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Die Periode des Frühneuhochdeutschen 06:39 min

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Transkript Die Periode des Frühneuhochdeutschen

Hallo, wie geht es dir? Die deutsche Sprache hat viele verschiedene Sprachstufen durchlaufen, bis sie bei dem heutigen Deutsch angelangt ist. Eine Sprachstufe davon ist das Frühneuhochdeutsche. Frühneuhochdeutsch? Was ist Frühneuhochdeutsch? Wann wurde es gesprochen? Wie hat es sich entwickelt? Und wo hat man es gesprochen und geschrieben? All diese Fragen werde ich dir in diesem Lehrfilm beantworten. Kommen wir zuerst einmal zu der Frage: Was ist Frühneuhochdeutsch? Frühneuhochdeutsch, abgekürzt Fnhd., nennt man die historische Sprachstufe der deutschen Sprache zwischen dem Deutsch des Mittelalters, dem Mittelhochdeutschen, und dem heutigen Deutsch, dem Neuhochdeutschen. Weiter mit Punkt zwei: Wann, also zu welcher Zeit, hat man Frühneuhochdeutsch gesprochen? Die Periode der frühneuhochdeutschen Sprache wird ungefähr von 1350 bis 1650 nach Christus angesetzt, das heißt nach der Periode des Mittelhochdeutschen und vor der Periode des Neuhochdeutschen. In Punkt drei beschäftigen wir uns mit der Frage: Wie hat sich das Frühneuhochdeutsche eigentlich entwickelt? Einen wichtigen Einfluss hatte seit dem 13. und 14. Jahrhundert die Verstädterung. Das heißt, es kam zu einem Aufschwung, beziehungsweise Vermehrung der Städte. So gab es um 1200 nach Christi nur 250 Städte und um 1300 nach Christi schon 1200 Städte. Durch dieses enorme Wachstum an Städten kam es auch zum Ausbau kommunaler Verwaltungen und Kanzleien, dadurch entwickelten sich auch Kanzlei- und Geschäftssprachen. Ein anderer Faktor war der Niedergang der zentralen Reichsmacht des Kaisers, das heißt, der Kaiser verlor an Bedeutung. Auch ausschlaggebend für die sprachliche Entwicklung des Frühneuhochdeutschen war die Ostkolonisation, also die Erweiterung des deutschen Sprache- und Einflussbereichs nach Osten. Einflussreich war auch die Gründung zahlreicher Universitäten seit dem 14. Jahrhundert, so zum Beispiel 1348 die Gründung der ersten deutschen Universität in Prag durch Kaiser Karl IV. Ein ganz wichtiger Faktor für den Sprachwandel war die Erfindung des Buchdrucks durch Guttenberg Mitte des 15. Jahrhunderts. Die Drucker strebten zu dieser Zeit nach einem Sprachausgleich, sodass ihre Druckerzeugnisse in weiter entfernten Gegenden gelesen werden konnten. Dadurch entstanden regionale und städtische Druckersprachen. Einen großen Einfluss auf die Entwicklung und die Verbreitung des Frühneuhochdeutschen hatte auch Martin Luther durch die Übersetzung des neuen Testaments 1522 und die vollständige Bibelübersetzung 1534 ins Deutsche. Luther wollte eine volksnahe, gemeinverständliche Sprache, so entwickelte sich die Luthersprache. Daraus entwickelte sich zu dieser Zeit eine allgemeingültige Schriftsprache. Die Reformatoren nutzen außerdem das neue Massenmedium des Buchdrucks, um ihre Schriften zu verbreiten. Das war auch die Zeit des deutschen Humanismus im 15./16. Jahrhundert. Immer mehr Gelehrte verfassten ihre Werke in deutscher Sprache anstatt in Latein. Das Frühneuhochdeutsche ist von einer Reihe von Lautwandlungsprozessen gekennzeichnet, welche jedoch erst später im Neuhochdeutschen abgeschlossen wurden. Das heißt, in dieser Zeit des Frühneuhochdeutschen war die deutsche Sprache noch phonologisch, das heißt lautlich, in einem uneinheitlichen Sprachzustand. Dennoch ist die frühneuhochdeutsche Zeit eine wichtige Kulturepoche, die große Auswirkungen auf die deutsche Sprachgeschichte hatte und daher als eine eigenständige Sprachstufe kategorisiert wird. In die Zeit des Frühneuhochdeutschen fallen auch erste Versuche der Formulierung orthografischer Regeln und wir verdanken der frühneuhochdeutschen Periode auch die Anwendung erster Satzzeichen. Dieser uneinheitliche Sprachzustand des Frühneuhochdeutschen wird auch in der Frage sichtbar: Wo hat man Frühneuhochdeutsch gesprochen? Während handschriftlich und ortsbezogene Texte große regionale Unterschiede aufwiesen, haben sich in dieser Zeit mehrere mehr oder weniger einheitliche Druckersprachen herausgebildet, die von den modernen Germanisten meist in sechs Schreibregionen unterteilt werden. Das ist einmal die oberdeutsche Druckersprache, dazu gehört das Bayrisch-Österreichische, das Schwäbische, das Alemannische und das Ostfränkische, und die mitteldeutsche Druckersprache. Wie der Name schon sagt, ist das der mitteldeutsche Raum. Dazu gehört das Westmitteldeutsche und das Ostmitteldeutsche. Übrigens, die Sprache Luthers war das Ostmitteldeutsche, also das meißnische Deutsch, das heutige Sächsisch. So, nun sind wir auch schon am Ende. Also dann, bis bald, tschüss.