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Lyrik des Sturm und Drang 07:21 min

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Transkript Lyrik des Sturm und Drang

Hi, ich bin’s, Tim. Kennst du das Gedicht “Prometheus” von Goethe? Hier die zweite Strophe:

Ich kenne nichts Ärmeres Unter der Sonn' als euch Götter! Ihr nähret kümmerlich Von Opfersteuern Und Gebetshauch Eure Majestät Und darbtet, wären Nicht Kinder und Bettler Hoffnungsvolle Toren.

Worum geht es hier? Um Auflehnung? Hört man Revolution? Es geht gegen Autorität, denn dieses Gedicht beinhaltet sozusagen das “Programm” des Sturm und Drang. Sehen wir uns das mal genauer an. Was ist der Sturm und Drang? Es ist eine literarische Epoche im Deutschland des ausgehenden 18. Jahrhunderts, genauer gesagt von 1767 bis 1785. Den Namen hat die Epoche von einem Drama von Friedrich Maximilian Klinger.

Der Sturm und Drang schließt sich an die Epoche der Aufklärung an. Das ist wichtig, denn die Dichter des Sturm und Drang lehnen sich gegen die Aufklärung auf. Die Aufklärung war nämlich durch rationale Denkmuster und strenge Formenlehre geprägt. Die Kunst hatte den Konventionen, die sich aus dem reinen Denken, also der Rationalität, ergaben, zu folgen.

Das aber sahen etliche Schriftsteller nicht ein: ein junger Johann Wolfgang von Goethe und ein nur wenig älterer Johann Gottfried von Herder schrieben in ihren Zwanziger-Jahren gegen diese vollkommene Ausblendung des Gefühlsvollen und der Überbetonung der starren Regelwerke an.

Anstatt sich an der Philosophie von Kant zu orientieren, die vor allem eine Philosophie des kritischen Denkens ist, stellten die Dichter des Sturm und Drang Kreativität und individuelle Genialität in den Vordergrund. Sie waren der Meinung, dass das künstlerische Schaffen natürlich und ohne großes Überlegen aus dem Schriftsteller herausfließen müsse. Der Begriff des Genies betonte dabei vor allem die Neuartigkeit und Originalität des Geschaffenen. Die Epoche heißt deshalb auch “Geniezeit”.

Das Schaffen der Dichter zeigte sich dabei bevorzugt in der Gattung des Drama und in der Lyrik. Ein bekanntes Drama ist z.B. Goethes “Götz von Berlichingen”. Auch Goethes sehr bekannter Briefroman “Die Leiden des jungen Werther” fallen in diese Epoche. Wir wollen uns hier allerdings auf die Lyrik des Sturm und Drang konzentrieren.

Die Lyrik des Sturm und Drang zeichnet sich vor allem durch eine Abkehr von der normativen Poetik der Aufklärung aus. Die Dichter wollten sich also ihre Formen und Regeln selbst wählen. Meistens drückten sie sich daher in einer freien Liedform aus. Das Volkslied erhielt so große Bedeutung. Drei wesentliche lyrische Formen erschufen sich die jungen Männer des Sturm und Drang

Die Volksballade schloss sich an das Volkslied an und erzählte von einer außerordentlichen Begebenheit. In ihr wurden meist eigene Erlebnisse verarbeitet.

Die Liebeslyrik hatte eine sehr freie und unregelmäßige Form, etwas, das man bis dahin nicht kannte. Ein Beispiel ist Goethes Gedicht “Heideröslein”, das im Zyklus seiner “Sesenheimer Lieder” erschien. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Sah ein Knab’ ein Röslein stehn, Röslein auf der Heiden, War so jung und morgenschön, Lief er schnell, es nah zu sehn, Sah’s mit vielen Freuden. Röslein, Röslein, Röslein rot Röslein auf der Heiden.

Und drittens verfassten die Dichter des Sturm und Drang Hymnen. Diese waren, wie unser erstes Beispiel, der “Prometheus”, als Heldendichtung an die Antike angelehnt.

Im Gegensatz zur Aufklärung und ihrem emotionslosen, rationalen Denken legte der Sturm und Drang vor allem Wert auf Sinnliches: Natur, Liebe und Erlebnisse waren meist die Themen, die die jungen Dichter beschäftigten. Aufgrund der Bedeutsamkeit von Erlebnissen innerhalb der Lyrik wird die Lyrik des Sturm und Drang auch als “Erlebnislyrik” bezeichnet.

Fassen wir kurz noch einmal die wichtigsten Punkte zur Lyrik des Sturm und Drang zusammen:

Der Sturm und Drang war eine literarische Epoche von 1767 und 1785. Sie begründete sich durch junge Dichter in ihren Zwanziger Jahren wie Goethe, Herder und Klinger, die sich gegen das strikte Formendenken und Regeltum der rationalen Aufklärung wandten. Die Schriftsteller des Sturm und Drang stellten der Aufklärung dabei den Begriff des “Genies” entgegen: Das Genie schöpft aus der Natur und ist dabei besonders kreativ und originell, schafft also Neues. Neben dem Drama waren dabei vor allem die Lyrik wichtig, die sich eine neue Form suchte: nämlich die des freien Volksliedes. Das Volkslied drückte sich aus in den verschiedenen Formen der Volksballade, der Liebeslyrik und der Hymne, die sich an antiken Vorbildern orientierte. Ihre vorherrschenden Themen waren dabei die Natur, Liebe und Erlebnisse. Darum heißt die Dichtung des Sturm und Drang auch häufig “Erlebnislyrik”. Bekannte Gedichte sind zum Beispiel Goethes “Prometheus” und das “Heideröslein”. Barock, Aufklärung, Sturm und Drang...nur was kommt danach? Weißt du’s? Ich sag ciao!