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Transkript esse mit Genitivus possessivus - übertragene Bedeutung

Salvete cari discipuli! Hier ist Euer Lateintutor Radetzky. Heute geht es nochmals um den Genitivus possessivus bei "esse". Kennen solltest du bereits den Genetiv zur Angabe des eigentlichen Besitzverhältnisses, den Genitivus possessivus. "Esse" solltest du in den Tempora Indikativ konjugieren können. Gleich folgt ein anspruchsvolles Beispiel für den possessiven Gebrauch des Genitivs bei "esse". Häufig steht er auch bei "fieri" und "haberi" in ähnlicher Bedeutung. Im Deutschen kannst du dir für die Übersetzung die Basisformel merken: "Eigentum sein von ..." Jetzt zum Beispiel: Omnia, quae mulieris fuerunt, viri fiunt. So können wir übersetzen: Alles, was der Frau gehört hat, wird Eigentum des Mannes. Fiunt kommt von fieri, fio und bedeutet werden, fiunt ist die 3. Person Plural Indikativ Präsens. Mit Genitivus possessivus ist hier gemeint - Eigentum werden. Die Possessivkonstruktionen unterstreiche ich rot. Einmal mit "esse", das andere Mal mit "fieri". Nehmen wir ein weiteres Beispiel dazu - "haberi". Die Stammformen lauten - haberi, habeor, habitum und werden mit - gehalten werden für, angesehen als, gelten als - übersetzt. Templa deorum habentur. Die Verben auf "-eri" sind passiv. Wenn du die Passivformen noch nicht kennst, macht es nichts. In der 3. Person Singular und Plural wird nur ein "-ur" angehängt. Die Übersetzung lautet nun: Die Tempel werden als Eigentum der Götter angesehen / sie gelten als Eigentum der Götter. Mit Genitivus possessivus übersetzen wir - haberi - am besten mit - gelten als Eigentum. Du kannst es nun bei einem Beispielsatz selbst versuchen: Sacra sunt ea, quae deorum habentur. Na, hast du die Lösung? Die Übersetzung lautet: Heilig sind die Dinge, die als Eigentum der Götter gelten. Gar nicht so einfach! Im Grunde kannst du dir immer ein "res" im Sinne von "Eigentum" vor den Genitiv possessivus denken, z.B. res deorum. Jetzt ist dir vielleicht schon ein kleines Licht aufgegangen. Lassen wir das Eigentum der Götter und kommen zum Eigentum oder zu den Eigenschaften des Menschen. Betrachten wir den Begriff "Eigentum" genauer und übertragen ihn auf das Innere eines Menschen. Habe ich bestimmte Eigenschaften, sind mir bestimmte Eigenschaften zueigen, könnte ich das meine Eigentümlichkeit nennen? Einer Person ist in ihren Eigenschaften, Aufgaben, Pflichten und Gewohnheiten etwas eigentümlich, oder diese sind ihr zueigen. Das Deutsche ist nicht so verschieden: Er nennt ein Auto sein Eigen. Ihm ist es eigen, es ist seine Gewohnheit, Auto zu fahren. Versuch doch, diesen Satz entsprechend zu übersetzen: Hominis est errare. Hast du's?  Es ist dem Menschen eigen, zu irren. Du kannst je nach Kontext anders übersetzen. Zum Beispiel: Es ist Sache oder Gewohnheit des Menschen zu irren. Man könnte sich wieder im Lateinischen ein Wort dazu denken. Das würde dann als Prädikatsnomen im Nominativ vor dem Wort hominis stehen. Im Laufe der Zeit verschwand es aus dem alltäglichen Sprachgebrauch, und es blieb nur der Eigentümer der Eigenschaft im Genitiv übrig - hominis. Hier würde ganz gut - proprium / eigen - passen. Es ist dem Menschen eigen. Zu den Wörter zählen neben proprium est auch - officium est / es ist Aufgabe eines Menschen; - res est / es ist Sache oder Angelegenheit eines Menschen; - proprium iuventutis est / es ist der Jugend eigentümlich, es gehört zur Jugend; - officium eius est / es ist seine Pflicht und - res iudicis est / es ist Aufgabe, Pflicht, Sache des Richters. Aber die Entwicklung der lateinischen Sprache hatte damals dazu geführt, dass wir heute auf das Bezugswort verzichten müssen, und der Genitivus possessivus allein bei "esse" steht. So könnte man durchaus "esse" als Kopula sehen und den Genitivus possessivus als Prädikatsnomen. Daraus wird eben: Iudicis est iuste imperare. Es ist die Aufgabe, Pflicht, Sache eines Richters, gerecht zu gebieten. Wir können für "iudicis" andere Wörter einsetzen, zum Beispiel "magni viri", dann hieße es: Es ist die Aufgabe eines großen /eines bedeutenden Mannes, gerecht zu gebieten. Oder man nimmt den Genetiv des Personalpronomens "eius"; dann ist es - seine Pflicht gerecht zu gebieten. Der Genitivus possessivus tritt in dieser übertragenen Bedeutung, außer bei "est", noch häufig bei folgenden Ausdrücken auf - habetur, ducitur, videtur, existimatur. Wie du siehst, sind es immer unpersönliche Ausdrücke in der 3. Person Singular, bei denen der Genetiv eine Eigentümlichkeit bezeichnet. Die Übersetzungen lassen sich für alle diese Ausdrücke folgendermaßen zusammenfassen: "Es ist / scheint / gilt als Sache / Pflicht / Angelegenheit / Aufgabe / Gewohnheit; es ist ein Zeichen von etwas / es zeugt von / es verrät / es beweist. Beispiel: Humanitatis videtur homines alios adiuvare. Es zeugt von Menschlichkeit, anderen Menschen zu helfen. So jetzt noch ein Beispiel zur Übung, und zum Schluss kommt dann die Ausnahme. Ooooooooh. Nun bist du aber erst einmal wieder an der Reihe! Übersetze: Tempori cedere semper sapientis est. "Tempori cedere" heißt wörtlich - der Zeit weichen. Hier kannst du übersetzen - sich den Umständen fügen. Die Lösung ist: Sich den Umständen zu fügen, gilt immer als weise. Statt "est" könnte hier auch "habetur" stehen. Jetzt zur Ausnahme. Das kennst du - eius est / es ist seine Pflicht. Ist es nun "meine Pflicht", heißt es aber nicht "mei est", sondern "meum est". Es gelten für die 1. und 2. Personen im Singular und im Plural der Einsatz des Personalpronomens als Prädikatsnomen im Nominativ - meum est, tuum est, nostrum est, vestrum est. Das ist doch wie in der deutschen Umgangssprache - es ist meins, es ist deins, es ist unsers, es ist euers - und bedeutet nichts anderes als - es ist deine Sache. Zum Beispiel: Es ist deine Sache, zu lernen / es ist deins. Na, Gott sei Dank, das wär's! Es ist meine Sache zu sagen: Tschüss, bis zum nächsten Mal. Dein Lateintutor Radetzky.

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