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Empfindsamkeit 07:21 min

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Transkript Empfindsamkeit

Hallo, ich bin Anna und ich wünsche euch viel Spaß mit diesem Video. In diesem Video geht es um die literarische Strömung der Empfindsamkeit. Ich werde euch etwas zum Ursprung der Empfindsamkeit sagen, zu ihrer Bedeutung und ihren Merkmalen und welche Autoren und Werke wichtig sind. Außerdem wisst ihr am Ende dieses Videos, wie sich die Empfindsamkeit vom Sturm und Drang unterscheidet. Um alles verstehen zu können, solltet ihr schon über die Epoche der Aufklärung bescheid wissen. Die Empfindsamkeit ist eine literarische Strömung zwischen 1740 und 1780. Zusammen mit dem Sturm und Drang gehört sie zur Epoche der Aufklärung im 18. Jahrhundert. Wie ihr wahrscheinlich noch wisst, war die Aufklärung das Zeitalter der Vernunft. Im Mittelpunkt stand der Mensch mit seiner Denkfähigkeit. Der deutsche Philosoph Emanuel Kant hat das zum Beispiel so formuliert: „Habe den Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Die Vertreter der Empfindsamkeit waren aber der Meinung, dass die Gefühle, die der Mensch hat, genauso wichtig sind wie sein Verstand und kritisierten die absolute Orientierung an der Rationalität. “Ratio” kommt aus dem lateinischen und bedeutet Vernunft. Sie fanden es also nicht gut, dass der Mensch nur über sein Denken charakterisiert wurde, sondern wollten die Emotionen auch in den Vordergrund stellen. Typische Gefühle in der Empfindsamkeit sind Liebe, Freundschaft oder Traurigkeit. Die Empfindsamkeit ist damit aber keine Gegenbewegung zur Aufklärung, sondern viel mehr als eine Ergänzung im Sinne einer Verbindung von Verstand und Gefühl gedeutet, deshalb ist sie auch nur eine literarische Strömung und keine eigene Epoche. Im Gegensatz zur Empfindsamkeit kann der Sturm und Drang schon fast als eine Protestbewegung oder Jugendbewegung bezeichnet werden. Junge Autoren kritisierten zusätzlich auch politische und gesellschaftliche Umstände. Zum Beispiel die bürgerlichen Moralvorstellungen, die sie als einengend und spießig empfanden. In Anlehnung an das Werk des englischen Autors Laurence Sterne „A Sentimental Journey“, das Gotthold Ephraim Lessing mit „Empfindsame Reise“ übersetzte, entstand dann der Begriff Empfindsamkeit und bürgerte sich für diese neuartige literarische und soziale Strömung schnell in Deutschland ein. Bald findet man das Wort Empfindsamkeit in Wörterbüchern, sodass es zum allgemeinen Sprachgebrauch zählte. Johann Christoph Adelung, ein Germanist und Bibliothekar, schrieb dazu 1776 im deutschen Wörterbuch: „Empfindsamkeit ist sonach die Fähigkeit, leicht zu sanften Empfindungen gerührt zu werden.“ Und der Schriftsteller und Sprachforscher Johann Heinrich Campe bestimmt den Begriff im Wörterbuch der deutschen Sprache mit: „Fähigkeit zu sanften angenehmen Empfindungen und an teilnehmenden Gemütsbewegungen Vergnügungen zu finden.“ Den Ursprung hat die Empfindsamkeit in der Religion. Der Glaube war also wichtig, aber man war unabhängig von den Vorgaben der Kirche. Das merkt man in der Sprache der empfindsamen Literatur, die auch als die Sprache des Herzens bezeichnet wird. Es war also eine sehr gefühlvolle Sprache. Hier stammen ganz viele Wörter aus dem Wortschatz der Religion. Zum Beispiel zärtlich, berührt, überfließen, Gemütlichkeit und Lebensstrom. Die Autoren der Empfindsamkeit wendeten sich in ihren Werken außerdem wieder mehr der Natur und der Natürlichkeit zu. Diese war im Zuge der Zivilisation und dem Aufkommen von neuen Erfindungen, wie zum Beispiel der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert, etwas in den Hintergrund gerückt und sollte nun wieder stärker verehrt werden. Die Schönheit der Natur wurde deshalb viel betont. Kommen wir nun zu den literarischen Gattungen der Empfindsamkeit. In allen, die in dieser Strömung bevorzugt wurden, können die Gefühle sehr gut dargestellt werden. Wichtig sind vor allem die Lyrik, das Epos, das Drama, und hier besonders das bürgerliche Trauerspiel und der Roman, besonders der Briefroman. Ich nenne dir jetzt einige Vertreter der literarischen Empfindsamkeit. Bestimmt kennst du das Gute-Nacht-Lied „Der Mond ist aufgegangen“. Ursprünglich war das ein Gedicht von Matthias Claudius, der dies 1778 schrieb. Es zählt zu den lyrischen Werken der Empfindsamkeit. Ein anderer wichtiger Vertreter ist Friedrich Gottlieb Klopstock. Er schrieb das Epos „Messias“ 1748, das sozusagen die Strömung einläutete. Ein weiterer Autor ist Christian Fürchtegott Gellert mit seinem Briefroman „Das Leben der schwedischen Gräfin von G.“ von 1747. Das war der erste deutsche Roman, der ins Englische, Französische und Italienische übersetzt wurde. Und auch Gotthold Ephraim Lessing, von dem wir eben schon gehört haben, hat mit seinem bürgerlichen Trauerspiel „Miss Sara Sampson“ 1755 zu dieser Strömung beigetragen. Zusammenfassend für die literarische Strömung der Empfindsamkeit kannst du dir jetzt folgende Stichpunkte merken: 1740 bis 1780; Strömung in der Aufklärung; Gefühlsbetontheit, Sprache des Herzens, Schönheit der Natur; Lyrik, Drama und Roman und Claudius, Klopstock und Lessing. Ich hoffe, du hast alles verstanden. Und bis zum nächsten Mal.

1 Kommentar
  1. Img 0254

    aloha

    Von eric a., vor etwa 2 Jahren