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Handlungs- und Figurendrama 07:10 min

Textversion des Videos

Transkript Handlungs- und Figurendrama

Hallo, herzlich willkommen! Mein Name ist Kerstin.

Kennst du die Begriffe Handlungsdrama und Figurendrama schon? Wenn du jetzt denkst: Was soll das denn sein? Schließlich gibt es doch in jedem Drama eine Handlung und Figuren!”, dann bist du hier genau richtig. Ich werde dir in diesem Video erklären, was diese Begriffe bedeuten.

Als erstes schauen wir uns die Definition der Begriffe an. Danach zeige ich dir Beispiele zu den beiden Dramenarten und dann kommt auch schon die Zusammenfassung. Du solltest bereits grundlegende Kenntnisse zur Gattung Drama haben, um dem Video folgen zu können. Los geht’s!

Wir beginnen mit der Definition der beiden Begriffe. Zuerst das Handlungsdrama. Der Name verrät dir schon, dass hier die Handlung im Vordergrund steht. Der Handlungsverlauf ergibt sich aus den Entscheidungen der Figuren. Dabei bestimmen die äußeren Umstände die Handlung, wie z.B. Moralvorstellungen und Verhaltensnormen einer Gesellschaft. Ganz ähnlich wie das Handlungsdrama ist auch das “Milieudrama”. Unter Milieu versteht man die sozialen Bedingungen, denen eine Person ausgesetzt ist. Dieser Begriff weist darauf hin, dass es sich bei dieser Dramenart oft um Stücke mit sozialkritischem Hintergrund handelt.

Kommen wir nun zum Figurendrama. Im Gegensatz zum Handlungsdrama stehen hier die Figuren im Vordergrund. Meist liegt der Schwerpunkt auf dem Konflikt einer Figur mit der Realität. Hier ist deshalb die Darstellung und Entfaltung der Charaktere besonders wichtig. Diese Dramenform wird auch Charakterdrama genannt. Jetzt möchte ich dir Beispiele für die beiden Dramenarten zeigen. Vielleicht kennst du ja das ein oder andere Stück. Fangen wir wieder mit dem Handlungsdrama an.

Viele Stücke Gerhart Hauptmanns zählen zu den Handlungsdramen, so auch „Die Weber”. In diesem Werk beschäftigt sich Hauptmann mit dem schlesischen Weberaufstand von 1844. Damals protestierte die Berufsgruppe der Weber gegen unmenschlichen Arbeitsbedingungen und geringe Löhne. Es kam zu gewaltsamen Unruhen. Das Drama gehört zur Epoche des Naturalismus.

Ein weiteres Beispiel ist das epische Theater Brechts. Hierbei handelt es sich um eine besondere Form des Dramas. Sein Werk „Der gute Mensch von Sezuan” ist auch ein Handlungsdrama. Es handelt von drei Göttern, die in der chinesischen Provinz Sezuan nach einem guten Menschen suchen. Sie finden diesen guten Menschen zunächst in der Prostitutierten Shen Te. Im Weiteren gelingt es Shen Te jedoch nicht den Ansprüchen zu genügen. Verschiedene Menschen nutzen sie aus und betrügen sie. Shen Te kann entweder ein guter Mensch sein oder überleben, aber nicht beides. Die Götter verschließen jedoch ihre Augen vor den Missständen auf der Erde und sehen ihre Mission als erfüllt an. In diesen beiden Stücken wird der Inhalt deutlich von den Entscheidungen der Figuren geprägt und den äußeren Umständen geprägt. Sie zeigen sehr gut, dass es sich bei Handlungsdramen meist um sozialkritische Werke handelt.

Ein Beispiel für ein Figurendrama ist Johann Wolfgang von Goehtes „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand”. Als Vorbild der Hauptfigur gilt der Reichsritter Gottfried „Götz” von Berlichingen zu Hornberg. Das Drama handelt von dem Konflikt zwischen Götz von Berlichingen und dem Bischof von Bamberg. Dabei steht die Figur des Götz von Berlichingen für ein freies Rittertum und eine gerechte Monarchie. Er scheitert allerdings an der Realität der entstehenden bürgerlichen Gesellschaft. So muss er am Ende erkennen, dass er nur im Jenseits frei sein kann, denn die Welt ist ein Gefängnis.

Beim zweiten Beispiel handelt es sich um ein Werk von Heinrich von Kleist: „Prinz Friedrich von Homburg”. Es handelt vom Prinzen von Homburg, der General in der Armee des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg ist. Der Prinz schlafwandelt, was der Kurfürst nutzt, um ihm einen Streich zu spielen. Das verwirrt den Prinzen so sehr, dass er eine wichtige Kampfanweisung des Kurfürsten überhört. Im Kampf selbst handelt er dann gegen diese verpasste Anweisung. Der Kurfürst ist wütend auf ihn und lässt ihn wegen Befehlsverweigerung zum Tode verurteilen. Nach weiteren Vorfällen lässt der Kurfürst ihn begnadigen. Aber am Ende hält der Prinz alles nur für einen Traum. Der Fokus liegt im Werk dabei vor allem auf der Charakterdarstellung.

Fassen wir zusammen: Beim Handlungsdrama bestimmen die Entscheidungen der Figuren und äußere Umstände das Voranschreiten der Handlung. Häufig handelt es sich bei diesen Dramen um sozialkritische Werke. Wie z.B. bei Hauptmanns „Die Weber” und Brechts „Der gute Mensch von Sezuan”.

Bei Figurendramen hingegen stehen die Figuren und ihre Konflikte im Vordergrund. Die Darstellungen und Entfaltung der Charaktere sind besonders wichtig. Unsere Beispiele hierfür sind: Goethes „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand” und Kleists „Friedrich Prinz von Homburg”. Das war’s von mir. Viel Spaß beim Lernen! Kerstin