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Bürgerliches Trauerspiel

In der Epoche der Aufklärung rückt das bürgerliche Trauerspiel die einfachen Bürger ins Zentrum des Geschehens, im Gegensatz zur klassischen Tragödie. Erfahre, wie sich diese Dramenform von den aristokratischen Erzählungen abhebt und welche Merkmale sie kennzeichnen. Interessiert? Erfahre mehr dazu hier!

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Die Autor*innen
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Leo Stahl
Bürgerliches Trauerspiel
lernst du in der 11. Klasse - 12. Klasse - 13. Klasse

Bürgerliches Trauerspiel Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Bürgerliches Trauerspiel kannst du es wiederholen und üben.
  • Beschreibe das aristotelische Drama.

    Tipps

    Prosa ist normalerweise die Textform von Erzähltexten.

    Lösung

    • Aristoteles lebte ca. 335 v. Chr. im alten Griechenland.
    • Er begrenzte den Handlungszeitraum eines Dramas zeitlich auf einen Sonnenumlauf. Auch die Einheit von Ort und Handlung sollte eingehalten werden.
    • Formal schrieb er die Versform vor. Prosa bzw. Fließtext findet man eher in moderneren Dramen und in Erzähltexten.
    • Das Ziel eines jeden Stückes war laut Aristoteles die Katharsis auf Seiten des Publikums. Die Zuschauer sollten ihre Gefühle durch Jammern und Schaudern „reinigen“.
    • Im Gegensatz zum bürgerlichen Trauerspiel mussten die Figuren in einer Tragödie immer von hohem Geschlecht sein, d. h. Götter, Könige, Prinzessinnen etc. In Komödien konnten auch einfache Bürger als Handelnde auftreten.
    Ein Drama, das der aristotelischen Regelpoetik entspricht, ist zum Beispiel „König Ödipus” von Sophokles.

  • Fasse zusammen, wie das bürgerliche Trauerspiel entstand.

    Tipps

    Diderot orientierte sich in seiner Abhandlung an vorhandenen Dramen. Hilft dir das bei der Einordnung?

    Überlege noch einmal, wann das bürgerliche Trauerspiel in Deutschland ankam, wenn Lessing Diderots Idee übersetzte.

    Lösung
    1. 1731 schrieb George Lillo „The London Merchant”. Darin waren bürgerliche Figuren zu finden.
    2. 1741, also zehn Jahre später, schrieb Paul Landois das Drama „Sylvie”, was er auch als „tragédie bourgeoise” bezeichnete.
    3. 1758 schrieb Denis Diderot seine Abhandlung „Über die dramatische Dichtung”. Er selbst war kein herausragender Dramenautor, aber seine Poetologie revolutionierte das Theater.
    4. 1760 übersetzte Gotthold Ephraim Lessing Diderots Ideen in seiner Abhandlung „Das Theater des Herrn Diderot”. Seine bürgerlichen Trauerspiele waren große Erfolge. „Miss Sara Sampson” war 1755 das Erste davon.
  • Entscheide, um welche Art von Drama es sich handelt.

    Tipps

    Schaue dir vor allem die Figuren der Stücke an. Wenn sie aus adligem und bürgerlichem Stand kommen, handelt es sich um ein bürgerliches Trauerspiel.

    Das klassische Drama orientierte sich an der aristotelischen Regelpoetik.

    Lösung
    1. Bei „Emilia Galotti” von Gotthold Ephraim Lessing (1772) handelt es sich um ein bürgerliches Trauerspiel. Zusätzlich dazu, dass die Protagonistin dem Bürgertum angehört, wird auch der Konflikt zwischen Adel und Bürgertum thematisiert.
    2. „Antigone” von Sophokles (ca. 442 v. Chr.) folgt klassisch dem Muster des aristotelischen Dramas. Die Hauptfiguren sind hohen Geschlechts und es liegt eine Einheit von Ort, Zeit und Handlung vor.
    3. „Die Soldaten” von Jakob Michael Reinhold Lenz (1776) ist ein bürgerliches Trauerspiel aus der Zeit des Sturm und Drang. Lenz verarbeitete die Probleme einer jungen bürgerlichen Frau.
    4. „Iphigenie in Aulis” von Euripides (ca. 407 v. Chr.) ist ein aristotelisches Drama wie „Antigone” auch. Es beschreibt den Konflikt um ein verfluchtes, königliches Herrschergeschlecht.
    5. „Don Karlos” von Schiller (1787) ist ein klassisches Drama, welches sich am aristotelischen Drama orientiert. Es beschreibt familiäre Konflikte am Hofe Philipps II. im Rahmen einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den Niederlanden und Spanien im Achtzigjährigen Krieg.
  • Analysiere die Dramenszene aus „Miss Sara Sampson”.

    Tipps

    Im bürgerlichen Trauerspiel traten Figuren aus dem Bürgertum und dem Adel auf. Woher stammt die Familie von Sara Sampson?

    Lösung

    Gotthold Ephraim Lessing war der erste deutsche Dramenautor, der das bürgerliche Trauerspiel umsetzte.

    • In dieser Szene sprechen Sir William Sampson und sein Diener miteinander.
    • Sir Sampson sorgt sich um seine Tochter, die eigentlich tugendhaft ist, aber mit ihrem Geliebten, Mellefont, geflohen ist.
    • Die Kürzel „Sir“ und „Miss“ deuten darauf hin, dass es sich bei der Familie um den englischen Landadel handelt.
    • Es geht um einen unpolitischen Familienkonflikt. Die Diskrepanzen zwischen Adel und Bürgertum kommen in dem frühen bürgerlichen Trauerspiel noch nicht pointiert zum Ausdruck. Die Handlung wird von der Liebesgeschichte dominiert.
    • Die von Aristoteles vorgeschriebene Versform wird von Lessing nicht mehr eingehalten.
  • Gib kurz den Inhalt von „Miss Sara Sampson” wieder.

    Tipps

    Überlege noch einmal, was die Exfrau fühlt. Ist es ein positives Gefühl?

    Am Ende des Stückes ist das Paar tot. Was passiert dann mit dem Kind?

    Lösung

    In Lessings Stück „Miss Sara Sampson” werden keine neuen, bahnbrechenden Ideen verarbeitet. Allerdings sind die Hauptfiguren bürgerlich.

    • Miss Sara Sampson ist eine gute und tugendhafte Frau.
    • Ihr Geliebter hingegen ist eher zweifelhaft und hinterlistig.
    • Die beiden haben ein uneheliches Kind.
    • Sir William Sampson ist ein liebevoller Vater, Waitwell der treue Diener der Familie.
    • Marwood, die Exfrau von Mellefont, ist eifersüchtig.
    • Am Ende stirbt das Paar und das Kind wird von Saras Vater betreut.
  • Fasse die bürgerlichen Trauerspiele zusammen.

    Tipps

    Der Titel „Maria Magdalena” hat nichts mit dem Stück zu tun. Er wurde gewählt, um Interesse bei der Leserschaft zu wecken.

    In „Kabale und Liebe” ist die Liebe gegenseitig vorhanden, jedoch nicht erlaubt.

    Lösung

    • „Emilia Galotti” von Gotthold Ephraim Lessing handelt von dem Prinzen von Guastalla, der versucht, ein bürgerliches Mädchen für sich zu gewinnen. Dabei wird klar, wie der Adel willkürlich Macht auf das Bürgertum ausübt.
    • In „Kabale und Liebe” von Friedrich Schiller sind beide Hauptfiguren ineinander verliebt. Allerdings können die bürgerliche Luise und der adlige Ferdinand aufgrund von Standesunterschieden nicht zusammen sein.
    • In „Maria Magdalena” von Friedrich Hebbel geht es um die bürgerliche Klara, die ein uneheliches Kind erwartet.
    • Auch in „Rose Bernd” von Gerhart Hauptmann erwartet die bürgerliche Hauptfigur ein uneheliches Kind. Diesmal ist der Vater aber ein verheirateter Mann.
    • In „Liebelei” von Arthur Schnitzler geht es wortwörtlich um eine Liebelei des wohlhabenden Studenten Theodor mit der armen Christine.
    Es ist erkennbar, dass Liebe und Tugendhaftigkeit die zentralen Themen in allen Dramen sind. Sie handeln oft von dem Konflikt der unehelichen Kinder und von der Aufrechterhaltung der eigenen Ehre. Dabei traten tugendhafte Figuren aus dem Bürgertum in den Mittelpunkt der Handlung, während der Adel zumeist die Position der Antagonisten übernahm.