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Wilhelm Furtwängler 03:50 min

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Transkript Wilhelm Furtwängler

Im November 1954 stirbt in Ebersteinburg, in der Bundesrepublik Deutschland, Wilhelm Furtwängler, einer der größten Orchesterdirigenten aller Zeiten. Geboren ist er 1886 in Berlin als Sohn von Adolf Furtwängler, eines Professors für Archäologie an der Universität Berlin. Unter dem Einfluss der Freunde des Vaters, die alle Vertreter der idealistischen deutschen Kultur dieses Zeitalters sind, beginnt Wilhelm seine musikalischen Studien schon mit acht Jahren in München. Die ersten Erfahrungen als Kapellmeister macht er unter anderem in Straßburg, Frankfurt und Lübeck. Von 1915 bis 1920 ist Furtwängler Operndirektor von Mannheim, dann auch Dirigent des Tonkünstlerorchesters in Wien. Nach dem Tod von Arthur Nikisch leitet er die Konzerte der Berliner Philharmoniker. 1928 wird ihm das gleiche Amt bei den Wiener Philharmonikern übertragen. Ab 1931 betreut der Dirigent zusammen mit Arturo Toscanini die Bayreuther Festspiele. Im Dezember 1934 legt Furtwängler alle offiziellen Ämter zurück, weil er wegen der Verteidigung des Komponisten Hindemith Schwierigkeiten mit der nationalsozialistischen Regierung hat. Aber bereits 1935 arbeitet er wieder mit den Berliner und 1939 auch wieder mit den Wiener Philharmonikern. Er leitet die Orchester bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Selbst im verdunkelten Berlin, das allerdings das Nachtleben nicht aufgegeben hat, wohnt Hitler den Konzerten Furtwänglers bei. 1945 wird dieser der Kollaboration mit den Nationalsozialisten beschuldigt und muss in die Schweiz flüchten. Erst 1946 kann er nach Deutschland zurückkehren. Furtwängler bleibt noch zwei weitere Jahre dem Podium fern und dirigiert sein erstes Konzert nach dem Exil in Rom mit dem Orchester der Akademie von Santa Cecilia. Er muss die Probe unterbrechen, weil ihn die Rührung übermannt. Der Dirigent wird zwar in die Vereinigten Staaten eingeladen, darf aber als Persona non grata nicht einreisen. Furtwängler zeigt sich aufgeschlossen für die Probleme der Jungen, deren Gefühle und Absichten er sehr wohl zu verstehen vermag. Er verbringt ganze Nachmittage einmal mit diesem, einmal mit jenem Orchester. Er hört aufmerksam zu, kritisiert nie, gibt aber Ratschläge. Nach seiner Meinung muss die Musik spontan aus dem Instrument des Künstlers entwachsen. In seinem letzten Lebensabschnitt verzichtet er auf den erworbenen Reichtum. Anlässlich seines Todes 1954 zeigt sich ein Phänomen, das es bis dahin noch nie gegeben hat. Alle Platten Furtwänglers sind auf der ganzen Welt innerhalb weniger Tage ausverkauft. Er hinterlässt auch einige Kompositionen, die an Klassik und Romantik anknüpfen. Dazu gehören drei Symphonien, ein Te Deum, Werke für Klavier und Violine und eine Messe. Auch als Schriftsteller war Furtwängler tätig, vor allem mit Abhandlungen über musiktheoretische und historische Probleme. Bekannt ist seine lebhafte Stellungnahme für die zeitgenössische Musik. Die Arbeiten sind noch heute aktuell. Trotz seinem Einsatz für die Werke der Moderne gilt Wilhelm Furtwängler aber vor allem als der letzte große Bewahrer der deutschen symphonischen Tradition.