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Literatur der Aufklärung 09:02 min

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Transkript Literatur der Aufklärung

Ein Tanzbär war der Kett' entrissen,
Kam wieder in den Wald zurück,
Und tanzte seiner Schar ein Meisterstück
Auf den gewohnten Hinterfüßen.
"Seht", schrie er, "das ist Kunst; das lernt man in der Welt.
Tut es mir nach, wenn's euch gefällt,
Und wenn ihr könnt!" - "Geh", brummt ein alter Bär,
"Dergleichen Kunst, sie sei so schwer,
Sie sei so rar sie sei,
Zeigt deinen niedern Geist und deine Sklaverei."

Was fällt Euch an dem Gedichtanfang „Der Tanzbär“ von Gotthold Ephraim Lessing auf?

Genau:

  • Bären, also Tiere, sprechen wie Menschen, ähnlich einer Fabel.
  • Es wird direkt und umgangssprachlich gesagt, was gemeint ist.
  • Ein Bär belehrt den anderen.

Lessing lässt Tiere die menschlichen Schwächen verkörpern, um die Unterdrückung durch Machthabende und die Notwendigkeit einer Emanzipation deutlich zu machen.

Er möchte den Menschen verbessern.

Das sogenannte Lehrgedicht ist nur eine der literarischen Gattungen der Epoche der Aufklärung.

Bedeutung des Begriffes

Der Begriff Aufklärung bedeutet eigentlich „Licht ins Dunkel bringen“.

Er ist eng verbunden mit der frühmodernen Verurteilung des Mittelalters als einer rückständigen Epoche des finsteren Aberglaubens. Die Neuzeit sollte dem das Licht der Erkenntnis entgegensetzen.

In Frankreich wurden die Vertreter der aufklärerischen Denkweise Les Lumières genannt, allen voran der Schriftsteller Voltaire und der Philosoph Jean-Jacques Rousseau.

Die Dichter mussten sich jedoch erstmal von den Konventionen der Höfe befreien, von denen sie abhängig waren.

Bisher hatten sie mit pathetischen Oden und barockesque Hymnen die Fürsten gelobt und die höfische Gesellschaft unterhalten.

Jetzt galt es, die aufklärerischen Ideale in die Literatur zu übertragen und zu verbreiten.

Inhaltliche Aspekte

Inhalt war das bürgerliche Leben.

Das Ziel die Aufklärung des Bürgertums.

Die Schlagworte sind Vernunft, Verstand, Humanität und Nützlichkeit.

Der bedeutende Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz verbreitete die Lehre von der „besten aller Welten“: Nicht der derzeitige Zustand der Welt sei der bestmögliche, sondern die Welt habe das großartige Potential, unendlich verbessert und weiterentwickelt werden zu können.

Bekannt und berühmt ist aber vor allem der „Kritische Idealismus“ des deutschen Philosophen Immanuel Kant. In seinem Werk Was ist Aufklärung? schreibt er:

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen.“

Dieses Gedankengut war völlig neu. Immer hatten durch die absolutistische Herrschaft eines Königs oder Fürsten Staat und Kirche über der Gesellschaft gestanden.

Jeder musste das Leben leben, gleich dem Stand, in den er hineingeboren worden war. Doch jetzt wurden diese festen, traditionellen Zustände kritisiert.

Die Menschen sollten über ihre politische, soziale und geistige Unterdrückung "aufgeklärt" werden, um sich selbst befreien und emanzipieren zu können.

Die Erziehung und Bildung des Einzelnen galt als erster Schritt zu einer Veränderung der Gesellschaft.

Die Ideen der Aufklärung

Die neuen Ideen lauteten

  • Freiheit statt Absolutismus
  • Gleichheit statt Ständeordnung
  • wissenschaftliche Erkenntnis statt Vorurteil und Aberglauben
  • Toleranz statt Dogmatismus

„Sapere aude - Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ ist das Motto der Aufklärung.

Statt auf ein Jenseits zu hoffen, sollten die Menschen voller Optimismus ihren Lebenssinn im Diesseits sehen und ihre Tugenden entfalten. Und zwar, weil sie diese für richtig und nützlich hielten, ohne spätere Strafen wie Fegefeuer oder Hölle zu fürchten.

Verbreitung der neuen Ideen

Um die neuen Ideen zu verbreiten, bediente man sich der damals entstehenden Presse als erstes "Massenmedium" in Form von Wochenschriften sowie der Kunst.

Der Schriftsteller produzierte nun statt für einen kirchlichen oder adeligen Auftraggeber für den unabhängigen Verleger.

Die Leserschaft aufklärerischer Dichtung war jedoch zunächst gering, da die meisten Menschen weder lesen noch schreiben konnten.

Also hoffte man, vor allem mit dem Drama als darstellende Form die Zuschauer und Leser besser erziehen und verändern zu können.

Im bürgerlichen Trauerspiel stammten viele der handelnden Personen weiterhin aus dem Adel, verkörperten jedoch bürgerliche Tugenden und Vorstellungen.

Der wichtigste Vertreter dieser Drama-Form war Gotthold Ephraim Lessing.

Er hatte sogar die Idee von einem deutschen Nationaltheater, das nicht von anderen Ländern beeinflusst werden und aktuell sein musste. Seine wichtigsten Werke waren Miß Sara Sampson, Minna von Barnhelm, Emilia Galotti und Nathan der Weise.

Die neue Form der Aufklärung

Um 1770 wurde auch im Roman der adelige Held von einem bürgerlichen Protagonisten verdrängt.

Christoph Martin Wieland galt als erster Epiker mit seinem Bildungsroman Agathon.

Auch autobiographische Romane und satirische Formen spielten eine bedeutsame Rolle.

Georg Christoph Lichtenberg verfasste in seinen berühmten Sudelbüchern unzählige Aphorismen über Politik, Staat, Religion, Gesellschaft, Literatur und Philosophie.

Die Lyrik der Aufklärung war von Subjektivität und teils starken Gefühlsregungen bestimmt.

Das Lehrgedicht war Gedankenlyrik mit aufklärendem und moralischem Inhalt.

Es konnte dabei alle Wissensgebiete behandeln, von Religion bis Naturkunde.

Zudem erlebte die Fabel im 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt, obwohl sie über 2000 Jahre alt ist. Lessing verfasste 1759 sogar eine eigene Fabeltheorie.

Bezeichnend für die kurzen Erzählungen in Vers- oder Prosaton ist: Das menschliche Handeln und Denken sowie Andeutungen gesellschaftlicher und sozialer Probleme werden auf die Natur, also Tiere und Pflanzen, übertragen.

Veranschaulicht wird dies durch satirische Elemente und durch eine erzieherische und belehrende Erzählweise. An ihrem Ende steht eine Lebensweisheit, die „Moral von der Geschichte“.

So kritisiert der alte Bär in Lessings Gedicht den in den Wald zurückkehrenden jungen Tanzbären. Der glaubt nämlich, eine große Kunst gelernt zu haben - dabei wurde er dressiert und versklavt.

Dem alten Bären missfällt dabei, dass der junge Bär sich kritiklos angepasst hat, sich von der Natur hat entfremden lassen und stolz auf die Kunst derer ist, die ihn versklavt haben.

Lessing spielt damit in volkstümlicher Sprache auf die Bürger an, die sich vom Hofgehabe blenden lassen und nicht ihren eigenen Geist benutzen. Denn der Mensch sei von Natur aus frei und vernunftbegabt.

2 Kommentare
  1. Rene redaktion

    Hallo,
    kurz gesagt bedeutet Humanismus ein Denken und Handeln im Bewusstsein der Würde des Menschen. Es handelt sich dabei um ein Bildungsideal, das an das Menschenbild der griechisch-römischen Antike angelehnt ist und durch das jeder Mensch die beste Persönlichkeitsentfaltung/-entwicklung bekommen soll.

    Mit dem Humanismus kann man auch die von Italien ausgehende Bewegung des 14.–16. Jahrhunderts meinen, die durch wissenschaftliche und literarische Neuentdeckungen und die Wiederentdeckung der antiken Kultur gekennzeichnet ist.

    Beste Grüße
    Deine Deutschredaktion

    Von René Perfölz, vor mehr als 2 Jahren
  2. Default

    was bedeutet in kurz Humanismus ?

    Von Karenann, vor mehr als 2 Jahren