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Gedichtinterpretation – Klangfarbe und bildhafter Ausdruck 08:44 min

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Transkript Gedichtinterpretation – Klangfarbe und bildhafter Ausdruck

Hey, ich bin’s, Tim. Ein Gedicht, das ist blumige Sprache, volltönend, bunt und tief. Es ist schöne Sprache, oder ästhetische Sprache. Gedichte klingen besonders, weil sie eine bestimmte Klangfarbe haben, wie die letzte Zeile in Georg Trakls Gedicht “Der Herbst des Einsamen” (1915): “Es rauscht das Rohr; anfällt ein knöchern Grauen,...

Gedichte erzeugen viele Bilder, denn sie benutzen viele bildhafte Ausdrücke, zum Beispiel im Vers: ...Wenn schwarz der Tau tropft von den kahlen Weiden.”

Um das, was ein Gedicht vor allem schön macht, und was wir für eine Interpretation wissen müssen, geht es in diesem Video: um die Klangfarbe und den bildhaften Ausdruck. Los geht’s. Warum sind Klangfarbe und bildhafter Ausdruck so wichtig? Die Ursprünge von Gedichten liegen in der Musik. Das Wort “Lyrik”, also Gedichtkunst, kommt aus dem Griechischen und heißt “Leier”. Gedichte waren immer gesungen. Sie mussten daher gut klingen. Da sie außerdem viele Bedeutungs- und Gefühlsebenen unterbringen müssen, sind sie auf Sprache angewiesen, die aussagekräftige Bilder entwirft.

Sehen wir uns zuerst die Klangfarbe an. Sie ist neben Lautmalerei, das ist die Onomatopoesie, und Reim Teil der Klanggestalt, d.h. wie das Gedicht insgesamt akustisch aufgebaut ist.

Die Klangfarbe baut dabei vor allem auf dunkle Vokale wie a, o und u oder helle Vokale wie e und i; außerdem verändert sich die Klangfarbe je nachdem, ob wir weiche Konsonanten wie b, g und w oder harte wie p, k oder f verwenden. Dadurch entsteht eine bestimmte Tönung der Worte, die verschiedene Natureindrücke oder Gefühlszustände widerspiegeln. So z.B. in den folgenden Versen - aus welchem Gedicht? “Die rollenden Donner der Felsen verrennen uns den Pfad, stoßen uns dumpf in den Rücken, verbrechen uns den Grat.” Die Häufung von dunklen Vokalen und harten Konsonanten zeichnen ein gewaltsames und gefährliches Naturbild.

Vor allem an Versanfang und Versende hebt sich der Ton hervor. Deswegen hat man eigene Begriffe dafür eingeführt. Ist ein Versanfang unbetont, liegt ein Auftakt vor, wie in der Musik: “Die rollenden Donner der Felsen verrennen uns den Pfad.” Für die letzte Silbe des Verses verwenden wir den Begriff “Kadenz”. Ist die Silbe unbetont, ist es eine weibliche Kadenz: “stoßen uns dumpf in den Rücken,” ist die letzte Silbe betont, ist es eine männliche Kadenz: “verbrechen uns den Grat.” Gehen wir vom Ton zum Bild über. Bildhafter Ausdruck ist sehr wichtig für ein Gedicht, denn dadurch wird es anschaulich, gefühlsintensiv, aber auch mehrdeutig. Meist besteht ein Gedicht aus einer Vielzahl von Bildern, es ergibt dadurch einen Bildkomplex oder Bildfelder. Die zweite Strophe des vorigen Gedichts lautet: “Das eiskalte Rumpeln im Regen zersplittert jeden Bach, zerfließt in tausend Wegen, verbirgt uns brüchigen Krach.” Die Bilder stammen alle aus den Bereichen der Berge und der Naturgewalten. Vor allem zur Darstellung von Liebe, Freude, Angst oder Einsamkeit werden häufig Bilder aus der Natur verwendet.

Die wichtigsten bildlichen Stilmittel sind der Vergleich, die Metapher und die Personifikation - rhetorische Stilmittel, die du vielleicht schon kennst. Hier eine kleine Wiederholung bzw. eine kurze Definition für alle, die diese drei wichtigsten Stilmitel noch nicht kennen.

Der Vergleich setzt zwei Bereiche in Beziehung, die ein gemeinsames Merkmal teilen. Er wird meist durch das Signalwort “wie” oder “als ob” angezeigt: Hier ein Beispiel aus Hermann Hesses Gedicht “Wie eine Welle” “Wie eine Wolke, die im leisen Wind Hinsegelnd aller Pilger Sehnsucht weckt Und blaß und silbern in den Tag verrinnt - (...) So weht mein Leben flüchtig durch die Zeit, (...).” Ohne die Metapher kommt fast kein Gedicht aus. Es ist eine bildhafte Übertragung, ein Wort, das anders gemeint ist, als das, was es eigentlich bedeutet. So wird z.B. aus Bein und Stuhl ein Stuhlbein, denn der Stuhl steht darauf wie der Mensch auf seinem Bein. Häufig ist die Metapher ein Vergleich, bei dem das Vergleichspartikel “wie” fehlt: “Achilles ist ein Löwe”. Was beide Wörter hier teilen, sind die Stärke und Wildheit.

Das dritte bildhafte Stilmittel ist die Personifikation. Hier werden Gegenstände, also Objekte, als handelnde Personen dargestellt. So in unserer Zeile vom Anfang: “Die rollenden Donner der Felsen verrennen uns den Pfad”. Denn eigentlich rennen nur Menschen oder Tiere. Spezifisch menschliche Eigenschaften werden also auf Nicht-Menschen übertragen.

Die Bildebene und die Tonebene des Gedichts wirken auf das gesamte Gedicht. Sie sind subtile Zeichen, die die Aussage oder den Inhalt in seiner Bedeutung unterstützen.

Es gibt aber auch noch andere wichtige Faktoren zur Gedichtanalyse. Neben Ton- und Bild-Gestaltung müssen wir uns immer die Sprechersituation ansehen, also wer zu wem spricht. Auch der formale Aufbau ist wichtig, so z.B. Reimschema, Rhythmus und Metrum, die Länge und Anzahl von Versen und Strophen und schließlich die rhetorischen Figuren, die ein Schnittpunkt zwischen Form und Inhalt sind. Wichtig ist es, die formale Analyse immer mit der inhaltlichen Ebene zu verbinden.

Das Wichtigste zusammengefasst: Klangfarbe und bildhafter Ausdruck sind wichtige Elemente eines Gedichts.

Bei der Klangfarbe achten wir vor allem auf die hellen und dunklen Vokale und die harten und weichen Konsonanten der Wörter. Bei der Klanggestalt sind auch Lautmalerei und Reim wichtig. Außerdem schauen wir uns Anfang und Ende der Verse an, also ob es Auftakte und männliche oder weibliche Kadenzen hat.

Durch die Bildhaftigkeit wird ein Gedicht anschaulich, gefühlsintensiv und mehrdeutig. Die wichtigsten bildhaften Ausdrücke sind Vergleich, Metapher und Personifikation. Neben Ton- und Bildebene müssen wir bei der Analyse noch auf Sprechersitutation, Reimschema, Rhythmus, Metrum, Verse und Strophen und die rhetorischen Figuren achten. Bereit zum Interpretieren? Bis dann!

2 Kommentare
  1. Default

    sehr detailliert ! TOP !

    Von Katrin Szymanski, vor etwa einem Jahr
  2. Default

    gut

    Von Ali 11, vor mehr als einem Jahr