30 Tage kostenlos testen:
Mehr Spaß am Lernen.

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte.

Spinnentiere – Systematik und Anpassung 11:28 min

Textversion des Videos

Transkript Spinnentiere – Systematik und Anpassung

Willkommen zum Thema Spinnentiere, zweiter Teil. Heute geht es um die Verwandten der Spinnen. Die Übersicht zeigt, wohin unsere kleine Lektion zielt. Seht her. Die Klasse der Spinnentiere gehört zum Unterstamm der Fühler- und Flügellosen Gliederfüßer. Wenn ihr das Video, Spinnentiere Teil 1, gesehen habt, kennt ihr bereits Vertreter der Familien der Webspinnen mit den Radnetz- und Deckennetzspinnen, den Jagd-, Wolfs-, Krabben-, und Springspinnen. Und die Familie der Weberknechte. Heute interessieren uns die Ordnung der Milden, lateinisch Acari, genannt. Die Pseudoskorpione und die Skorpione werden wir erwähnen. Beginnen wir mit Vertretern, die sich aufgrund ihrer geringen Größe und ihres ungegliederten Körpers von Spinnen, und wegen der acht kurzen Beine von den Weberknechten unterscheiden. Die Rede ist von Milden, die meistens im Boden siedeln und beim Abbau von abgefallenen Laub und anderen pflanzlichen und tierischen Resten eine wichtige Rolle spielen. Das ist eine Hornmilbe. Oft treten Hornmilben massenhaft im Moss auf, und fressen modernde Materialen. Sie zersetzten tote Pflanzenmassen und mineralisieren diese mit ihren Ausscheidungen. Im Moos ist ihnen der Moosskorpion als Jäger, er gehört wegen seiner Gestalt und zu den Greiforganen zu den Pseudoskorpionen auf den Fersen. Hornmilben, die in den Laub- und Streuschichten vorkommen, tragen ebenfalls zur Humusbildung bei. Wenn man das Laub zusammenkratzt und kompostiert, leben die vielen Milbenarten, pro Quadratmeter hat man schon 100000 Milben gezählt, natürlich im Komposthaufen weiter. Nur müssen sie da auf der Hut sein, denn die Raubmilben, ihre natürlichen Feinde, folgen ihnen überall hin. Jeder hat bestimmt schon die rote Samtmilbe gesehen, denn sie kann bis zu 2 Millimeter groß werden und fällt einem wegen der kräftig roten Farbe ins Auge. Sie ist auf Blättern von Sträuchern und Bäumen und anderen Pflanzen zu finden. Das Foto zeigt ein Blatt unterseits mit Spinnenmilben befallen. Die winzigen Milden schimmern als rote Fleckchen durch die weißlichen Gespinste, die die Milben zum Schutz erzeugten. Sie saugen darunter Pflanzensaft. In die äußeren leergesaugten Pflanzenzellen dringt Luft ein, wodurch sie sich gelblich weiß verfärben. Es sind nur noch wenige, grüne Zellbereiche vorhanden. Lästige Spinnenmilben und andere parasitäre Formen an Obst und Gemüse werden heutzutage nicht nur chemisch mit Akariziden Wirkstoffen, sondern bereit auch biologisch bekämpft. Dazu züchtet man Raubmilben, die auf befallenen Pflanzen ausgesetzt werden, und die Spinnenmilben verzehren. Recht große Raubmilden erbeuten sogar kleine Insekten. Leider fehlt mir eine solche Aufnahme noch in der Fotosammlung. Die Ahornblätter und der junge Trieb haben winzige rote Gallen. So heißen die Auswüchse, die Pflanzen zur Wundheilung erzeugen, wenn sie von Gallenmilben parasitiert werden. Die winzigen Gallenmilben, sie sind mit 0,08 Millimetern die kleinsten Gliederfüßer, werden regelrecht umwachsen und bekommen dadurch eine kleine Wohnung, in der sie weiterhin geschützt pflanzliche Säfte saugen können. Milben machen auch nicht vor anderen Gliedertieren halt. Bienen werden zum Beispiel von der Varroarmilbe parasitiert. Hier wird ein Weberknecht von Nümpfen einer Wassermilbenart regelrecht zur Ader gelassen. Dem hilft auch Sprung ins Wasser nicht, denn Wassermilben sehen nicht nur monsterhaft aus, sie sind auch ausgezeichnete Schwimmer. In der Geflügelhaltung sind die Gefiedermilben, die Gefiederfett und Hauptschuppen fressen, unerwünscht. Die rote Vogelmilbe wird als blutsaugender Ektoparasit gefürchtet. Erkrankte Vögel kratzen sich ständig und leiden unter Entzündungen, Stress und Federausfall. Küken und Jungvögel können bei starkem Befall sterben. Und wenn jemand denkt, Milben können dem hochentwickelten Menschen nichts anhaben, der irrt gewaltig. Bei mangelhafter Hygiene finden die Krätzemilben zunächst in den rissigen Hautfalten der Hände einen neuen Lebensraum, in dem sie sich versteckt von Hautzellen ernähren. Juckreiz, Kratzekzeme, Hautborke, sowie rote Pusteln durch bakterielle Nachfolgeinfektion sind die Folgen des Befalls, der sich schnell weiter ausbreitet, wenn nicht alle Textilien, die gesamte Wohnung und der Körper desinfiziert und behandelt werden. In der Regel hinterlässt die Infektion eine Überempfindlichkeit gegenüber Milbenexkrementen, also deren Ausscheidungen. Ähnlich liegt der Fall bei der Hausstaubmilbe. Ihr Kot ist ein Allergieauslöser erster Klasse. Schuld daran sind vor allem die allergen Verdauungsenzyme, die im Kot sind und eingeatmet werden können. Im Freien überleben Hausstaubmilben wegen der niedrigen Temperaturen meistens nicht. Wir Deutschen als Mitteleuropäer schaffen den Hausstaubmilden beste Lebensbedingungen. Wir isolieren die Wohnung und halten die Räume warm und damit die Luftfeuchtigkeit nicht so stark absinkt, gibt es Luftbefeuchter oder Klimaanlagen. Das ist optimal für die 0,3 Millimeter großen Milben, die sich von unseren Hautschuppen und Körperfett ernähren und sich im Mikroökosystem Hausstaub, in dem noch weitere, kleine Organismen leben, wohlfühlen. Man findet die lichtscheuen Milben mindestens zu 60 % im Bett, in Polstermöbeln, in Auslegware, Teppichen und alten Büchern. Die meisten sind im Kopfkissen. Dort sind die meisten Hautschuppen, Wärme und Feuchte durch Schweiß und Ausatemluft vorhanden. Da hilft die Reinigung des Kopfkissens letzten Endes wenig, selbst nach der Entfernungsprozedur verbleiben genügend Milben im Kissen. Und wenn es mit Federn gefüllt ist, bringt eine Reinigung sowieso nicht viel. Selbst die besten Staubsauer mit Hepalfilter, sie sollen Teilchen bis 0,1 Millimeter zurückhalten, schaffen es nicht die Milben, die sich gut an Feder und Fasern festklammern, vollends zu entfernen. Auch die natürlichen Feinde, der Hausstaubmilbe, es sind die Silberfischchen und Bücherskorpione werden es nicht schaffen, die Milben endgültig aufzufressen, denn damit wäre ihre Nahrungsgrundlage beseitigt und somit auch ihre Existenz bedroht. Ergo werden wir mit den Hausstaubmilben leben müssen. Denn Hausstaubmilben haben mit Unsauberkeit nichts zu tun. Es hat mit den Lebensbedingungen der Spinnentiere zu tun, die wir einfach kennen sollten. Gelernt haben wir, dass der Vermehrung der Milben durchlüftete, kühle, trockene Räume entgegenstehen. Auf Auslegeware, Teppiche und Federbetten sollte man verzichten. Polstermöbel können durch Holzmöbel ersetzt werden. Häufiges Wechseln der Bettwäsche trägt dazu bei, die Vermehrung der Milben zu bremsen und unser Wohlbefinden zu steigern. Glatte, öfter gereinigte Fußbodenbelege vermindern den Hausstaub und Fußbodenheizung sorgt für angenehme, trockene Wärme, die Milben Schwierigkeiten macht. Ganz beseitigen werden wir sie wohl nie, die Hausstaubmilben. Wir können aber versuchen ihre Lebensgrundlagen einzuschränken, indem wir uns auf unsere biologischen Wurzeln besinnen. Was spricht dagegen, im kalten, unbeheizten, gut durchlüfteten Schlafzimmern mit unseren Untermietern, die unseren Abwurf verwerten, zu nächtigen? Eigentlich nur unsere Vorurteile. Denn der Koevolution, das heißt der wechselseitig bedingten Entwicklung von Wirt und Parasit, können wir nicht entfliegen. Wir können nur verstehen lernen, hygienisch mit den Kommensalen, also unseren Mitbewohnern, zu koexistieren. Die drei Millimeter großen, flachgeformten Bücherskorpione sind von Natur aus Spaltenbewohner. Kein Wunder, dass sie zwischen den Seiten alter Bücher zu finden sind, wo sie nach Hausstaubmilben jagen. Pseudoskorpione betreiben intensive Brutpflege. Oft schaffen sie sich nestartige Gespinste zwecks Häutung, der Eiablage oder zur Überwinterung. Die echten Skorpione finden wir im kühlen Deutschland freilebend nicht, daher gehe ich nicht weiter auf sie ein. Zum Schluss will ich noch die Zecke erwähnen. Jeder kennt sie. Wie groß ist sie im Vergleich zu Milben? Sehen wir uns dazu die Handskizzen an. Zunächst nur die Milben und jetzt der Vergleich. Zecken sind mit etwa 2,5 Millimetern die Riesen unter den parasitierenden Spinnentieren. Unsere Zeit ist nun um. Ich danke für euer Interesse. Tschüss. Euer Oktavus.

1 Kommentar
  1. sehr gut

    Von Land Tom, vor 7 Monaten