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Maria Malibran 03:51 min

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Transkript Maria Malibran

Im September 1836 stirbt in Manchester die Operndiva María Felicidad Malibran. Sie hat die Schwere der Verletzungen, die sie sich bei einem Sturz vom Pferd zugezogen hat, unterschätzt und ihre England Tournee mit eisernem Willen fortgesetzt. Wenige Tage nach dem Unfall bricht sie nach der Vorstellung zusammen und erholt sich nicht mehr. María Malibran ist zu diesem Zeitpunkt erst 28 Jahre alt, hat aber mit ihrer Schönheit und der klaren Sopranstimme bereits alle großen Bühnen der Welt im Sturm erobert. Einer ihrer Verehrer, der Schriftsteller (?Leguvet-Namen konnte ich nicht heraushören) beschreibt sie so: „María Malibran hatte wechselhafte Augen, ein elektrisches Fluidum, mit dem sie leuchtende und zugleich verschleierte Blicke aussandte, ähnlich einem Sonnenstrahl am Wolkenhimmel. Sie war voll Melancholie und Leidenschaft.“ Geboren ist die Malibran 1808 in Paris, als Tochter des spanischen Tenors Manuel García. Der Vater fördert schon früh ihre Stimmbegabung und lässt María außerdem zu einer feinen Dame erziehen. Sie ist jedoch noch kaum im Backfischalter, als sie in New York vor dem strengen Regiment der Eltern flüchtet und in einer Kurzschlusshandlung den viel älteren Abenteurer François Malibran heiratet. Die Ehe hält kaum ein Jahr und María kehrt allein nach Europa zurück. Dort beginnt sofort nach dem ersten Vorsingen ihr Triumphzug durch die Opernhäuser. Die Impresarios wetteifern um sie und María Malibran wird, knapp 20-jährig, zu einem Idol der Musikwelt. Bei einem Empfang auf einem belgischen Schloss lernt sie den adligen Geiger Charles de Bériot kennen. Es ist eine Liebe auf den ersten Blick, die ihr ganzes, kurzes Leben lang dauern wird. Die Beziehung der beiden übersteht auch die Begegnung von María Malibran mit dem jungen Komponisten Vincenzo Bellini, dessen stürmischen Avancen die Diva mit charmanter Ablehnung begegnet. Während sie 1833 in London mit seiner Oper "Die Nachtwandlerin" gastiert, besucht Bellini jeden Abend die Vorstellung, um sie zum Abschluss bei den Klängen seiner eigenen Musik umarmen zu können. Die Romanze der beiden löst eine Kettenreaktion im gesamten Ensemble aus, welche die Tournee um Zerwürfnisse, Skandale und Eheschließungen bereichert. María Malibrans Berühmtheit erlaubt es ihr auch, ein impulsives, wechselhaftes Temperament voll auszuleben. Sie behandelt Direktoren, Komponisten und Kollegen ohne viel Rücksicht und behält sich das Recht vor, die Partituren eigenmächtig zu verändern. Mehr als einmal überrascht sie Orchester und Sänger mit unangekündigten Improvisationen. Während die Primadonna im Herbst 1835 an der Mailänder Scala die “Norma” singt, erreicht sie die Nachricht vom Tod Bellinis, dessen Werk sie eben interpretiert hat. Tief erschüttert murmelt sie: „Mein Gott, ich fühle, dass ich ihm bald folgen werde.“ Tatsächlich findet das Leben von María Malibran schon ein Jahr darauf sein tragisches Ende.