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Anton Webern 04:04 min

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Transkript Anton Webern

Am 15. September 1945 kommt der Komponist Anton von Webern auf tragische Weise ums Leben. Als er während einer Kontrolle durch amerikanische Soldaten vor sein Haus in Mittersill tritt, um sich eine geschenkte Zigarre anzuzünden, wird er irrtümlich von einem Wachposten erschossen. Er gilt zusammen bin Arnold Schönberg und Alban Berg als Begründer der Zwölftonmusik. Geboren ist Webern 1883 in Wien als Kind einer verarmten Familie. Die Musik liebt er seit seiner frühesten Jugend und beginnt sein Studium in Klagenfurt, um es dann in Wien fortzusetzen. Dort erwirbt er ein Doktorat der Musikwissenschaft. 1904 wird er Schüler Schönbergs und schließt auch Freundschaft mit Alban Berg. Die drei Komponisten bilden die sogenannte “Wiener Schule”, die einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der musikalischen Sprache haben wird. Als Theaterkapellmeister arbeitet Webern in Teplitz, Prag, Danzig und Stettin. Schon seine ersten Kompositionen zeigen die formalen Grundlagen der späteren Werke. Sie folgen den Gesetzen der Zwölftonmusik, die der musikalischen Sprache eine völlig neue Richtung gibt und das bisherige musikalische Verständnis überwindet. 1914 rückt Anton von Webern zum Militär ein. Nach dem Krieg kehrt er nach Wien zurück und verdient seinen Lebensunterhalt mit Unterricht, der Leitung der Arbeitersymphoniekonzerte und des Arbeitersingvereins. 1923 und 24 erscheinen die fünf Kanons für Sopran, Klarinette und Bassklarinette: Opus 16. Erst mit diesen Kompositionen übernimmt Webern die Zwölftonreihe im Schönbergschen Sinn. Er bleibt dieser Art von Musik sein ganzes Leben lang treu. Die Zwölftonmusik bedient sich der Anordnung aller zwölf Töne der chromatischen Tonleiter nach einem bestimmten Reihenschema, das durch die ganz Komposition gehalten wird, sowohl im melodischen als auch im harmonischen Sinn. Als Konsequenz löst sich das klassische Musikprinzip auf und es verlöschen die Verbindungen mit jener Art von Musik, die man als tonal, als Aufbau der natürlich Harmonie bezeichnet. Der neuartige Charakter der Webernschen Musik besteht in der Verbindung mathematischer Zahlenspekulation mit lyrischer Innerlichkeit. Seine atonale Reihentechnik ist weitgehend nur musikalischen Fachleuten zugänglich. Die einen halten es für die völlige Auflösung dessen, was man bisher unter Musik begreifen konnte. Andere betrachten es als Überleitung zur elektronischen Musik. Der Nationalsozialismus und sein Widerstand gegen künstlerische Neuentwicklung und Fortschritt, der sich im Begriff der “entarteten Kunst“ zusammenfasst, zwingen Webern, jede öffentliche Tätigkeit aufzugeben. Um leben zu können, muss er einen Posten als Korrektor bei einem Notendrucker annehmen und lebt im Elend. Während dieser Zeit entwickelt sich jedoch die künstlerische Persönlichkeit Weberns zu ihrer völligen Reife. Mit dem Erkennen und Erreichen neuer musikalischer Horizonte mehren sich aber auch die spirituellen und materiellen Schwierigkeiten, mit denen der Komponist zu kämpfen hat. Seine feste Entschlossenheit, sich nicht dem nationalsozialistischen Regime anzupassen, veranlasst ihn Lehraufträge abzulehnen, weil er dann auch darauf verzichten müsste, seinen Lehrer Schönberg zu erwähnen. Anton von Webern stirbt an der Schwelle einer neuen Zeit, aber sein Werk ist ein notwendiger Richtpunkt für die Avantgarde der europäischen Musik geworden.