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Dokumentartheater 07:11 min

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Textversion des Videos

Transkript Dokumentartheater

Hallo, herzlich willkommen zu diesem Video über das Dokumentartheater! Bevor wir richtig loslegen, habe ich ein kleines Rätsel für dich. Was glaubst du: Um welche Artvon Text handelt es sich bei folgendem Ausschnitt und wovon handelt er?

Richter: Frau Zeugin wieviel Schreiberinnen waren in der Abteilung Zeugin 5: Wir waren 16 Mädchen Richter: Was hatten Sie zu tun Zeugin 5: Wir hatten die Totenlisten zu führen Das wurde Absetzen genannt Wir mußten die Personalien den Todestag und die Todesursache eintragen Die beiden Figuren Richter und Zeugin verraten uns schon was über den Rahmen: Wir befinden uns vor Gericht. Offenbar handelt es sich um einen Ausschnitt eines Protokolls einer Gerichtsverhandlung. Der Text gibt das Gespräch zwischen Richter und Zeugin wörtlich wieder. Soviel zur Textart Der kurze Ausschnitt verrät nicht allzuviel über den Inhalt dieser Verhandlung. Deswegen werde ich dir ein wenig helfen. Bei dieser Verhandlung geht es um Verbrechen während der Zeit des Nazi-Regimes in Deutschland.

Man könnte also sagen, der Text dokumentiert diese Gerichtsverhandlung. Er beweist, was damals geschehen ist. Jetzt wunderst du dich bestimmt, was dieses geschichtliche Thema mit Theater zu tun haben soll? Bevor ich dir das erkläre, erfährst du erstmal, was in diesem Video auf dich zukommt: Zunächst wirst du die Definition des Begriffes „Dokumentartheater” kennen lernen, dazu gehören auch Merkmale und das Vorkommen. Anschließend zeige ich dir ein paar Beispiele und dann kommt auch schon die Zusammenfassung.

Als Vorwissen solltest du einige grundlegende Kenntnisse zur Gattung Drama haben. Lösen wir auf: bei unserem Text handelt es sich um ein Ausschnitt aus dem Drama „Die Ermittlung” von Peter Weiss von 1965. Unter diesem Linke kannst du dir weitere Ausschnitte ansehen.

Trotzdem lagen wir mit unseren Vermutungen nicht falsch. Das besondere an diesem Drama ist, dass der Text auf einem tatsächlichen Ereignis basiert: den Frankurter Auschwitz-Prozessen von 1963 bis 1965. Du wirst jetzt denken: „Das ist doch nichts besonderes. Viele Autoren lassen sich von tatsächlich Geschehenem inspirieren.” Doch Peter Weiss übernahm viele der Aussagen wortwörtlich und auch die Figuren entsprechen den Zeugen und Angeklagten der Auschwitz-Prozesse. Bevor wir genauer auf die Merkmale des Dokumentartheaters eingehen, kommt hier erstmal die Definition: Dokumentartheater ist eine „gesellschaftskritische Stilrichtung des modernen Theaters, die politisch relevante Stoffe unter Verwendung von dokumentarischem Material gestaltet”.

Das politisch relevante sind in unserem Fall die Auschwitz-Prozesse, das dokumentarische Material die Protokolle der Prozesse. Zurück zu den Merkmalen: Wir haben schon erfahren, dass das Dokumentartheater sich stark an bekannten Fakten orientiert und dass die Figurenrede oft aus authentischen Texten besteht. Dabei darf die Handlung nicht verfälscht, aber ergänzt werden. Gemäß seinem Namen stützt sich das Dokumentartheater auf Dokumente als Textgrundlage. Formal handelt es sich meist um eine Montage von verschiedenen Szenen.

Entstanden ist es in den 1960er Jahren im Zuge einer zunehmenden Politisierung der Literatur. Vor diesem Hintergrund muss man auch die Ziele betrachten: Zum einen soll das Dokumentartheater auf wichtige Ereignisse aufmerksam machen und zum anderen zur kritischen Analyse der Zeitgeschichte anregen.

Dabei steht der Anspruch auf Authentizität immer im Vordergrund. Nun zu den Beispielen. Das erste hast du ja schon kennen gelernt: „Die Ermittlung” von Peter Weiss handelt von den Frankfurter Auschwitz-Prozessen.

Ein weiterer wichtiger Autor dokumentarischer Theaterstücke ist Ralf Hochhuth. Sein erstes Drama heißt „Der Stellvertreter”. Das Stück behandelt die Haltung der katholischen Kirche gegenüber dem Holocaust.

Auch Heinar Kipphardt schrieb einige Stücke dieser Art. Sein bekanntestes ist „In der Sache J. Robert Oppenheimer”. Oppenheimer war Leiter des sogenannten „Manhattan-Projekts” während des Zweiten Weltkriegs. Dieses Projekt verfolgte den Bau einer Atombombe. Jedoch weigerte Oppenheimer sich am Bau der Atombombe mitzuwirken. Daher wurde an seiner Loyalität gezweifelt und folglich eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet. Kipphardt nutzte für sein Drama die FBI-Protokolle der Verhöre. Diese Beispiele zeigen gut, dass die thematischen Schwerpunkte im Dokumentartheater auf der Aufarbeitung des Dritten Reiches, des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit liegt.

Fassen wir zusammen: Beim Dokumentartheater handelt es sich um eine gesellschaftskritische Stilrichtung des modernen Theaters, die politisch relevante Stoffe unter Verwendung von dokumentarischem Material gestaltet.

Die Handlung orientiert sich an historischen Ereignissen, authentische Texte sind oft Grundlage für die Figurenrede. Ziel ist die kritische Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte. Dabei steht der Anspruch auf Authentizität immer im Vordergrund. Das war’s von mir. Viel Spaß beim Lernen! Kerstin