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Analyse einer Rede – Strategien der Beeinflussung 08:11 min

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Transkript Analyse einer Rede – Strategien der Beeinflussung

Hey Leute, ich bin’s, Tim. Wir beschäftigen uns in diesem Video mit Strategien der Beeinflussung in einer Rede. Viel Spaß. Zuerst will ich euch kurz eine Zusammenfassung der Gesamtanalyse einer Rede geben. Wie gehen wir dabei vor? Zuerst untersuchen wir die Redesituation und die Rahmenbedingungen der Rede. Sodann schauen wir uns Thema und Inhalt der Rede an, bevor wir die Struktur der Rede und die Redeabsicht, zusammen mit den sprachlichen Mitteln und der Redeweise, analysieren. Diese Punkte sind die Kategorien der Redeanalyse.

Wir bewegen uns in diesem Video vor allem in den Bereichen Redeabsicht und Redeweise, wobei wir auch immer, und das gilt vor allem bei der Analyse von Beeinflussungsstrategien, den ideologischen, d.h. weltanschaulichen Hintergrund des Redners mitdenken müssen. Diesem Hintergrund entspringt das gesamte Gedankengut, in dessen größeren Rahmen es eingebettet liegt.

Wir erkennen dabei vier größere Kategorien, unter die wir Beeinflussung verschiedener Art fassen können: Aufwertung, Abwertung, Dramatisierung und Beschwichtigung oder Ablenkung vom Thema. Ich beziehe mich in den Beispielen auf eine aktuelle Rede von Udo Pastörs, Vorsitzender der ideologisch rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei Deutschlands oder kurz NPD, zum Neujahrsempfang 2014. Die Rede findet statt kurz nachdem die NPD die Affäre und den Ausschluss des ehemaligen Parteivorsitzenden Holger Apfel durchlebte, was viel Zerrissenheit in der Partei hervorrief. Unten findet ihr einen Link zum Video auf Youtube. Das erste Mittel der Beeinflussung ist die Aufwertung, mit der ein Redner seine eigene Position und die seiner Mitstreiter besserstellen kann. Das gelingt häufig dadurch, dass er negative Aspekte und kritische Einwände einfach nicht erwähnt und gleichzeitig die günstigen Aspekte hervorhebt, dadurch seine Sache in ein besseres Licht stellt. Das kann er auch damit bewirken, indem er in seiner Interessengruppe Einheit erzeugt, die Gruppe als harmonisch, aufrichtig und kraftvoll darstellt und ihr baldigen Aufschwung verspricht.

In unserer Rede betont die NPD häufig, wie demokratisch und rechtmäßig ihre Parteistrukturen sind. Sie stellt dabei eine unterdrückte Minderheitengruppe dar, die sich als Opfer einer undemokratischen, herrschenden Klasse sieht: „Und wenn eine Gefahr besteht, dass es eine Partei gibt mit einem Alleinstellungsmerkmal, (...) dann kommt man mit einem Verbotsverfahren auf uns zu.” (14:23) Die NPD kann nur spezielle Wahlkampfthemen in den Mittelpunkt stellen. Das ist “geschuldet einer relativ schmalen und kleinen personellen hochqualifizierten Decke, die diese Partei hat, im Verhältnis zu allen anderen Blockparteien hier in dieser komischen Republik, die sich Demokratie nennt, aber antidemokratische Praxis gegen unsere Partei zur Staatsräson gemacht hat” (9:15). Pastörs macht einen Gegensatz auf zwischen der kleinen, hochqualifizierten und demokratischen NPD und den antidemokratischen Massen- und “Blockparteien”. Den Fakt, dass die NPD sich kein größeres Personal leisten kann, weil sie hohe Strafen wegen fehlerhafter Rechenschaftsberichte zahlen musste, lässt er dabei weg. Stattdessen appelliert er an jeden Einzelnen, “die Glaubhaftigkeit und Wahrhaftigkeit unserer Botschaft nicht in den Dreck zu ziehen“ (6:44) und prophezeit seiner Partei, „dass die großen, vor uns liegenden Aufgaben dieses Jahr mit Bravour erledigt werden können“ (8:07).

Statt sich und seine Position aufzuwerten, kann ein Redner den Gegner auch abwerten. Das geschieht über abwertende und unmoralische Zuschreibungen, über angebliche Fehler, die dieser begangen haben soll, und über die Parzellierung, d.h. die Zersplitterung des Gegners, der in sich zerstritten sein soll und keine Einigkeit an den Tag legt. Meist wählen Redner dabei pejorative, also abwertende, Bilder und Metaphern. Der Redner will dadurch den Gegner als unmoralisch darstellen und sich über ein Negativbild definieren.

In unserem Redebeispiel finden wir ständige Anspielungen auf den gemeinsamen Feind, der alle größeren Parteien Deutschlands umfasst, sogar die “gottvergessene CDU” (11:52). Nach seiner Meinung wendet sich diese “ganze organisierte Verbrecherbande gegen das deutsche Volk” (11:34). Damit suggeriert er nicht nur eine Geschlossenheit des Volkes hinter den Meinungen und Interessen der NPD, sondern unterstellt dem deutschen Politikbetrieb mafiöse Strukturen und beraubt ihm hiermit der Legitimität. Die Nationalisten der NPD “nötigen (...) sie (d.h. die “Noch-Mächtigen” (10:01)), mit antidemokratischen Mitteln gegen uns vorzugehen.” (10:10). “Es ist alles richtig, was Profitmaximierung bedeutet (...). Dann importieren wir aus der ganzen Welt das, was wir glauben für unsere Wirtschaft zu benötigen – auch Menschen.” (12:40) Hier behauptet Pastörs, die unmoralischen Regierungsparteien würden alles für die Wirtschaft tun - und dabei über alle Rechte und die Würde des Menschen springen - eine schlimme Diffamierung des Gegners.

Die Dramatisierung der Rede findet in Wörtern und Metaphern aus dem Kriegswesen ihren Niederschlag, wobei Pastörs absichtlich die Ängste der Zuhörer anspricht und weckt. Er fordert die “Befreiung unseres Vaterlandes von Bevormundung” (5:46). Die “tödliche Gefahr” (14:23) ist genauso dramatisiert und übertrieben wie die drohenden “Verhältnisse, die heute in Athen” (15:41) und morgen in Deutschland herrschen werden, und das Jahr 2014 als “Kampfjahr” der NPD.

Viertens kann man durch Beschwichtigung oder Ablenkung vom Thema beeinflussen, etwa indem der Redner problematische Sachverhalte als natürlich und unabwendbar darstellt, Streitigkeiten in der Partei mit einer Gemeinschaftsideologie verdeckt oder problematische Sachverhalte tabuisiert, um sie dem weiteren öffentlichen Diskurs zu entziehen. Diese Strategien finden wir in der Prophezeihung der schonmal genannten Athener “Verhältnissen” (15:41), die nach Pastörs Meinung auch in Deutschland zu finden sein werden, oder wenn er die Mithilfe und Opferbereitschaft aller erfordernd sagt: „dass Leistung immer die Summe von Leistungen ist, dass es also keine Person ist, die für einen Erfolg steht, sondern dass immer Leistungen vieler bedeuten muss um Erfolg zu haben“ (19:38). Mit seiner offiziellen Erklärung, dass “im Namen der Gesamtpartei der NPD die Affäre um Holger Apfel für nach außen zunächst beendet“ (6:01) ist, belegt er diese Affäre - zumindest innerhalb der Zuhörerschaft - mit einem Redeverbot. Dass jener eigentlich nur „menschelt, schwächelt”, sich zwar “vergeht”, aber eigentlich “persönlich überfordert ist“ (5:31), spielt die Schuldfähigkeit von Holger Apfel herunter.

Eine Rede voller Beeinflussung. Wer würde es merken? Nur, wer sich merkt, wie man Einfluss nehmen kann, nämlich über die Aufwertung und Abwertung, die Dramatisierung und Beschwichtigung oder die Ablenkung vom Thema. Wenn ihr Lust habt, klickt euch im Internet, z.B. auf Youtube, doch mal durch die Reden von Politikern - nicht nur der NPD, ihr werdet merken, dass jeder beeinflussen will. Manche besser, manche...schlechter.

Bis zum nächsten Mal und Ciao!