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Färben von Natur- und Kunstfasern 08:55 min

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Transkript Färben von Natur- und Kunstfasern

Hallo und ganz herzlich willkommen! In diesem Video geht es um das "Färben von Natur- und Kunstfasern".

Naturfasern wurden schon in Ägypten vor 4000 Jahren gefärbt. Drei Farben standen den Menschen im Altertum zur Verfügung: Rot mit dem Krapprot aus der Färberröte. Gelb mit dem Farbstoff Luteolin aus dem Färberwau oder mit Curcuma (Farbstoff Curcumin) aus dem Gelbwurz. Und schließlich wurde das Blau durch das Indigo geliefert. In Deutschland wurde im Mittelalter Indigo aus Färberwaid gewonnen. Mit der Industrialisierung und der Kunstfasersynthese stiegen die Ansprüche an die Qualität sowie die Mengenbewältigung industrieller Färbeverfahren.

Färbeverfahren Bis zur heutigen Zeit hat sich eine Reihe von Färbeverfahren etabliert. Das Wesen der wichtigsten möchte ich kurz erläutern. Ich unterscheide 7 Verfahren.

  1. Direktfärbung
  2. Entwicklungsfärbung
  3. Küpenfärbung
  4. Beizenfärbung
  5. Metallkomplexfärbung
  6. Reaktivitätsfärbung
  7. Dispersionsfärbung

Achtung! In der modernen Färberei unterscheidet man gewöhnlich nur vier Verfahren: 1. Direktfärbung 2. Entwicklungsfärbung 3. Reaktivitätsfärbung 4. Dispersionsfärbung

Generell ist zu sagen, dass Färben nur dann efolgreich ist, wenn ausreichend starke Kräfte zwischen dem Farbstoff und der Textilfaser auftreten. Bei den meisten Färbeverfahren handelt es sich um Van - der - Waals - Kräfte oder Wasserstoffbrückenbindungen. Nur in einem Fall, bei der Reaktivitätsfärbung sind Farbstoff und und Textilfaser über kovalente Bindungen miteineinander verknüpft.

  1. Direktfärbung Durch Eintauchen der Faser in die Färbeflotte kommt es zum Färben. Das ist das einfachste Färbeverfahren.
  2. Entwicklungsfärbung Im ersten Schritt tränkt man das Färbegut mit einer löslichen Vorstufe des späteren Farbstoffs. Die so vorbehandelten Fasern werden in eine Lösung mit Diazonium - Ionen getaucht. Durch die einsetzende chemische Reaktion, die Diazotierung, entsteht ein Azofarbstoff. Dieser Farbstoff haftet fest auf der Faser.
  3. Küpenfärbung Ein typisches Beispiel für die Küpenfärbung ist das Färben mit Indigo. Da Indigo selbst kaum wasserlöslich ist, tränkt man das Färbegut mit einer reduzierten Form des Indigos. An der Luft wird diese Verbindung oxidiert und es entsteht der blaue Indigo. Er haftet fest durch Adsorption an der Faser an.
  4. Beizenfärbung Hier werden den Textilien Salze in Lösung zugeführt. Die Metall - Ionen dieser Salze haften auf der Faser fest. Durch Wasserdampfbehandlung entstehen Hydroxide. Diese reagieren mit dem Säurefarbstoff. Das Reaktionsprodukt wird auf der Faseroberfläche fixiert.
  5. Metallkomplexfärbung Es werden Komplexe aus Metall - Ionen und sauren Farbstoffen vorbereitet. Diese besitzen ein höheres Haftungsvermögen auf der Faser als der reine Farbstoff.
  6. Reaktivfärbung Hier findet eine chemische Reaktion zwischen der Faseroberfläche (z. B. Cellulose) und einem reaktiven Farbstoffmolekül statt. Im Ergebnis entsteht eine stabile kovalente Bindung. Dadurch ist die Textilie ausgesprochen waschecht.
  7. Dispersionsfärbung Um mit wasserunlöslichen Farbstoffen färben zu können, werden diese in eine stabile Suspension überführt. Die Textilfaser extrahiert nun die Farbstoffmoleküle, die auf deren Oberfläche adsorbiert werden.

Was wofür? Die beiden wichtigsten Kriterien für die Anwendbarkeit eines Färbeverfahrens sind: Lichtechtheit und Waschechtheit der Textilie. Liegt jeweils ausreichende Qualität vor, kann entsprechend gefärbt werden.

Ich möchte nun zu verschiedenen Fasern die geeigneten Färbeverfahren benennen.

Wolle Direktfärbung (mit sauren Farbstoffen) Metallkomplexfärbung Beizenfärbung

Seide Direktfärbung (mit sauren und basischen Farbstoffen) Beizenfärbung

Cellulose und Reaktivfärbung Baumwolle Küpenfärbung
Entwicklungsfärbung Beizenfärbung (mit basischen Farbstoffen) Polyester Dispersionsfärbung (direkt)

Polyamid Direktfärbung (mit sauren Farbstoffen) Metallkomplexfärbung

Polyacryl Beizenfärbung (mit basischen Farbstoffen)

Gesetzmäßigkeiten

(a) Auffällig ist, dass Kunstfasern schlechter direkt eingefärbt werden können. Sie sind generell schlechter färbbar, da sie wasserabweisend sind. (b) Naturfasern besitzen eine komplexere Struktur. Dadurch und durch die funktionellen Gruppen zeigen sie stärkere vdW - Wechselwirkungen und stabilere Wasserstoffbrückenbindungen. Schließlich können sie (Beispiel Cellulose) mit Farbstoffmolekülen reagieren. (c) Bemerkenswert ist die Anwendbarkeit von Metallkomplexfärbung und Beizenfärbung für fast alle Fasern. (d) Für Polyester ist nur die Dispersionsfärbung anwendbar.

Was kann man selbst färben? Naturfasern lassen sich unter häuslichen Bedingungen leicht färben oder umfärben. Man tut das mit der Direktfärbung. Besteht ein Bekleidungsstück aus einer Kunstfaser, so kann es zu Problemen kommen. Polyacryl oder Polyester lassen sich leider nicht direkt färben.

Das war es auch schon wieder für heute. Ich wünsche euch alles Gute und viel Erfolg. Tschüs

Euer André