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Leopold Stokowski 03:24 min

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Transkript Leopold Stokowski

Am 13. September 1977 stirbt in Nether Wallop, in Hampshire, der berühmte amerikanische Dirigent Leopold Stokowski. Er ist 1882 als Sohn polnischer Eltern in London geboren. Sein Vater ist ein kleiner Handwerker. Leopolds musikalische Begabung wird schon früh gefördert. Er studiert Klavier, Orgel und Geige. Nach kurzen Aufenthalten in Frankreich und Deutschland erwirbt er sein Diplom am Queens College in Oxford. Stokowski wird Organist in London und debütiert erst relativ spät als Dirigent. Kritik und Publikum werden aber sofort auf ihn aufmerksam. 1908 wird er in die Vereinigten Staaten eingeladen, wo er sich ein Jahr später niederlässt und die Leitung des Cincinnati Symphonie Orchester übernimmt. Weltgeltung erlangt Stokowski aber erst durch seine Tätigkeit mit dem Philadelphia Orchestra, das unter seiner Führung in den Jahren 1912 bis 36 internationalen Ruhm genießt. Stokowski wird zu einer umjubelten und viel diskutierten Persönlichkeit der Musikwelt. Vor allem kritisiert man sein überschwängliches Temperament, das sich in großen Gebärden Luft macht. Stokowski, so mutmaßen die Fachleute, ist mehr darum besorgt mit seinen schönen Händen das Publikum zu beeindrucken, als den künstlerischen Ausdruck zu vertiefen. Dennoch schätzt man seine eigenwilligen Interpretationen und vor allem seine Bemühungen um die zeitgenössische Musik. Stokowskis Konzertprogramme beinhalten fast immer Namen wie Berg, Strawinsky, Schostakowitsch oder Schönberg. Im Unterschied zu vielen seiner Kollegen arbeitet der Dirigent auch gern für den Film. Seinen größten Erfolg auf diesem Gebiet hat er 1940, als er die Musik zu Walt Disneys aufwändigem Zeichentrickopus “Fantasia” dirigiert. Stokowski liefert etliche raffinierte Adaptionen der Musik von Tschaikowski, Ponchielli und Mussorgski für die Filme Disneys. Zur großen Popularität des Meisters trägt auch sein bewegtes Privatleben bei. So konzentriert sich im Februar 1938 der Blick der Öffentlichkeit auf die Affäre Stokowskis mit der Filmdiva Greta Garbo. Die Göttliche, wie sie genannt wird, ist 33 Jahre alt, aber bereits ein Mythos. Die beiden Künstler bekunden leidenschaftliche Liebe und ziehen sich in eine Villa an der italienischen Küste zurück, um den Neugierigen und Fotografen zu entgehen. Die Beziehung ist nur von kurzer Dauer. Die Spannungen und die Sorge um die jeweils eigene Karriere lassen sie in die Brüche gehen. Die Garbo kehrt von ständigen Nervenkrisen geplagt zu ihrem einsamen Leben zurück. Stoki, wie ihn seine Freunde nennen, widmet sich wieder verstärkt seiner Arbeit am Dirigentenpult. 1945 heiratet er die amerikanische Milliardärin Gloria Vanderbilt. Stokowski dirigiert ohne Unterbrechung bis zu seinem 93. Lebensjahr. Dann zieht er sich aus den Konzertsälen zurück und macht nur noch Schallplattenaufnahmen. Mit 95 Jahren stirbt er an einem Herzinfarkt. Kurz davor hat Leopold Stokowski noch seinen Plattenvertrag für weitere fünf Jahre verlängert.