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Was ist Mehrsprachigkeit? 09:04 min

Textversion des Videos

Transkript Was ist Mehrsprachigkeit?

Hi, ich bin’s, Tim.

What we will look at in this video, ist: Mehrsprachigkeit. What is Mehrsprachigkeit? Wie funktioniert sie? Woher kommt sie und wo kommt sie vor? Welche Vor- und Nachteile hat sie? Alles Fragen, die ich dir in diesem Video zu beantworten versuche. Let’s go! Versuchen wir, Mehrsprachigkeit zu definieren: Wie im Begriff bereits ersichtlich, ist sie die Fähigkeit des Menschen, mehrere Sprachen zu sprechen. Eine Form der Mehrsprachigkeit ist der Bilingualismus, was eigentlich Zweisprachigkeit bedeutet. Beherrscht jemand mehr als zwei Sprachen, sprechen wir von Multilingualismus. Andererseits bezieht sich Mehrsprachigkeit auch auf die Anwendung und die Geltung einer Sprache in einem bestimmten Gebiet. Nehmen wir Spanien als Beispiel. Im gesamten spanischen Staatsgebiet ist Kastilisch die offizielle Amtsprache. Eigentlich ist sie aber nur im Süden und in der Mitte richtig heimisch. Im Norden sind alternative Amtssprachen auch Galizisch und Baskisch, im Osten spricht man größtenteils Katalanisch, im ganzen Land verbreitet gibt es außerdem unzählige Dialekte und Mundarten. Ebenso bei den Schweizern: Sie haben gleich vier offzielle Amtssprachen: Italienisch, Deutsch, Französisch und Rätoromanisch. Im Deutschen selbst wird allerdings nochmal unterschieden: Es gibt das Hochdeutsche, das z.B. in Zeitungen und Ämtern geschrieben und teilweise auch gesprochen wird, und das Schwytzerdütsch, das im Umgang mit Familie, Freunden und Bekannten verwendet wird. Dieses Vorkommen von zwei Sprachen in einem Gebiet nennt man auch Diglossie, wenn mehr als zwei Sprachen vorkommen Polyglossie.

Aber wie erwerben wir eine zweite Sprache neben unserer Muttersprache? Hier gibt es zwei verschiedene Herangehensweisen. Nehmen wir ein Kind, das in einer türkischen Einwandererfamilie aufwächst. Hat es formalen Unterricht in Deutsch in der Schule, ist der Spracherwerb gesteuert. Diesen Unterricht nennen wir Deutsch als Fremdsprache. Hat es jedoch keinen formalen Unterricht, sondern lernt Deutsch nebenbei, im Alltag mit Freunden und Familie, ist der Spracherwerb ungesteuert. Er läuft in etwa so ab, wie der Erwerb der ersten Sprache, also der “Muttersprache”. Im Gegensatz zu Deutsch als Fremdsprache nennen wir das Deutsch als Zweitsprache.

Hierbei gibt es noch weitere Unterscheidungsmerkmale. Lernt ein Kind Erstsprache und Zweitsprache gleichzeitig - also simultan - oder nacheinander - also sukzessiv? Sind beide Sprachen auf demselben Niveau, werden die Sprachen symmetrisch gelernt. Ist eine Sprache dominant, wird also in einer Sprache häufiger und besser gesprochen (was meist der Fall ist), dann ist der Spracherwerb asymmetrisch. Das hört sich alles ein wenig kompliziert an. Ist es auch ein bisschen. Denn meistens überfordert uns ja eine Sprache schon. Es gibt bei Mehrsprachigkeit allerdings noch mehr Schwierigkeiten: Das Sprechen ist nur ein Teil der Sprache. Der andere Teil, die Schriftsprache, verlangt genauso viel ab, vor allem, wenn man zwei verschiedene Schriftarten wie das arabische und das lateinische Alphabet lernen muss. Hier hilft uns die Immersion. Immersion bedeutet, dass Schulfächer auch in der Sprache abgehalten werden, die nicht die Hauptsprache an der Schule darstellt. Das wäre also, wie wenn du Biologie am Gymnasium in Englisch oder Türkisch beigebracht bekämest. Damit machst du nicht nur große Fortschritte in der gesprochenen, sondern auch in der Schriftsprache.

Doch damit nicht genug. An Kinder, die eine Sprache als Zweitsprache und nicht als Fremdsprache lernen - also die meisten Kinder mit Migrationshintergrund im Gegensatz beispielsweise zu den Kindern mit normalem Englischunterricht - an diese Kinder wird ein höherer Anspruch gestellt. Denn unser Schulenglisch wenden wir in voraussehbaren und seltenen Situationen an. Ein Kind mit Deutsch als Zweitsprache muss sich jedoch in allen möglichen Situationen unter Beweis stellen und flix antworten, wenn es mitkommen und mitmachen will. Früher dachte man, dass Mehrsprachigkeit ein Nachteil für das Kind sei. Man sprach von Überforderung des Kindes und dass es in manchen Situationen nicht angemessen reagieren könne. Ein Hin-und Herwechseln zwischen verschiedenen Sprachen wurde als mangelnde Sprachbeherrschung gedeutet. Heute sieht man genau dieses Code-Switching, also den Wechsel von einer zu einer anderen Sprache, viel positiver. Kinder sind nämlich durchaus fähig, bewusst zu entscheiden, in welchen Situationen sie welche Sprache anwenden müssen. Nehmen wir das Türkdeutsch: Untereinander können Kinder dieser Türkisch-Deutsch-Mischung problemlos kommunizieren. Treffen sie jedoch auf Menschen, die eine der beiden Sprachen nicht sprechen, wenden sie auch nur die verstandene Sprache an.

Mehrsprachigkeit bietet also viele Chancen: Mehrsprachige Kinder können besser kommunizieren, denn sie haben nicht nur eine, sondern zwei oder mehr Sprachen zur Auswahl. Sie haben häufig ein größeres Vokabular und bedienen sich verschiedener grammatikalischer Denkstrukturen. Außerdem hat die Begegnung mit anderen Sprachen den Vorteil, dass wir über unsere eigene Sprache nachdenken und uns viel mehr Dinge auffallen, die uns sonst nicht befremdlich erschienen wären. Mehrsprachigkeit ist in unserer Gesellschaft schon längst überall anzutreffen. Anstatt zu versuchen, Kinder nur in einer Sprache zu erziehen, versuchen deshalb immer mehr Kindergärten, Schulen und auch Familien, Bilingualismus zu fördern und sich so die Vorteile zunutze zu machen. Fassen wir alles Wichtige zum Thema Mehrsprachigkeit noch mal zusammen: 1. Mehrsprachigkeit oder Bilingualismus ist die Fähigkeit, zwei oder mehr Sprachen zu sprechen. 2. Als Diglossie oder Polyglossie bezeichnen wir, wenn zwei oder mehrere Sprachen gleichzeitig in einem Gebiet gesprochen werden. 3. Wenn ein Kind zur Muttersprache eine weitere Sprache im Schulunterricht lernt, ist das gesteuerter Spracherwerb. In Deutschland nennt man das Deutsch als Fremsprache. Lernt das Kind die Sprache außerhalb formalen Unterrichts, ist das ungesteuerter Spracherwerb. Das nennt man im deutschen Beispiel Deutsch als Zweitsprache. 4. Dabei kann das Kind - natürlich auch der Erwachsene - die beiden Sprachen simultan oder sukzessiv, symmetrisch oder asymmetrisch lernen. 5. Die Schwierigkeit, dass auch die Schriftsprache erlernt werden soll, kann durch Immersionsunterricht gelöst werden. 6. Nachdem man früher eher die Schwierigkeiten in den Mittelpunkt stellte, nimmt man Mehrsprachigkeit heute als Bereicherung wahr: Mehrsprachigkeit hat zum Beispiel den Vorteil, dass Kinder fast frei zwischen Codes switchen und häufig angemessen anwenden können. Mehrsprachigeit bzw. Bilingualismus ist eine gesellschaftliche Realität und immer verbreiteter. As we could see hat Mehrsprachigkeit große Vorteile, even though it is hard zwei Sprachen zu lernen. Wie viele Sprachen und Dialekte sprichst du schon?

Was ist Mehrsprachigkeit? Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Was ist Mehrsprachigkeit? kannst du es wiederholen und üben.

  • Gib die Definitionen für die verschiedenen Begriffe wieder.

    Tipps

    Falls du dir nicht sicher bist, suche dir Beispiele für den Fachbegriff.

    Die Abkürzung mind. steht für mindestens.

    Lösung

    Mehrsprachigkeit kommt in vielen Ländern und Gebieten vor. Dadurch, dass Menschen migrieren und sich in anderen Gebieten als ihrer Heimat niederlassen, vermischen sich die Sprachen. Dabei gibt es einige Fachbegriffe, die Merkmale der Mehrsprachigkeit definieren:

    • Bilingualismus ist die Fähigkeit, zwei Sprachen anzuwenden.
    • Diglossie ist ein besonderer Fall von Bilingualismus: In vielen Ländern wird eine Sprache gesprochen und eine geschrieben, z.B. in der Schweiz, wo das Schwytzerdütsch nur gesprochen, in allen Printmedien jedoch das Hochdeutsch verwendet wird. Man trennt also bei der Anwendung zweier Sprachen nach Funktionalität. Ein anderes Beispiel könnte sein, wenn man eine Sprache nur zum Verhandeln und bei Geschäften verwendet und die andere bei allem anderen.
    • Multilinguist bist du, wenn du mehr als zwei Sprachen sprichst.
    • Immersion ist Schulunterricht, der in einer Fremdsprache abgehalten wird. Vorteil hier ist, dass man auch Schriftsprache und Rechtschreibung der anderen Sprache lernt. Das ist vor allem bei zwei verschiedenen Schriftsystemen wie Chinesisch und Arabisch wichtig.
    • Code-Switching betreiben alle Bilingualisten mehr oder weniger gut. Das Hin- und Herwechseln zwischen Sprachen, je nachdem, mit wem man spricht, ist lernbar und weitverbreitete Praxis.
    • Du beherrscht eine Sprache besser als die andere. Dann ist eine dominant, dein Sprachgebrauch asymmetrisch. Sprichst du beide gleich gut, ist dein Bilingualismus symmetrisch.
  • Bestimme die offiziellen Amtssprachen von Spanien und der Schweiz.

    Tipps

    Stelle dir den Ort des Landes auf der Landkarte vor: Welche Länder grenzen an das Land an?

    Lösung

    Spanien und die Schweiz sind zwei Länder in Europa, die nicht nur bilingual, sondern multilingual sind. Das bedeutet, das sie mehr als zwei offizielle Amtssprachen haben.

    Spanien ist in vier größere autonome Sprachgebiete eingeteilt: Katalonien, das Baskenland, Galizien und die großen Gebiete, in denen kastilisch die Erstsprache ist (Andalusien oder Kastilien).

    Die Schweiz grenzt an Italien, Frankreich, Deutschland und Österreich. Daher werden auch diese drei Sprachen offiziell zugelassen plus eine weitere, die nur in der Schweiz zu finden ist: Rätoromanisch.

  • Nenne einige Charakteristika von Deutsch als Fremdsprache und Deutsch als Zweitsprache.

    Tipps

    Was unterscheidet Fremdsprache von Zweitsprache? Welche Form wird von wem gelehrt oder beigebracht? Denke an Beispiele aus deinem Freundeskreis.

    Lösung

    Deutsch als Fremdsprache unterscheiden wir von Deutsch als Zweitsprache.

    Eine Fremdsprache ist eine Sprache, die wir in der Schule lernen. Der Spracherwerb ist also von Lehrern gesteuert, man erfährt die Grammatik und bekommt die Sprachregeln und Korrekturen mit. Dein Englischunterricht in der Schule macht aus dir einen Bilingualisten mit Englisch als Fremdsprache.

    Im Unterschied dazu ist die Zweitsprache ungesteuert, denn das Kind lernt sie nicht in der Schule, sondern beim Reden mit Eltern oder Freunden. Bilinguale Erziehung haben wir z.B. dann, wenn ein Elternteil von Geburt an Deutsch redet und das andere Elternteil die andere Sprache. Das Kind lernt beide Sprachen, jedoch lernt es beide wie Muttersprachen. Es bekommt keine Regeln, sondern wendet die Sprache alltagsbezogen an.

  • Prüfe die Aussagen zum Umgang mit Bilingualismus/Zweitsprachen.

    Tipps

    Wie wurde Bilingualismus früher und wie wird er heute bewertet?

    Lösung

    Bilingualismus gibt es schon, so lange es verschiedene Sprachen gibt. Das Erlernen zweier Sprachen von Kindesbeinen an wurde allerdings nicht immer so positiv bewertet wie heute, wo Bilingualismus etwas Wünschenswertes ist.

    Früher dachte man, Kinder seien mit einer Sprache ja häufig schon überfordert und mit zwei Sprachen erst recht.

    Heute steht fest, dass auch bilinguale Kinder sich präzise und der Situation und dem Zuhörer angemessen ausdrücken können. Eventuelle sprachliche Unsicherheiten werden durch den Vorteil ausgeglichen, dass bilinguale Kinder gleich in zwei Sprachgemeinschaften heimisch sind.

    Da unser Denken sprachlich verfasst ist bzw. die Grammatik unsere Denkstrukturen widerspiegelt, haben bilinguale Kinder, die zwei Grammatiken beherrschen, häufig auch einen Sinn für die feinen Unterschiede, die das Denken ausmacht. Häufig haben bilinguale Kinder daher einen interkulturellen Sinn.

  • Entscheide, welcher Fachbegriff auf die einzelne Sprachsituation zutrifft.

    Tipps

    Kennst du noch den Unterschied zwischen Diglossie und Bilingualismus?

    Lösung

    Eine wichtige Unterscheidung können wir zwischen Diglossie und Bilingualismus treffen: Kommen zwei Sprachen auf einem Gebiet vor und wird davon eine Sprache nur gesprochen, aber nicht geschrieben oder wird eine der Sprachen nur geschrieben, aber nicht gesprochen, haben wir es mit Diglossie zu tun wie im gesamten arabischen Raum: Die nationalstaatlichen Dialekte sind sehr unterschiedlich. Fast jeder lernt in der Schule jedoch Hocharabisch, das auch in Zeitungen etc. verwendet wird.

    Polyglossie herrscht, wenn mehr als zwei Sprachen in einem Gebiet für unterschiedliche Aufgaben genutzt werden. Im Südosten von Tadschikistan wird beispielsweise Russisch fast nur noch mit Touristen gesprochen, Tadschikisch als Amtssprache in Ämtern geschrieben und die lokalen Dialekte wie Wakhi gesprochen.

    Bei den Vereinten Nationen gibt es gleich sechs internationale Sprachen. Sie sind daher natürlich multilingual, ihre Sprachen werden vom Großteil der Weltbevölkerung gesprochen (nähme man Hindi und Portugiesisch hinzu, wäre das weitaus mehr).

    Und zu guter letzt ist das Vermächtnis der Kolonialzeit für Kanada, dass sie zwei Amtssprachen haben, die sich das Land je zur Hälfte aufteilen: Englisch und Französisch. Das Land ist daher amtssprachlich bilingual.

  • Erschließe, ob das Kind in den Geschichten Deutsch als Fremdsprache oder Deutsch als Zweitsprache spricht.

    Tipps

    Versuche, Deutsch als Fremdsprache und Deutsch als Zweitsprache klar zu trennen. Was heißt es, mit Deutsch aufzuwachsen oder es im Unterricht zu lernen? Suche dir Beispiele in deinem Bekanntenkreis.

    Lösung

    Die Fälle von Multilingualismus sind meist kompliziert, denn es treffen häufig viele Sprachen in den unterschiedlichsten Situationen aufeinander.

    • Dimitri lernte beide Fremdsprachen und deren Alphabet in der Schule und nicht im Elternhaus oder im Alltag. Deutsch und Englisch sind also Fremdsprachen, er lernte sie gesteuert und durch Immersion.
    • Teresa ist bilingual erzogen worden. Sie spricht Deutsch und Spanisch als Muttersprachen. Sie hatte zwar Deutschunterricht in der Deutschschule, aber das war normaler Unterricht für Kinder, die Deutsch als Muttersprache sprechen, deren Spracherwerb also ungesteuert ist. Da sie allerdings außerhalb der Schule vor allem mit Spanisch konfrontiert war, wurde Spanisch zur dominanteren Sprache, die Beziehung der beiden Sprachen asymmetrisch.
    • Resi ist ein seltener Fall. Sie lernte Schwyzerdütsch ungesteuert, jedoch nicht von ihren Eltern. Schwyzerdütsch ist daher ihre Zweitsprache, aber nicht ihre Muttersprache. Im Unterricht sowie in der gesamten deutschsprachigen Schweiz ist Schwyzerdütsch aber nur gesprochen, man schreibt in Hochdeutsch. Daher ist Resi ein Fall von Diglossie.