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Peptidbindung und Primärstruktur 07:01 min

Textversion des Videos

Transkript Peptidbindung und Primärstruktur

Guten Tag und herzlich willkommen, dieses Video heißt: Peptidbindung und Primärstruktur. Welche Vorkenntnisse solltet Ihr mitbringen? Ihr solltet bereits gute Kenntnisse über Aminosäuren besitzen. Ihr solltet wissen, was ein Zwitterion ist. Ihr solltet die Neutralform eines Aminosäuremoleküls kennen. Ein Kation oder ein Anion eines Aminosäuremoleküls sollten Euch klare Begriffe sein. Das Video über die Acylierung solltet Ihr angeschaut haben. Ziel des Videos ist es, Euch die Reaktion von Aminosäuren miteinander zu vermitteln. Ihr sollt verstehen, dass diese Reaktion der erste Schritt auf dem Weg zur Bildung von Eiweißen ist. Das Video ist in 5 Abschnitte gegliedert: 1. Peptidbindung, 2. Oligopeptid und Polypeptid, 3. Sequenz und Primärstruktur, 4. Süßstoff Aspartam und 5. Zusammenfassung. 1. Peptidbindung: Bisher haben wir meist einzelne Aminosäuremoleküle betrachtet. Heute wollen wir 2 neutrale Aminosäuremoleküle in Wechselwirkung treten lassen. Es sollen 2 Moleküle der Aminosäure Glycin miteinander reagieren. Bei dieser Reaktion wird von dem einen Glycinmolekül eine Gruppe OH abgespalten, vom anderen Glycin ein Wasserstoffatom. In der Summe wird ein Wassermolekül freigesetzt. An den Stellen der Abspaltung kommt es zu einer Verknüpfung der beiden Molekülfragmente miteinander. Es entsteht ein größeres, neues Molekül. Ein sogenanntes Säureamid. Die rot markierte Bindung wird im Fall von Aminosäuren als Peptidbindung bezeichnet. Wir unterscheiden bei dem neu entstandenen Molekül zwischen Aminoende und Carboxylende. Die neu entstandene Verbindung bezeichnet man auch als Glycyl-glycin. In Drei-Buchstaben-Abkürzung auch H-Gly-Gly-OH. Das entstandene Molekül ist ein Dipeptid. 2. Oligopeptid und Polypeptid Ein Tripeptid, bestehend aus 3 Molekülen, Glycin, sieht so aus. Wir schreiben nach dem 3 Buchstaben-Code H-Gly-Gly-Gly-OH.  Das Tripeptid oben zählt zu den Oligopeptiden. Oligopeptide können bis zu 20 Aminosäuren enthalten. Polypeptide enthalten noch mehr Aminosäuren. Man spricht von einem Polypeptid, wenn die Molmasse des Moleküls größer als 10 Kilodalton ist. Das entspricht 10000 Units. Bei Oligo- und Polypeptiden trifft man Isomerie an. Wenn Glycin und Alanin ein Dipeptid bilden, so entstehen 2 isomere Verbindungen. Im oberen Fall befindet sich der Glycinrest am Aminoende. Und der Alaninrest am Carboxylende. Im unteren Fall ist es umgekehrt. Noch mehr Isomere erhält man, wenn man es mit Tripeptiden zu tun hat. Glycin, Alanin und Phenylalanin bilden ein Tripeptid. Man erhält 3!=1x2x3=6 Konstitutionsisomere. Wir betrachten nun ein Polypeptid mit verschiedenen Aminosäuren, wobei jede nur einmal auftauchen soll. Die Zahl der Konstitutionsisomeren errechnet sich dann nach n!. 3. Sequenz und Primärstruktur Man kann auch sagen, dass es bei den Konstitutionsisomeren des betrachteten Tripeptids Unterschiede in der Sequenz der Aminosäuren gibt. Sequenz bedeutet Abfolge oder Anordnung. Die Sequenz einer Polypeptidkette wird auch als Primärstruktur des Polypeptids bezeichnet. 4. Süßstoff Aspartam Ich möchte Euch nun eine Formel aufzeichnen, die auf den ersten Blick einen ziemlich ungelenkten Eindruck hinterlässt. Wenn ich mir allerdings das Molekül an der eingezeichneten Stelle getrennt vorstelle, so kann ich es in seine Bestandteile zerlegen. Es handelt sich um ein Dipeptid, das aus den Aminosäuren Asparaginsäure und Phenylananin besteht. Das Carboxylende der Verbindung ist methyliert. Das heißt, wir haben es zusätzlich mit einem Methylester zu tun. Beide chirale Zentren der Verbindung besitzen L-Konfiguration. Der systematische Name der Verbindung, die den trivialen Namen Aspartam trägt, lautet L-Aspatyl-L-phenyl-alaninmethylester. Bei Aspartam handelt es sich um einen Süßstoff, der 200 mal süßer als Zucker ist. Die Struktur ist auf unsere Rezeptoren zugeschnitten, der Ethylester zum Beispiel besitzt keine Süßkraft. Verändert man die Stereochemie, geht von einer L- in eine D-Konfiguration über, so schmeckt die Verbindung bitter. Bei Patienten mit Phenolketonurie, PKU, ist der Gebrauch von Aspartam kontraindiziert. Diese Patienten besitzen eine Phenylalaninunverträglichkeit. Bei gesunden Patienten wir der Dauergebrauch von Aspartam kontravers beurteilt. 5. Zusammenfassung Aspartam ist ein Beispiel für ein Dipeptid. Es entsteht aus 2 Aminosäuren, Asparaginsäure und Phenylalanin. Bei Peptiden, die aus verschiedenen Aminosäuren bestehen, wie zum Beispiel dem Tripeptid, das aus Glycin, Phenylalanin und Alanin gebildet wird, kommt es zu Konstitutionsisomeren. Die Isomere zeigen eine unterschiedliche Abfolge der Aminosäuren, das heißt, eine unterschiedliche Sequenz. Oligopeptide sind Peptide, die bis zu 20 Aminosäuren enthalten. Polypeptide besitzen eine Molmasse von mehr als 10 Kilodalton. Die Sequenz der Polypeptide, die man auch Biopolymere nennt, bezeichnet man als Primärstruktur. Ich danke für die Aufmerksamkeit, alles Gute, auf Wiedersehen.    

3 Kommentare
  1. Hallo ..ist es immer so bei der Proteinsynthese dass sie mit Amino-gruppe anfängst und mit Carboxyl gruppe endet? Ich meine wann trennen sich die Aminosäuren und aufhören,miteinander zu reagieren?

    Von Rankh699, vor mehr als 5 Jahren
  2. Da gibt es in der Literatur verschiedene Angaben. Ich bin zu wenig Spezialist auf diesem Gebiet, um mich da festzulegen. Für dich ist bindend, was deine Lehrerin/dein Lehrer vorgibt.
    Alles Gute

    Von André Otto, vor mehr als 6 Jahren
  3. Ich bin sogar in der 11. Klasse und habe es verstanden. Aber kann ein Oligopeptid nicht maximal 10 Aminosäuren betragen? In deinem Video erwähntest du, dass es bis zu 20 enthalten kann.

    Von Nick .., vor mehr als 6 Jahren

Peptidbindung und Primärstruktur Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Peptidbindung und Primärstruktur kannst du es wiederholen und üben.

  • Nenne das wichtigste Unterscheidungsmerkmal von Glycin im Vergleich zu den anderen Aminosäuren.

    Tipps

    Notiere die allgemeine Formel einer natürlichen Aminosäure.

    Überlege, ob das Verhalten von Aminosäuren in wässriger Lösung immer gleich ist.

    Kennst du flüssige oder gasförmige Aminosäuren?

    Erinnere dich, was in der organischen Chemie Chiralität bedeutet.

    Lösung

    Die Aminosäuren weisen eine ganze Reihe an Gemeinsamkeiten auf:

    • Alle Aminosäuren bilden Zwitter-Ionen.
    • Carboxygruppe und Aminogruppe sind immer durch ein Kohlenstoffatom voneinander getrennt.
    • Zwar reagieren nicht alle Aminosäuren neutral, es gibt aber außer Glycin noch andere neutrale Vertreter.
    • Alle Aminosäuren und Peptide sind fest und farblos.
    Einziger Unterschied:
    • Glycin ist nicht wie alle anderen Aminosäuren chiral. Grund: Am zentralen Kohlenstoffatom befinden sich zwei Wasserstoffatome. Wir haben also kein Kohlenstoffatom mit vier unterschiedlichen Substituenten.

  • Beschreibe eine Peptidbindung unter alleiniger Beteiligung von Glycin.

    Tipps

    Der Name Dipeptid zeigt an, wie viel Moleküle verwendet werden müssen.

    Die Dipeptid-Bildung ist eine Kondensation.

    Die Bindung wird nach der Verbindungsklasse bezeichnet.

    Lösung

    Die Wortgleichung

    Natürlich reagiert hier Glycin und nicht Glycerin. Für das Hauptprodukt wurde der allgemeine Name Dipeptid gewählt. Es ist eine Kondensation, es entsteht nämlich Wasser als Nebenprodukt.

    • Glycin + Glycin $ \longrightarrow$ Dipeptid + Wasser
    Die Formelgleichung

    Verwendet werden hier die rationalen Formeln - für die Aminosäure Glycin als auch für das Dipeptid.

    • $H_2N-CH_2-COOH + H_2N-CH_2-COOH$ $\longrightarrow H_2N-CH_2-CO-NH-CH_2-COOH + H_2O$
    Beschreibung

    Die Beschreibung wurde bewusst allgemein gehalten. Natürlich reagieren hier keine Kohlensäure-Moleküle. Ein Säurechlorid gibt es hier auch nicht.

    • Aus zwei Aminosäure-Molekülen entsteht ein Dipeptid. Es handelt sich um ein Säureamid. Die charakteristische Bindung $-CO-NH-$ bezeichnet man als Peptid-Bindung.

  • Nenne die Eigenschaften des Süßstoffs Aspartam.

    Tipps

    Überprüfe, ob wenigstens eine Carboxygruppe im Aspartam-Molekül vorliegt.

    Das Glycin-Molekül ist achiral.

    Chiralität bestimmt die für die Konsumtion wichtigen Eigenschaften organischer Verbindungen.

    Lösung

    Aspartam gehört zu den Süßstoffen und hat eine Süßkraft, die 200 mal stärker ist als die des Haushaltszuckers. Süß ist nur der Süßstoff mit jeweiliger L-Konfiguration. Bei jeweiliger D-Konfiguration ist die Verbindung bitter.

    Aspartam ist ein Dipeptid und besteht aus den Aminosäuren Phenylalanin und Asparaginsäure. Es ist derivatisiert ein Methylester. Das erkennst du an der Methylgruppe, die an der Carboxygruppe von Phenylalanin gebunden ist.

    Für Menschen mit Phenylketonerie ist Aspartam kontraindiziert. Sie dürfen es also unter keinen Umständen aufnehmen. Aber auch bei gesunden Menschen wird der regelmäßige Konsum von Aspartam kontrovers beurteilt.

  • Schätze die Gefahr einer Methanol-Vergiftung durch Aspartam ab.

    Tipps

    Die Salzsäure schafft ein Gleichgewicht zwischen dem Ester und seinen Synthese-Bausteinen.

    20 g Methanol schnell genossen ist für leichte Menschen lebensbedrohlich.

    • Die Süßkraft des Aspartams ist 200 mal höher als die von Zucker.
    • Der Maximalmenge an Methanol liegt in einem Softdrink bei weniger als 100 mg in einem Liter.
    Lösung

    Natürlich kann Aspartam Methanol liefern. Der giftige Alkohol wird im Softdrink in der Hitze mit Sicherheit auch entstehen. Wenn man davon allerdings sterben wollte, müsste man mindestens 200 Liter des Softdrinks in kürzester Zeit austrinken.

    Es mag also sein, dass Aspartam schädlich ist - aber mit Sicherheit nicht durch den Konsum zu großer Mengen Softdrinks.

  • Berechne die Zahl möglicher Peptide, die aus zehn Aminosäuren entstehen können.

    Tipps

    In der Kombinatorik nennt man eine solche Zählung Permutation, genauer Permutation ohne Wiederholung.

    Lösung

    Mit der Permutation ist doch fast schon alles verraten. Folglich haben wir mit dem Ansatz $n!$ zu rechnen.

    Die n-Fakultät ist:

    • $1\cdot2 \cdot 3 \cdot... \cdot n$
    Wir rechnen per Hand oder mit dem Taschenrechner:

    10! = 3 628 800

    Zur Vergleichbarkeit:

    • New Yorks Einwohnerzahl liegt schon seit vielen Jahren im zweistelligen Millionenbereich.
    • Der Staat Kanada nimmt eine Fläche von fast 10 Millionen Quadratkilometern ein.
    • Der Eiffelturm ist 301 m hoch.
    • Zwischen Berlin und München liegen etwa 585 km.
    Berlin hat eine Einwohnerzahl von etwa 3,4 Mio und ist daher am besten mit der Anzahl der Strukturen vergleichbar.

  • Erkläre die makroskopischen Eigenschaften von Aminosäuren und Oligopeptiden durch ihre Struktur.

    Tipps

    Untersuche die funktionellen Gruppen von Peptiden auf intermolekulare Kräfte.

    Erinnere dich, welche Eigenschaften von Teilchen eine gute Wasserlöslichkeit bewirken.

    Ausgedehnte $\pi$-Elektronensysteme führen in der organischen Chemie zur Farbigkeit der Verbindungen.

    Guanidin ist eine Superbase.

    Lösung

    Aus der Struktur von Aminosäuren lassen sich eine ganze Reihe von Eigenschaften ableiten:

    • Die Teilchen des Glycins entstehen durch die Bewegung von Protonen von der sauren Carboxygruppe zur basischen Aminogruppe. Es entstehen Zwitter-Ionen. Diese bilden ein Ionengitter. Daher ist Glycin trotz kleiner molekularer Größe noch bis 231°C fest. Die Verbindung schmilzt nicht. Es kommt zur Zersetzung.
    • Glycin besteht aus relativ kleinen Teilchen mit ausgeprägten Ladungen. „Gleiches löst sich in Gleichem.“ Daher ist Glycin gut wasserlöslich.
    • Im Gegensatz zu Aminosäuren besitzen Peptide nur Ladungen an den Teilchenenden. Dazwischen haben sich Peptid-Bindungen gebildet. Diese interagieren zwar nicht so kräftig wie Ionen, sie sind aber zu Wasserstoffbrückenbindungen befähigt. Daher sind die Verbindungen fest.
    • Mit extensiven konjugierten Systemen von $\pi$-Elektronen können die Teilchen von Aminosäuren und Peptiden nicht dienen. Daher können sie im Bereich des weißen sichtbaren Lichts nicht absorbieren. Die Verbindungen sind daher nicht farbig.
    • Asparaginsäure reagiert sauer, da die Teilchen eine zusätzliche Carboxygruppe -COOH enthalten.
    • Arginin enthält zusätzlich eine Guanidino-Gruppe. Die Verbindung Guanidin ist eine Superbase. Aus diesem Grund ist Arginin stark basisch.