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Staat und Gesellschaft im Absolutismus in der Aufklärung

Hier erfährt du, wie sich im Zuge der Aufklärung die Ständegesellschaft zum selbstbewussten Bürgertum entwickelte.

Die Herrschaftsform des Absolutismus

Seit der Reformation prägten Glaubens- und Bürgerkriege die Frage nach der Vormachtstellung in Europa. Einige Philosophen, wie beispielsweise der Engländer Thomas Hobbes, waren der Meinung, dass es einen souveränen Vertreter in Form eines alleinigen Herrschers benötigt, der für das Volk denkt und handelt. Seit dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs im Jahr 1648 war die überwiegende Regierungsform in Europa der Absolutismus, bei dem ein alleiniges Oberhaupt an der Spitze stand und über den Staat und die Gesellschaft herrschte.

Du hast vielleicht schon etwas vom Sonnenkönig gehört. Ludwig XIV., der als absolutistischer Herrscher von 1661-1715 in Frankreich an der Spitze stand, bezeichnete sich selbst als le roi soleil (französisch für Sonnenkönig). Er sah sich selbst als strahlendes Zentrum des französischen Staates, ähnlich wie die Sonne, die das Zentrum unseres Sonnensystems bildet. Sein Leitspruch war l’état, c’est moi, also der Staat bin ich. Sein Ziel war darüber hinaus, die Vormacht in Europa zu erlangen.

Ludwig XIV

Durch den Merkantilismus war der Staat wirtschaftlich geordnet. Billige Rohstoffe wurden importiert, weiterverarbeitet und teuer exportiert. Die Gesellschaft zur Zeit des Absolutismus war in Stände aufgeteilt. Der Klerus, also der geistliche Adel, wurde als erster, der weltliche Hochadel als zweiter Stand bezeichnet. Bauern und Bürger stellen den größten Teil der Gesellschaft dar und zählen als dritter Stand. Der König bzw. Kaiser stand an der Spitze dieser Ständegesellschaft. Zudem bildete sich ein Beamtenstand von Ministern, die dem König zur Seite standen. Dadurch war es dem Herrscher aber möglich, seine persönliche Politik durchzusetzen und den Adel dadurch ein Stück weit zu entmachten.

Die Menschen der Ständegesellschaft gingen davon aus, dass ihre Position durch Geburt von Gott gewollt und festgelegt und damit unveränderbar war. Auf diese Weise wurde die Gesellschaft geordnet und organisiert. Der dritte Stand zahlte Steuern und finanzierte so die anderen Stände und deren hohe Ausgaben.

Wie du dir vielleicht denken kannst, waren es die Bauern, die mit dieser gesellschaftlichen Begebenheit sehr unzufrieden waren. Während der Adel im Überfluss lebte und Ludwig XIV. ein Luxusleben am Hof führte, litten die Bauern unter Missernten und hohen Abgaben der Adligen.

Der Wandel vom Alleinherrscher der Absolutisten als souveräne Volksvertreter zum absolutistischen Unterdrücker war schnell sichtbar. Die Philosophen der Aufklärung kritisierten das Leben des Adels im Überfluss, der den Staat in die Verschuldung trieb, und die schlechten sozialen Bedingungen der Gesellschaft, besonders die des dritten Standes.

Merkmale der Aufklärung

Aus diesem Grund fand ein gesellschaftlicher und politischer Wandel statt. Ein Vorreiter dieses Wandels war Immanuel Kant, der das lateinische Sprichwort sapere aude 1784 zum Leitspruch der Aufklärung machte: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

Immanuel Kant

Damit meinte Kant, dass die Menschen nicht alles glauben, sondern selbstständig und selbstbestimmt denken und handeln sollen. Damit stellten sich die Aufklärer also deutlich gegen die starre Ständegesellschaft und den Absolutismus. Durch die Aufklärung entwickelten sich Gesellschaft, Politik und Wissenschaft und auch die Naturwissenschaften erhalten durch Experimente und Nachforschungen einen enormen Aufschwung. Einige Erfindungen, die aus dieser Zeit stammen, sind der Buchdruck und das Mikroskop.

Die Aufklärer setzten sich für Freiheit, Gleichheit und Grundrechte der Menschen ein. Sie forderten eine Auflösung der Ständegesellschaft und eine Gewaltenteilung innerhalb der Politik. Sie forderten auch den Rücktritt des Alleinherrschers als Absolutist.

Das Zeitalter der Revolution

All diese Veränderungen mündeten im Zeitalter der Revolutionen in Europa. Das Bürgertum erhielt neues Selbstbewusstsein durch Reformation, Glaubens- und Bürgerkriege und der Kritik an der Ständegesellschaft durch die Aufklärung.

Die Französische Revolution im Jahr 1789 beendete das Zeitalter des Absolutismus. Der damalige König Ludwig XVI. und seine Frau Marie Antoinette wurden mit der Guillotine hingerichtet.

Erst einige Jahrzehnte später, nämlich 1848/1849, fand in Deutschland die Märzrevolution statt, die sich als Vorbild europäische Revolutionen nahm. Die Revolutionäre versammelten sich in der Nationalversammlung und forderten eine liberale Regierung. Unter den Farben schwarz, rot, gold vereinten sie sich gegen den Absolutismus. Auch die deutsche Nationalhymne, die heutzutage bei jeder sportlichen Europa- oder Weltmeisterschaft gesungen wird, entstand zu dieser Zeit der Revolution.

Flagge Deutschland

Auch wenn die Revolution in Deutschland vorerst scheiterte und sich die Versammlung wieder auflösen musste, kann sie trotzdem nicht als ganz gescheitert bezeichnet werden. Zu den bleibenden Erfolgen und nachhaltigen Fortschritten, die in den Revolutionsjahren erzielt wurden, zählen die endgültige Auflösung der feudalen Ordnung sowie die nationale Idee einer kleindeutschen Einigung, die nach ihrem vorläufigen Scheitern später umgesetzt wurde. Ein weiterer bleibender Erfolg war die Abschaffung der geheimen Inquisitionsjustiz, was zu einer nachhaltigen Verbesserung der Rechtssicherheit führte. Darüber hinaus entwickelte sich im Zuge der Revolution nach Auflockerung der Pressezensur eine mehr oder weniger vielseitige Presselandschaft. Das führte dazu, dass neue Zeitungen entstanden und von links bis rechts Einfluss auf das politische Zeitgeschehen nehmen konnten.

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