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Analyse einer Rede – Sportpalastrede von Goebbels 08:23 min

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Transkript Analyse einer Rede – Sportpalastrede von Goebbels

Hi, ich bins, Tim. In diesem Video geht es um die bekannte Sportpalastrede. Diese Rede hielt Hitlers Reichspropagandaminister Joseph Goebbels am 18. Februar 1943 im Sportpalast in Berlin. In ihr ruft Goebbels zum Totalen Krieg gegen die Alliierten auf. Seine Frage: “Wollt ihr den totalen Krieg?”, freudig vom Publikum bejaht, ist in die Geschichte eingegangen. Sie galt lange Zeit als Glanzstück rhetorischer Manipulation, heute jedoch eher als gute Inszenierung der nationalsozialistischen Ideologie vor treuen Anhängern. Wir werden eine Redeanalyse durchführen wie sie im Buche steht, und uns mit der Redesituation, dem Inhalt der Rede, der Redeabsicht sowie der Struktur der Rede und Strategien der Beeinflussung beschäftigen. Unten findet ihr einen Link zum Volltext der zweistündigen Rede. Los geht’s! Eine Redeanalyse fängt beim Rahmen an, der die Rede umgibt, also der Redesituation. Ausgangspunkt der Sportpalastrede sind die Geschehnisse gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Das deutsche nationalsozialistische Reich mit seinen Verbündeten verliert in Stalingrad, gegen die Sowjetunion. Die Schlacht fordert mit ihren Folgen auf beiden Seiten fast zwei Millionen Tote und macht den positiven Ausgang eines Krieges für das Hitler-Reich fast aussichtslos. Um die Anstrengungen für die Kriegsproduktion in der deutschen Bevölkerung zu erhöhen, plant Goebbels eine Großkundgebung, die die Mobilmachung für den totalen Krieg einleiten und legitimieren soll. Für diese Rede wird der Berliner Sportpalast gewählt, seit langem ein Ort, an dem die Nazionalsozialisten ihre ideologischen Glaubensbekundungen zelebrieren. Zwei Wochen nach der Niederlage in Stalingrad, am 18. Februar 1943, werden dafür 15000 parteitreue Nazis aus allen Bevölkerungsschichten eingeladen. Mit dieser heterogenen Zuhörerschaft kann Goebbels behaupten: “Ihr also, meine Zuhörer, repräsentiert in diesem Moment die Nation.” Sie haben die Aufgabe, Goebbels’ Wahrheiten und Forderungen zu bestätigen und so das Bild von einem einigen Deutschland zu zeigen.

Kommen wir zum zweiten Punkt, dem Inhalt. In der Rede thematisiert Goebbels die Situation des Krieges, die eine besondere Mobilmachung aller noch verfügbaren Kräfte in Deutschland erfordert: “Der Ansturm der Steppe gegen unseren ehrwürdigen Kontinent ist in diesem Winter mit einer Wucht losgebrochen, die alle menschlichen und geschichtlichen Vorstellungen in den Schatten stellt. (...) Es muß schnell und gründlich gehandelt werden, sonst ist es zu spät. (...) Das Kriegspotential muß ganz zur Ausschöpfung gelangen, und zwar so schnell und so gründlich, als das organisatorisch und sachlich überhaupt nur denkbar ist.” Nach seinen Ausführungen über den gemeinsamen Feind, nämlich den Bolschwismus und das Judentum, gelangt Goebbels zu einer Einschwörung auf die gemeinsamen Ziele und deren spezifischer, gesellschaftlicher Umsetzung. Er stellt dabei zehn Fragen an die eingefleischten Nazi-Anhänger, die das bejahende Publikum hinter Hitler vereinen und auf die letzten Anstrengungen vor dem Sieg vorbereiten sollen. Die Redeabsicht ist also klar: Goebbels will das treue Nazi-Publikum als Repräsentanten des gesamten deutschen Volkes darstellen und durch deren Zustimmung zum “totalen Krieg” die Legitimation zu besonderen Anstrengungen einholen: “Der Führer erwartet von uns eine Leistung, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Wir wollen uns seiner Forderung nicht versagen. (...) Wir müssen nur die Entschlußkraft aufbringen, alles andere seinem Dienst unterzuordnen.” Die nicht im Sportpalast anwesende Bevölkerung war allerdings wenig überzeugt von den wiederholten Dogmen Goebbels, die ihre Überzeugungskraft eingebüßt hatten: Die erhoffte Mobilisierung der “Volksgemeinschaft” blieb aus. Stattdessen kann die Rede eher als eine Glaubenskundgebung zu den Jüngern der Nazi-Ideologie von totaler Gleichschaltung und jüdisch-bolschewistischen Verschwörungstheorien gelten. Als solche wurde sie von den ausländischen Mächten und großen Teilen der kriegsmüden Bevölkerung erkannt und entlarvt.

Wenn wir uns die Struktur der Rede und die Strategien der Beeinflussung ansehen, fällt auf, dass die Rede in zwei größere Abschnitte geteilt ist. Der erste Abschnitt stellt die Situation im Inland und Ausland dar und stellt den Feinden die Verbündeten gegenüber. Goebbels erklärt das Ziel der nationalsozialistischen Bewegung, nämlich die “Gefahr für die europäischen Kulturvölker” abzuwenden, die das “terroristische Judentum” geschaffen hat, das “sich in Rußland 200 Millionen Menschen dienstbar gemacht, dabei seine zynischen Methoden und Praktiken mit der stumpfen Zähigkeit der russischen Rasse vermählt” hat. Die Schlussfolgerung: “Der totale Krieg also ist das Gebot der Stunde.” Im zweiten Teil der Rede wendet er sich deshalb an alle Schichten der deutschen Nation: “Niemand kann sich auch nur mit einem Schein von Berechtigung an ihren Forderungen vorbeidrücken.” Er zählt auf, wen er zu besonderen Anstrengungen verpflichten will, nämlich Frauen und Beamte, und stellt Maßnahmen zur Straffung des deutschen Gemeinwesens vor.

Hinsichtlich der sprachlichen Analyse fällt auf, dass sich Goebbels vieler Mittel der Beeinflussung bedient, unter anderem verwendet er sprachliche Mittel der Aufwertung, der Abwertung, der Dramatisierung und der Beschwichtigung. Er wertet seine Gruppe auf, indem er deren Interesseneinheit und Stärke betont: Das deutsche Volk “hat dem Krieg in sein hartes und erbarmungsloses Antlitz hineingeschaut. Es weiß nun die grausame Wahrheit und ist entschlossen, mit dem Führer durch dick und dünn zu gehen.” Gleichzeitig wertet er den Gegner moralisch ab und legt ihm Begriffe bei, die ihn verwerflich erscheinen lassen, wie in: “Der östliche Bolschewismus ist nicht nur eine terroristische Lehre, sondern auch eine terroristische Praxis.” In der Kunst der Dramatisierung hat es Goebbels weit gebracht. Dabei weckt er die Ängste des Publikums. Und letztlich beschwichtigt er seine Zuhörer, indem er ihnen mit Gemeinschaftsideologie erklärt, warum jeder Opfer bringen muss.

Fassen wir nochmal zusammen: Goebbels’ Sportpalastrede will als Propagandaakt das deutsche Volk für den totalen Krieg mobilisieren. Die ausgewählte Nazi-Anhängerschaft soll dabei das gesamte deutsche Volk repräsentieren. Hierbei greift Goebbels’ zweiteilig aufgebaute Rede auf unterschiedlichste Strategien der Beeinflussung zurück. Der erhoffte Erfolg seiner Rede bleibt aber aus: Seine Zuhörerschaft folgt ihm bereits blindlings, auch ohne manipulative Rhetorik seinerseits. Vor der restlichen Bevölkerung kann er die ausweglose Situation jedoch nicht überspielen. Das war’s von mir, macht’s gut und ciao!

1 Kommentar
  1. Default

    gutes video! ich fände es aber besser, würdest du ab und zu kurze pausen zum rekapitulieren lassen. :-)

    Von Anne Goehring 97, vor mehr als 3 Jahren