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Wiener Kongress

Zum einen sollte der Wiener Kongress ein aus dem Gleichgewicht geratenes Europa wieder stabilisieren. Zum anderen galt es jedoch vor allem, die politische Macht wieder in die Hände der Fürsten und Monarchen zu legen. Der Absolutismus sollte wieder Einzug halten in Europa.

Das Ende der napoleonischen Kriege

Die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 besiegelte das Ende Napoleons. Zwar kam er in seiner Herrschaft der Hundert Tage noch ein letztes Mal auf die große Weltbühne zurück und wurde militärisch erst 1815 bei der Schlacht von Waterloo endgültig geschlagen, doch war die eigentliche Entscheidungsschlacht der Befreiungskriege die Völkerschlacht bei Leipzig. Sie hatte 1814 den Pariser Frieden zur Folge, der erstens den Krieg beendete und zweitens einen Kongress vereinbarte, der sich ein paar Monate später mit der Neuausrichtung Europas befassen sollte: der Wiener Kongress.

Zum einen sollte ein aus dem Gleichgewicht geratenes Europa wieder stabilisiert und das Kräfteverhältnis zwischen den fünf Großmächten (Pentarchie) Russland, Preußen, Österreich, Großbritannien und Frankreich wieder ausgeglichen werden. Zum anderen galt es aber auch den Absolutismus wieder einzuführen und die politische Macht zurück in die Hände der Fürsten zu legen. Diese hatten nämlich nur wenig Freude an den liberalen und demokratischen Errungenschaften der Französischen Revolution und der Regentschaft Napoleons.

Um dies zu realisieren, trafen am 18. September 1814 fast 200 Staaten aller Größen in Wien zusammen, um unter der Führung des österreichischen Außenministers Fürst von Metternich Europas Zukunft zu gestalten.

Wien

Der Wiener Kongress

Die vordergründige Aufgabe war, den Rahmen für eine dauerhafte europäische Friedensordnung zu schaffen. Keinem Staat durfte zu viel Macht und zu viel Territorium zukommen und die Eroberungen Napoleons mussten wieder rückgängig gemacht werden. Da die machtpolitischen Interessen der Teilnehmer breit gestreut waren, war dieses Unterfangen äußerst schwierig. Es war einer der Gründe, warum sich der Kongress derart in die Länge zog.

Schneller konnte man Einigkeit erzielen, als es darum ging, so schnell wie möglich zu den absolutistischen Verhältnissen vor 1792, also bevor der Nationalkonvent die Abschaffung der Monarchie in Frankreich bewirkt hatte, zurückzukehren. Den Ideen der Aufklärung in Zusammenhang mit demokratischen und nationalen Bewegungen musste entgegengewirkt werden. Und das geschlossen! Genau das taten die alten und mächtigen Monarchien Europas dann auch, und zwar unter den Schlagwörtern Restauration, Legitimation und Solidarität. Doch was genau verbirgt sich hinter diesen Begriffen?

Restauration

Durch die napoleonischen Kriege verbreiteten sich die liberalen und demokratischen Ideen der Revolution wie ein Lauffeuer in ganz Europa – und das war pures Gift für die Fürsten und Monarchen der damaligen Zeit. Sie fürchteten um ihre Machtposition. Das neue Bürgertum konnte seine Freiheit gewinnen – die alten Monarchien nur ihre Privilegien verlieren! Somit galt es allen revolutionären Gedanken geschlossen entgegenzutreten und bereits eingeführte Neuerungen, wie beispielsweise den code civil Napoleons, ein fortschrittliches Zivilgesetzbuch, zumindest auf ein Minimum zu begrenzen. Diese Rückbesinnung auf die alte politische Ordnung vor 1792 kannst du unter dem Begriff Restauration fassen.

Legitimität

Hinter dem Begriff der Legitimität verbirgt sich, dass es legitim ist und immer war, dass sich alle (politische) Macht in den Händen der alten Dynastien und Monarchien konzentriert, und nicht in den Händen des einfachen Volkes. Mehr Mitspracherecht des Bürgertums ist laut dieser Definition nicht zulässig. Das napoleonische Staatensystem sollte wieder aufgelöst und die legitimen Autoritäten wieder eingesetzt werden. Die Herrschaft eines Fürsten ist gerechtfertigt und unantastbar, und dieses Prinzip sollte in Stein gemeißelt werden.

Solidarität

Zur Sicherung und Durchsetzung dieser Ziele benötigten die Monarchien ihre gegenseitige Unterstützung, ihre gegenseitige Solidarität. Aufkommenden liberalen und nationalen Bewegungen musste geschlossen und vereint der Kampf angesagt werden. Ein sich mehr und mehr auch als international begreifendes Bürgertum sollte somit möglichst gar nicht erst entstehen.

Monarchien

Die „Heilige Allianz“

Auf die Spitze getrieben wurde dieses Prinzip der Solidarität dann in der Heiligen Allianz vom 26. September 1815. Darin befähigten sich die drei christlichen Monarchien Österreich, Preußen und Russland, ab 1818 dann auch Frankreich, ein militärisches Eingreifen auch in anderen Staaten zu rechtfertigen, und zwar überall dort, wo die Prinzipien der Restauration, Legitimation und Solidarität in Gefahr gerieten.

Spätestens diese Heilige Allianz sollte das Ende für alle bürgerlich demokratischen Bewegungen Europas einläuten. Doch erwies sich dieses vehemente Vorgehen letztendlich als Boomerang für die alten Monarchien, denn das Bürgertum war nicht mehr gewillt, wieder in alte Muster der Ständeordnung, Unterdrückung und Lethargie zu verfallen.

Video Wiener Kongress

Deutsche Frage? Deutscher Bund!

Da die deutsche Frage zu komplex war, wurde sie separat behandelt. Die Beschlüsse des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803, also Säkularisierung und Mediatisierung, ließen bereits im Vorfeld eine Reihe neuer Fürstentümer und anderer Klein- und Kleinststaaten entstehen und auch der durch Napoleon initiierte Rheinbund hatte seine Spuren hinterlassen. Am Ende war der deutschsprachige Raum nicht mehr als ein Flickenteppich aus unzähligen kleinen Staaten, die weit davon entfernt waren mit einer Stimme zu sprechen.

Die Gründung des Deutschen Bundes auf dem Wiener Kongress würde das nun ändern, denkst du sicherlich. Doch weit gefehlt! Vielmehr sollte er an der Zersplitterung überhaupt nichts ändern! Nein, er sollte diese sogar zementieren! Man befürchtete nämlich, dass ein geeintes Deutschland ein zu großes Ungleichgewicht der Mächte Europas bedeuten könnte. Also wurde der Deutsche Bund nicht im Sinne des Bürgertums gestaltet, sondern ganz im Sinne der Fürsten der Pentarchie. Es entstand ein loser Staatenbund aus weiterhin 38, später 41, Mittel- und Kleinstaaten, in dem jede Partei seine Souveränität weitgehend behielt. Letztendlich war dies aber nur ein weiterer Grund für die zunehmende Unzufriedenheit im Bürgertum und die Rufe nach einem geeinten Deutschland sollten die nächsten Jahrzehnte nicht mehr verhallen.

aufgebrachtes Bürgertum

Ergebnisse

Zuallererst wurde die europäische Landkarte natürlich komplett neu gestaltet. Frankreich beispielsweise musste zurück auf die Grenzen vor Napoleon; Russland erhielt fast das gesamte polnische Staatsgebiet zugesprochen; Preußen erweiterte seine Gebiete beträchtlich, genau wie Österreich, das sich zudem noch die Führungsrolle im Deutschen Bund sichern konnte; die Heilige Allianz sicherte sich ein permanentes Interventionsrecht in nahezu ganz Europa und vieles vieles mehr. Merken solltest du dir noch, dass die Entscheidungen der herrschenden Adelshäuser des Wiener Kongresses bei der Grenzziehung keinerlei Rücksicht auf Volkszugehörigkeit, Sprache oder Ähnliches nahmen. Dies sollte den Unmut der Völker Europas weiter schüren!

Sowieso waren die Fürsten nicht mehr in der Lage, die freiheitlichen Ideen der Revolution aus den Köpfen der Menschen zu löschen. Die Saat war gesät und man konnte nicht einfach per Dekret den Zeitgeist vor der Französischen Revolution wieder heraufbeschwören. Liberale, freiheitliche und nationale Bewegungen etablierten sich überall in Europa.