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Der Mensch nutzt das Moor 05:41 min

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Transkript Der Mensch nutzt das Moor

Niedermoore sind leichter zu entwässern als Hochmoore. Deshalb werden sie bereits seit Jahrhunderten als Heuwiesen genutzt. Da sie nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden, entstanden bunte und artenreiche, immer feuchte Wiesen. Lebensraum für eine Vielzahl von Blumen und Insekten wie der Kuckucks-Lichtnelke oder der Bach-Nelkenwurz. Die Sibirische Schwertlilie findet man heute häufiger als Zierpflanze in Gärten als an ihrem natürlichen Standort. Wegerich-Scheckenfalter sind heute auf den Wiesen ein seltener Anblick. Extensive Bewirtschaftung fordert Artenvielfalt. Dort, wo sie heute noch praktiziert wird, trifft man typische Wiesenvögel wie den Weißstorch. Doch die traditionelle Bewirtschaftung von Moorwiesen lohnt sich heute nicht mehr. Man legt sie trocken und pflügt sie um. Stadt Vielfalt prägt heute die Monotonie von Maisäckern die einst artenreichen Niedermoore. Durch die Entwässerung gelangt Sauerstoff an den Torf. Was sich über Jahrtausende gebildet hat, zersetzt sich innerhalb kürzester Zeit. Aus den Böden entweicht nun permanent Kohlendioxid. Nichts erinnert hier mehr an den Artenreichtum des ursprünglichen Niedermoores. In einigen Gegenden Deutschlands nutzt man den Wasserreichtum der Niedermoore und legt Fischteiche an. Die flache Landschaft und der hohe Grundwasserspiegel bilden hierfür gute Voraussetzungen. Bereits seit dem Mittelalter ist diese Art der Speisefischhaltung bekannt. Es waren Mönche, die den Karpfen zuerst in künstlich angestauten Teichen hielten. In Norddeutschland fällt die Karpfensaison mit dem herbstlichen Vogelzug zusammen. Die halbleeren Teiche besitzen eine hohe Anziehungskraft für durchziehende Wasser- und Watvögel. Reiher und andere fischfressende Vögel leben für kurze Zeit im Überfluss. Watvögel wie der Kiebitz, fressen sich auf den trocken gefallenen Schlammflächen Fettreserven für den Weiterflug an. Selbst Seeadler zieht der Fischreichtum der künstlichen Gewässer an. Torf ist ein Rohstoff, der in den waldarmen, aber moorreichen Gebieten Norddeutschlands traditionell als Brennstoff genutzt wurde. Heute wird Torf überwiegend im Gartenbau verwendet. In jedem Blumentopf steckt ein Stück Hochmoor. Auf den wenigen intakten Mooren wird kein Abbau betrieben. In Deutschland reichen die Reserven noch für 15 bis 20 Jahre. Ein Großteil kommt schon jetzt aus osteuropäischen Hochmooren. Eine Erholung der Abbauflächen ist wegen des langsamen Wachstums von Hochmooren in menschlichen Zeiträumen unwahrscheinlich. Diese zarten Pflänzchen haben sich nicht wie andere Pflanzen an das Leben im Moor angepasst. Sie machen das Moor. Torfmoose sind Überlebenskünstler. Sie können selbst in geringsten Konzentrationen vorkommende Nährstoffe aus Regenwasser aufnehmen, indem sie Wasserstoffionen in ihre Umgebung abgeben. Sie schaffen sich damit selbst ein saures Milieu, das konkurrierende Pflanzen im Wuchs behindert. Die Torfmoose wachsen bei geeigneten Bedingungen unaufhaltsam in die Höhe: bis zu 30 Zentimeter innerhalb eines Jahres. Der Torf gewinnt in der gleichen Zeit aber nur einen Millimeter an Höhe. In regenreichen, kühlen Regionen beginnt das Moor, über den Grundwasserspiegel hinaus in die Höhe zu wachsen. Daher auch die Bezeichnung Hochmoor. Hochmoore unterscheiden sich somit grundlegend von Niedermooren. Hochmoore erhalten ihr Wasser nun ausschließlich durch Niederschlag. Fällt längere Zeit kein Regen, trocknet und bleicht die obere Moosschicht aus. Die weiße Farbe reflektiert das Sonnenlicht und schützt so die tieferen Moosschichten vor weiterer Austrocknung. Die Torfmoose besitze neben normalen, grünen Blattzellen auch sogenannte Speicherzellen. Damit sind sie in der Lage, das 30-fache ihres Volumens an Wasser zu speichern. Aber nicht nur das: Die Moospolster und auch der Torf bestehen aus vielen kleinen Hohlräumen, die sich mit Wasser füllen. Mithilfe der Kapillarkräfte wird das Wasser im Moor gehalten. Dank der Torfmoose können Hochmoore daher bis zu 95 Prozent aus Wasser bestehen. Damit spielen sie eine wichtige Rolle im Wasserhaushalt der Landschaft, denn sie sind wie riesige Schwämme, die schnell große Wassermengen aufnehmen und anschließend langsam wieder abgeben können.