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1978 - Das Retortenbaby

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Team Zeitreise
1978 - Das Retortenbaby
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Grundlagen zum Thema 1978 - Das Retortenbaby

Nach fünf Tagen im Reagenzglas und etwas mehr als 250 im Bauch der Mutter erblickt Louise Brown am 25. Juli 1978 das Licht des Kreißsaals: Das erste Retortenbaby. ”Ich habe nicht Gott gespielt”, verteidigt sich der Gynäkologe Patrick Steptoe, sondern ”nur der Natur nachgeholfen”.

Transkript 1978 - Das Retortenbaby

  1. Juli 1978: Ein ganz normales Baby erblickt die Welt. So scheint es. Aber dieses hat schon vor der Geburt Geschichte gemacht. Es wurde im Reagenzglas gezeugt. Ansonsten verläuft alles wie üblich. Es ist ein Mädchen. „Als ich sie zum ersten Mal sah, war es einfach ein wunderschönes Baby. Blaue Augen, blondes Haar. Einfach schön. Perfekt.” Das Wunschkind aus der Retorte. Neun Jahre hatten die Eltern vergeblich auf Nachwuchs gehofft. „Ich konnte kaum glauben, was da geschah. Und dass es bei mir geschah. Es war wie ein Traum. In den ersten Nächten bin ich oft aufgestanden und wollte mein Kind sehen. Ich konnte einfach nicht fassen, dass das alles wahr ist.” Zweieinhalb Kilo und kerngesund. Die Existenz dieses Mädchens lässt Millionen kinderlose Paare hoffen. „Ich glaube schon, dass ich was Besonderes bin. Mittlerweile sind viele Kinder so gezeugt worden. Aber die Erste zu sein, das ist was Besonderes. Das General Hospital im nordenglischen Oldham. Schon vor der Geburt bieten Journalisten Unsummen für Fotos. Dann: eine Bombendrohung. Das Krankenhaus wird geräumt. Der Verdacht fällt auf Paparazzi, die unbedingt ein Bild von der Mutter wollen. Doch die wird im Keller des Hospitals versteckt. Geburt unter Ausschluss der Öffentlichkeit per Kaiserschnitt nach Mitternacht. „Eine Schwester bereitete mich auf den Kaiserschnitt vor. Ich wurde im Dunkeln in den Raum gebracht. Nur mit einer Taschenlampe, kein Licht. Die Reporter sollten nichts merken.” Knapp 3.000 Mark kostet die Eltern die künstliche Befruchtung. Die Londoner Zeitung Daily Mail zahlt für Bilder und Story vom Retortenbaby mehr als 1.000.000 Mark. Die Ärzte ernten den Ruhm. Der britische Gynäkologe Patrick Steptoe und der Genforscher Robert Edwards sind die Erfinder der Befruchtung im Glas. Der Schöpfung auf die Sprünge helfen im Labor. Ein Durchbruch nach jahrelangen Versuchsreihen und immer wieder neuen Anläufen. „Wir wussten zuerst nicht, wann Frauen genau ihren Eisprung haben. Wir haben Menschen zum Mond geschickt. Aber das wussten wir nicht.” Die Lösung: Hormone führen den Eisprung künstlich herbei. Die reife Eizelle wird entnommen und anschließend im Glas mit männlichem Sperma befruchtet. 72 Stunden wächst der Embryo heran, dann wird er in die Gebärmutter verpflanzt. „Fünf Jahre lang hat es nicht geklappt. Die Frauen wollten einfach nicht schwanger werden. Der Durchbruch kam 1975. Ein erster positiver Schwangerschaftstest.” Drei Jahre später: die erste erfolgreiche Geburt. Die Experimente gehen weiter. In Bologna macht Professor Petrucci Versuche mit Embryonen. Er will nicht nur ihre Zeugung, sondern auch die Aufzucht außerhalb des Mutterleibs. Die Embryonen überleben nur neun Wochen. Forschung oder Anmaßung? Schon gegen Edwards' Arbeit regt sich Protest. „Zwei Päpste verurteilten uns. Kollegen übten Kritik. Wir sollten diese Arbeit besser nicht tun. Die Sorge aller war: Würden die Embryos denn auch normal sein?” Eine Frage, die auch die Eltern des ersten Retortenbabys bewegt. „Der Arzt sagte, wenn ich schwanger würde, müsse ich ein Formular unterschreiben. Falls sie durch einen Test herausfänden, dass das Baby behindert sein würde, dann müsse ich einer Abtreibung zustimmen.” Doch dazu besteht kein Grund. Das Experiment glückt auf Anhieb. Leslie Brown ist schwanger. „Wir erfuhren es an Weihnachten. Wir umarmten und küssten uns. Wir durften es nur den engsten Verwandten erzählen. Es war ein wunderbares Weihnachten.” Ultraschallbilder belegen, das Kind ist gesund. Doch auch nach der Geburt ernten die Forscher nicht nur Ruhm. Kritik wird laut. Geht die Wissenschaft zu weit? „Es hieß, wir würden Gott spielen. Wir würden Tyrannen unterstützen, würden den Weg freimachen für Cloning. Damals war das ein Thema. Es hieß, wir seien Menschenkonstrukteure.” Ein Baby künstlich gezeugt. In Großbritannien wird die Methode zugelassen. Vorurteile bleiben. „Als ich noch ein Baby war, rief eine Frau: „Sie ist ja ganz normal!" Meine Mom sagte: „Was dachten Sie denn?" Ich glaube, alle hielten mich für eine Art Alien.” Louise Joy Brown: das Jahrhundertbaby. Sie bleibt nicht lange allein. Schwester Natalie, vier Jahre jünger, ist Retortenbaby Nummer 40. Der zehnte Geburtstag von Louise: 600 Retortenkinder feiern mit. Bis heute sind über 200.000 Babys im Reagenzglas gezeugt worden. Die Forscher machen weiter. Außerhalb des Mutterleibs können sie Leben nicht nur zeugen, sondern auch kopieren. Cloning. „Cloning war ein schreckliches Wort. Einfach furchtbar. Ich klone keinen Menschen. Wenn irgendjemand einen Menschen klonen will, muss er uns sagen, warum. Bisher hat mich niemand überzeugen können. Allerdings bin ich nicht festgelegt. Ich stehe dem offener gegenüber als früher.” Längst ist der Mensch dabei, sich selbst nach seinem Bilde neu zu schaffen. 1993 vervielfältigt der Amerikaner Jerry Hall 17 menschliche Embryonen. Wo ist die Grenze für all das? Die Wissenschaft allein kann sie nicht setzen. Am Anfang war Louise Brown das Kind aus der Retorte. Sie verdankt ihr Leben einer Medizin, die noch im Dienst des Menschen stand.
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