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Transkript esse – Präsens, Imperfekt und Futur

Salve! Hier ist dein Lateintutor Radetzky. Heute geht es um die Konjugation von esse im Präsensstamm. Kennen solltest du die Vokabel esse / sein, esse im Präsens Indikativ und esse mit Prädikatsnomen. Am Ende wirst du esse beugen, also durch die drei Personen im Singular und Plural konjugieren können. Das schaut erst mal schwer aus, so, als ob die einzelnen Formen gar nicht von demselben Wort kommen. Hier ein wenig Klarheit hineinzubringen, ist die Aufgabe dieses Videos. Fangen wir an! Das Lateinische kennt als indoeuropäische Sprache, genauso wie das Deutsche, drei Personen im Singular und Plural: Ich, du, er/sie/es, wir, ihr, sie. Im Lateinischen werden Personen vor allem durch die Endungen gekennzeichnet. Das Personalpronomen fehlt fast immer. Die Endungen gehören an den Stamm angehängt. Bei esse haben wir den Präsensstamm es- und den Perfektstamm fu-, das ist überhaupt nicht anderes, als bei allen anderen Verben, zwei Stämme. Die Besonderheit ist, dass sich der Präsensstamm verändern kann, und zwar auf zwei Weisen. Der Präsensstamm es- kennt die Schwundstufe, das heißt, ein sehr schwaches e fällt am Anfang weg, und es bleibt nur das s- als Stamm. Zur zweiten Veränderung kommen wir gleich beim Imperfekt. In der ersten Person Singular und Plural und in der dritten Person Plural tritt die Schwundstufe ein: Wir haben dort also nur ein einzelnes s- als Stamm. Angehängt werden jetzt die Endungen, die lauten -m, -s, -t, -mus, -tis, -nt, bis auf die erste Person Singular ganz regelmäßig. Und es sei schon gleich verraten, dass diese Regelmäßigkeit für alle Konjugationen von esse gilt, auch beim Perfektstamm. Sind zwei nebeneinanderstehende Konsonanten schlecht auszusprechen, fügt der Lateiner die Zwischenvokale i oder u zwischen Stamm und Endungskonsonanten ein. Hier sehen wir das -u-. Wir haben also sum, es, est, sumus, estis, sunt. Dreimal bleibt der Regelstamm es-, dreimal wird es zu s- verkürzt. Die Endungen sind dir bekannt. Jetzt zum Imperfekt und Futur. Hier wird das s- von es- zu er- gewandelt, weil es nach der Lateinischen Lautlehre zwischen Stamm e- und Vokal der Endung zu r- gewandelt werden muss. Das nennt man Rhotazismus. Statt esam haben wir so eram, a ist hier das Tempuszeichen des Imperfekts. Du kennst es sonst mit b und a. Wir haben also eram, eras, erat, eramus, eratis, erant. Ich war, du warst, er/sie/es war, wir waren, ihr wart, wir waren. Beim Futur bleibt der Stamm er-, das Tempuszeichen ist -i-, das kennst du von den normalen Verben, bei denen das Futur die Endungen -bo, -bis, -bit, -bimus, -bitis, -bunt hat. Es bleibt also nur das b weg. Die erste Person endet auf -o, in der dritten Person Plural hatten wir also -u-. So haben wir ero, eris, erit, erimus, eritis, erunt. Ich werde sein, du wirst sein, er/sie/es wird sein, wir werden sein, ihr werdet sein, sie werden sein.   Kommen wir zu dem Konjunktiv. Beim Konjunktiv Präsens erwirkt wieder die Schwundstufe ein einzelnes s-. Die Endungen bleiben jedoch wie im Indikativ. Dazwischen haben wir ein -i-, als Kennzeichen einer alten verlorenen gegangenen Wunschform eines Optdativs. Dann haben wir sim, sis, sit, simus, sitis, sint. Ich sei, du seist, er/sie/es sei, wir seien, ihr seid, sie seien. Denke daran, dass der Konjunktiv in Nebensätzen im Lateinischen oft wie ein Indikativ im Deutschen übersetzt wird, also mit ich bin, du bist und so weiter. Beim Konjunktiv des Imperfekts, im Deutschen - ich wäre bzw. ich würde sein - haben wir wieder den normalen Stamm es-, dazu das Kennzeichen -se und die regelmäßigen Endungen. Wir kommen also zu essem, esses, esset, essemus, essetis, essent. Ich wäre, du wärst, er/sie/es wäre, wir wären, ihr wäret, sie wären. Als Krücke kannst du dir natürlich wieder hilfsweise für die Bildung des Konjunktiv Imperfekts merken, dass er genauso aussieht wie der Infinitiv plus der Endung. Steht im lateinischen Nebensatz beim Prädikat die Form des Konjunktiv Imperfekts, so wird er sehr häufig im Deutschen - wie auch beim Konjunktiv Präsens - mit Indikativ übersetzt. Fehlt nur noch der Imperativ. Im Singular ist es, der Stamm es. Im Plural und Imperativ II werden an den Stamm es- die bekannten Endungen -te, -to und -tote angehängt. Im Imperativ II heißt die dritte Person Plural suunto. Jetzt noch mal ein kurzer Überblick. Wir haben drei Stämme - es-, s- und er-. Wir haben immer normale Endungen, wir haben die bekannten Tempuskennzeichen a und i für Imperfekt und Futur. Wir haben die Zwischenvokale -i- und -u-. Wir haben die Moduszeichen -i- und -se-. Also alles sieht eher regelmäßig als unregelmäßig aus. Stamm, Tempuskennzeichen, Zwischenvokale, Moduskennzeichen. Besonderheiten dürfen im Lateinischen natürlich nicht fehlen. Das Partizip Futur und der Infinitiv Futur Aktiv wird mit den Formen von futurus, futura, futurum gebildet. Das Partizip Futur lautet also ganz simpel futurus, futura, futurum, einer, der sein wird. Der Infinitiv Futur Aktiv lautet futurum, futuram, futurum esse, kann auch kurz durch fore ersetzt werden und bedeutet - sein werden. Weitere Besonderheiten: Passivformen von esse gibt es wie im Deutschen nicht. Und das Partizip Präsens aktiv, das eigentlich sens, sentis lauten möchte, gibt es nur bei drei Komposita von esse. Absens, -entis / abwesend; praesens, -entis / anwesend, gegenwärtig, und potens, -entis mächtig. Jetzt noch kurz eine Übersetzungsübung in der dritten Person Plural: erant, erunt, sunt, essent, sint. Übersetze! Sie waren, sie werden sein, sie sind, sie wären oder sie würden sein, sie seien. Schluss mit dem Formensalat. Es sagt: "Vale", dein Tutor Radetzky.  

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4 Kommentare
  1. Default

    Gut ! habs besser verstanden

    Von Mroesgen, vor mehr als einem Jahr
  2. Default

    schlecht

    Von Deleted User 175866, vor fast 2 Jahren
  3. Default

    sehr hilfreich :) Danke

    Von Maximilian Spies, vor fast 4 Jahren
  4. Default

    tolles Video

    Von Pt2012, vor fast 5 Jahren