30 Tage kostenlos testen: Mehr Spaß am Lernen.
30 Tage kostenlos testen

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte.

30 Tage kostenlos testen

Eine Gedichtinterpretation schreiben – Schluss 06:24 min

Textversion des Videos

Transkript Eine Gedichtinterpretation schreiben – Schluss

Du bist beim Schlussteil deiner Gedichtinterpretation angekommen. Super! Das bedeutet, dass du mit Einleitung und Hauptteil den größten Teil der Arbeit schon bewältigt hast.

Außerdem weißt du ja: das Beste kommt zum Schluss. Auch wenn dein Schlussteil nicht viel länger als die Einleitung sein sollte, also etwa drei bis fünf Sätze, darfst du hier noch mal alles geben.

Hast du schon einmal das Schlussplädoyer am Ende einer Gerichtsverhandlung gesehen? Dann kannst du dir vorstellen, welchen bleibenden Eindruck letzte Worte haben können. Genauso ist es mit dem Schlussteil deines Aufsatzes. Er ist deine letzte Gelegenheit, beim Leser einen richtig guten Eindruck zu hinterlassen.

Wie kann dir das am besten gelingen? Damit dir das gut gelingt, ist es wichtig, dass du verstehst, welche Funktion der Schlussteil hat.

Beginnen wir noch einmal mit dem Anfang deiner Gedichtinterpretation: der Einleitung. In der Einleitung hast du aufgrund des ersten Eindrucks eine Deutungshypothese zu deinem Gedicht aufgestellt. Im Hauptteil hast du den Text gründlich untersucht und formale, inhaltliche und sprachliche Zusammenhänge dargestellt. Außerdem hast du dein Gedicht wahrscheinlich in einen literaturgeschichtlichen Kontext eingeordnet und die Deutungshypothese oder den Untersuchungsaspekt der Aufgabenstellung immer mit im Blick behalten. Im Schlussteil ist es jetzt soweit, dass du aus all dem ein Fazit ziehen musst. Du fasst deine Analyseergebnisse in wenigen Sätzen zusammen und bringst sie in einen Zusammenhang zur Deutungshypothese oder der Arbeitsanweisung. Außerdem darfst du an dieser Stelle deinen persönlichen Eindruck zum Gedicht äußern.

Weil der Schlussteil sehr von der vorangegangenen Analyse abhängt, gebe ich dir einige Formulierungshilfen, die du auf deine persönliche Analyse anwenden kannst. Die Leerstellen musst du natürlich selbst mit Aussagen des von dir analysierten Gedichts füllen.

Du kannst dein Fazit beispielsweise einleiten mit der Formulierung:

„Zusammenfassend lässt sich sagen…“ oder „Durch die genaue Untersuchung des Textes und die Betrachtung der literaturgeschichtlichen Zusammenhänge bin ich zu dem Schluss gekommen, dass…“

Wenn es innerhalb deiner Argumentation passend ist, können im Schlussteil auch die folgenden Aspekte auftauchen. Wähle dabei nur Aspekte aus, die in den gesamten Kontext deiner Analyse passen. Eventuell gibt dir die Arbeitsanweisung einen Hinweis dazu.

Einen Rückbezug auf das erste Textverständnis und deine Deutungshypothese kannst du so herstellen:

„Habe ich zunächst … als wichtig erachtet, bin ich durch die Analyse zu dem Schluss gekommen, dass…“ oder „Der zu Beginn von mir besonders betonte Aspekt des…, lässt sich nun durch… erweitern.“

Die Bedeutung der Textaussage in der heutigen Zeit lässt sich so einbringen:

„Die Aktualität der im Text angesprochenen Gefühle/Stimmungen/Gedanken zeigt sich auch im modernen Umgang mit…“

Oder du nimmst Bezug zu anderen Gedichten des Autors, der Zeit oder mit einem ähnlichen Thema.

„Anders als im Gedicht „Z“ des Autors XY, ist hier eine deutliche Betonung des …. zu spüren.“ oder „Mich hat das Gedicht auch an das Gedicht „Z“ des Autors XY erinnert, in welchem die Thematik….“

Damit du ein Gefühl für die Länge und den Aufbau eines Schlussteils bekommst, zeige ich dir das Ganze zu unserem Beispielgedicht “Weltende” von Jakob von Hoddis.

Wir werfen zunächst noch einmal einen Blick auf die Deutungshypothese der Einleitung. Hier hieß es:

Die knappe Darstellung von Katastrophen, Krankheiten und Tod zeigen die für den beginnenden Expressionismus typische Verunsicherung des Individuums in einer undurchschaubaren Welt, von der es sich mehr und mehr entfremdet. Daran anknüpfend könnte dein Schlussteil so aussehen.

Die anfangs von mir geäußerte Annahme, dass der Text die Entfremdung des Individuums von einer sich stark verändernden Welt in den Mittelpunkt stellt, konnte durch die detaillierte Analyse bestätigt werden. Besonders die sprachliche und formale Gestaltung, welche folgenreiche und erschütternde Geschehnisse banalisiert, lässt den Eindruck der Entfremdung des lyrischen Ichs auch für den Leser deutlich werden. Die Menge an Informationen, die auf jeden Einzelnen einströmt, hat in den letzten hundert Jahren seit Entstehung des Gedichts stark zugenommen. Die Überforderung des Individuums im Umgang mit diesen Informationen kann ich persönlich gut nachvollziehen und halte das im Gedicht geschilderte Lebensgefühl daher immer noch für aktuell.

So könnte ein Schlussteil aussehen. Hast du bemerkt, welche Aspekte ich aufgegriffen habe? Je nachdem, ob du deine Deutungshypothese bestätigst oder widerlegst oder ob du auf eine bestimmte Aufgabenstellung eingehen musst, variiert dein Schlussteil.

Beachte, dass du beim Beschreiben deines eigenen Empfindens Formulierungen wie „Ich fand das Gedicht schön oder langweilig“ vermeidest. Orientiere dich auch bei deinem persönlichen Eindruck an der Gesamtargumentation. Deine Aufgabe ist es nicht, das Gedicht zu kommentieren, sondern zu analysieren und Zusammenhänge herzustellen. Dafür bist du jetzt bestens gerüstet. An welchem Gedicht möchtest du deine neuen Analysefähigkeiten und die Formulierung eines Schlussteils ausprobieren?

4 Kommentare
  1. Default

    Super erklärt ; - )
    Hat mir echt weitergeholfen

    Von Sofia Constante, vor 6 Monaten
  2. Default

    Alle drei teile waren sehr gut erklärt !!! Danke für die Hilfe :)

    Von S Misiuna, vor mehr als einem Jahr
  3. Default

    Sehr gut hat mir geholfen

    Von Patricia Baumkircher, vor mehr als einem Jahr
  4. Default

    Alle drei Teile mega gut erklärt und auch sehr übersichtlich gestaltet mit guten Beispielen:)

    Von Rafael Kolonko, vor mehr als einem Jahr