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Das Erlernen der Muttersprache

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Die Autor*innen
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Tim Weichselfelder
Das Erlernen der Muttersprache
lernst du in der 10. Klasse - 11. Klasse - 12. Klasse - 13. Klasse

Das Erlernen der Muttersprache Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Das Erlernen der Muttersprache kannst du es wiederholen und üben.
  • Gib einige Charakteristika zum Erwerb der Muttersprache wieder.

    Tipps

    Denke an deine eigene Muttersprache und vergleiche dich mit einem Freund oder einer Freundin, die bilingual aufgewachsen sind. Welche Unterschiede erkennst du?

    Hast du deine Muttersprache genauso gelernt wie eine Fremdsprache?

    Lösung

    Der Erwerb der Muttersprache ist ein jahrelanger Prozess, der ohne jeglichen Unterricht und nur durch Imitation stattfindet. Das Kind fängt gleich nach der Geburt an, die Sprache zu lernen, die es umgibt: Bei zweisprachigen/bilingualen Kindern sind das zwei Sprachen.

    Die Länge und der Zeitpunkt der einzelnen Phasen des Spracherwerbs sind zwar individuell verschieden, die Reihenfolge aber immer gleich. Keiner kann eine Phase überspringen, keine Phase wird ausgelassen, denn jede Phase baut auf der vorherigen auf.

  • Ordne den Phasen die wichtigsten Veränderungen der Sprache zu.

    Tipps

    Die Phasen des Spracherwerbs bauen aufeinander auf. Du lernst zuerst Laute, dann Silben, Wörter, Sätze etc.

    Beim Deklinieren werden Substantive, Pronomen, Adjektive und Artikel in ihrer Form an Kasus, Numerus und Genus angepasst.

    Lösung

    Wir können sechs bis sieben grobe Phasen des Spracherwerbs unterteilen.

    1. In den ersten Wochen und Monaten schreit das Kind, um seine Gefühle auszudrücken.
    2. Bis zu 6 Monate braucht das Kind, um babbeln und brabbeln zu lernen. Es imitiert und kombiniert Vokale und Konsonanten.
    3. In den ersten 12 bis 18 Monaten erlernt das Kind Sätze aus nur einem Wort, z. B. Mama!. Diese nennt man auch Holophrasen.
    4. In den ersten 24 Monaten schreitet das Kind soweit voran, dass es Sätze mit zwei Wörtern sowie Plurale bilden kann. Außerdem verwendet es isolierte, also für sich stehende Wörter, die mit den anderen Wörtern unverbunden sind wie Da Wauwau!.
    5. Innerhalb der ersten 48 Monaten verwendet das Kind immer mehr Wörter im Satz, lernt die Wörter anzugleichen, indem es konjugiert und dekliniert und erhöht die Komplexität, indem es Nebensätze konstruiert und damit die Sätze länger macht.
    6. Bis zur Pubertät baut das Kind diese grammatikalischen Fähigkeiten im Detail aus.
    7. Danach vergrößert es nur noch seinen Wortschatz und verfeinert die situationsangemessene Anwendung seiner Sprache.
  • Erkläre die verschiedenen Sprachmodelle und was sie zeigen wollen.

    Tipps

    Denke an die Namen der Modelle. Welchen Fokus haben sie? Welche Begriffe werden mit ihrer Theorie verbunden?

    Lösung

    Wir kennen drei Ansätze, um den Spracherwerb zu erklären. Jeder Ansatz hat dabei seinen eigenen Fokus.

    1. Das kognitivistische Modell zeigt, dass sich unsere Gehirnstrukturen und unsere Sprachfähigkeiten zu bestimmten Lebensaltern gleich schnell verändern. Gemeint ist, dass die physiologische Veränderung unseres Gehirns auch unsere Fähigkeiten zur Sprache verändert. Gleichzeitig machen wir Gegenstände durch Sprache greifbar, wir können sie in Verbindung bringen, vergleichen und in uns Bilder damit erstehen lassen. Sprache und Denken beeinflussen sich gegenseitig.
    1. Das Interaktionsmodell zeigt, dass wir uns beim Erlernen auf Interaktion stützen, d. h. wir müssen Dialoge führen, Fragen und Antworten geben und uns sprachlich mit dem Anderen messen und ihn imitieren. Da unsere Eltern unsere ersten Interaktionspartner sind, orientieren wir uns stark an ihrem Sprachlevel, ihrer Intonation, ihrer Wortwahl, Geschwindigkeit etc.
    1. Noam Chomsky schließlich entwarf das nativistische Modell. Darin behauptet er, dass allen Menschen eine Art Universalgrammatik angeboren sei. Diese Grammatik enthalte bestimmte vorgefertigte Denkstrukturen, mit denen wir die Sätze unserer Gesprächspartner analysieren, kategorisieren und Regeln aus ihnen ableiten können. Chomsky erklärt also eigentlich, wie man lernen kann, ohne bereits Sprache zu besitzen.
  • Leite anhand der Beispiele her, wie alt bzw. in welcher Phase das Kind ungefähr ist.

    Tipps

    In den ersten 12 bis 18 Monaten erlernt das Kind Sätze aus nur einem Wort.

    Bis zu 6 Monate braucht das Kind, um babbeln und brabbeln zu lernen.

    Lösung

    Die Phasen des Spracherwerbs sind immer in derselben Reihenfolge, aber nicht immer gleich lang. Daher können wir nur ungefähre Altersangaben machen:

    • Wenn ein Kind tutu ruft, kann es einzelne Vokale und Konsonanten verbinden, Laute nachahmen und Dinge mit einem Wort benennen und begreifen, also einen Begriff formen. Der Satz besteht aus einer Holophrase, also aus einem Wort. Es ist daher circa 12 bis 18 Monate alt.
    • Wenn das Kind sabbernd oder brabbelnd anfängt, undefinierte Geräusche zu machen, ist es circa 6 Monate alt.
    • Lange, durch Konjunktionen und Verben verbundene Sätze formulieren zu können, spricht dafür, dass Tobi ungefähr vier Jahre alt ist. Er fühlt sich zwar noch unsicher beim Sprechen, kann aber die Form von Wörtern in Person, Genus und Numerus verändern, also konjugieren und deklinieren.
    • Ich Dobi ist ein Zwei-Wort-Satz. Die Wörter stehen isoliert und ohne Verb verbunden, der Satz ist wenig komplex und Tobi hat Schwierigkeiten in der Aussprache. Das Kind ist demnach circa 24 Monate alt.
    • Die Sprache nach der Pubertät zeichnet sich durch einen erweiterten Wortschatz (Fachwörter, Fremdwörter, komplexe Satzstrukturen) aus. Die Sprachfähigkeiten werden verfeinert.

  • Bestimme verschiedene Ansätze für den Spracherwerb und ihre Vertreter.

    Tipps

    Übersetze die Namen der Modelle ins Deutsche. Sie deuten bereits daraufhin, worum es in der Theorie geht.

    Wenn Sprachstrukturen angeboren sind und der Spracherwerb überall gleich funktioniert, haben auch alle Sprachen gemeinsame Merkmale.

    Lösung

    Wie wir unsere Muttersprache ohne jeglichen Unterricht erlernen können, dazu gibt es drei große Theorieströmungen:

    1. Noam Chomsky erklärte mit seinem nativistischen Modell, dass einige Grammatikstrukturen (wie z. B. das Begreifen von Zahlen) bei jedem Menschen gleich seien und daher universell. Damit begründete er seine Universalgrammatik und das language aquisition device.
    2. Jean Piaget beschrieb sein kognitivistisches Modell. Kognitivistisch bezieht sich auf das Denken. Er beschrieb also, wie sich die Entwicklung des Denkens und die Herausbildung der Sprache gegenseitig beeinflussen.
    3. Lew Wygotski ist ein Vertreter des Interaktionsmodells. Darin wird erklärt, dass der Mensch zum Erlernen immer einen Gesprächspartner braucht, den er zum Vorbild nimmt und den er imitiert. Die Sprachfähigkeiten des Anderen werden damit zur Messlatte der eigenen.
    Wir können davon ausgehen, dass alle drei dort rechthaben, wo sie am meisten erklären können, wo sie also ihren Fokus gesetzt haben. Die Theorien beleuchten den Spracherwerb demnach von verschiedenen Seiten.

  • Bestimme die vier allgemeinen Fähigkeiten, die nach der Universalgrammatik jedem Menschen zur Verfügung stehen.

    Tipps

    Lese dir die Sätze genau durch und achte darauf, wie spezifisch die beschriebene Fähigkeit ist. Kann man allgemeine Regeln ableiten oder schon nach bestimmten Fällen unterscheiden? Sieht man nur, dass sich die Wörter verändern oder sieht man auch, wann sie sich verändern?

    Lösung

    Das Language Aquisition Device von Noam Chomsky, das Teil seiner Theorie der Universalgrammatik ist und den Erwerb von Sprache erklären will, beinhaltet grob gesagt vier allgemeine Fähigkeiten, die angeboren und zum Erwerb der Muttersprache unerlässlich sind:

    1. Das abstrakte Wissen, dass man Wörter verändern und verbinden kann, dass manche Wörter wie eins und Einheit ähnlich klingen und miteinander zu tun haben müssen, aber doch verschieden sind.
    2. Die Fähigkeit, sprachliche Laute aus anderen Lauten herauszufiltern. Ein Husten im gesprochenen Satz wird nicht als Sprache registriert. Außerdem kann das Kind zwischen verschiedenen Wortarten wie Verben, Substantiven etc unterscheiden. Da sie häufig am selben Ort im Satz stehen, kristallisieren sich die aufgrund paralleler grammatischer Strukturen ähnlichen Wortarten heraus.
    3. Die Fähigkeit, Hypothesen zu bilden, also allgemeine grammatikalische Regeln wie die Verwendung des Infinitivs im Deutschen bei der 1. Person Plural.
    4. Die Fähigkeit, bei denselben Wortarten verschiedene Hypothesen richtig zu bewerten und anzuwenden. Die verschiedenen Infinitvarten im Deuschen auf -en, -eln oder -ern verlangen einen unterschiedlichen Umgang mit der Bildung der 1. Person Plural.
    Dieses Modell beschreibt also nicht die Inhalte der einzelnen Sprachgrammatiken, sondern eher, was alle Grammatiken gemeinsam haben.

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