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Die Soziale Frage

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Lasse
Die Soziale Frage
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Beschreibung Die Soziale Frage

Inhalt

Was war die soziale Frage? Definition

Bestimmt hast du schon einmal etwas vom Industriezeitalter gehört. In jener Epoche hat sich die Welt durch technische Erfindungen und den Bau von großen Fabriken grundlegend verändert. Im Industriezeitalter entstand aber auch eine neue große soziale Gruppe, die Fabrikarbeiterschaft. Diese Arbeiter arbeiteten nicht nur unter menschenunwürdigen Bedingungen, sondern lebten auch am Existenzminimum und in miserablen Wohnverhältnissen. Historikerinnen und Historiker fassen dieses Phänomen unter dem Begriff Pauperismus zusammen und meinen damit die katastrophale Verelendung großer Bevölkerungsschichten zur Zeit der Industrialisierung. Der Begriff der sozialen Frage beschreibt dabei die Auseinandersetzung mit diesen durch die Industrialisierung auftretenden gesellschaftlichen Missständen und wirft zugleich die Frage auf, wie man die sozialen Ungleichheiten lösen kann.

Wann war die Industrialisierung? Zeitraum

Ausgehend von England kam die Industrialisierung im 19. Jahrhundert bis nach Deutschland. Bis zu jener Zeit war Deutschland noch ein reiner Agrarstaat, der sich jetzt zu einer modernen, arbeitsteiligen Industriegesellschaft entwickelte. Doch die Folgen der industriellen Revolution schlugen sich nicht nur in der Einführung der maschinellen Produktion nieder. Auch negative Aspekte wie die Entstehung der sozialen Frage waren die Konsequenz.

Fluch und Segen der industriellen Revolution

Positive Effekte Negative Effekte
enorme Produktionssteigerung durch industrielle Herstellung mithilfe von Maschinen Kleine Manufakturbetriebe konnten dem hohen Konkurrenzdruck nicht standhalten und gingen bankrott.
Arbeiter wurden zum Diener der Maschine, da diese das Arbeitstempo vorgaben.
Durch die Entstehung von Fabriken gelangte ein Teil der Bevölkerung zu Wohlstand.
Bedingt durch die Arbeitsmöglichkeiten in den Fabriken zogen viele Menschen in die Städte. Es kam zur sogenannten Urbanisierung.
Ein anderer Teil der Bevölkerung wurde am Arbeitsplatz ausgebeutet; bedingt durch die Industrialisierung entstand so die soziale Frage.
Umweltverschmutzung wurde nach und nach zu einem ernstzunehmenden Problem für alle Bevölkerungsschichten.
Die Versorgung einer Vielzahl von Menschen mit Lebensmitteln, frischem Wasser usw. stellte die Stadtverwaltung vor logistische Probleme. Die hygienischen Lebensbedingungen führten zu gesundheitlichen Schäden und bildeten den Nährboden für Epidemien wie die Choleraepidemie von 1892 in Hamburg.

Wie sollte die soziale Frage gelöst werden? Lösungsansätze der sozialen Frage

Obwohl die Industrialisierung ein bisher nie gekanntes Wirtschaftswachstum hervorbrachte, hatte sie auch viele Kehrseiten, wie die katastrophalen Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Industriearbeiter. Viele Zeitgenossen vertraten verschiedene Ideen, wie man die Lage der Arbeiter verbessern konnte.

Die wohl radikalste Lösung der sozialen Frage vertrat der deutsche Philosoph Karl Marx. Er war der Meinung, dass sich die Kapitalisten, das heißt die besitzende Klasse, und die Proletarier, das heißt die Arbeiter, unversöhnlich gegenüberstünden. Um die soziale Frage zu lösen, helfe demnach nur ein Klassenkampf, in dem die Arbeiter die Unternehmer enteignen und das Kapital für alle gerecht verteilen sollten.

Natürlich war den Unternehmern daran gelegen, solch einen Klassenkampf zu verhindern. Deswegen setzten sich einige von ihnen, wie Alfred Krupp und Werner von Siemens, für bessere Lebensbedingungen ihrer Arbeiter ein. Sie erkannten darin gleichsam die Möglichkeit, die Arbeiter stärker an ihren Betrieb zu binden, indem sie zum Beispiel Arbeitersiedlungen bauten, aber auch Kantinen und Schulen einrichteten, sich für eine Begrenzung der Arbeitszeit stark machten sowie Betriebs- und Pensionskassen gründeten.

Auch der Staat fühlte sich verpflichtet, etwas zur Lösung der sozialen Frage beizutragen. Er verbot daher die Kinderarbeit und sorgte für Höchstarbeitszeiten und ein Nachtarbeitsverbot für Frauen. Der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck führte im Zuge der Sozialgesetzgebung 1883 die Krankenversicherung und 1884 die Unfallversicherung ein. Das war der Beginn der staatlichen Sozialpolitik.

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Die soziale Frage beschäftigte auch die Kirchen. Kirchliche Vertreter wie der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern gründeten zur Lösung der sozialen Frage ein Haus für Waisenkinder und verwahrloste Jugendliche in Hamburg. In Bethel bei Bielefeld ließ der Pastor Friedrich von Bodelschwingh Siedlungen für Arbeitslose und Pflegehäuser für Kranke errichten.

Transkript Die Soziale Frage

Hallo, mein Name ist Lasse. Heute möchte ich Euch von der sozialen Frage im 19. Jahrhundert erzählen. Der  Begriff soziale Frage entstand durch das Wachsen einer breiten Schicht gewerblicher Lohnarbeiter und die daraus bedingte ökonomischer Verelendung breiter Bevölkerungsschichten. Um dieses Video zu verstehen, solltet Ihr bereits über die industrielle Revolution Bescheid wissen, denn die soziale Frage ist eine direkte Folge der industriellen Revolution.

Die Ursachen der sozialen Frage

Das Video ist gegliedert in 4 Teile. Zunächst erzähle ich Euch etwas über die Ursache der sozialen Frage, dann über den sozialen Konflikt, der damals in der Gesellschaft herrschte und über die Veränderungen in der Arbeitswelt. Zum Abschluss gibt es eine Zusammenfassung. Die soziale Frage hatte 4 wesentliche Ursachen: 1. Es entstand im Zuge der industriellen Revolution eine breite Schicht von Lohnarbeitern. Sie waren von ihrem Arbeitgeber extrem abhängig.
2. Weil es sehr viele Lohnarbeiter gab, kam es zu einem Überangebot an Arbeitskräften. Das nützten die Arbeitgeber aus und gaben ihren Arbeitern nur so viel Gehalt, wie es gerade noch zum Leben ausreichte.
3. Durch die Einführung der Gewerbefreiheit in Deutschland herrschte unter den Handwerkern ein harter Konkurrenzkampf, der auch die Löhne der Handwerker drückte.
Die 4. Ursache der sozialen Frage war der Wirtschaftsliberalismus, der im 19. Jahrhundert vorgeherrscht hat. Bis in die 1880er Jahre verhinderte er ein staatliches Engagement zur Verbesserung der Lage.

Die Gewinner und Verlierer der Industrialisierung

Die Schere zwischen Arm und Reich ging zur Zeit der industriellen Revolution rapide auseinander. In Deutschland gab es zwar einen allgemeinen Wirtschaftsaufschwung, aber dieser kam nur wenigen Menschen zugute. Die neue Arbeiterklasse darbte und viele Menschen verarmten. Alleine in Berlin lebten um 1870 rund 10.000 Obdachlose. Diese wurden von den staatlichen Behörden drangsaliert, und als sie es wagten, sich dagegen zu wehren, gab es Kämpfe mit der Polizei. Die Gewinner des Wirtschaftsaufschwungs, der Adel und das Bürgertum, schauten auf die Arbeiter herab. Für sie waren die Proleten nur vaterlandsloses Gesindel, das es nicht besser verdient hatte. Beschwerden und Proteste der Arbeiter wurden mit noch härteren Fabrikordnungen und Schikanen beantwortet. Der Adel und das gut situierte Bürgertum waren nicht darauf erpicht, sich mit der schlechten Lage der Arbeiterklasse auseinanderzusetzen. "Solange der Kaiser auf seinem Thron sitzt und die kaiserliche Armee groß und schlagkräftig ist, werden wir schon fertig werden mit dem Gesindel." Das war der Tenor der feinen Leute.

Die Veränderungen der Arbeitswelt durch die industrielle Revolution

Kommen wir nun zu den Veränderungen in der Arbeitswelt, die die industrielle Revolution mit sich brachte und die soziale Frage mitbestimmte. Anstatt dass der Mensch sich der Maschine zur Erledigung seiner Arbeit bediente, war es in den Fabriken bald anders herum. In den Fabriken gaben die Maschinen das Tempo vor. Der Arbeiter hatte mit diesem Tempo mitzuhalten. So wurde er bald zum Diener der Maschine. Der Arbeiter hatte nurkleinste Produktionsschritte auszuüben. So verlor er bald jede Identifikation mit dem fertigen Produkt, was seine Arbeit sehr unbefriedigend machte. Das hohe Tempo in den Fabriken machte das Arbeiten immer schwerer. Um die Arbeiter zu disziplinieren, wurden von den Fabrikanten immer härtere Fabrikordnungen erlassen. Die Arbeiter kamen sich bald als Untertanen despotischer Staaten im Kleinen vor, in dem Gehorsam als einzige Bürgerpflicht galt.

Und nun zur Zusammenfassung. Das Arbeitsleben beinhaltete unmenschliche Arbeitsbedingungen mit Arbeitszeiten von oft 14 Stunden am Tag. Durch fehlende Sicherheitsvorkehrungen in den Fabriken erlitten die Arbeiter oft gesundheitliche Schäden. Kinderarbeit war an der Tagesordnung. In den Fabriken herrschte eine strenge Arbeitsdisziplin. Auch im Handwerk waren die Löhne durch die große Konkurrenz unter den Handwerkern sehr niedrig. Der normale Arbeiter lebte am Rande des Existenzminimums, was Armut und Hunger bedeutete. In den Slums und Mietskasernen verwahrlosten die Familien immer mehr. Ein Sozialsystem, wie wir es heute kennen, gab es damals noch nicht mal ansatzweise.

Hinzu kam, dass die Proletarier so gut wie keine politischen Rechte hatten. Sie waren durch das 3 Klassen Wahlrecht stark benachteiligt. Es herrschte Streikverbot und Koalitionsverbot. Die besser gestellten Bürger und die Adligen schauten mit Verachtung auf die Arbeiter herab. Diese Aspekte prägten das Leben der Arbeiterschaft. So liebe Freunde, jetzt wisst Ihr Bescheid und bis zum nächsten Mal, haltet die Ohren steif.

Die Soziale Frage Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Die Soziale Frage kannst du es wiederholen und üben.
  • Bestimme die Ursachen der Sozialen Frage.

    Tipps

    Ein anderer Begriff für Urbanisierung ist Verstädterung.

    Unter dem Wort Zunft wird der Zusammenschluss von Personen beschrieben, die das gleiche Gewerbe betreiben und die Regeln hierfür bestimmen.

    Lösung

    Obwohl die Industrialisierung zu einem großen Wirtschaftswachstum führte, verschlechterte sie auch die Arbeits- und Lebensverhältnisse der Arbeiter. Vor allem das Überangebot an Arbeitskräften führte dazu, dass die Industriellen die Löhne massiv senken konnten.

  • Fasse zusammen, wie Bruno Hildebrand die Lage der Arbeiter zur Zeit der Industrialisierung beschrieb.

    Tipps

    Zwei Aussagen sind korrekt.

    Im Gegensatz zu Karl Marx, der in der Industrialisierung die Ausbeutung der Arbeiter sieht, vertritt Bruno Hildebrand eine gegensätzliche Ansicht.

    Lösung

    Hildebrand vertrat eine positive Einschätzung der Lage der Arbeiter zur Zeit der Industrialisierung um 1848. Der industrielle Arbeitsprozess stellte für ihn sogar die Voraussetzung dafür dar, dass der Arbeiter sich vervollkommnen kann. Dank der neuen Arbeitsformen und des Umgangs mit Maschinen würden die Arbeiter sogar zu besseren Menschen. Mit dieser Einschätzung stand er der Auffassung von Karl Marx gegenüber. Marx ging davon aus, dass die Mechanisierung zur Ausbeutung des Arbeiters führe.

    Quelle: Antes, Steffen; Mund, Stephan: Duden. 100 Prüfungsfragen Abitur Geschichte. Dudenverlag: Mannheim, 2009, S. 60.

  • Erläutere, wie die Soziale Frage gelöst werden sollte.

    Tipps

    Der Begriff Proletarier leitet sich vom lateinischen "proles" ab und bedeutet Nachkomme. Das Wort Nachkomme bezieht sich dabei auf einen Angehörigen der wirtschaftlich unselbstständigen Klasse, der über keinen Besitz verfügt.

    Lösung

    Während Karl Marx und Friedrich Engels durch den Aufruf der Arbeiterklasse zu einem Klassenkampf die radikalste Lösung der Sozialen Frage boten, setzten Unternehmer wie Krupp auf Ausgleich. Durch den Bau von Siedlungen versuchten sie nicht nur, die elendige Wohnsituation ihrer Arbeiter zu lindern. Vor allem wollten sie so ihre Beschäftigten noch stärker an ihr Unternehmen binden.

  • Analysiere Bismarcks Sozialgesetzgebung.

    Tipps

    Während Nipperdey Bismarcks Sozialgesetzgebung als politischen Bestechungsversuch deutet, spricht Gall auch einen ethisch-moralischen Beweggrund an. Welchen?

    Lösung

    Bismarcks Sozialgesetzgebung war schon unter den Zeitgenossen umstritten und warf die Frage auf, ob sie einen politischen Bestechungsversuch oder eine wegweisende Errungenschaft darstellte. Fakt ist wohl, dass Bismarck durch seine Sozialgesetzgebung die Arbeiter für den Staat gewinnen wollte, um so den Sozialdemokraten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Obwohl Bismarcks Sozialgesetzgebung dabei den Grundstein für die Entwicklung des modernen Sozialstaates legte, haben seine Gesetze die Situation der Arbeiter in der damaligen Zeit nur unwesentlich verbessert, da grundlegende Probleme wie lange Arbeitszeiten und geringe Löhne weiterhin bestehen blieben.

    Quelle: Sauer, Michael: Historisch-politische Weltkunde. Kursmaterialien Geschichte Sekundarstufe II/Kollegstufe: Die Industrialisierung. Die Entstehung der modernen Welt. Ernst Klett Verlag: Leipzig, 1999, S. 89.

  • Gib an, wie sich die Arbeitswelt durch die Industrialisierung verändert hat.

    Tipps

    Heute sollen Maschinen die menschliche Arbeit erleichtern. Wie war es zur Zeit der Industrialisierung?

    Lösung

    Mit fortschreitender Industrialisierung änderten sich nicht nur die Arbeitsverhältnisse grundlegend, sondern auch die Lebensverhältnisse. Da es auf dem Land bald kaum noch Arbeit gab, zog es immer mehr Menschen in die Städte. Es kam zu einer regelrechten Urbanisierung, wodurch große Wohnungsnot herrschte. Auch unterschied sich die Fabrikarbeit erheblich von der bisherigen Arbeit in den Werkstätten oder in der Landwirtschaft. Art und Tempo der Arbeit gaben nun Maschinen vor.

  • Untersuche die Fabrikordnung auf ihre disziplinarische Funktion.

    Tipps

    Pünktlicher Arbeitsbeginn, Ahnden von Zuspätkommen – welche weiteren Regeln und Verbote galten für die Arbeiter?

    Lösung

    Die vorliegende Fabrikordnung setzt die Disziplin der Arbeiterschaft voraus. Unpünktlicher Arbeitsbeginn und Nichtachtung der Vorgesetzten werden durch empfindliche Sanktionen bestraft. Die Fabrik ähnelt so einer quasimilitärischen Einrichtung, in der die Arbeiter keinerlei Mitspracherechte haben.

    Quelle: Sauer, Michael: Historisch-politische Weltkunde. Kursmaterialien Geschichte Sekundarstufe II/Kollegstufe: Die Industrialisierung. Die Entstehung der modernen Welt. Ernst Klett Verlag: Leipzig, 1999, S. 59.

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