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Das Erlernen der Muttersprache 08:27 min

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Transkript Das Erlernen der Muttersprache

Hi, ich bin’s, Tim. Ein Gebrabbel, Gebabbel, Sabbern, Schlabbern und Plappern ist das, was jeder von uns einmal durchgemacht hat. Ich gebe dir in diesem Video einen kurzen Überblick darüber, wie wir von Kindesbeinen an unsere Muttersprache erlernen. Spracherwerb ist im Allgemeinen der Prozess, in dem Kleinkinder eine oder sogar mehrere Sprachen erlernen. Dieser Prozess ist nur möglich, wenn das Kind einen Gesprächspartner hat, also im Austausch mit anderen steht. Wir konzentrieren uns hier auf die Erstsprache, also die Muttersprache. Es gibt allerdings auch den Erwerb einer Zweitsprache und einer Fremdsprache. Genau wie die Zweitsprache und im Unterschied zur Fremdsprache erwirbt das Kind die Erstsprache ungesteuert statt gesteuert. Es erhält also keinen formalen Unterricht wie in der Schule, sondern lernt die Muttersprache auf natürliche Weise.

Der Erwerb beginnt dabei gleich nach der Geburt. Das Kind eignet sich die Sprache an, die es umgibt: Wenn meine Eltern Deutsch sprechen, werde auch ich ein Deutschsprecher. Bei zweisprachig aufwachsenden Kindern gibt es also z.B. zwei Umgebungssprachen, die das Kind gleichzeitig lernt.

Du und ich, wir alle lernen Sprachen nach demselben Muster. Diese Phasen sind bei jedem Kind auf der Welt gleich. Manche Kinder sind allerdings Schnellstarter, andere lassen sich Zeit: Die einzelnen Phasen finden also in der gleichen Reihenfolge statt, können aber individuell lang dauern.

In den ersten Wochen nach der Geburt werden wir das Kind schreien hören. Das ist die Zeichenwelt des Kindes, um seinen Eltern Gefühlszustände mitzuteilen. In den nachfolgenden sechs Monaten kann das Kind höchstens babbeln, d.h. es kombiniert erste Vokale und Konsonanten, die es bisher gelernt hat nachzuahmen. Während der ersten ein- bis eineinhalb Jahren lernt es eine geringe Anzahl an einfachen Wörtern und kann bereits Sätze bilden. Diese Sätze bestehen allerdings nur aus einem Wort, sogenannten Holophrasen. Der Ausruf “Mama” kann dann sowohl heißen, dass das Kind seine Mama will, als auch, dass irgendein bezeichnetes Objekt Mama gehört, oder auch etwas gänzlich anderes. Bis zum zweiten Lebensjahr lernt das Kind, Sätze mit zwei Wörtern zu bilden, in denen es häufig bereits Plurale anwenden und isolierte Wörter nebeneinander reihen kann, z.B.: “Da Wauwau”. Von da an bis zum etwa vierten Lebensjahr wird das Kind nach und nach lernen, immer mehr Wörter im Satz zu verbinden, Verben zu konjugieren, Nomen zu deklinieren, und zum Beispiel Nebensätze zu konstruieren.

Dieser Spracherwerb geht bis zur Pubertät. Danach erlernen wir maximal noch Fremdwörter und Fachtermini, erweitern also unseren Wortschatz und verfeinern unsere Sprachfähigkeiten.

Diese Phasen finden sich in genau dieser Reihenfolge bei allen Kindern wieder. Wie genau lernen Kinder aber ihre Muttersprache? Dazu gibt es in der Wissenschaft drei verschiedene Ansätze.

Der erste stammt vom Linguisten Noam Chomsky. Man nennt diesen Ansatz das nativistische Modell, da es davon ausgeht, dass manche Strukturen der Grammatik bei allen Kindern angeboren, also universell, sind. Chomsky nannte dieses Modell das “Language Aquisition Device”, übersetzt das “Spracherwerbs-Instrument”, das wie eine Universalgrammatik funktioniert. Dieses Instrument beinhaltet 1. das abstrakte Wissen von der Verbindung und Veränderung von Wörtern.

  1. sagt es aus, dass jedes Kind zwischen Sprachlauten und anderen Geräuschen und zwischen Kategorien von Wörtern wie z.B. Substantiven, Verben oder auch Zahlwörtern unterscheiden kann.

  2. ist dieser Theorie zufolge dem Kind von Geburt an die Fähigkeit mitgegeben, Hypothesen zu bilden. Wenn das Kind z.B. Englisch lernt, leitet es aus häufig gehörten Wörtern ab, dass für die Pluralbildung ein -s am Ende benötigt wird. Dieses End-s kann es dann auch auf Wörter anwenden, die es vorher nicht im Plural gehört hat.

Zu guter letzt hat das Kind 4. die Fähigkeit, diese Hypothesen zu bewerten. Das bedeutet, dass das Kind zwischen verschiedenen anwendbaren Regeln die richtige auswählen kann. Im Deutschen gibt es z.B. mehrere Möglichkeiten, den Plural zu bilden. Bei Wörtern, die auf -keit oder -heit enden, setzen wir für den Plural ein -en ans Ende und machen so z.B. die Einheit zu Einheiten. Wörter wie der Tisch, der Teppich oder der Stift verlangen hingegen ein angehängtes -e.

Ein zweiter Ansatz stammt von Piaget. Dieser stellte ein kognitivistisches Modell vor, das auf unsere Denkstrukturen anspielt, und besagt, dass sich unsere kognitiven, also denkerischen, und sprachlichen Fähigkeiten parallel entwickeln und gegenseitig beeinflussen: je besser ich spreche, desto umfassender kann ich denken, und umgekehrt. Anders gesagt begreifen wir unsere Welt also nur soweit, wie wir sie sprachlich fassen können. Ein drittes wichtiges Modell stammt von Wygotski und kommt aus der Interaktionstheorie. Dieser Ansatz versucht zu zeigen, dass wir unsere Sprache immer an unseren Interaktionspartnern ausrichten. Wir können also immer nur so gut sprechen, wie wir imstande sind, Vorbilder - wie unsere Eltern - sprachlich nachzuahmen. Wie erwerben wir also unsere Muttersprache? Fassen wir kurz zusammen: 1. Wir erwerben unsere Muttersprache ungesteuert und im Austausch mit anderen. Wir erwerben dabei diese Umgebungssprache von Geburt an. 2. ist der Spracherwerb in Phasen unterteilt, die universell und nicht vertauschbar sind, aber unterschiedlich lang dauern können. Von der Geburt bis zum circa vierten Lebensjahr lernt dabei jedes Kind fast die gesamte Grammatik einer Sprache, auch wenn es noch bis zur Pubertät dauert, bis die Sprache ganz ausgereift ist. 3. gibt es drei unterschiedliche Ansätze, wie wir die Sprache dabei lernen. Chomsky sagte mit seinem nativistischen Modell,dass jedes Kind angeborenen Regeln folge, die es auf die zu lernenden Wörter anwenden müsse. Dafür entwickelte er das Language-Aquisition-Device. Piaget behauptete hingegen mit seinem kognitivistischen Modell, dass sich Denken und Sprache parallel entwickeln und fördern. Zuletzt schenkte Wygotski mit seinem Interaktionsmodell eher dem Umstand Beachtung, dass es vor allem darauf ankomme, mit wem das Kind spreche. Mama und Papa sind unsere sprachlichen Vorbilder. Aus dem Plappern entwickeln sich häufig Dichter und Denker. Weißt du, wie? Mir bleibt das ein Rätsel.

Ciao und bis bald!

1 Kommentar
  1. Default

    sher gutes video.

    Von Danchr, vor 3 Monaten