30 Tage kostenlos testen: Mehr Spaß am Lernen.
30 Tage kostenlos testen

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte.

30 Tage kostenlos testen

Sprache und Denken 06:51 min

Textversion des Videos

Transkript Sprache und Denken

Hi, ich bin’s, Tim! Denken und Sprache, Sprache denken. Können wir ohne Sprache denken und ohne Denken sprechen? Dazu stelle ich euch ein paar Theorien vor, die entweder besagen, dass beides unabhängig voneinander ist, beides identisch abläuft, oder die sich eine Zwischenstellung suchen. Schauen wir uns das mal an. Schon der gute alte Platon sagte, dass Denken nichts als lautloses Sprechen sei. Denn auch wenn wir sozusagen “leise” nachdenken, “spricht” eine Stimme in unserem Kopf unsere Gedanken. Aber was heißt überhaupt “Nachdenken” bzw. “Denken”? Es grenzt sich ab vom sinnlichen Wahrnehmen und vom Fühlen, es ist ein bewusstes Überlegen. Unsere Sinne kommunizieren uns zwar Informationen, dies ist aber keine Sprache im eigentlichen Sinne, mit bewusst steuerbaren, vom Menschen erschaffenen Symbolen. Heute geht man nicht mehr davon aus, dass Denken identisch mit Sprache ist. Denn dann müsste ich alles so sagen, wie ich es denke. Es kommt jedoch auch vor, dass ich mir einen Satz in Gedanken zusammenschustere, beim Sprechen aber auf einmal ins Stocken komme und Fehler mache. Auch ein Stottern ist gestörte Sprache, was aber nicht heißt, dass Stotterer schlechter denken können. Außerdem gibt es durchaus ein Sprechen, dass ohne Gedanken auskommt - wie zum Beispiel Tratsch, Gerede oder Geschwätz. Sprache und Denken sind also nicht vollkommen identisch. Viele Forscher sprechen aber von einer Funktionssymbiose. Das bedeutet, dass beide sich ständig aufeinander beziehen und abhängig voneinander sind. Je komplexer das Sprachvermögen eines Menschen, desto abstrakter wird generell auch sein Denken sein.

Es gibt jedoch Bereiche, die so abstrakt sind, dass unsere natürliche Sprache, die sich evolutionär entwickelt hat, nicht präzise genug ist. Für Wissenschaften wie die Mathematik oder die Physik hat man daher künstliche, logische Sprachen geschaffen, die eine eigene Symbolik besitzen. Diesen Abstraktionsgrad nennt man auch den übersprachlichen Bereich. Andererseits gibt es auch einen untersprachlichen Bereich. Dieser kommt zum Ausdruck, wenn es darum geht, reflexartig etwas zu begreifen und einzuordnen. Das werden Situationen sein, die so vertraut und unkompliziert für uns sind, dass wir dafür keine Sprache mehr brauchen. Spürt man die Hitze eines nahen Feuers, werden auch andere nicht-sprachbegabte Lebewesen fliehen. Dieses Phänomen nennt man auch praktische Intelligenz. Wie hängen also Sprache und Denken noch zusammen? Man kann der Sprache eine Mittlerfunktion zusprechen. Sie vermittelt nämlich zwischen dem eher immateriellen Denken und der Außenwelt und ist bis jetzt das einzige Medium, um Gedanken anderen zu übertragen. Ob es jemals eine Maschine geben wird, die nur unsere Gehirnströme liest, um so darzustellen, was wir denken oder wollen, ist zweifelhaft. Denn Sprache formt unser Denken und Wollen erst, indem sie Dinge bezeichnet, zusammenfasst, vergleicht und abstrahiert. Sie hat damit die Fähigkeit, unsere Wahrnehmung zu lenken: Wir können nur über Sprache Dinge begreifen und - das Wichtigste - in Verbindung bringen. Schafft Sprache nicht selbst auch unsere Gedanken über die Außenwelt, gibt also nicht nur wieder, sondern schafft unsere Sichtweise der Realität erst? Dazu muss man sich vielleicht erst fragen: Was ist denn überhaupt ein Wort, was ist ein Begriff? Eindeutig ist, dass ein Wort durch andere ersetzbar ist, z.B. bei Definitionen, und ein Wort andere braucht, um eine Bedeutung zu haben. Worte machen nur Sinn, wenn sie von anderen abgegrenzt und miteinander assoziiert sind. Eine Theorie, die sogenannte Sapir-Whorf-Hypothese, spielt auf diese kreative Funktion der Sprache an. Sie sagt, dass Sprache unsere je individuelle Welt erst erschafft. Da wir die uns umgebenden Objekte mit Begriffen überspannen und damit in Verbindung bringen, gibt es erst ein Weltganzes. Die Hypothese sagt nun aber auch, dass Sprecher einer Sprachgemeinschaft wie die chinesische eine größere Chance haben, bei ihrer Sichtweise der Realität auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen als Sprecher verschiedener Sprachen. Denn die Begriffe einer Sprache hängen immer in spezieller Art und Weise zusammen.

Friedrich der Große, ein begeisterter Philosoph, meinte einmal, dass er in keiner anderen Sprache philosophieren könne als in Französisch. Das lag wohl unter anderem daran, dass zur damaligen Zeit im Französischen die Begriffe besser “lagen” und in der damaligen Welt in ihrem Zusammenhang mehr zu erklären wussten. Andererseits unterscheiden sich unsere Begriffe nicht nur etymologisch, also sprachgeschichtlich. Auch unsere Grammatik und wie sie die Begriffe ordnet grenzt sich sich stark von Sprache zu Sprache ab. Ist also das Chinesische mit seiner komplett anderen Grammatik so weit von uns entfernt, dass unsere Weltsichten sich sehr unterscheiden? Je gemeinsamer also unsere Sprache ist, desto besser können wir dem anderen unsere Sicht der Dinge erklären. Eigentlich ganz logisch. Fassen wir also nochmal zusammen: - Denken und Sprechen sind nicht identisch - andersherum sind aber Denken und Sprechen voneinander abhängig, es besteht eine Funktionssymbiose - es gibt Bereiche, für die Sprache nicht präzise oder schnell genug ist. Diese Bereiche nennt man übersprachlich und untersprachlich. - Sprache hat eine Mittlerfunktion. Sie steht zwischen dem Denken und der Realität. Sie beschreibt und erschafft damit unsere je eigene Realität erst und formt unser Denken. - Die Sapir-Whorf-Hypothese sagt, dass jede einzelne unserer Weltsichten stark verschieden ist, dass sich bei zunehmender Sprachverschiedenheit aber die Perspektiven auf die Welt noch weiter entfernen. Soweit so gut. Ich sag tschüs und ciao!

1 Kommentar
  1. Default

    Schön gemacht und gut erklärt, wie alle deine Videos!
    Aber das Beispiel, Klatsch und Tratsch hätten nichts mit Denken zutun, ist doch etwas platt und so nicht richtig.

    Von Wischiwaschi, vor mehr als 3 Jahren