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Mimikry und Mimese – extreme Anpassung an die Umwelt 06:45 min

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Transkript Mimikry und Mimese – extreme Anpassung an die Umwelt

Hallo! Hast du dich schon mal gefragt, warum das Zebra Streifen hat? Wie ändern Tintenfische ihre Farbe? Und warum sind Feuersalamander knallrot oder schwarz-gelb? Werden die nicht sofort gefressen? In diesem Video geht es um Warnung und Tarnung bei Tieren. Du wirst Tarnfärbungen kennenlernen, Mimese, Warntracht, Mimikry und molekulare Tarnmechanismen bei Einzellern. Viele Tiere schützen sich mit einer Tarnfärbung. Manche wechseln diese sogar mit der Jahreszeit, zum Beispiel der Schneehase. Er ist im Sommer braun und im Winter weiß. Andere wechseln ihre Farbe noch schneller. Der Gemeine Tintenfisch hat Zellen in der Haut, die verschiedene Pigmente, also Farbstoffe, enthalten. Diese Zellen dehnen sich aus oder ziehen sich zusammen. Der Tintenfisch kann sich also aussuchen, welche Pigmentzellen er gerade präsentieren möchte. Er versucht sich dabei natürlich seiner Umgebung farblich anzupassen. Das Dehnen und Zusammenziehen der Hautzellen kann er dabei jederzeit und völlig spontan durchführen, um sich so vor seinen Feinden zu verstecken. Aber es gibt noch viel bessere Tarnungsspezialisten in der Natur. Einige Tiere wenden die sogenannte „Mimese“ an, das ist ein Spezialfall der Tarnung. Nicht nur die Farbe, sondern auch die Form des Körpers wird der Umgebung angepasst. Zum Beispiel ähneln Stabheuschrecken grünen oder braunen Zweigen. Sie haben lange, dünne Gliedmaßen und eine holzähnliche Maserung. Sogar ihre Augen sind kaum erkennbar und an den Beinen haben einige Arten dornenähnliche Strukturen. Diese spezielle Tarnfärbung verschafft ihnen einen Selektionsvorteil gegenüber weniger gut getarnten Insekten. Sie werden seltener von Feinden erkannt und gefressen. Ein anderes Beispiel für Mimese ist der Indische Blattschmetterling. Er täuscht vor, ein dürres Blatt zu sein. Seine Flügelunterseiten ahmen die Zeichnung von Blattrippen und Blattteilen nach. Die Umrisse der Flügel haben sogar die Form eines Blatts inklusive Blattstiel. Viel auffälliger zeigen sich andere Tierarten. Sie haben Warntrachten in leuchtenden Warnfarben wie rot, gelb oder blau. Dies auffällige Färbung können sich natürlich nur sehr giftige, wehrhafte oder ungenießbare Tiere leisten wie zum Beispiel der rot- oder gelb-schwarze Feuersalamander. Er hat Drüsen auf dem Rücken, aus denen er bei Gefahr ein Nervengift spritzt. Fressfeinde, die diese leidige Erfahrung gemacht haben, meiden seine Artgenossen. Individuen seiner Art haben also einen Selektionsvorteil. Sie werden seltener gefressen. Manche Tierarten machen sich diese Warnsignale zunutze, obwohl sie selbst weder giftig noch wehrhaft sind. Diese Scheinwarntracht heißt „Mimikry“. Habt ihr schon mal kleine Insekten gesehen, die schwarz-gelb gestreift sind und in der Luft auf einer Stelle zu schweben scheinen? Obwohl sie so aussehen, das sind keine Wespen, sondern harmlose, ungiftige Schwebfliegen. Da sie zum Verwechseln ähnlich gefärbt sind, haben auch sie einen Selektionsvorteil gegenüber anderen Fliegenarten. Sie werden von Fressfeinden gemieden. Nicht nur große Tiere, sondern selbst Einzeller tarnen sich. Parasiten zum Beispiel verstecken sich im Körper vor den Antikörpern des Immunsystems. Sie nutzen molekulare Tarnmechanismen. Das ist Trypanosoma. Trypanosoma ist ein Einzeller. Er wird von der Tse-Tse-Fliege übertragen und verursacht die Schlafkrankheit. Schauen wir uns einmal seine Oberfläche genauer an. Hier finden wir Oberflächenproteine, sogenannte Antigene. Diese werden im Blut durch die Antikörper spezifisch erkannt. Die Antikörper reagieren mit den Antigenen und sorgen für die Zerstörung des Erregers. Nach kurzer Zeit wirft Trypanosoma aber seine Antigene ab und bildet neue. Unser Immunsystem erkennt den Erreger nicht mehr. Das nennt man molekulare Tarnung: die Bildung eines neuen Antigenmusters, das von Antikörpern des Immunsystems nicht mehr erkannt wird. Ein effektiver Schutz und daher ebenfalls ein Selektionsvorteil. Fassen wir noch einmal zusammen: Viele Tiere nutzen eine Tarnfärbung zum Schutz. Ist ihre Form der Umgebung perfekt angepasst, nennt man das Mimese. Werden Antigene auf der Oberfläche von Erregern verändert und nicht mehr vom Immunsystem erkannt, spricht man von molekularen Tarnmechanismen. Abgeschreckt werden Fressfeinde durch Warntrachten mit auffälligen Farben und Mustern. Manche Tiere ahmen diese nur nach. Sie nutzen Mimikry. Doch was macht jetzt das Zebra? Tarnt es oder warnt es? Es tarnt sich. Vor dem Komplexauge der Tse-Tse-Fliege verschwimmen seine Streifen. Somit wird es für die Fliegen nahezu unsichtbar und somit seltener gestochen. Da die Tse-Tse-Fliege neben den Einzellern der Schlafkrankheit auch die Erreger der oft tödlichen Nagana-Seuche übertragen, haben die Zebras einen deutlichen Selektionsvorteil. Bei deinem nächsten Spaziergang und guten Beobachtungen weißt du jedenfalls Bescheid, wer sich mit Mimese tarnt oder wer mit Mimikry warnt. Ich hoffe, du hast viel gelernt. Tschüss und bis zum nächsten Mal.