30 Tage kostenlos testen:
Mehr Spaß am Lernen.

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte.

Revolution von 1848/49

Auch der Wiener Kongress und das „System Metternich“ konnten die Ideen der Aufklärung und den bürgerlichen Zeitgeist dieser Tage nicht mehr rückgängig machen. Anfang 1848 kam es in ganz Europa zu flächendeckenden Unruhen, Aufständen und Revolutionen.

Vormärz

Nachdem die napoleonischen Truppen besiegt waren, erlangten die Fürsten und Monarchen 1815 auf dem Wiener Kongress ihre Macht zurück und stellten die absolutistischen Verhältnisse vor 1792 wieder her. Die liberalen Errungenschaften in Folge der Französischen Revolution wurden rückgängig gemacht und die legitime Herrschaft der Fürsten bestätigt. Die Karlsbader Beschlüsse von 1849 verschärften diese Vorhaben noch, indem sie nationale und liberale Bewegungen im Deutschen Bund zusehends überwachten und unterdrückten. Die monarchistischen Staaten versuchten, ihre zurückgewonnene Souveränität mit allen Mitteln zu behaupten.

Doch all dies konnte nicht ungeschehen machen, dass Napoleon einen liberalen, demokratischen und bürgerlichen Geist in den Völkern entfacht hat. Viele forderten demokratische Mitbestimmung, freie Wahlen oder die Souveränität eigener Nationalstaaten. Längst hatte ein breites Spektrum von Bürgern genug vom Absolutismus und seiner alten Ständeordnung. Der König sollte zwar nicht gleich abgeschafft werden, doch zumindest im Rahmen einer konstitutionellen Monarchie nicht mehr uneingeschränkt herrschen dürfen. All dies führte unweigerlich zu Protesten in der Bevölkerung.

Somit begann eine Zeit des stärker werdenden Unmuts und der Unzufriedenheit. Das Hambacher Fest von 1832 war dabei nur einer der Höhepunkte an Protesten, die sich schließlich im Jahr 1848 zu flächendeckenden Aufständen und Revolutionen in ganz Europa anhäuften. Diese Zeit des wachsenden Unmuts, vom Wiener Kongress 1815 bis zu den Revolutionen von 1848, wird heute von Historikern als Vormärz bezeichnet.

Vormärz

Industrialisierung und soziale Frage

Die politische Unterdrückung und Einschränkung der freien Meinungsäußerung gingen dabei Hand in Hand mit der aufkommenden Industrialisierung. Sie hatte gravierende Auswirkungen auf Gesellschaft und Arbeitswelt und bedeutete für große Teile der Bevölkerung Arbeitslosigkeit und Armut. Die neuen Lohnarbeiter mussten unter teils fürchterlichen Bedingungen arbeiten und leben. Viele litten Hunger oder verelendeten. Dennoch bildeten sie fortan eine bedeutende Klasse in der Gesellschaft und ihre Stimme wurde allein aufgrund ihrer immensen Zahl immer lauter. Auch die Reformer und Revolutionäre dieser Zeit forderten Mitbestimmung, soziale Gerechtigkeit oder faire Löhne. Die Gruppe der Aufsässigen wurde größer und größer.

Symbolisch für die Lage der Arbeiterklasse wurde der Schlesische Weberaufstand von 1844. Weitere Hungerkrisen und Missernten in Europa zwischen 1846 und 1848 verschärften die ohnehin schon angespannte Lage weiter und weiter; und nicht selten sind es eben diese existentiellen Krisen, die das Fass zum Überlaufen bringen.

Revolutionen von 1848

Im Jahre 1848 war es dann soweit: All die Wut und der Hass des Bürgertums sowie nun auch der neuen Arbeiter auf die herrschenden Klassen erreichte ein kritisches Maß. Soziale, wirtschaftliche und politische Spannungen überall in Europa resultierten in kleineren Revolutionen, in Unruhen und Straßenkämpfen. Das „System Metternich“ hatte ausgedient, womit die Beschlüsse des Wiener Kongresses gemeint waren, so die einhellige Meinung. Der Februarrevolution in Frankreich folgten weitere Revolutionen auf dem ganzen Kontinent. Neben den Staaten des Deutschen Bundes, wo die Unruhen aufgrund der unklaren Nationalfrage mit am heftigsten ausfielen, waren auch bald Preußen und Österreich von der Protestwelle betroffen.

Proteste

Märzrevolution in Deutschland und die erste Deutsche Nationalversammlung

In den deutschsprachigen Regionen brachte die (März-)Revolution, neben dem Einsatz eigener Minister, sogenannter Märzminister, vor allem die Vereinbarung einer Nationalversammlung, in der nicht weniger als die Gründung eines deutschen Nationalstaates vorbereitet werden sollte! Diese Nationalversammlung war dann auch von Mai 1848 bis Mai 1849 das verfassungsgebende Gremium der Deutschen Revolution. Sie tagte in der Frankfurter Paulskirche, weshalb sie auch als Frankfurter Nationalversammlung bezeichnet wird. Hier kam es erstmals zu (zumindest teilweise) freien Wahlen, an denen auch erstmals Menschen teilnahmen, die sich verschiedenen Parteien zuordneten.

Leider musste man am Ende feststellen, dass die erste deutsche Nationalversammlung an sich selbst wohl zu hohe Ansprüche stellte und in diesem Zuge zu viele Akademiker und Intellektuelle um sich scharte. Die Revolutionäre waren ohnehin untereinander sehr zerstritten. Zu viele kontroverse Ansichten mussten unter einen Hut gebracht werden und nicht selten verlor man sich in wochenlangen Diskussionen um teils marginale Punkte. Man könnte fast behaupten, dass ein Übermaß an Intelligenz und Fortschrittswille einen Kompromiss am Ende unmöglich machte. Und dies stärkte natürlich wiederum die alten Fürsten.

Zwar verabschiedete das Parlament nach langen Verhandlungen im März 1849 eine Verfassung und schlug vor, die deutschen Einzelstaaten mit Preußen als Großmacht zu einem kleindeutschen Nationalstaat zu vereinen, doch hatten die Könige und Fürsten ihre Macht bereits wiedererlangt und sollten sich abermals erfolgreich gegen diese liberalen Bewegungen zur Wehr setzen.

Proteste

Die Konterrevolution

Also kam es wie es kommen musste, und Preußen und Österreich setzten zum Gegenschlag an. Die meisten Reformen der Nationalversammlung wurden wieder zurückgenommen und Kaiser Friedrich Wilhelm IV. lehnte die Kaiserwürde ab, die ihm von der Nationalversammlung angeboten wurde. Er konnte ohnehin nicht viel mit den Prinzipien einer konstitutionellen Monarchie anfangen; doch eine Krone vom gemeinen Volk geschenkt zu bekommen, wäre seiner Auffassung nach wohl der Inbegriff der Majestätsbeleidigung gewesen. Preußen und Österreich hatten die Kontrolle zurückerlangt und im Sommer 1849 war der Aufstand beendet. 22 Jahre später sollte dann die Gründung des ersten deutschen Nationalstaates vollzogen werden; diesmal jedoch nicht von unten (vom Volk), sondern von oben, durch die „Blut und Eisen Politik“ Otto von Bismarcks.

Ist die Revolution gescheitert?

Zwar galt die Revolution in historischen Kreisen lange als gescheitert, doch sieht man aus heutiger Perspektive durchaus eine Reihe positiver und wegweisender Aspekte, die hier ihre Ursprünge haben. Da wäre unter anderem die Bauernbefreiung, die im Zuge der Revolutionen nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte. Agrarreformen wurden in vielen europäischen Ländern durchgesetzt. Auch das Verfassungsprinzip sowie weitere Schritte Richtung einer Parlamentarisierung und politischer Ordnung sind hier zu nennen. Nicht zu vergessen die wegweisenden Diskussionen über eine Reihe individueller Grundrechte der Menschen.

Leider gehört zu der Geschichte der Revolutionsbewegung von 1848/1849 auch dazu, dass hier einer der Grundsteine für den übersteigerten Nationalismus vieler Staaten Europas gelegt worden ist: Ein Nationalismus, der Europa nach und nach in die Fänge des Imperialismus trieb und 60 Jahre später im 1. Weltkrieg mündete.