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Ökologische Potenz (Basiswissen)

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Ökologische Potenz (Basiswissen)
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Warum manche Tiere überall leben können und andere nicht

Du kennst das vielleicht von zuhause: Deine Zimmerpflanze verträgt nur eine geringe Menge an Wasser und Licht, während Unkraut im Garten fast überall wächst, egal ob es regnet oder länger trocken ist. Genau dieses Phänomen beschreibt die Biologie mit einem eigenen Begriff: der ökologischen Potenz. Er erklärt, warum manche Lebewesen nur ganz bestimmte Umweltbedingungen vertragen, andere dagegen mit wechselnden Bedingungen zurechtkommen. Was das für das Überleben von Arten bedeutet, erfährst du in diesem Text.

Ökologische Potenz – Definition

Denken wir noch einmal an Zimmerpflanze vs. Unkraut im Garten.

Die ökologische Potenz beschreibt die Fähigkeit eines Lebewesens, Schwankungen eines Umweltfaktors zu tolerieren. Sie gibt an, wie breit oder schmal der Bereich eines Faktors – etwa Temperatur oder Feuchtigkeit – ist, in dem eine Art überleben und sich fortpflanzen kann.

Um das Konzept der ökologischen Potenz besser zu verstehen, sind ein paar weitere Fachbegriffe von Bedeutung.

Der Toleranzbereich – zwischen Minimum und Maximum

Jeder Umweltfaktor, etwa die Temperatur, bestimmt für ein Lebewesen einen spezifischen Bereich, in dem es existieren kann. Stell dir eine Forelle vor, die in einem Gebirgsbach lebt. Wird das Wasser zu warm, stirbt sie, wird es zu kalt, stirbt sie ebenfalls. Dazwischen liegt ein Bereich, in dem sie überleben kann.

Der Toleranzbereich ist die Spanne eines Umweltfaktors zwischen dem Minimum und dem Maximum, innerhalb derer ein Lebewesen überleben kann. Innerhalb dieses Bereichs liegt das Optimum, also der Wert, bei dem sich die Art am wohlsten fühlt und am besten fortpflanzt.

Der Zusammenhang zwischen Umweltfaktor und Wohlbefinden lässt sich als sogenannte Toleranzkurve darstellen. Sie steigt vom Minimum an, erreicht am Optimum ihren höchsten Punkt und fällt zum Maximum hin wieder ab. Dieser glockenförmige Verlauf zeigt, dass Lebewesen nicht nur zwischen "überleben" und "sterben" existieren, sondern abgestufte Wohlfühlbereiche haben.

Toleranzkurve

Das Optimum

Ein häufiger Denkfehler ist, das Optimum mit dem gesamten Toleranzbereich gleichzusetzen. Eine Forelle kann zum Beispiel bei 12 Grad Celsius am besten wachsen und sich fortpflanzen, aber trotzdem noch bei 4 oder 18 Grad überleben, nur eben unter für sie deutlich schlechteren Bedingungen.

Das Optimum ist der Wert eines Umweltfaktors, bei dem die Art die höchste Leistungs- und Fortpflanzungsfähigkeit erreicht. Der günstige Bereich um das Optimum wird als Präferendum bezeichnet.

Physiologische Potenz und ökologische Potenz – der Unterschied

Bisher hast du den Toleranzbereich unter Laborbedingungen kennengelernt, als würde ein Lebewesen ganz allein und ungestört in seiner Umwelt existieren. In Wirklichkeit lebt aber kaum eine Art ohne Konkurrenz durch andere Arten oder Artgenossen. Genau hier setzt eine wichtige Unterscheidung an.

Die physiologische Potenz beschreibt den theoretisch möglichen Toleranzbereich eines Lebewesens, wenn keine Konkurrenz oder andere biotische Einflüsse vorhanden sind, etwa unter Laborbedingungen.

Die ökologische Potenz beschreibt dagegen den tatsächlich genutzten Bereich in der freien Natur, der durch Konkurrenz, Fressfeinde oder andere Wechselwirkungen mit Artgenossen und Fremdarten meist deutlich kleiner ausfällt.

physiologische und ökologische Potenz

Ein Beispiel verdeutlicht diesen Unterschied: Eine Pflanzenart könnte im Labor, ganz ohne Konkurrenz, in einem sehr breiten Temperaturbereich wachsen. In der freien Natur setzt sich an den günstigsten Standorten aber oft eine konkurrenzstärkere Art durch und verdrängt sie dorthin, wo die Bedingungen schlechter sind. Die tatsächlich genutzte ökologische Potenz ist dadurch kleiner als die physiologisch mögliche.

Stenök und euryök – schmale und breite Toleranz

Nicht jede Art hat einen gleich breiten Toleranzbereich. Manche Arten vertragen nur sehr geringe Schwankungen eines Faktors, andere kommen mit großen Schwankungen zurecht.

Eine stenöke Art hat einen schmalen Toleranzbereich und verträgt nur geringe Schwankungen eines Umweltfaktors.

Eine euryöke Art hat dagegen einen breiten Toleranzbereich bezüglich eines Umweltfaktors und kommt mit starken Schwankungen zurecht.

Ein Beispiel für eine stenöke Art ist die Bachforelle, die nur in sauberem, kühlem und sauerstoffreichem Wasser überlebt. Die Wanderratte dagegen ist euryök: Sie kommt sowohl in warmen Kellern als auch in kalten Kanalisationen zurecht und ernährt sich von ganz unterschiedlicher Nahrung.

Merkmal Stenöke Art Euryöke Art
Toleranzbereich Schmal Breit
Verbreitungsgebiet Meist klein und speziell Meist groß und vielfältig
Beispiel Bachforelle (empfindlich gegenüber Temperatur und Sauerstoffgehalt) Wanderratte (verträgt viele unterschiedliche Lebensräume)
Gefährdung bei Umweltveränderung Hoch, da wenig Spielraum Niedrig, da flexibel anpassungsfähig

Das Prinzip des begrenzenden Faktors

Ein Lebewesen ist nie nur von einem einzigen Umweltfaktor abhängig, sondern von vielen gleichzeitig, etwa Temperatur, Wasser, Licht und Nährstoffen. Trotzdem entscheidet oft ein einzelner Faktor darüber, ob eine Art an einem Ort überleben kann.

Ein begrenzender Faktor ist ein Umweltfaktor, dessen zu geringe oder zu hohe Ausprägung Wachstum, Fortpflanzung oder Überleben einschränkt. Bei lebensnotwendigen Ressourcen spricht man von einem Minimumfaktor, wenn die knappste Ressource das Wachstum begrenzt.

Ein Beispiel: Eine Pflanze bekommt ausreichend Licht und Wärme, aber nur sehr wenig Wasser. Selbst wenn alle anderen Bedingungen perfekt wären, wird ihr Wachstum durch den Wassermangel begrenzt. Erst wenn mehr Wasser zur Verfügung steht, kann die Pflanze weiterwachsen, bis möglicherweise ein anderer Faktor zum neuen Minimumfaktor wird.

Ausblick – das lernst du nach Ökologische Potenz

Aufbauend auf diesen Grundlagen kannst du dein Wissen vertiefen, indem du dich mit abiotischen Faktoren wie Wasser oder Temperatur auseinandersetzt.

Zusammenfassung zum Thema Ökologische Potenz

  • Die ökologische Potenz beschreibt, wie gut ein Lebewesen Schwankungen eines Umweltfaktors verträgt.
  • Der Toleranzbereich reicht vom Minimum bis zum Maximum eines Faktors, das Optimum liegt dazwischen als günstigster Punkt.
  • Die physiologische Potenz beschreibt den theoretisch möglichen Toleranzbereich ohne Konkurrenz, die ökologische Potenz den tatsächlich genutzten, meist kleineren Bereich unter dem Einfluss von Konkurrenz und Artgenossen.
  • Stenöke Arten haben einen schmalen Toleranzbereich, euryöke Arten einen breiten.
  • Der begrenzende Faktor ist der ungünstigste verfügbare Umweltfaktor und entscheidet über das Überleben, selbst wenn andere Faktoren optimal sind.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Ökologische Potenz

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  1. Super Video!! Dankeschön:)

    Von Sarah, vor mehr als einem Jahr

Ökologische Potenz (Basiswissen) Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Ökologische Potenz (Basiswissen) kannst du es wiederholen und üben.
  • Tipps

    Ein Begriff bleibt übrig.

    Lösung

    Das Anpassungsvermögen einer Art an Bedingungen kann auf verschiedenen Ebenen beschrieben

    Der Bereich, in dem der Organismus theoretisch überleben und sich fortpflanzen kann, ist die physiologische Potenz. Sie bezieht sich auf einen abiotischen Umweltfaktor und betrachtet ihn isoliert. Sie wurde also unter Laborbedingungen, ohne den Einfluss von Konkurrenz und weiteren Faktoren, ermittelt.

    Im Gegensatz dazu berücksichtigt die ökologische Potenz die Gesamtheit der Umweltfaktoren, einschließlich der Konkurrenz mit anderen Arten. Sie beschreibt daher den Bereich, in dem die Art in der natürlichen Umgebung tatsächlich überleben und sich fortpflanzen kann.

  • Tipps

    Schaue dir die Abbildung über der Übung an: Wo befinden sich die meisten Küchenschaben? Am Anfang des Temperaturbereichs, in seiner Mitte oder am Ende?

    Lösung

    Viele ökologische Muster können am besten mit einer Normalverteilung erklärt werden, also einer Kurve mit einem Optimum in der Mitte und einer gleichmäßigen Verteilung in beide Richtungen. Auch die physiologische Potenz kann mit dieser Art der Kurve erklärt werden, wie wir hier zum Beispiel anhand der Individuenverteilung von Küchenschaben entlang des Temperaturgradienten sehen können. Bildet man aus den Werten des Versuchs, also aus der Anzahl der Küchenschaben im jeweiligen Temperaturbereich, einen Graphen, so erhält man eine sogenannte Toleranzkurve mit Minimum, Optimum und Maximum.

    Wenn du dir die Abbildung oberhalb der Übung anschaust, dann kannst du sehen, dass sich die meisten Küchenschaben in dem Bereich um die $31\,\pu{°C}$ aufhalten. Bei dieser Temperatur befindet sich das Optimum der Küchenschaben. Bei geringeren und höheren Temperaturen befinden sich weniger Küchenschaben. Die Temperaturgrenzen, hinter denen sich keine Schaben mehr aufhalten, sind das Minimum und das Maximum .

  • Tipps

    Der Begriff „Präferendum“ geht auf das Lateinische zurück: Das Wort „prae-ferre“ kann mit „bevorzugen“ übersetzt werden.

    Lösung

    Wenn wir uns die Verteilung von Individuen entlang des Toleranzbereiches anschauen, dann sehen wir eine Kurve:

    • In dieser Kurve gibt es den Punkt, an dem sich die höchste Anzahl an Individuen befindet. Dieser Punkt wird Optimum genannt.
    • Es gibt zwei Punkte, an denen die Kurve die x-Achse schneidet: Das ist das Minimum auf der linken Seite und das Maximum auf der rechten Seite.

    Die Flächen in dem Graphen lassen sich entsprechend der Punkte in verschiedene Bereiche einteilen:
    • Beidseitig in der Nähe des Optimums ist der Bereich des Präferendums. In diesem Bereich liegt der physiologisch beste Bereich für die jeweilige Kombination aus Art und abiotischen Faktoren.
    • In der Nähe des Minimums und Maximums gibt es Bereiche, in denen eine Art zwar überleben, sich aber nicht fortpflanzen kann. Diese Bereiche werden als Pessima (Singular: Pessimum) bezeichnet.

  • Tipps

    Ist eine Art besonders konkurrenzstark, setzt sich also durch, wird ihre ökologische Potenz wahrscheinlich ähnlich der physiologischen Potenz sein.

    Lösung

    Ist eine Art besonders konkurrenzstark, setzt sich also durch, wird ihre ökologische Potenz wahrscheinlich ähnlich der physiologischen Potenz sein.
    Dies zeigt sich bei der Rotbuche in Bezug auf die Bodenfeuchte: Obwohl sie den schmalsten Toleranzbereich aufweist, entspricht ihre ökologische Potenz nahezu der physiologischen, da sie sich gut gegenüber anderen Baumarten behaupten kann.

    Ist eine Art eher konkurrenzschwach, wird sie von konkurrenzstärkeren Arten wahrscheinlich an den Rand ihres Toleranzbereiches in Bezug auf bestimmte Umweltfaktoren gedrängt.
    Dies trifft auf die Waldkiefer im Hinblick auf die Bodenfeuchte zu: Sie hat einen großen Toleranzbereich, ist in der Natur jedoch insbesondere an trockenen und nassen Standorten zu finden.

    Auch die Schwarzerle weist einen großen Toleranzbereich auf, kann sich allerdings nur auf nassen Böden durchsetzen.

    Im Vergleich zur Rotbuche ist die Stieleiche konkurrenzschwächer, weshalb sie sich an den bevorzugten Standorten der Rotbuche weniger erfolgreich durchsetzen kann.

  • Tipps

    Nutze die Abbildung als Hilfe.

    Lösung

    Anhand des Küchenschaben-Experiments kann man die physiologische Potenz gut verstehen:

    • Die meisten Küchenschaben sammeln sich im Bereich um etwa $31\,\pu{°C}$. Sie scheinen sich dort am wohlsten zu fühlen: In diesem Temperaturbereich liegt ihr physiologisches Optimum.
    • Bei Temperaturen zwischen $4\,\pu{°C}$ und $37\,\pu{°C}$ können Küchenschaben auch überleben.
    • Sinkt die Temperatur allerdings unter $4\,\pu{°C}$, sind sie nicht oder nur eingeschränkt lebensfähig – diese Temperatur beschreibt das physiologische Minimum.
    • Bei über $37\,\pu{°C}$ ist eine Küchenschabe ebenfalls nicht mehr lebensfähig, ihr physiologisches Maximum ist in Bezug auf den Faktor Temperatur bei $37\,\pu{°C}$ erreicht.

    In der Nähe dieser Grenzwerte halten sich im Versuch deshalb nur sehr wenige Küchenschaben auf.

  • Tipps

    Zwei der Beispiele sind stenopotent.

    Lösung

    In dieser Aufgabe sind der Löwenzahn, die Weide und die Möwe Beispiele für eurypotente Organismen in Bezug auf den beschriebenen Umweltfaktor.

    Die Forellenarten und das Edelweiß sind Beispiele für stenopotente Organismen in Bezug auf den beschriebenen Umweltfaktor.

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