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Familiennamen im internationalen Vergleich 06:53 min

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Transkript Familiennamen im internationalen Vergleich

Das ist Blaer. Ihr Name bedeutet so viel wie „leichte Brise“. Offiziell besitzt sie jedoch keinen Vornamen, weil “Blaer” von den Behörden nicht zugelassen ist. Wir befinden uns in Island, einem kleinen Inselstaat im Norden Europas. Vornamen besitzen hier eine große Bedeutung, da der Nachname nur auf dem Vornamen der Eltern basiert, also nicht vererbt wird, so wie in Deutschland zum Beispiel Müller oder Schmidt. Blaer kämpft jetzt vor Gericht auf das Recht, ihren Namen tragen zu dürfen. Wie sieht es mit der Bedeutung von Namen in anderen Ländern aus? In Island leitet sich der Name, wie gesagt, vom Vornamen des Vaters, das nennt man Patronym, oder der Mutter, Matronym, ab. Ein Beispiel: Jon Kristiansson hat eine Tochter Björk und einen Sohn Olafur. Diese heißen nun Björk Jonsdottir, also “die Tochter Jons”, und Olafur Jonsson, “der Sohn Jons”. Die Vornamen werden formell wie auch informell verwendet. Das heißt, Frau Björk wäre die adäquate Form der Anrede. Auch in den Telefonbüchern steht der Vorname zuerst. In Skandinavien, also Schweden, Dänemark und Norwegen, sowie in Norddeutschland finden wir auch das Phänomen des Vaternamens als Familienname. “-sen” beziehungsweise “-son” im Schwedischen, zum Beispiel “Jensson”, also “Jens Sohn”. Während in Dänemark bereits 1828 vererbbare Nachnamen vorschrieb, zog Norwegen erst 1923 nach. In Schweden hingegen ist diese Tradition seit dem 16. Jahrhundert verbreitet. Auf den Färöer-Inseln, die zu Dänemark gehören, ist es seit 1992 wieder erlaubt, als Familiennamen den Nachnamen des Vaters oder der Mutter zu führen. Dänemark zog 2006 nach. In Island, unserem Eingangsbeispiel, ist es hingegen seit 1925 verboten, Familiennamen zu vererben. Finnland befindet sich auch im Norden, gehört aber nicht zu Skandinavien. Hier beziehen sich die Familiennamen häufig auf die Natur. Meist in Verbindung mit dem Suffix “-nen”. “Mäkinen” zum Beispiel heißt “Berg”, während “Järvinen” “Binnensee” bedeutet. Im benachbarten Russland setzt sich ein Name wie folgt zusammen: Vorname plus Vorname des Vaters, also Patronym, plus Familienname. Häufig werden Personen nur mit Vornamen und Patronym angeredet, also zum Beispiel “Andrej Arseniwitsch”. In Italien waren Familiennamen schon viel früher verbreitet als in Deutschland, etwa seit dem 11. Jahrhundert. Jedoch spielten, anders als hierzulande, Berufe bei der Namensgebung keine große Rolle. Wichtiger waren Herkunft oder Aussehen, zum Beispiel “Giancarlo Russo”, “der mit den roten Haaren”; “Paolo Romano”, also “Paolo aus Rom”. In Spanien und Lateinamerika setzt sich der Nachname aus zwei Teilen zusammen. Aus dem ersten Teil des väterlichen und mütterlichen Nachnamens. Die Kinder von Herrn Ramirez Cortez und Frau Fernandez Garcia heißen dann Ramirez Garcia. Seit 1999 ist die Reihenfolge freigestellt, das heißt, die Eltern entscheiden, welchen Teil ihres Nachnamens sie weitergeben. Auch in Portugal und Brasilien setzt sich der Nachname aus zwei Teilen zusammen. Verwendung finden jeweils die zweiten Nachnamen der Eltern, wobei der Name der Mutter zuerst genannt wird. Wenn also Herr Coelho Duarte und Frau Lemos Faria heiraten, heißt ihr Kind Faria Duarte. Durch Heirat kann eine Frau sogar drei Nachnamen haben, indem sie den letzten Teil des Namens ihres Ehemanns übernimmt. In der Türkei sind Familiennamen gesetzlich vorgeschrieben, und zwar seit 1934. Davor wurden jeweils Stammesnamen verwendet. Die neuen Familiennamen beziehen sich auf die junge türkische Republik. So heißt “Ötztürk” „der echte Türke“, “Yilmaz” „der Furchtlose“ oder “Çelik” „Stahl“. In China und Korea und Vietnam leitet sich der Nachname von einem chinesischen Schriftzeichen ab. In China existieren etwa 700 Familiennamen. Jedoch werden nur 20 häufig verwendet. Schauen wir uns dieses Beispiel an: Dieses chinesische Schriftzeichen wird in den unterschiedlichen Sprachen verschieden transkribiert: 阮 - “Ruǎn” im Chinesischen, “Weon” im Koreanischen oder “Nguyên” im Vietnamesischen basieren alle auf dem gleichen chinesischen Schriftzeichen. Übrigens heißen 40 Prozent der vietnamesischen Bevölkerung Nguyên. In allen drei Ländern wird der Nachname zuerst genannt, gefolgt von einem Vornamen und in der Regel von einem Rufnamen. Damit sind wir am Ende des Videos. Du hast gesehen, es gibt viele Länder und somit auch viele Möglichkeiten des Nachnamens. Eine verbindliche Regel, wie ein Name gebildet wird, existiert nicht. Solltest du Fragen zu anderen Ländern oder zu verschiedenen Details haben, schreib ins Forum, ich antworte. Bis bald, tschüss. Ronald.

2 Kommentare
  1. Default

    Was ist hier mit den Rufnamen in Korea China und Vietnam gemeint? Ich komme aus Korea aber was mit Rufnamen gemeint ist ist mir nicht ganz klar...

    Von Yunmi220, vor mehr als 4 Jahren
  2. Default

    interessant... wusste garnicht, dass das in island mit den Namen so ist!

    Von Deleted User 58342, vor fast 6 Jahren