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Ökosystem Moor 08:04 min

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Transkript Ökosystem Moor

Diese zarten Pflänzchen haben sich nicht, wie andere Pflanzen, an das Leben im Moor angepasst, sie machen das Moor. Torfmoose sind Überlebenskünstler. Sie können selbst in geringsten Konzentrationen vorkommende Nährstoffe aus Regenwasser aufnehmen, indem sie Wasserstoffionen in ihre Umgebung abgeben. Sie schaffen sich damit selbst ein saures Milieu, das konkurrierende Pflanzen im Wuchs behindert. Die Torfmoose wachsen bei geeigneten Bedingungen unaufhaltsam in die Höhe: bis zu 30 Zentimeter innerhalb eines Jahres. Der Torf gewinnt in der gleichen Zeit aber nur einen Millimeter an Höhe. In regenreichen, kühlen Regionen beginnt das Moor über den Grundwasserspiegel hinaus in die Höhe zu wachsen. Daher auch die Bezeichnung Hochmoor. Hochmoore unterscheiden sich somit grundlegend von Niedermooren. Hochmoore erhalten ihr Wasser nun ausschließlich durch Niederschlag. Fällt längere Zeit kein Regen, trocknet und bleicht die obere Moosschicht aus. Die weiße Farbe reflektiert das Sonnenlicht und schützt so die tieferen Moosschichten vor weiterer Austrocknung. Die Torfmoose besitzen neben normalen grünen Blattzellen auch sogenannte Speicherzellen. Damit sind sie in der Lage, das dreißigfache ihres Volumens an Wasser zu speichern. Aber nicht nur das: Die Moospolster und auch der Torf bestehen aus vielen kleinen Hohlräumen, die sich mit Wasser füllen. Mithilfe der Kapillarkräfte wird das Wasser im Moor gehalten. Dank der Torfmoose können Hochmoore daher bis zu 95 Prozent aus Wasser bestehen. Damit spielen sie eine wichtige Rolle im Wasserhaushalt der Landschaft, denn sie sind wie riesige Schwämme, die schnell große Wassermengen aufnehmen und anschließend langsam wieder abgeben können. Neben den dominierenden Torfmoosen gibt es nur wenige andere Pflanzen, die mit dem feuchten, sauren und nährstoffarmen Moorboden zurechtkommen. Wollgräser, wie das Scheiden-Wollgras, zählen zu den auffälligsten Gewächsen. Ihre langen Hüllfäden der Früchte bilden einen schneeweißen, wolligen Schopf, der den Wollgräsern den Namen verleiht. Neben den Torfmoosen spielen Wollgräser ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Torfbildung. Ihre Blätter zerfallen nach dem Absterben in einzelne Faserbüschel, die nur unvollständig abgebaut werden. Wollgras ist damit maßgeblich an der Bildung des sogenannten Fasertorfs beteiligt. Im September auffallend orange leuchtend, doch nur sehr selten zu finden, ist die Moorlilie, auch Beinbrech genannt. Man machte sie fälschlicherweise für die im Moor häufigen Knochenbrüche beim Vieh verantwortlich. Verursacher war nicht die kleine Blume, sondern der Kalkmangel im Moor. Die Rosmarinheide ist auf diese kalkarmen Böden angewiesen. Ihre rosmarinähnlichen, immergrünen Blätter sind eine Anpassung an die extreme Nährstoffarmut im Moor. Sie ermöglicht den Pflanzen, das ganze Jahr über Photosynthese zu betreiben. Ein weiterer Vertreter der Heidekrautgewächse ist die gewöhnliche Moosbeere. Der nur wenige Zentimeter hohe Zwergstrauch wächst auf erhöhten Kuppen aus Torfmoos, den sogenannten Bulten. Moosbeeren blühen von Mai bis in den August. Der dritte typische Vertreter der Heidegewächse im Moor ist die Glockenheide. Oft sieht man sie in Gesellschaft mit dem weißen Schnabelried, eine moortypische Pflanze. Die sonnenbeschienenen, sehr feuchten, blütenreichen Flächen locken Insekten, wie den Geißklee-Bläuling an. Neben den Hochmoorspezialisten unter den Heidegewächsen, findet man auch das typische Heidekraut, die Besenheide. Sie breitet sich an trockeneren Stellen des Moores aus. Zwischen Waldkiefern und Moorbirken findet man im Nordosten Deutschlands ein weiteres, ungewöhnlich großes Heidekrautgewächs: den Sumpfporst. Auch er ist eine typische Pflanze der Hochmoore, unterscheidet sich jedoch sehr von seinen zwergwüchsigen Verwandten. Der weißblühende, angenehm duftende Strauch kann bis zu eineinhalb Metern hoch werden. In den Hochmooren im Westen Deutschlands wächst ein anderer, aromatisch riechender Strauch: der Gagel. Im Gegensatz zu den Heidekrautgewächsen ist der Gagelstrauch nur im Sommer grün. Gagel war einst ein vielfach genutzter Strauch. Seine Blätter und Früchte dienten als Arzneimittel. Man verwendete sie zum gelb färben und als Hopfenersatz beim Bierbrauen. Moorboden mangelt es vor allem an Stickstoff. Um die Nährstoffarmut auszugleichen, besitzen Pflanzen, wie der Sonnentau eine besondere Überlebensstrategie: Sie sind Fleisch-, oder besser Insektenfresser. Ihre, mit klebrigen Tropfen besetzten Blätter, erinnern an Tau. Daher ihr Name. Insekten sind sehr eiweiß- und somit stickstoffreich, aber für eine Pflanze schwer zu fangen. Ihr Trick: Sie lockt mit süßlichem Duft und glitzernden Tautropfen. Einmal auf der vermeintlichen Nektarquelle gelandet, bleiben die Insekten am Sonnentau kleben und werden mit Hilfe von Enzymen verdaut. Hochmoore sind aufgrund ihrer Nährstoffarmut und ihres hohen Säuregehalts verhältnismäßig arm an Tierarten. Es gibt weder Fische, noch findet man Schnecken, Muscheln, Krebse oder andere Tiere, die reichlich Kalzium benötigen. Spinnen, wie die gerandete Jagdspinne, finden hier jedoch geeignete Lebensbedingungen. Der Grund ist die große Artenvielfalt unter den Insekten. An warmen Sommertagen fallen an den Moortümpeln besonders die zahlreichen Libellen auf. In Norddeutschland sind mindestens acht Libellenarten auf Hochmoore angewiesen. Es gibt sie nur hier. Die stark gefährdete kleine Moosjungfer ist eine von ihnen. An einer gut geschützten Stelle sonnt sich eine Kreuzotter. Sie ist eine von zwei heimischen Giftschlangenarten. Kreuzottern sind jedoch scheu und beißen nur, wenn sie in die Enge getrieben werden. Neben Insekten und wenigen Reptilienarten besiedeln verschiedene Vogelarten das Hochmoor. Die Krickente gehört zu den wenigen Entenarten, die man im Moor trifft. Sie ist unsere kleinste Ente und brütet an wieder vernässten, ehemaligen Torfstichen. Während das Braunkelchen fast überall durch Intensivierung der Landwirtschaft verschwunden ist, sieht man es im Hochmoor noch regelmäßig.

1 Kommentar
  1. interessssssant

    Von Rapmonster, vor mehr als 2 Jahren