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Transkript Hexameter skandieren

Hexameter skandieren

Quadrupedante putrem sonitu quatit ungula campum

Salve! Hast du gehört? Die wilden Reiter sind im Anmarsch! Der Vers stammt vom Dichter Vergil und heißt auf Deutsch: Mit vierfüßigem Donner erschüttert der Huf den morschen Boden.

Dir ist bestimmt aufgefallen, dass der Satz einen bestimmten Rhythmus hat. Er erinnert an den Galopp von Pferden. Aber wie hat der Dichter es geschafft, dass er so klingt? Der Rhythmus entsteht durch den Wechsel kurzen und langen Silben, betonten und unbetonten. Je nachdem, wie diese verteilt sind, entstehen verschiedene Versmaße, von denen ich dir heute das bekannteste vorstellen möchte – den Hexameter.

Ich möchte dir zunächst erklären, wie der Vers aufgebaut ist. Danach werde ich dir zeigen, wie man herausbekommt, welche Silben kurz sind und welche lang - und wo die Betonungen liegen. Wenn man einen Vers analysiert und betont vorliest, nennt man das skandieren. Ein paar Dinge solltest du schon wissen.

Die wichtigsten Grundbegriffe der Metrik sollten dir geläufig sein: Naturlängen und Positionslängen, muta cum liquida, Elision und Aphärese. Spannen wir die Zügel an und es geht los!

Schauen wir uns noch einmal den Vers von gerade eben an. Die vielen Längen und Kürzen kann man zu so genannten Versfüßen zusammenfassen. Versfüße bestehen aus zwei oder drei Silben, die kurz oder lang sein können. Wie du siehst, besteht der Hexameter aus insgesamt sechs Versfüßen. Die ersten fünf, die hier lang – kurz - kurz sind, nennt man Daktylus. Der letzte Versfuß ist unbestimmt, da die letzte Silbe sowohl lang als auch kurz sein kann. Die Betonung liegt immer auf der ersten Silbe eines Versfußes. Sie ist immer lang. Das ist das Grundschema eines Hexameters. Ich werde nun noch einen weiteren Vers vorlesen.

Ignavus bubo dirum mortalibus omen. Auf deutsch: “Träger Uhu, unheilvolles Vorzeichen für die sterblichen Menschen.” Der Vers stammt aus Ovids Metamorphosen.

Fällt dir etwas auf? Genau! Dieser Vers hat viel weniger Silben als der letzte. Wie kann es sein, dass er trotzdem ins Schema passt? Ganz einfach. Ich trage nun die Längen und Kürzen ein und du schaust, was passiert. Sehr gut. Jeweils zwei kurze Silben werden durch eine lange ersetzt.

Einen solchen Versfuß – also lang, lang – nennt man Spondeus. In einem Hexameter kann jeder Daktylus durch einen Spondeus ersetzt werden. Wann ein Daktylus oder Spondeus steht, kann der Dichter selbst entscheiden. Der Spondeus klingt eher schwer und getragen. Weil es im Vers um eine träge, finstere Eule geht, passt das natürlich super!

Du fragst dich jetzt vielleicht: wie kann ich erkennen, ob eine Silbe lang oder kurz ist? Es gibt Regeln, die dir helfen, jeden Vers zu einzuteilen - das heißt: zu skandieren. Diese solltest du dir unbedingt merken!

Erstens: die erste Silbe in einem Vers ist immer lang und betont. Zweitens: Der letzte Versfuß hat immer nur zwei Silben. Die allerletzte Silbe kann lang oder kurz sein. Drittens: der fünfte Versfuß ist zu 99% ein Daktylus - also lang - kurz – kurz.

Um jetzt mit dem Skandieren loslegen zu können, ist es wichtig, dass du Naturlängen und Positionslängen erkennst. Am besten wir probieren es einfach zusammen an einem Beispiel aus.

Arma viri capite arma viri dux instat uterque Das heißt auf deutsch: Zu den Waffen Männer, zu den Waffen, Männer! - so drängten beide Heerführer.

Als erstes markierst du, was immer gleich bleibt. Also die erste Silbe und den letzten Versfuß.

Der zweite Schritt besteht darin, nachzuschauen, ob im Vers Elisionen oder Aphäresen vorkommen. Und siehe da: bei capite fällt das -e weg, weil es auf das -a von arma trifft. Versuche jetzt, Positionslängen zu finden – also Vokale, auf welche zwei Konsonanten folgen. Achte aber auf muta cum liquida.

Sehr schön. Auf Anhieb findest du vier Positionslängen: árma; capitárma; ínstat und utérque. Dux zählt auch dazu, weil ein x als zwei Buchstaben gerechnet wird. Nun zu den Naturlängen.

Dein Wörterbuch hilft dir, herauszufinden, wo diese liegen. Naturlängen sind dort immer bei den Grundformen der Wörter eingezeichnet. Daneben gibt es noch besondere Regeln. Eine davon lautet, dass ein -a am Wortende meistens kurz ist. Eine andere lautet, dass ein -i als Endung der o-Deklination immer lang ist.

Schauen wir mal in den Vers. Und siehe da - es passt! Im Hexameter steht keine Kürze für sich allein. Kürzen treten immer zu zweit auf. Deshalb muss das erste -i- in viri kurz sein. Jetzt können wir auch schon die Versfüße voneinander abtrennen.

Nun haben wir vier vollständige Versfüße! Toll, oder? Da in den übrigen jeweils zwei Silben offen sind, müssen diese kurz sein. Jetzt nur noch die Betonungen und fertig ist der Vers.

Lies am besten gleich mit, ist gar nicht so schwer! Árma virí capitárma virí dux ínstat utérque. Das klappt doch schon gut. Denke daran, Übung macht den Meister.

Fassen wir noch einmal zusammen: ein Hexameter beginnt immer mit einer betonten Länge. Ein Hexameter besteht aus 5 Daktylen und einem Versfuß mit zwei Silben. Ein Daktylus kann durch einen Spondeus ersetzt werden. Das Ende ist unbestimmt.

Vale! und viel Erfolg beim Üben.

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2 Kommentare
  1. Default

    Sehr gut!!

    Von Damla Ö., vor fast 2 Jahren
  2. Dsc 5481

    vielen dank ! durch ihr video hab ich das skandieren verstanden ! :)

    Von Lilian B., vor mehr als 2 Jahren