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Merkmale der Industrialisierung

Die Industrialisierung brachte nicht nur technische und wirtschaftliche Veränderungen mit sich. Auch Politik und Gesellschaft sollten fortan nie wieder dieselben sein.

Was bedeutet Industrialisierung?

Unter Industrialisierung kannst du dir einen Prozess vorstellen, der den Übergang von einer Agrargesellschaft zu einer Industriegesellschaft beschreibt. Zum einen sind damit technische und wirtschaftliche Veränderungen gemeint. Es wurden nun beispielsweise moderne Maschinen eingesetzt, durch die Güter immer schneller in immer größeren Mengen hergestellt werden konnten. Auch der Transport von Waren wurde durch bahnbrechende Erfindungen auf der Schiene oder zu Wasser verbessert. Zum anderen gehören zur Industrialisierung aber auch die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen, die diese neuen industriellen Methoden mit sich brachten.

Bedingungen und Ursprünge der Industrialisierung in England und im „Deutschen Bund“

Die Ursprünge der industriellen Revolution findest du im England des späten 18. Jahrhundert. Angefangen hat es hier in der Textilindustrie, später gewann auch die Schwerindustrie mehr und mehr an Bedeutung. Spinning Jenny hieß die erste industrielle Spinnmaschine der Welt - damals ein Wunderwerk der Technik -, entwickelt vom Engländer James Hargreaves im Jahre 1764. Fünf Jahre später erfand James Watt die Dampfmaschine und trug damit ebenfalls maßgeblich zu dem bei, was du heute unter dem Begriff Industrialisierung kennst. Sowohl die Spinn- als auch die Dampfmaschine ersetzten und beschleunigten Arbeitsprozesse durch Maschinen. Die Produktion selbst wurde nun in Fabriken verlagert, wo Waren in der Geschichte erstmals massenhaft hergestellt wurden.

Arbeit in Fabriken

Hier eine kurze Liste einiger prägender Erfindungen, wobei es natürlich noch unzählige mehr gab:

  • 1764 baute James Hargreaves die erste Spinnmaschine.
  • 1769 erfand James Watt die Dampfmaschine.
  • 1785 baute Edmund Cartwright den ersten mechanischen Webstuhl.
  • 1814 gelang George Stephenson die Erfindung der Dampflokomotive.
  • 1829 wurde die erste Eisenbahnlinie zwischen Liverpool und Manchester gebaut (1835 auch in Deutschland; zwischen Nürnberg und Fürth).

Dampflokomtive

Auch die Rohstoffgewinnung, hier kannst du zum Beispiel an Kohle, Öl, Erze oder Eisen denken, profitierte von den neuen technischen Möglichkeiten und hatte ein bis dahin kaum gekannten Überfluss an Rohstoffen zur Folge. Dies führte zu einem Wirtschaftsboom in allen Branchen, aber vor allem natürlich in der Schwer- und Eisenindustrie. Viele dieser Rohstoffe kamen dabei aus Kolonien, von denen England einige besaß. Diese Kolonien wurden damals ausgebeutet, ohne nennenswerte Gegenleistungen erwarten zu dürfen, und trugen damit maßgeblich zur Entwicklung der ersten Industrieländer bei.

Diese Kolonien fehlten bei der deutschen industriellen Revolution. Damals noch ein Flickenteppich aus Klein- und Kleinststaaten, waren ihre Märkte ohnehin kaum nennenswert. Dafür hatten sie mit umso mehr Handelsschranken und Zöllen zu tun. Kein Wunder also, dass die industrielle Revolution hier deutlich später Fahrt aufnahm als in England, wo dem Unternehmertum weniger Schranken auferlegt waren. Von der daraus resultierenden mangelhaften Infrastruktur des Deutschen Bundes ganz zu schweigen. Außerdem trugen ein vergleichsweise schlechtes Bildungswesen und eine merkantilistische Wirtschaftspolitik der Fürsten nicht wirklich zur Bildung eines selbstständigen Bürgertums bei. Dieses war aber bitter nötig, wollte man in der Zeit der großen Gründer und Erfinder Schritt halten.

Video: die industrielle Revolution

Merkmale der Industrialisierung

Fassen wir also zusammen: Neue technische Erfindungen verbesserten die Produktionsbedingungen und führten überhaupt erst zur Möglichkeit einer industriellen Revolution. Die wesentlichen Merkmale der nun einsetzenden Industrialisierung waren der Einsatz neuer Maschinen und die dadurch ermöglichte Massenproduktion von Waren in Fabriken. Die Produktion wurde außerdem fast ausschließlich in Arbeitsteilung durchgeführt.

Des Weiteren war das 19. Jahrhundert das Zeitalter der Bauernbefreiung. Die Zünfte wurden abgeschafft und die Gewerbefreiheit eingeführt. Die feudale Ständegesellschaft wurde nach und nach durch eine bürgerliche Gesellschaft ersetzt. Dadurch konnte eine neue Form des Unternehmertums entstehen sowie eine neue Art des Warenhandels.

Leider hatte die Industrialisierung aber nicht nur Vorteile. Die negativen Auswirkungen, die vor allem die neue Schicht der Lohnarbeiter betraf, wirst du später als die soziale Frage kennenlernen.

Vorteile der Industrialisierung

Zum einen sorgte die erhöhte Produktivität für wirtschaftlichen Aufschwung und zu vermehrtem Wohlstand in den Gesellschaften (Prosperität). Die technischen Erneuerungen machten das Leben im Allgemeinen einfacher und bequemer. Außerdem führten sie auch in anderen Bereichen zu revolutionären Erfindungen, von der Elektrotechnik bis zur Medizin. Nicht zu Unrecht werden diese Jahre deshalb auch als „Gründerjahre“ bezeichnet. Unzählige neue Firmen und Gesellschaften betraten die Bildfläche und es verging kaum ein Tag ohne eine neue Patentanmeldung. Dem Erfinder- und Forscherdrang schien keine Grenze gesetzt. Revolutionen in Produktion und Transport ließen zudem ein global agierendes Unternehmertum und somit auch die ersten liberalen Märkte (Wirtschaftsliberalismus) entstehen. Der Ursprung unserer heutigen Konsumgesellschaft liegt genau hier in dieser Zeit.

Konsumgesellschaft

Im Groben verbesserte sich also die Lage der Menschen. Doch wie so häufig konzentrierte sich der Wohlstand schnell in nur wenigen Händen, sodass beim Großteil der Bevölkerung von Verbesserung kaum die Rede sein konnte.

Nachteile der Industrialisierung

Denn auf der anderen Seite bringen rasche Veränderungen auch eine Reihe von Problemen mit sich, und diese waren - neben einem bis dato nie gekannten Maß an Umweltverschmutzung - meist sozialer Natur. Durch die rasche Verstädterung kam es beispielsweise zur Bildung von Slums und Elendsvierteln in Ballungsräumen, da einfach nicht genug Wohnraum vorhanden war. Allein in Berlin hat sich die Einwohnerzahl binnen 100 Jahren von 200.000 auf über 2 Millionen Menschen erhöht! Die neu entstandene Klasse der Lohnarbeiter, von Karl Marx als Proletariat bezeichnet, arbeitete unter teils katastrophalen Bedingungen. Arbeitsschutz oder Arbeiterrechte waren noch Fremdwörter und auch Kinderarbeit absolut üblich. Aufgrund medizinischer Verbesserungen sank zwar die Sterblichkeitsrate der Menschen, doch dies führte dazu, dass meist mehr Arbeiter als Arbeit zur Verfügung standen. Dies wussten die neuen Unternehmer, die ersten Kapitalisten, für sich zu nutzen. Geringe Löhne und Massenarmut der arbeitenden Schichten waren die Folge und die altbekannte Kluft zwischen Arm und Reich, von der du auch heute immer wieder hörst, verschärfte sich zusehends. Der Schlesische Weberaufstand von 1844 war dabei nur eine der Revolten, die diese krisengeschüttelte Zeit ertragen musste.

Entstehung einer neuen Öffentlichkeit

Doch kannst du dieser prekärer Lage der Arbeiter abschließend sogar noch etwas Positives abgewinnen, denn da diese Lohnarbeiter plötzlich die größte soziale Gruppe der neuen Industrieländer stellten, blieben ihre schlechten Lebensbedingungen nicht lange unbeobachtet. Die Forschung griff sie unter dem Begriff der sozialen Frage auf und gänzlich neue Wissenschaftsbereiche etablierten sich, wie die Nationalökonomie oder die Soziologie. Außerdem entstanden unzählige neue Interessenvertretungen, Genossenschaften, Parteien (die Sozialdemokratie hat genau hier ihre Wurzeln) und andere Organisationen, die sich der Probleme der Arbeiter annahmen. Eine hoch spannende Phase setzte ein, die der Politisierung und Demokratisierung der Gesellschaften nur förderlich war.