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Metastabile Systeme 12:14 min

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Transkript Metastabile Systeme

Hallo und ganz herzlich willkommen, in diesem Video geht es um „Metastabile Systeme“. Der thermodynamische Begriff Es ist in der Naturwissenschaft von großem Interesse, ob eine chemische Reaktion oder ein physikalischer Vorgang überhaupt ablaufen. Um das zu beurteilen, bedient man sich der Thermodynamik. Ihr Hauptanliegen ist es zu beurteilen, ob ein Vielteilchenprozess spontan verläuft oder nicht. Um eine quantitative Aussage zu erhalten, bedient man sich sogenannter thermodynamischer Größen. Für die Beurteilung eines Vorganges verwendet man die Enthalpie H und die Entropie S. Man betrachtet generell die Änderungen H2 – H1 = H und S2 – S1 = S zwischen den Zuständen 2 (Endzustand) und 1 (Endzustand). H charakterisiert die Reaktionswärme / Prozesswärme bei konstantem Druck p. Das Volumen darf sich ändern. Die Einheit ist kJ/mol. S charakterisiert die Anzahl der Mikrozustände, die in dem Makrozustand realisiert werden. Obwohl das die Physiker nicht mögen, möchte ich den anschaulicheren Begriff „Ordnung“ verwenden. Je größer die Ordnung, um so kleiner ist die Entropie. Die Einheit ist J/mol•K. H und G fließen in die thermodynamische Funktion G = H – T•H ein. T ist die absolute Temperatur. Sie wird in K gemessen. G ist die freie Enthalpie. G ist die Änderung der freien Enthalpie zwischen den Zuständen 1 und 2. Mit G verfügt die Naturwissenschaftler und Techniker über ein mächtiges Mittel, um den Verlauf eines Vorganges zu beurteilen. Schauen wir uns einmal drei Fälle ein: G > 0 Der Vorgang läuft nicht ab. G < 0 Der Vorgang läuft ab. Man sagt auch: Er läuft spontan ab. G = 0 Der Vorgang befindet sich in einem Gleichgewichtszustand.

Stabile Systeme Die Veränderung von G kann man graphisch darstellen. Die lokalen Minima (Tiefpunkte) entsprechen Gleichgewichtszuständen (G). Sie charakterisieren Stabilität für folgende Situationen: 1. Das Gleichgewicht einer chemischen Reaktion hat sich eingestellt. Beispiel: Ammoniaksynthese 2. Ein Stoff hat sich gebildet Beispiel: Salzkristalle 3. Ein physikalisches Gleichgewicht hat sich eingestellt. Beispiel: Eine gesättigte Lösung

Mehrere lokale Minima Schaut man sich G für ein thermodynamisches System an, so findet man Bedingungen, bei denen G = 0 ist. Äquivalent dazu ist die Aussage, dass dieser Zustand einem lokalen Minimum entspricht. Wir haben bereits gesehen, dass wir es hier mit einem thermodynamisch stabilen Zustand zu tun haben. Für jede Zustandsfunktion G kann (mindestens) EIN Tiefpunkt lokalisiert werden. Heißt das nun, dass das entsprechende thermodynamische System eine AUSGEPRÄGTE STABILITÄT aufweist? Durchaus nicht! Liegt der Tiefpunkt relativ hoch, so gibt es häufig einen energetisch günstigeren thermodynamischen Zustand. Den Zustand mit niedrigerer Energie nennt man STABIL, den Zustand höherer Energie bezeichnet man als METASTABIL. Wir stellen fest: 1. Weist ein geschlossenes thermodynamisches System zwei energetische Minima auf, so wird der Zustand mit höherer Energie als METASTABIL bezeichnet, Den Zustand mit geringerer Energie als STABIL bezeichnet. 2. Beide Zustände sind durch eine Energiebarriere (Aktivierungsenergie) voneinander getrennt. 3. Befindet sich ein thermodynamisches System im metastabilen Zustand, kann die Energiebarriere durch Energiezufuhr überwunden werden. 4. Der metastabile Zustand geht dann in den stabilen Zustand über. 5. Mögliche Arten der Energiezufuhr: (a) Erwärmung (a) mechanische Erschütterung (b) Zusatz von Kristallkeimen (c) Verwendung von Katalysatoren

Beispiele für Metastabilität Kohlenstoff Es gibt zwei natürliche Modifikationen des Kohlenstoffs: (a) Graphit und (b) Diamant Die energetischen Zustände beider Modifikationen unterscheiden sich nur kaum. Graphit ist geringfügig stabiler als Diamant. Die Energiebarriere dazwischen ist aber riesig. Bei sehr hohen Temperaturen von etwa 1700 °C wandelt sich Diamant in Graphit um. Es ist aber auch möglich, Graphit in Diamant umzuwandeln. Dafür sind allerdings extreme Bedingungen notwendig: 200 000 bar 3000°C.[1] Eine andere Quelle spricht von 1500 bis 1800 °C.[2] Außerdem werden als Katalysatoren eingesetzt: Chrom, Mangan und Metalle der VIII. Nebengruppe.[1] Es ist schwer zu sagen, welcher Zustand STABIL, welcher METASTABIL ist. Da Graphit energetisch etwas unter Diamant liegt, ist klar: Graphit ist STABIL, Diamant ist METASTABIL. 1985 wurde eine weitere Modifikation des Kohlenstoffs gefunden: Buckminsterfulleren C60. Später wurden weitere Fullerene entdeckt: C70, C84 usw. C60 lässt sich leichter als Graphit in Diamant umwandeln. Der Druck muss mit 100 000 bar ähnlich hoch sein. Allerdings reicht schon Raumtemperatur (25 °C) aus. Wir stellen fest: Es ist sinnvoll, Buckminsterfulleren als METASTABIL, Graphit UND Diamant hingegen als STABIL zu bezeichnen.

Zinn Zinn ist ein weiches, niedrig schmelzendes Metall. Unterhalb von 13 °C bereitet es allerdings Probleme: Das metallische, glänzende β – Zinn wandelt sich in ein graues Pulver um. Das ist amorphes Zinn, α- Zinn. Das Zinn wird als Metall unbrauchbar. Man spricht von Zinnpest. Unterhalb von 13 °C ist β – Zinn METASTABIL, α- Zinn ist STABIL. Die Zinnpest hat und hatte äußerst unangenehme Folgen: 1. Für die Orgelpfeifen in kalten Kirchen. 2. Bei der letzten Südpolexpedition von Scott: Die Brennstoffkanister bestanden aus Zinn und wurden brüchig. 3. Bei der Niederlage Napoleons vor Moskau: Die Zinnknöpfe vielen ab. Ob dieser Umstand kriegsentscheidend war, wird angezweifelt.

Schwefel Es gibt zwei Modifikationen des Schwefels: Rhombischen und monoklinen Schwefel. Die freie Enthalpie rhombischen Schwefels ist um 0,33 kJ/mol niedriger als die freie Enthalpie monoklinen Schwefels. Mir scheint es nicht sinnvoll, bei monoklinen Schwefel von einem metastabilem System zu sprechen. Besser, man formuliert so: Schwefel erscheint in zwei Modifikationen von praktisch gleicher Stabilität.

Latentwärmespeicher In Handwärmern verwendet man eine übersättigte Lösung. Natriumacetat – Trihydrat schmilzt bereits bei 58 °C. Die feste Substanz kann man in der Mikrowelle zum Schmelzen bringen. Es entsteht dabei eine übersättigte Lösung. Es genügt nun eine leichte mechanische Einwirkung und es setzt augenblicklich eine Kristallisation ein. Dabei wird Wärme freigesetzt. Im Handwärmer wird durch Knicken eines Plättchens ein mechanischer Reiz ausgelöst und die Kristallbildung eingeleitet.

Und schließlich Glas Nach Beurteilung des Aggregatzustandes ist Glas ein Feststoff. Vom thermodynamischen Standpunkt ist es eine unterkühlte Flüssigkeit. Folglich handelt es sich hier nicht um einen stabilen Zustand. Mehr noch: Glas entspricht keinem Minimum von G. Hier gilt: G < 0. Daher unterscheidet sich Glas von allen bisher betrachteten metastabilen Systemen. Das System Glas muss thermodynamisch als NICHT STABIL oder INSTABIL bezeichnet werden. Daher ist es auch bei bester Pflege vergänglich.

Das war es auch schon wieder für heute. Ich wünsche euch alles Gute und viel Erfolg! Tschüs Euer André