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Stationendrama 08:11 min

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Transkript Stationendrama

Meine Damen und Herren! Ich heiße Sie herzlich willkommen zu unserer heutigen Vorstellung! Mein Name ist Kerstin und ich führe dich durch dieses Video. Heute im Mittelpunkt: Das Stationendrama! Mach es dir bequem, lehn’ dich zurück und Vorhang auf! Hier sind unsere Stationen für das Video: du wirst das Stationendrama mit seinen Merkmale und Besonderheiten kennenlernen. Dabei wiederholen wir bei einem Vergleich nochmal die Merkmale des geschlossenen und des offenen Dramas. Du wirst auch erfahren, wo und wann das Stationendrama vorkommt. Außerdem stelle ich dir ein Paradebeispiel für das Stationendrama vor. Am Ende kommt wie immer die Zusammenfassung. Damit du keine Probleme beim Folgen hast, solltest du bereits grundlegende Kenntnisse zu der Gattung Drama haben. Jetzt geht es los. Du kannst gespannt sein!

Wir beginnen mit der Definition des Begriffs. Der Name “Stationendrama” sagt uns schon viel über die Eigenschaften dieser Dramenform. Das Stationendrama besteht aus einer Aneinanderreihung einzelner Szenen, sozusagen einzelner Handlungs-Stationen. Dabei können Ort und Zeit der verschiedenen Szenen sehr unterschiedlich sein. Zudem sind die einzelnen Szenen alle gleichrangig. Es gibt also keine besonders wichtige, die Handlung vorantreibende Szene. Oft kann man auch die Reihenfolge der Szenen ändern, ohne, dass es inhaltlich zu Unstimmigkeiten kommt. Trotzdem gibt es auch hier so etwas wie einen roten Faden und zwar die Figuren, besonders die Hauptfigur. Sie tritt in der Regel in jeder Szene auf und verbindet die Szenen miteinander. Vergleichen wir nun das Stationendrama mit anderen Dramenformen. Dabei werden wir nochmal kurz die Merkmale des offenen und des geschlossenen oder auch aristotelischen Dramas wiederholen. Vielleicht erinnerst du dich, dass das geschlossene Drama sich an dem griechischen Philosoph Aristoteles orientiert und sehr strengen Regeln folgt. Beim offenen Drama werden diese Regeln nicht eingehalten. Steht das Stationendrama nun dem geschlossenen oder dem offenen Drama näher? Das schauen wir uns mal genauer an. Dieses Haltestellenschild steht gleich für unser Stationendrama und wird dir zeigen, ob es eher zum geschlossenen oder zum offenen Drama gehört.

Zum formalen Aufbau: das geschlossene Drama besteht meist aus 5, manchmal aus 3 Akten und enthält immer eine Exposition, einen Höhepunkt und eine Katastrophe. Beim offenen und auch beim Stationendrama kann das ähnlich sein, muss es aber nicht.

Beim geschlossen Drama spricht man von der Einheit der Handlung, der Zeit und des Ortes. Das bedeutet, dass die Handlung linear erfolgt, nur einen Handlungsstrang besitzt und leicht nachzuvollziehen ist. Das Geschehene spielt sich in einem begrenzten Zeitraum, häufig maximal innerhalb eines Tages ab und alles geschieht an einem Ort. Beim offenen Drama gibt es diese Einheit nicht. Ebenso wenig beim Stationendrama. Durch die lose Abfolge von Szenen ist die Handlung nicht linear, es gibt oft Nebenhandlungen. Auch die Einheit von Ort und Zeit ist nicht vorhanden. Die Figuren kommen im geschlossenen Drama entsprechend der Ständeklausel aus dem Adel. Beim offenen Drama sind die Figuren meist nicht adelig. Auch hier folgt das Stationendrama wieder dem offenen Drama. Als letztes vergleichen wir die Sprache: im geschlossenen Drama sprechen die Figuren gehoben und in Versen, für die genaue Vorgaben gelten. Im offenen Drama findet man verschiedene Sprachstile und es wird Umgangssprache sowie Dialekt genutzt. Das gilt auch für das Stationendrama. Das Ergebnis ist also eindeutig: Das Stationendrama ist eine Form des offenen Dramas!

Eine Sonderform des Stationendramas ist das epische Theater Bertolt Brechts. Er wendet sich damit besonders gegen die drei Einheiten des geschlossenen Dramas. Anders als bei den klassischen Dramen soll der Zuschauer sich beim epischen Theater nicht mit den Figuren identifizieren, sondern das Gesehene reflektieren und hinterfragen. Dies gelingt Brecht mit verschiedenen Verfremdungseffekten, z.B. indem Schauspieler direkt das Publikum ansprechen. Nun kommen wir zum Vorkommen des Stationendramas. Also wann tauchte es wo auf? Die ersten Dramen dieser Art tauchten bereits im Mittelalter auf: die sogenannten Passionsspiele. Hier geht es um den Leidensweg Jesu Christi. Auch heute gibt es diese Dramenform noch in einigen Regionen Österreichs oder Bayerns. Auch frühneuzeitliche Märtyrerdramen entsprachen der Bauform des Stationendramas. Eine weitere Epoche, in der das Stationdrama vorkommt, ist die Moderne. In diese Zeit fällt auch das Werk „Nach Damaskus” von August Strindberg. Hierbei handelt es sich um ein expressionistisch geprägtes Stück, dass als Paradebeispiel für das Stationendrama gilt.

„Nach Damaskus” ist ein dreiteiliges Drama des schwedischen Schriftstellers. Es erschien zwischen 1898 und 1904. Es handelt von einem ungläubigen Schriftsteller, „dem Unbekannten”, der im Laufe der Handlung verschiedene Stationen durchläuft und letztendlich in einem Kloster landet und sich Gott zuwendet. Damit enthält das Stück viele autobiografische Elemente. An diesem Beispiel zeigt sich, dass Stationendramen besonders gut dafür geeignet sind, den Entwicklungs-, Lebens- bzw. Reiseweg einer Person darzustellen.

Fassen wir zusammen: Bei einem Stationendrama handelt es sich um eine Form des offenen Dramas. Folglich gibt es keine Regeln bezüglich der Handlung, des Ortes, der Zeit oder des formalen Aufbaus. Typisch für ein Stationendrama ist die lockere Aneinanderreihung von Szenen, wobei die Szenen gleichrangig sind. Inhaltlich verbunden werden sie durch eine stets präsente Hauptfigur. Das war’s von mir! Viel Spaß beim Lernen!

Kerstin