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Eine Gedichtinterpretation schreiben – Einleitung 07:19 min

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Transkript Eine Gedichtinterpretation schreiben – Einleitung

Sicher weißt du, wie du im Internet am schnellsten einen ganz bestimmten Liedtext findest. Genau, du gibst den „Titel + lyrics“ in die Suchmaschine ein. Was aber nützt dir das für eine Gedichtinterpretation?

Lyrics ist der Text eines Liedes und Lyrik bezeichnet eine Textgattung, nämlich Gedichte, die ursprünglich zum Spiel der Lyra vorgetragen wurden. Hast du dich schon mal gefragt, was der Text eines Liedes eigentlich bedeutet? Manche davon sind wirklich kaum zu verstehen. Nicht etwa, weil der Sänger nuschelt, sondern weil die Worte für dich einfach keinen Sinn ergeben. Genauso kann es dir gehen, wenn du ein Gedicht vor dir hast. Du verstehst die einzelnen Worte, aber ihre Bedeutung ist dir völlig unklar. Der Grund dafür ist, dass die Bedeutung über die lexikalische, also die wörtliche Ebene hinausgeht. Häufig werden in Gedichten, so wie auch in Liedern, emotionale Themen verarbeitet und dargestellt. Du kannst dir vorstellen, dass das zu Komplikationen in der Interpretation führt.

Willst du die Aussage eines Liedes verstehen, hörst du es dir an, um dich durch Musikstil, Instrumente und Melodieverlauf einzufühlen. Genauso hilft es dir, sprachliche Bilder, Reimschemata, Versmaße und Sprachmelodie in deinem Gedicht zu betrachten. Denn auch Gedichte sind dazu gedacht, vorgetragen, also gehört zu werden. Um die tiefere Bedeutungsebene zu erschließen, verbindest du die Analyse formaler Merkmale mit den inhaltlichen Aussagen der Verse und Strophen. Wie kannst du dabei am besten vorgehen?

Eine Gedichtinterpretation besteht wie jeder Aufsatz aus Einleitung, Hauptteil und Schluss.

Ziel der Einleitung ist es, den Leser in das Thema einführen und zur kommenden Interpretation hinführen. Bevor du die Einleitung schreiben kannst, ist ein wenig Vorarbeit notwendig. So wie du ein Lied mehrmals hören musst, um es zu erfassen, solltest du dein Gedicht mehrfach lesen. Dabei machst du dir Notizen, in denen du deine ersten Eindrücke, Ideen, Fragen und Beobachtungen festhältst. Du erfasst die Stimmung, den Inhalt, vielleicht sogar schon einige Besonderheiten und formale Merkmale. Auch wenn es ungewohnt ist, solltest du das Gedicht mindestens einmal laut lesen, um auch den Klang zu erfassen.

Für unser Beispiel nehme ich dir die Arbeit ab und lese dir das Gedicht „Weltende“ von Jakob van Hoddis vor. Es wurde 1911 erstmals veröffentlicht.

Weltende Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut, In allen Lüften hallt es wie Geschrei, Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken. Die meisten Menschen haben einen Schnupfen. Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Was fällt dir bei diesem Gedicht zuerst auf?

Wie mir - der Titel? Dabei denkst du vielleicht an apokalyptischen Szenen. Man erwartet Angst und Aufregung. In mehrerer Hinsicht entsprach das Gedicht dann gar nicht diesem Bild.

  • Die Form ist nicht chaotisch, sondern sehr klar, zwei Strophen mit jeweils vier Versen. Auch Reimschema und Versmaß sind klar definiert.

  • Es werden sehr banale Dinge, wie Schnupfen, neben Tragischen, wie herabstürzenden Eisenbahnen, genannt. Scheinbar ohne jeglichen Zusammenhang.

  • Die Sprache ist sehr einfach. Die durch Satzzeichen markierten Sätze weisen parataktischen Satzbau auf, selbständige Sätze sind also aneinandergereiht.

  • Es werden erschütternde Dinge beschrieben, ohne dass es eine sichtbare emotionale Betroffenheit gibt. Mit „liest man“ wird diese Unpersönlichkeit besonders hervorgehoben.

Auffällig sind auch der unerklärliche „spitze“ Kopf der Bürger, der zweite Vers und der Zeilensprung von Vers 5 zu 6. Mir erscheint nur der zweite Vers im Gedicht wirklich bedrohlich. Und dir?

Hast du bemerkt, was ich gemacht habe? Genau, ich habe den Text genau gelesen und bearbeitet. So solltest du es auch machen. Halte alles fest, was dir in den Sinn kommt. Wenn deine Aufgabenstellung dir konkrete Untersuchungshinweise gibt, behalte diese gleich im Blick. Das alles wird dir später im Hauptteil eine Menge Arbeit erleichtern.

Jetzt hast du die besten Voraussetzungen, um deine Einleitung zu schreiben. Diese sollte nicht länger als zwei bis drei Sätze sein. Darin nennst du Autor und Titel, Entstehungszeit und unter Umständen die Form des Gedichtes. Du kannst auch einen Hinweis auf die literarische Epoche, in der das Gedicht entstanden ist, geben. Außerdem machst du eine kurze Inhaltsangabe sowie eine erste Deutungshypothese, also eine Vermutung darüber, was das Gedicht sagen will. Diese wirst du im weiteren Verlauf deiner Interpretation bestätigen oder widerlegen.

Für unser Beispiel könnte ein Einleitungssatz so aussehen: Das Gedicht „Weltende“ von Jakob van Hoddis aus dem Jahre 1911 beschreibt eine durch verschiedene Ereignisse erschütterte und sich bedrohlich wandelnden Welt. Die knappe Darstellung von Katastrophen, Krankheiten und Tod zeigt die für den beginnenden Expressionismus typische Verunsicherung des Individuums in einer undurchschaubaren Welt, von der es sich mehr und mehr entfremdet.

So, die Vorbereitung der Analyse und die Einleitung sind geschafft. Jetzt kannst du loslegen und dich an das Verfassen der Einleitung eines anderen Gedichts wagen. Wenn dir Gedichte zum Üben fehlen, kannst du ausnahmsweise mal nach Lyrik statt nach lyrics suchen.

21 Kommentare
  1. Ich finde dieses Video sehr hilfreich

    Vielen Dank liebes Deutsch Team

    Von Slein0104, vor 2 Monaten
  2. Liebe Anja,
    es tut uns leid, dass dir dieses Video nicht helfen konnte. Deine Idee behalten wir auf jeden Fall im Hinterkopf, sobald wir ein neues Videos zur Gedichtinterpretation produzieren.
    Bis dahin könntest du bei offenen Fragen unseren Hausaufgaben-Chat besuchen. Dort beantworten dir unsere Lehrerinnen und Lehrer immer montags bis freitags von 17 bis 19 Uhr deine Fragen.
    Viele Grüße aus der Redaktion

    Von Carolin Kasper, vor 2 Monaten
  3. ich finde es zu schwer erklärt und schwer verstehbar von der Wort Wahl her und ich würde eine kleine Geschichte als Erklärung und als Beispiel benutzten ich finde es zu abgehackt undbetont

    Von Anja Hohlbein, vor 2 Monaten
  4. Hallo Aleynaeneseray01,
    die Lautmalerei ist ein Stilmittel, welches sich auf den Klang bezieht und eine Nachahmung der Laute eines Wortes wiedergibt. Es gibt nur wenige Wörter im Deutschen, die so klingen wie die Bedeutung, die sie repräsentieren. Wörter wie "kuckuck" oder "rascheln" erzeugen bei dem Leser eine Idee über den Klang, der sich über die Laute äußert.
    Ich hoffe, ich konnte dir damit weiterhelfen!
    Liebe Grüße aus der Redaktion

    Von Joséfine Endrass, vor 3 Monaten
  5. Was ist ein lautmalerei?

    Von Aleynaeneseray01, vor 3 Monaten
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Eine Gedichtinterpretation schreiben – Einleitung Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Eine Gedichtinterpretation schreiben – Einleitung kannst du es wiederholen und üben.

  • Vervollständige den Text zum Thema Gedichte.

    Tipps

    Es gibt drei Hauptgattungen bei Texten: Epik, Drama und Lyrik.

    Die Bedeutung von Gedichten muss erst erschlossen werden, da nicht alles wörtlich gemeint ist.

    Emotionale Themen machen die Interpretation schwieriger.

    Lösung

    Die Bedeutung von Gedichten versteht man häufig nicht sofort beim ersten Lesen. Doch auch wenn sie erst einmal undurchsichtig erscheinen, kann man sich mithilfe einer Gedichtanalyse dem Sinn des Gedichts annähern und im weiteren Verlauf auch eine Interpretation wagen.

    1. Die Textgattung, zu der Gedichte gehören, ist die Lyrik.
    2. Das Spiel der Lyra begleitete früher den Vortrag von Gedichten. Daher auch der Bezug zu Lyrics, also Liedtexten, in der Musik.
    3. Die Bedeutung von Gedichten muss erst erschlossen werden. Eine lexikalische, also wörtliche Interpretation von Lyrik reicht nicht aus.
    4. Wenn emotionale Themen (wie zum Beispiel die Liebe oder Trauer) behandelt werden, ist es häufig schwierig, den Sinn des Gedichts sofort zu verstehen. Dies kann zu Komplikationen führen, die du mithilfe einer guten Gedichtanalyse aber umgehen kannst.
  • Entscheide dich für eine gelungene Einleitung.

    Tipps

    Der Titel des Gedichts lässt nicht auf den eigentlichen Inhalt und Aufbau schließen.

    In dem Gedicht geht es nicht um eine zerbrochene Liebe.

    Das lyrische Ich sieht entgegen dem Titel nicht das Weltende kommen.

    Lösung

    Das Gedicht „Weltende“ von Jakob van Hoddis beschreibt eine erschütterte und sich wandelnde Welt. Katastrophen, Krankheit und Tod werden knapp dargestellt und weisen auf den beginnenden Expressionismus hin. Das Individuum fühlt sich entfremdet.

    In dem Gedicht geht es nicht um den Weltuntergang, Liebeskummer oder Industrialisierung – auch wenn die sich wandelnde Welt vielleicht der Industrialisierung geschuldet war.

  • Stelle dar, wie die Vorarbeit einer Gedichtinterpretation geleistet wird.

    Tipps

    Den Klang eines Gedichts erfasst man am besten durch Hören. Was sollte man also tun?

    Bei der Analyse eines Gedichts können viele Fragen aufkommen. Diese sollten notiert werden, da sie später hilfreich sein können.

    Lösung

    Die Vorarbeit einer Gedichtinterpretation setzt sich aus verschiedenen Schritten zusammen:

    1. Das laute Lesen des Gedichts hilft bei der Erschließung von Klang und Rhythmus.
    2. Zu den Notizen, die man sich macht, gehören immer wichtige erste Eindrücke, aufkommende Fragen und Beobachtungen. Also alles, was einem so beim Lesen auffällt.
    3. Ebenfalls von Vorteil ist es, die Stimmung des Gedichts in Worte zu fassen. Nun erschließt sich bestenfalls auch langsam der Inhalt.
    4. Formale Merkmale, wie Versmaß und Reimschema, sollte man sich ebenfalls bei der Vorbereitung der Gedichtanalyse notieren, um im Hauptteil Zeit zu sparen.
  • Ermittle im folgenden Textabschnitt die Informationen, die nicht in die Einleitung gehören.

    Tipps

    Du kannst in der Einleitung andeuten, ob das Versmaß oder das Reimschema einen bestimmten Eindruck vermitteln. Die genaue Analyse sollte aber erst im Hauptteil stehen.

    Bezüge zum Autor und seinem Leben sollten erst am Ende des Hauptteils gemacht werden und gehören nicht in die Einleitung.

    Lösung
    • Die Analyse rhetorischer Mittel wie Vergleiche und Personifikationen findet noch nicht in der Einleitung statt.
    • Die genaue Analyse von Versmaß und Reimschema sollte erst im Hauptteil einer Gedichtinterpretation stattfinden.
  • Bestimme, welchen Zweck eine Einleitung in einer Gedichtinterpretation erfüllt.

    Tipps

    Spannungsaufbau ist bei einer Gedichtinterpretation nicht notwendig.

    Auch ein Hinterfragen des Themas ist an dieser Stelle nicht notwendig.

    Lösung

    Eine Einleitung dient nicht:

    • dem Aufbau von Spannung
    • der Anregung kritischen Denkens.
    Spannung ist bei einer Gedichtinterpretation nebensächlich. So auch kritisches Denken. Die Einleitung soll den Leser
    • in die Interpretation einführen und
    • zum Thema des Aufsatzes hinführen.

  • Arbeite eine Einleitung zur Interpretation des Gedichts Zufluchtsstätte aus.

    Tipps

    Nenne zunächst Titel, Auto und Entstehungsjahr des Gedichts.

    Schaue dir das Gedicht noch einmal genau an und versuche, vom Titel ausgehend eine Deutungshypothese zu formulieren.

    Bertolt Brecht schrieb dieses Gedicht im Exil.

    Lösung

    Die Einleitung zu Zufluchtsstätte setzt sich wie folgt zusammen:

    1. Autor (Bertolt Brecht), Titel (Zufluchtsstätte) und Entstehungsjahr (1937) im ersten Satz, gefolgt von einer kurzen Aussage zum Inhalt. Das Gedicht handelt von einem Ort der Zuflucht.
    2. Ein erster Eindruck wird genannt, bei dem die wichtigsten Anhaltspunkte Erwähnung finden. Der Ort liegt am Meer und wirkt einsam und verlassen.
    3. Es folgt eine kurze Einordnung in die Epoche der Exilliteratur mit der vorhergehenden Hypothese, dass das Gedicht vom Exil handelt.