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Eine Gedichtinterpretation schreiben – Schluss 06:24 min

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Transkript Eine Gedichtinterpretation schreiben – Schluss

Du bist beim Schlussteil deiner Gedichtinterpretation angekommen. Super! Das bedeutet, dass du mit Einleitung und Hauptteil den größten Teil der Arbeit schon bewältigt hast.

Außerdem weißt du ja: das Beste kommt zum Schluss. Auch wenn dein Schlussteil nicht viel länger als die Einleitung sein sollte, also etwa drei bis fünf Sätze, darfst du hier noch mal alles geben.

Hast du schon einmal das Schlussplädoyer am Ende einer Gerichtsverhandlung gesehen? Dann kannst du dir vorstellen, welchen bleibenden Eindruck letzte Worte haben können. Genauso ist es mit dem Schlussteil deines Aufsatzes. Er ist deine letzte Gelegenheit, beim Leser einen richtig guten Eindruck zu hinterlassen.

Wie kann dir das am besten gelingen? Damit dir das gut gelingt, ist es wichtig, dass du verstehst, welche Funktion der Schlussteil hat.

Beginnen wir noch einmal mit dem Anfang deiner Gedichtinterpretation: der Einleitung. In der Einleitung hast du aufgrund des ersten Eindrucks eine Deutungshypothese zu deinem Gedicht aufgestellt. Im Hauptteil hast du den Text gründlich untersucht und formale, inhaltliche und sprachliche Zusammenhänge dargestellt. Außerdem hast du dein Gedicht wahrscheinlich in einen literaturgeschichtlichen Kontext eingeordnet und die Deutungshypothese oder den Untersuchungsaspekt der Aufgabenstellung immer mit im Blick behalten. Im Schlussteil ist es jetzt soweit, dass du aus all dem ein Fazit ziehen musst. Du fasst deine Analyseergebnisse in wenigen Sätzen zusammen und bringst sie in einen Zusammenhang zur Deutungshypothese oder der Arbeitsanweisung. Außerdem darfst du an dieser Stelle deinen persönlichen Eindruck zum Gedicht äußern.

Weil der Schlussteil sehr von der vorangegangenen Analyse abhängt, gebe ich dir einige Formulierungshilfen, die du auf deine persönliche Analyse anwenden kannst. Die Leerstellen musst du natürlich selbst mit Aussagen des von dir analysierten Gedichts füllen.

Du kannst dein Fazit beispielsweise einleiten mit der Formulierung:

„Zusammenfassend lässt sich sagen…“ oder „Durch die genaue Untersuchung des Textes und die Betrachtung der literaturgeschichtlichen Zusammenhänge bin ich zu dem Schluss gekommen, dass…“

Wenn es innerhalb deiner Argumentation passend ist, können im Schlussteil auch die folgenden Aspekte auftauchen. Wähle dabei nur Aspekte aus, die in den gesamten Kontext deiner Analyse passen. Eventuell gibt dir die Arbeitsanweisung einen Hinweis dazu.

Einen Rückbezug auf das erste Textverständnis und deine Deutungshypothese kannst du so herstellen:

„Habe ich zunächst … als wichtig erachtet, bin ich durch die Analyse zu dem Schluss gekommen, dass…“ oder „Der zu Beginn von mir besonders betonte Aspekt des…, lässt sich nun durch… erweitern.“

Die Bedeutung der Textaussage in der heutigen Zeit lässt sich so einbringen:

„Die Aktualität der im Text angesprochenen Gefühle/Stimmungen/Gedanken zeigt sich auch im modernen Umgang mit…“

Oder du nimmst Bezug zu anderen Gedichten des Autors, der Zeit oder mit einem ähnlichen Thema.

„Anders als im Gedicht „Z“ des Autors XY, ist hier eine deutliche Betonung des …. zu spüren.“ oder „Mich hat das Gedicht auch an das Gedicht „Z“ des Autors XY erinnert, in welchem die Thematik….“

Damit du ein Gefühl für die Länge und den Aufbau eines Schlussteils bekommst, zeige ich dir das Ganze zu unserem Beispielgedicht “Weltende” von Jakob von Hoddis.

Wir werfen zunächst noch einmal einen Blick auf die Deutungshypothese der Einleitung. Hier hieß es:

Die knappe Darstellung von Katastrophen, Krankheiten und Tod zeigen die für den beginnenden Expressionismus typische Verunsicherung des Individuums in einer undurchschaubaren Welt, von der es sich mehr und mehr entfremdet. Daran anknüpfend könnte dein Schlussteil so aussehen.

Die anfangs von mir geäußerte Annahme, dass der Text die Entfremdung des Individuums von einer sich stark verändernden Welt in den Mittelpunkt stellt, konnte durch die detaillierte Analyse bestätigt werden. Besonders die sprachliche und formale Gestaltung, welche folgenreiche und erschütternde Geschehnisse banalisiert, lässt den Eindruck der Entfremdung des lyrischen Ichs auch für den Leser deutlich werden. Die Menge an Informationen, die auf jeden Einzelnen einströmt, hat in den letzten hundert Jahren seit Entstehung des Gedichts stark zugenommen. Die Überforderung des Individuums im Umgang mit diesen Informationen kann ich persönlich gut nachvollziehen und halte das im Gedicht geschilderte Lebensgefühl daher immer noch für aktuell.

So könnte ein Schlussteil aussehen. Hast du bemerkt, welche Aspekte ich aufgegriffen habe? Je nachdem, ob du deine Deutungshypothese bestätigst oder widerlegst oder ob du auf eine bestimmte Aufgabenstellung eingehen musst, variiert dein Schlussteil.

Beachte, dass du beim Beschreiben deines eigenen Empfindens Formulierungen wie „Ich fand das Gedicht schön oder langweilig“ vermeidest. Orientiere dich auch bei deinem persönlichen Eindruck an der Gesamtargumentation. Deine Aufgabe ist es nicht, das Gedicht zu kommentieren, sondern zu analysieren und Zusammenhänge herzustellen. Dafür bist du jetzt bestens gerüstet. An welchem Gedicht möchtest du deine neuen Analysefähigkeiten und die Formulierung eines Schlussteils ausprobieren?

6 Kommentare
  1. Also die drei Teile haben mir wirklich sehr sehr sehr sehr viel Geholfen und deshalb wirklich ein FETTES LOB an die Videos !!!!!!!!

    Von Ricky1012, vor 2 Monaten
  2. du redest komisch aber hat geholfen

    Von Naesalden, vor mehr als einem Jahr
  3. Super erklärt ; - )
    Hat mir echt weitergeholfen

    Von Sofia C., vor fast 2 Jahren
  4. Alle drei teile waren sehr gut erklärt !!! Danke für die Hilfe :)

    Von S Misiuna, vor mehr als 2 Jahren
  5. Sehr gut hat mir geholfen

    Von Patricia Baumkircher, vor mehr als 2 Jahren
  1. Alle drei Teile mega gut erklärt und auch sehr übersichtlich gestaltet mit guten Beispielen:)

    Von Rafael Kolonko, vor etwa 3 Jahren
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Eine Gedichtinterpretation schreiben – Schluss Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Eine Gedichtinterpretation schreiben – Schluss kannst du es wiederholen und üben.

  • Nenne die Merkmale des Schlussteils einer Gedichtinterpretation.

    Tipps

    Im Schlussteil einer Gedichtinterpretationen versuchst du wesentliche Erkenntnisse und Ergebnisse des Hauptteils aufzugreifen.

    Im Schlussteil solltest du auf die Inhalte der Einleitung eingehen. Erinnerst du dich, was in der Einleitung festgehalten wird?

    Lösung

    Der Schlussteil einer Gedichtinterpretation zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

    • Zunächst müssen die wichtigsten Analyse- und Interpretationsergebnisse in wenigen Sätzen zusammengefasst werden, damit du einen Überblick über deine Arbeit aus dem Hauptteil bekommst.
    • Danach schreibst du ein Fazit zur Interpretation. Das bedeutet, dass du deine Ergebnisse auf die eingangs formulierte oder in der Aufgabenstellung genannte Deutungshypothese beziehen musst. Konnte sie bestätigt oder verworfen werden? Musst du sie nur leicht modifizieren, damit die Analyseergebnisse mit der Deutung zusammenpassen oder musst du vielleicht eine ganz neue Deutung aufstellen?
    • Im Anschluss hast du die Möglichkeit, deinen persönlichen Eindruck zu dem Gedicht zu erwähnen. Dabei ist es wichtig, dass du begründete Aussagen formulierst, z.B.: Meiner Meinung nach ist es dem Autor nicht gelungen, dem Todesthema eine passende Ausdrucksform zu geben, weil die sprachlichen Bilder und die verwendeten Adjektive das Gefühl von Leichtigkeit vermitteln.
    • Der Umfang des Schlusses orientiert sich an dem Hauptteil. Der Hauptteil sollte etwa zwei Drittel der gesamten Gedichtinterpretation ausmachen. Einleitung und Schluss teilen sich demgemäß das übrig bleibende Drittel. Sie weisen beide in etwa die gleiche Länge auf.
  • Erstelle eine kleine Übersicht dessen, was in Einleitung, Hauptteil oder Schluss gehört.

    Tipps

    Man bezieht sich im Schlussteil noch einmal auf die Deutungshypothese. Formuliert wird sie aber zu einem früheren Zeitpunkt.

    Um ein Gedicht in einen literaturgeschichtlichen Kontext zu stellen, muss man es zunächst analysieren.

    Lösung

    In der Einleitung formulierst du zunächst eine kleine Einführung zum Gedicht. Dabei gehst du auf die vorgegebene Aufgabenstellung ein und formulierst eine erste Deutungshypothese, wenn es gefordert wird.

    Als nächstes folgt der größte Abschnitt der Gedichtinterpretation: der Hauptteil. Hier werden das Gedicht formal und sprachlich analysiert und die Ergebnisse der Analyse mit den Inhalten in Bezug gebracht. Nach der Analyse kannst du Informationen zur Literaturgeschichte einbeziehen, um das Gedicht in einen größeren Zusammenhang einzuordnen. Dies tust, indem du zum Beispiel Bezüge zu einer literarischen Epoche herstellst oder zu den gesellschaftlichen Verhältnissen der Entstehungszeit, die in dem Gedicht verarbeitet werden.

    Im Schlussteil fässt du zunächst die Analyseergebnisse zusammen. Danach kannst du in einem Fazit Bezug nehmen zu deiner eingangs formulierten Deutungshypothese oder zur Aufgabenstellung.

  • Zeige auf, welche Formulierung man für die Äußerung eines persönlichen Eindrucks verwenden kann.

    Tipps

    Bestimmte Formulierungen sollte man vermeiden, weil sie sich nicht auf die Analyse des Gedichts beziehen.

    Auch der persönliche Eindruck sollte sachlich formuliert werden.

    Lösung

    Nur die letzte Äußerung ist korrekt, da dieser Satz sich auf den persönlichen Eindruck und das Gedicht selbst bezieht und weil die Aussage sachlich formuliert ist.

    • Die Formulierung Das Gedicht erinnert stark an ein älteres Gedicht des gleichen Autoren, weil... kann zwar ebenfalls im Schlussteil auftauchen, allerdings bezieht sie sich nicht auf die persönlichen Meinung.
    • Ich finde das Gedicht schön. oder Ich finde das Gedicht langweilig. sind keine adäquaten Formulierungen, da das Gedicht nicht kommentiert, sondern analysiert werden soll.
    • Auch Das Gedicht ist stilistisch schlecht gehört nicht in eine Gedichtinterpretation, sondern in eine Rezension. Deine Aufgabe ist die Analyse und nicht die Bewertung des Stils.
  • Entscheide, welche Formulierungshilfen unpassend für den Schlussteil erscheinen.

    Tipps

    Überlege noch einmal, welche Bestandteile einer Gedichtinterpretation in den Schlussteil gehören und welche nicht.

    Lösung

    Die meisten Formulierungshilfen kann man in dem Schlussteil einer Gedichtinterpretation verwenden:

    • Du kannst dich auf die in der Einleitung formulierte Deutungshypothese beziehen und angeben, ob sie durch die Analyseergebnisse bestätigt oder nicht bestätigt werden kann oder ob du sie leicht verändern musst.
    • Du kannst die Hauptaussage des Gedichts als Zusammenfassung der Analyse hervorheben und eine mögliche Intention des Autors benennen.
    • Auch ein Aktualitätsbezug des Themas des Gedichts kann im Schlussteil der Interpretation auftauchen. Dabei kannst du darauf eingehen, inwiefern das Thema heutzutage noch eine Rolle spielt, was sich seit der Veröffentlichung des Gedichts verändert hat oder welche neuen Darstellungsformen des Themas aktuell existieren.
    Manche Formulierungen sind hingegen ungeeignet für eine Gedichtinterpretation:
    • Dass dir die Aussage eines Gedichts sehr schwammig vorkommt, kann durchaus der Fall sein, wenn sich keine Hauptaussage bestimmen lässt, ein Gedicht sehr viele verschiedene Themen behandelt oder formal sehr komplex ist. Ganz allgemein gibt es nie eine eindeutige Interpretation für einen lyrischen Text. Allerdings solltest du den Begriff schwammig vermeiden, weil es sich dabei um Alltagssprache und keine Fachsprache handelt. Zudem solltest du erläutern, warum die Bedeutung des Gedichts für dich nicht eindeutig zu bestimmen ist oder warum du verschiedene Deutungen im Schlussteil aufführst.
    • Die Weiterempfehlung des Gedichts gehört ebenfalls nicht in eine Gedichtinterpretation. Du kannst einen persönlichen Eindruck erläutern, aber alle Konsequenzen aus diesem Eindruck behältst du für dich.

  • Vervollständige die Formulierungsvorschläge, die man im Schlussteil verwenden kann.

    Tipps

    Überlege noch einmal, was im Schlussteil getan werden sollte.

    Jetzt beziehst du dich noch einmal auf den Hauptteil. Was kam darin vor?

    Lösung

    Mögliche Formulierungen für den Anfang des Schlussteils sind:

    • Durch die genaue Analyse des Gedichts und der Betrachtung der literaturgeschichtlichen Zusammenhänge, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ...
    Mit diesem Satz beziehst du dich noch einmal präzise auf den Hauptteil.
    • Habe ich zunächst ... als wichtig erachtet, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ...
    Hiermit kannst du darstellen, dass du während der Analyse festgestellt hast, dass die Schwerpunkte anders liegen, als zunächst vermutet.
    • Der zu Beginn von mir besonders betonte Punkt ... lässt sich nun durch ... erweitern.
    Mit diesem Satz drückst du aus, dass du neue Erkenntnisse dazugewonnen hast, die hier Erwähnung finden sollen.
    • Schlussfolgernd lässt sich sagen, dass ...
    Hiermit formulierst du ein Fazit aus deiner Analyse, bei dem du dich z.B: auf die Deutungshypothese beziehst.
    • Als Zusammenfassung bleibt nur noch zu sagen, dass ...
    Durch Wörter wie schlussfolgernd oder zusammenfassend signalisierst du dem Leser, dass deine Gedichtinterpretation sich dem Ende zuneigt und du am Schluss noch einmal wichtige Aussagen zusammenfasst.

    In alle ... müssen wahlweise die passenden Wörter deiner eigenen Gedichtinterpretation eingefügt werden.

  • Sortiere die Abschnitte des Schlussteils zur Gedichtinterpretation von Willkommen und Abschied von J. W. v. Goethe.

    Tipps

    Überlege noch einmal, worauf du dich zuerst beziehen solltest.

    Womit schließt du deine Gedichtinterpretation in der Regel ab?

    Lösung

    Der Schlussteil dieser Interpretation könnte wie folgt aufgebaut sein:

    • Es fällt zunächst auf, dass das Gedicht Willkommen und Abschied, wie anfangs in der Deutungshypothese vermutet, von der Begegnung zweier Liebender handelt
    Mit diesem Satz bringst du deine Deutungshypothese in Bezug zum Schlussteil.
    • Nach genauer Betrachtung inhaltlicher, formaler und sprachlicher Aspekte, ist auch der Titel in diesem Zusammenhang klar geworden. Es handelt sich um ein Treffen mit anschließendem Abschied.
    Mit diesem Satz setzt du den Titel mit deiner Analyse in Zusammenhang. So ergibt sich für den Leser ein schlüssiges Gesamtbild.
    • Zusammenfassend ist klar geworden, dass das lyrische Ich zwei Stimmungen vermittelt und seiner freudigen Stimmung in den ersten beiden Strophen Ausdruck verleiht. Kontrastreich steht dies der traurigen Stimmung in den letzten beiden Strophen Ausdruck gegenüber.
    Dieser Satz bringt Form und Inhalt kurz und knapp zusammen. Dem Leser wird noch einmal das Wichtigste in Erinnerung gerufen.
    • Die Freude über das Treffen und der Schmerz des Abschieds sind zeitlose Gefühle, die auch in der modernen Zeit noch nachvollzogen werden können.
    • Zuletzt bleibt zu sagen, dass das Gedicht mich aufgrund der immer noch bestehenden Aktualität angesprochen hat
    Damit wird eine persönliche Aussage zur Aktualität des Gedichts getroffen. Denke daran, dass du das Gedicht nicht bewerten sollst, sondern nur kurz herausstellen, inwiefern es dich angesprochen hat. Es reicht hier aus, zu sagen, ob sich das Thema noch in der heutigen Zeit wiederfinden lässt.