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Musikpsychologie – Kann Musik entpannen? 02:38 min

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Transkript Musikpsychologie – Kann Musik entpannen?

Eine Herzkatheteuntersuchung mit klassicher Musik im Hintergrund. Im Rahmen einer Studie beschallen die Ärzte Patienten, um herauszufinden, ob Musik entspannend wirkt. Bei der Untersuchung wird ein Draht durch die Arterie zum Herzen geführt. Mit Hilfe von Kontrastmitteln zeigt das Röntgenbild, was dort los ist. Die Untersuchung ist nicht schmerzhaft. Trotzdem haben viele Angst. Dr. Klaus Dominick: Wir Menschen konzentrieren einfach unser Empfinden immer wieder in die Herzregion und deswegen ist unser ganzes Menschsein von diesem Organ abhängig und das macht natürlich die Patienten dann sehr, sehr ängstlich, wenn auf einmal da irgendjemand dann rumwurschtelt mit Kathetern – das sind kleine Plastikschläuche – oder mit Drähten an meinem Innersten. Nach etwas 200 Untersuchungen zeigt die Studie: Wenn Musik den Operationssaal erfüllt, sind die Patienten tatsächlich weniger ängstlich und aufgeregt. Dr. Klaus Dominick: Aufregung teilt sich beim Patienten immer wieder dadurch mit, dass er mit mir viel sprechen möchte, um rückzukoppeln: Was ist mit mir, was passiert jetzt, was kommt als nächstes? Die Musikpatienten sind meistens ganz entspannt, träumen sich weg, und irgendwann wachen sie auf. Nicht jede Musik ist zur Entspannung geeignet. Deshalb hat ein Musikpsychologe im Vorfeld festgelegt, welche Stücke im OP zum Einsatz kommen können. Der Fachmann hörte sich durch viele CDs und hat sich am Ende für drei Stilrichtungen entschieden: Klassik, Entspannungsmusik und Kuscheljazz. Wolfram Goertz: Wir haben diese drei Richtungen ausgesucht, weil die Musik in allen drei Richtungen entspannend ist, weil sie von vielen Leuten wiedererkannt werden kann, und weil wir dabei keine Gesangsstimmen haben, die die Hörer, die auf dem Tisch liegen, davon ablenken, dass der Operateur ja auch mit ihnen reden muss. Die Patienten wählten selbst ihre Musik aus oder sie wurde ihnen per Los zugeteilt. Letzteres funktioniert am besten. Wolfram Goertz: Weil die Patienten alles gerne delegieren. Sie geben dem Arzt die komplette Verantwortung für die Untersuchung ab und sind eigentlich der Meinung: Wenn die Musik ausgesucht wird, dann ist das wohl auch die Musik, die der Arzt am liebsten hört. Außerdem halten die Musik für ein Medikament, also für einen therapeutischen Akt, und glauben, dass das Beste ist, was ihnen passieren kann. Spezielle psychologische Messverfahren, der Blutdruck und die Herzfrequenz, zeigten: Alle Patienten mit Musik waren angstfreier und entspannter. Nach dem großen Erfolg in der Kardiologie überlegt die Klinik nun die Studie auf weitere Bereiche auszuweiten.