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Das Wattenmeer 09:05 min

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Transkript Das Wattenmeer

Als Watt bezeichnet man den Teil der Nordseeküste, der bei Niedrigwasser trockenfällt. Auf den ersten Blick scheint der Wattboden eine leblose Sand- und Schlickwüste zu sein. Der Eindruck täuscht. Kein anderes Küstengebiet der Erde steckt so voller Leben wie das Wattenmeer. Die meisten Wattbewohner sieht man nur nicht. Sie sind klein und verbergen sich bei Niedrigwasser im Schlick. Die Kleintiere bilden die Nahrungsgrundlage für alle anderen Lebewesen an der Nordseeküste. Doch was macht gerade das Wattenmeer zu einem so besonderen, weltweit einmaligen Lebensraum? Bis zum Ende der letzten Eiszeit war die heutige Nordsee arktische Tundra. Mit dem Abschmelzen der Gletscher stieg das Wasser auf etwa 100 Meter und überflutete das Festland. Die Gezeiten, der ständige Wechsel von Ebbe und Flut, sowie Wind- und Sturmfluten sorgen dafür, dass sich diese Übergangswelt zwischen Land und offener See ständig verändert. Flut heißt der Zeitraum, in dem das Wasser ansteigt und Ebbe, in der es wieder abläuft. Der Mond zieht die Wassermassen der Ozeane an, sodass sich ein Flutberg auf der dem Mond zugewandten Seite bildet. Die Fliehkraft der Erde bildet einen zweiten Flutberg auf der gegenüberliegenden Seite. Unter diesen Flutbergen dreht sich die Erde hindurch. Da die Nordseeküste sehr flach ist, fallen bei Ebbe weite Flächen des Meeresbodens trocken. Wo vor Stunden noch das Meer war, erstreckt sich nun eine völlig andere Landschaft, das Watt. Ebbe und Flut dauern zusammen etwa zwölfeinhalb Stunden. Das Wasser der Nordsee kommt und geht über ein fein verästeltes System von kleinen Rinnen und größeren Prielen. Sie bilden die Lebensadern des Watts und bleiben auch bei Ebbe mit Wasser gefüllt. Sedimente aus den Flüssen und Mikroorganismen färben das Nordseewasser braun. Die Gezeiten spülen diese Schwebstoffe ständig hin und her. Je nach Größe und Gewicht setzen sie sich an unterschiedlichen Stellen ab. Feines Sediment bildet das typisch grau-braune weiche Schlickwatt. Dort, wo die Strömung stärker ist, können sich nur gröbere Schwebstoffe und Sand absetzen. Es entsteht das festere Misch- und Sandwatt. Im Lauf der Zeit wächst der Wattboden in die Höhe und wird nicht mehr regelmäßig überflutet. Landpflanzen erobern die Fläche. Es entstehen Salzwiesen, die nur noch bei extremem Hochwasser überflutet werden. Salzwiesen sind bedrohte Lebensräume. Sie wurden zum größten Teil in Acker oder Weideland umgewandelt oder sind durch Schafhaltung überweidet. Das Watt ist Lebensraum für Spezialisten. Als Erstbesiedler tritt der salztolerante, robuste Queller in der Verlandungszone auf. Keine andere Blütenpflanze erträgt einen so hohen Salzgehalt wie der Queller. Er wächst häufig in Gemeinschaft mit dem Salzschlickgras. Zusammen tragen sie zur fortschreitenden Verlandung und somit zur Ansiedlung weiterer Pflanzen, wie dem Strandflieder, bei. Nach und nach nimmt die Zahl der Pflanzenarten zu. Eine artenreiche Salzwiese entsteht. Im Mündungsgebiet großer Flüsse vermischen sich durch Ebbe und Flut Süß- und Salzwasser zu sogenanntem Brackwasser. Hier bilden sich statt Salzwiesen häufig ausgedehnte Schilfgürtel. Schilfgürtel und Salzwiesen bieten unterschiedlichsten Vogelarten Lebensraum. Ein Austernfischerpärchen nutzt die Salzwiese als Ruheplatz. Pflanzenfressende Zugvögel, wie die Ringelgänse, finden hier abwechslungsreiche Nahrung. Gott schuf das Meer, der Friese die Küste. So lautet ein Sprichwort. Bereits vor 1000 Jahren bauten die Friesen als Schutz vor Sturmfluten die ersten Deiche. Die heutige Küstenlinie entstand durch Neulandgewinnung. Schwebstoffe lagern sich ab, sobald die See bei Hochwasser zur Ruhe kommt. Reisiggefüllte Reihen aus Holzpflöcken umrahmen sogenannte Lahnungen. Sie beschleunigen die natürliche Verlandung. Der Ebbstrom wird verlangsamt. In den Lahnungsfeldern wächst, wie bei den Salzwiesen, langsam neues Land. Deicht man das Neuland anschließend ein, entsteht ein Koog, auch Polder genannt. Aus ehemaligem Meeresboden wird so Marschland, das jedoch ständig entwässert werden muss. Über ein ausgeklügeltes System von Gräben wird das überschüssige Grundwasser in die Nordsee abgeleitet. Der Aufwand lohnt. Die flachen Marschen zählen zu den fruchtbarsten Gegenden Norddeutschlands. Natürlicherweise schützen Dünen das flache Hinterland vor Überflutungen. Der Sand, den der Wind vom Strand anweht, lagert sich ab und wird von anspruchslosen Gräsern besiedelt. Sie wirken als Sandfänger. Es entstehen zunächst sogenannte Weißdünen. Ältere Dünen, die Graudünen, besitzen eine geschlossene Pflanzendecke. Im Laufe der Jahre türmt sich der Sand bis zu zehn Meter hoch. Doch Dünen gibt es nur an wenigen Stellen. Deiche und Sperrwerke sichern den größten Teil der Küste. Das Wattenmeer ist seicht, doch die Nordsee ist unberechenbar. Besonders in den Wintermonaten kann das Wetter innerhalb von Stunden umschlagen. Orkanartige Stürme ziehen dann über Norddeutschland hinweg. Steigt die See mehr als 1,5 Meter über den mittleren Hochwasserstand, spricht man von einer Sturmflut. Etwa 1000 Kilometer Deiche schützen die deutsche Nordseeküste gegen diese Sturmfluten. Sperrwerke, wie dieses an der Mündung der Eider in Schleswig-Holstein, regeln das ebenfalls überflutungsgefährdete Hinterland entlang des Flusses gegen die Flut ab. Die Natur verkraftet die Stürme, aber geschwächte Tiere fallen ihnen zum Opfer. Gefährdet sind vor allem die Menschen an der Küste. Immer wieder versanken bei verheerenden Sturmfluten ganze Landstriche. Es gab zehntausende von Toten. Städte, Dörfer und Vieh versanken im Meer. Die Halligen, kleine Inseln vor der Schleswig-Holsteinischen Küste, zeugen von vergangenen Katastrophen. Sie sind Reste von Festland, das in mehreren Sturmfluten untergegangen ist. Die Halligen waren ursprünglich nicht eingedeicht. Die Häuser stehen als Schutz vor Überflutungen auf meterhohen, künstlich aufgeschütteten Erdhügeln, den sogenannten Warften und Wuchten. Bei Sturmflut herrscht Land unter, nur die Häuser ragen dann noch aus den Wassermassen heraus.

2 Kommentare
  1. Danke 👍🏻
    Weiter so!🙃🐵

    Von Amely G., vor 9 Monaten
  2. OK

    Von Lilly M., vor fast 2 Jahren