auch germanische Lautverschiebung genannt . Sie trennte im ersten Jahrtausend vor Christus das Germanische vom Indoeuropäischen, indem sich die Aussprache von bestimmten Konsonanten veränderte. Damals hatte unser Sprachvorgänger etliche verwandte Charakteristika mit der Sprache, die sich bis in den Iran und Indien ausbreitete und nach und nach in Einzelsprachen auftrennte. Zu dieser Gruppe gehörten unter anderem alle nordeuropäischen Sprachen.

Für uns besser zurückzuverfolgen ist jedoch die Zweite Lautverschiebung im 4. bis 6. Jahrhundert nach Christus, die auch althochdeutsche Lautverschiebung genannt wird. Aus dem Germanischen entsteht das Althochdeutsche und auch hier verändert sich die Aussprache von bestimmten Konsonanten. Diese Verschiebung trennte z.B. das Englische vom Deutschen. P wurde zu pf, wie pipe zu Pfeife; t zu z oder s, wie ten zu Zehn wurde; k wurde zu ch, wie break zu brechen wurde; und d wurde zu t, wie day zu Tag wurde. Diese Lautverschiebung erreichte allerdings nicht das gesamte Gebiet, das heute Deutschland ist. Sie gelang in etwa bis zu einer Linie, die von Kassel nach Berlin reichte. Alles nördlich davon behielt tendenziell die alte Lautsprache bei, die südlichen Regionen machten die Lautverschiebung mit. Dieser Sprachwandel begünstigte auch das Entstehen von verschiedenen Dialekten wie man sie heute noch in allen Landstrichen Deutschlands findet. Mit dieser Trennlinie grenzte sich das Hochdeutsche vom Niederdeutschen ab, das heute seinen modernen Nachfolger im Niederländischen hat. Im Gegensatz dazu bildete sich das Hochdeutsch so lange heraus, bis es sich im 16. Jahrhundert als Einheitssprache durchsetzte.

Von der Zweiten Lautverschiebung des Hochdeutschen aus können wir die Entwicklung des Deutschen in vier Stufen unterteilen: Althochdeutsch, das im Reich Karls des Großen gesprochen wurde, hatte als Konkurrenten noch das Latein, das vor allem als Schrift- und Gelehrtensprache eingesetzt wurde. Mittelhochdeutsch, von ca. 1050 bis 1350, fand erstmals einen Zugang in die Literatur, wo es vor allem im Minnesang Einsatz fand und sich eine gewisse Hofkultur um diese Lyrik bildete. Frühneuhochdeutsch schloss daran bis ca. 1650 an. In dieser Zeit bildeten sich starke Städte in den deutschen Landen heraus, die, durch Luthers Bibelübersetzung in das Frühneuhochdeutsche, eine wichtige Rolle im Dreißigjährigen Krieg spielten. Die letzte Epoche, das Neuhochdeutsche, das wir immer noch sprechen, zeichnet sich durch eine starke Normierung und Vereinheitlichung aus. Buchdruck und Goethe formten unsere Sprache und setzten den Rahmen für das heutige Denglisch. Denn zu den Erbwörtern, die wir als Erbe des Germanischen beibehalten haben, kamen während der deutschen Sprachgeschichte etliche andere Lehn- und Fremdwörter hinzu. Lehnwörter haben sich dabei in Schreibung und Aussprache an das Deutsche angepasst, wie das Französische danser zu tanzen wurde. Fremdwörter hingegen behalten ihre fremde Form eher bei, wie der Flirt oder der Salon.

Allerdings wandelt sich Sprache nicht nur auf der lautlichen Ebene. Auch auf der Bedeutungsebene finden Veränderungen statt, wobei wir vier Kategorien unterscheiden können: Bedeutungserweiterung, -verengung, sowie Bedeutungsverschlechterung und -verbesserung. Der Begriff “Dirne” beispielsweise war früher lediglich eine Bezeichnung für ein junges Mädchen. Durch die Zeit wurde daraus aber ein Synonym für eine Prostituierte. Im Norden Deutschlands findet man jedoch immer noch die ältere Bedeutung vor: Eine junge Deern ist dort absolut nichts Schlechtes.

Fassen wir also alles nochmal kurz und knapp zusammen: 1. Sprache wandelt sich, es ist kein festes System. Denn es entsteht einerseits aus anderen Sprachen, es gibt also keine reinen Sprachen, und andererseits passt sie sich immer ihrem Zweck an. 2. gab es zwei große Lautverschiebungen in der deutschen Geschichte, die germanische und die althochdeutsche. 3. gab es danach vier Epochen der deutschen Sprachentwicklung, nämlich a) die althochdeutsche, b) die mittelhochdeutsche c) die frühneuhochdeutsche und d) die heutige neuhochdeutsche Sprache. Außerdem können wir 4. eine Vermischung unseres Erbwortschatzes mit Fremd- und Lehnwörtern beobachten sowie 5. Veränderungen auf der Bedeutungsebene der Wörter nachvollziehen. Sehr gut! Über 3000 Jahre deutsche Sprachgeschichte. Ich sag Ciao!

2 Kommentare
  1. wirklich gut und prägnant gestalteter Überblick

    Von Andreas Kieber, vor fast 3 Jahren
  2. Sehr gutes Video! Es hat mir sehr weitergeholfen, danke dafür.

    Von Ostermany, vor mehr als 3 Jahren

Sprachgeschichte und Sprachwandel – Überblick Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Sprachgeschichte und Sprachwandel – Überblick kannst du es wiederholen und üben.

  • Gib Gründe für den Wandel von Sprache an.

    Tipps

    Warum ändern sich Sprachen? Welchen Einflüssen sind sie ausgesetzt? Und wofür dienen sie?

    Lösung

    Sprache wandelt sich. Die Menschen im Mittelalter würden uns heutige, moderne Menschen kaum verstehen. Das liegt nicht nur an neu hinzugekommenen oder vergessenen Vokabeln, sondern auch an Veränderungen in der Lautsprache. Sprachen können sich dabei kurzfristig oder eher langfristig ändern.

    • Langfristig ändern sich Sprachen, wenn sie Kontakt mit oder Isolation von anderen Sprachen ausgesetzt sind. Dadurch können sich Sprachen beispielsweise auseinander entwickeln und so Sprachfamilien bilden, wie z.B. das Indogermanische. Über lange Zeit verändern sich Vokabular, Bedeutungen, Satzstellung und Sprachstil.
    • Kurzfristig verändern sich Sprachen, wenn sie auf veränderte Erfordernisse des Alltags reagieren müssen. Sprache ist ein Instrument, das sich immer an seinem Zweck ausrichtet. Durch neue Kommunikationsformen wie z.B. SMS oder Chat muss der Text kürzer werden. Dadurch entstehen z.B. Abkürzungen. Durch technischen Fortschritt kommen aber auch neue Erfindungen in unser Leben, die andere Bezeichnungen tragen, häufig aus den Ländern, in denen sie erfunden wurden (s. Anglizismen).
  • Beschreibe die zwei Lautverschiebungen.

    Tipps

    Von welchen Sprachen grenzte sich die neu entstandene Sprache ab? Mit welchen Sprachen ist das Deutsche daher nahe oder fern verwandt?

    Lösung

    Zwei größere Umbrüche auf dem Weg zu unserem heutigen Deutsch konnten Forscher beobachten: Zwei Mal verschoben sich bestimmte Laute. Das passierte zum Teil durch Isolation, zum Teil durch Völkerwanderung und Vermischung.

    • Die Erste Lautverschiebung trennte im ersten Jahrtausend vor Christus das Germanische von der Familie des Indoeuropäischen, das die Sprachen Europas mit denen des Irans und einigen indischen Sprachen verband. Einige Konsonanten wurden anders ausgesprochen und die nordeuropäisch-germanischen Sprachen bildeten sich heraus.
    • Die Zweite Lautverschiebung ist für uns besser nachzuvollziehen. Entlang einer Linie, die auf der Höhe von Kassel nach Berlin verlief, trennte sich das Germanische im 4. bis 6. Jahrhundert nach Christus durch eine weitere konsonantische Lautverschiebung in das Niederdeutsche und das Hochdeutsche auf. Niederdeutsch entwickelte sich weiter zu Niederländisch und Englisch, das Hochdeutsch erreichte tausend Jahre später, im 16. Jahrhundert, seine Vereinheitlichung.
  • Stelle Fremdwörter und Lehnwörter gegenüber.

    Tipps

    Überlege, wie vertraut dir das Wort klingt. Hältst du es intuitiv für ein Fremdwort oder ein Lehnwort? Hat man es grammatikalisch angepasst oder lautlich sehr verändert? Dann ist es kein Fremdwort mehr, sondern ein Lehnwort.

    Lösung

    Der Wortschatz der Sprachen ist im ständigen Wandel begriffen, denn durch den Kontakt mit anderen Spracheb nimmt man Neuerungen und Beschreibungen fremder Phänomene und Ideen in seine eigene Sprache auf.

    Die deutsche Sprache hat dabei eine Art Erbwortschatz, der sich aus Wörtern des Germanischen zusammensetzt. Dazu kommen Lehnwörter und Fremdwörter.

    • Lehnwörter sind Wörter, die aus anderen Sprachen übernommen und an die deutsche Aussprache oder Grammatik angeglichen wurde. Man erkennt sie häufig nicht mehr als Fremdwörter, wie das bei mies oder abzocken ist (ursprünglich Jiddisch), Kartoffel (ursprünglich vom italienischen tartuffo) oder Dolmetscher (ursprünglich aus dem Türkischen). Auch chatten (grammatikalisch angepasste Form von engl. to chat), Pistole, Fabrik* und imaginär stammen nicht aus dem Germanischen.
    • Fremdwörter hingegen wurden in Aussprache, grammatikalischer Form und häufig auch in Schreibweise beibehalten. Sie sind meist neueren Ursprungs, da sich über kurz oder lang die Fremdwörter, die sich in der Sprache halten können, an die Regeln angleichen und als Lehnwörter weiterleben. Zu den Fremdwörtern gehören häufig einzigartige Dinge und Phänomene aus anderen Sprachen, wie Kiwi, Salto mortale, Judo, Salsa, Sabbat oder Bonbon.
  • Stelle die Stufen der deutschen Sprachentwicklung dar.

    Tipps

    Wie sah das Gebiet des heutigen Deutschlands in den verschiedenen Epochen aus? Welche Erfindungen ermöglichten eine Entwicklung der Sprache?

    Lösung

    Die heutige deutsche Sprache und ihre Vorstufen haben seit der Zweiten Lautverschiebung verschiedene, durch gesellschaftliche Umbrüche bedingte, Epochen gesehen.

    1. Zu Zeiten Karls des Großen und seine Bemühungen, ein einheitliches Großreich zu schaffen, gewann das Althochdeutsche beträchtlich an Bedeutung. Es wurde jedoch nur gesprochen: Latein war nach wie vor die Sprache der Gebildeten.
    2. Im Hochmittelalter (1050-1350) entwickelte sich die Sprache zum Mittelhochdeutsch weiter. Sie fand erstmals Eingang in Schrift und Literatur. Am Hof entwickelte sich die Form des Minnesangs.
    3. Das Frühneuhochdeutsch wurde durch starke und wirkungsmächtige Entwicklungen geprägt. Zwischen den starken, unabhängigen deutschen Städten entspann sich ein weites Handelsnetz. Damit kamen die Regionaldialekte miteinander in Berührung und glichen sich an. Luthers Bibelübersetzung vom Lateinischen ins Deutsche und der verbreitete Buchdruck trugen außerdem dazu bei, dass sich das Deutsche verbreitete und an Einfluss gewann.
    4. Ab 1650 gab es starke Bestrebungen, das Neuhochdeutsche zu vereinheitlichen und zu normieren. Literaten und Autoren wie Goethe oder Kant und die Sprachwissenschaftler in ihrem Gefolge entwickelten die Sprache mit zu dem, was sie heute ist.
  • Untersuche die Kategorien von Wörtern, die durch die Zweite Lautverschiebung entstanden.

    Tipps

    Vergleiche die Wörter miteinander - welcher Buchstabe ändert sich jeweils? Wie wird der Laut geändert? Wird er härter, weicher oder an anderer Stelle betont?

    Lösung

    Die althochdeutsche Lautverschiebung trennte die germanischen Sprachen in einzelne Sprachen auf. Über eine Linie, die die Benrather Linie genannt wird und die von Kassel bis Berlin reichte, verschoben sich lautlich einige Konsonanten. Nördlich der Linie entwickelte sich das Niederdeutsch heraus, aus dem sich später Niederländisch, Plattdeutsch und Englisch entwickelten. Südlich der Linie entwickelt sich das Deutsche.

    Lautverschiebungen fanden bei bestimmten Konsonanten statt. Diese waren unter anderem:

    • p wird zu pf oder f wie in slapen/schlafen oder pepper/Pfeffer
    • t wird zu s oder z wie in that/das oder Tied/Zeit
    • d wird zu t wie in Vader/Vater
    • k wird zu ch wie in ik/ich oder koken/kochen
  • Untersuche die Wörter auf Bedeutungsveränderungen.

    Tipps

    Überlege, in welchen Situationen und mit welchen Konnotationen wir die Wörter heute verwenden können. Wie könnten sie sich verändert haben? Sind sie heute negativ, oder fallen dir weitere Bedeutungen ein, die heute vergessen sind?

    Lösung

    Sprache wandelt sich, wobei sich der Wortschatz schneller verändert als die Grammatik, denn Wörter sind leichter austauschbar und hängen von lautlichen Gegebenheiten ab. Wir können grob vier verschiedene Kategorien von lexikalischer Bedeutungsveränderung beobachten:

    1. Bedeutungserweiterung: Die Frau hat sich in ihrer Bedeutung erweitert: Die frouwe war früher eine adlige Frau, heute sind sozusagen alle Frauen adlig.
    1. Bedeutungsverengung: Hochzeit leitet sich ab von hochgezit, was Fest bedeutete. Heutzutage ist es jedoch ein bestimmtes Fest, nämlich das der Eheschließung.
    1. Bedeutungsverbesserung: Ein Mordskerl ist wörtlich gemeint ein Kerl, der einen Mord begeht. Die übertragene Bedeutung eines tollen Typen ist jedoch heute der einzig gebräuchliche Sinn. Das Wort hat sich daher verbessert.
    1. Bedeutungsverschlechterung: Weib war früher das eigentliche Wort für das heutige Frau, heute ist Weib ein eher abwertender Begriff für eine Frau. Auch albern hat eine Verschlechterung erfahren: Früher bedeutete es noch wahr, wahrhaft, heute eher dumm oder lustig.