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Stottern bei Kindern und Jugendlichen 04:33 min

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Transkript Stottern bei Kindern und Jugendlichen

Einkaufen gehen. Für viele eine Selbstverständlichkeit. Doch Andreas Maurer musste lange Zeit seinen ganzen Mut zusammen nehmen. „Dann noch von den zwei Stück, von Kaiserbrötchen, genau.“ Andreas Maurer ist Stotterer. Bei ihm fing es vor fünf Jahren an. Seitdem muss der Fünfzehnjährige damit umgehen, dass seine Art zu sprechen oft auf Unverständnis stößt. Die Ursachen für das stottern sind bis lang weitgehend unbekannt. Forscher gehen davon aus, dass es durch eine neurophysiologische Funktionsstörung bedingt ist, das heißt die Sprechmotorik ist gehemmt. Um das in den Griff zu bekommen geht Andreas Maurer seit knapp fünf Jahren zwei mal pro Woche zur logopädischen Behandlung. Sie kann in jedem Alter begonnen werden und führt fast immer zu einer Besserung. „Also grundsätzlich unterscheidet man zwei Therapierichtungen mit denen sich Stottern behandeln lässt. Man kann eine ganz neue Sprechweise lernen oder aber, der Stotternde lernt genau in dem Moment einzugreifen, indem das Stottern das einzelne Symptom entsteht. Egal welche Technik man lernt, ganz wichtig ist es, dass man auch die Gelassenheit besitzt das dann im Alltag anzuwenden. Das heißt Ziel einer Therapie ist immer auch die Angst vor dem Stottern zu überwinden.“ Zunächst lernt Andreas Maurer in der Therapie die Techniken kennen, mit denen er die Stotterblockaden überlisten kann. Beispielsweise kann langsames oder besonders weiches Sprechen das Stottern auffangen. Die Logopädin versucht herauszufinden in welchen Situation der Fünfzehnjährige vor allem stottert. Denn die Sprachstörung tritt üblicherweise in Schüben auf. Phasen ausgeprägten Stotterns wechseln mit symptomarmen Phasen ab, abhängig von Situation und Gesprächspartner. Rollenspiele sind deshalb ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Sie sollen stark machen für den Alltag. Mit fremden Menschen zu sprechen fällt Stotterern oft schwer, deshalb führt der nächste Schritt raus aus dem Therapieraum. Behutsam lernt Andreas Maurer sich unterschiedlichen Situationen zu stellen. Er wird schonend damit konfrontiert. Die Therapeutin ist immer in Reichweite. So verliert der Fünfzehnjährige die Angst davor und gewinnt an Selbstvertrauen. „Ja das ist halt schon sehr schwer und so, nur halt nach so zehn mal wird halt leichter und so halt. Dann geht’s.“ Die Angst vor dem Stottern ist für Menschen mit dieser Beeinträchtigung häufig das Schlimmste. Oft führen Scharm und Resignation zur sozialen Isolation. Doch Andreas Maurer hat Glück. Seine Freunde akzeptieren ihn so, wie er ist. „Manchmal braucht man halt ein bisschen mehr Geduld mit ihm, aber sonst find ich das ganz normal eigentlich. Also ich hab damit kein Problem dass er stottert. Für mich ist er wie ein anderer Freund.“ Gerade in der Schule haben es Stotterer schwer. Auch Andreas hatte dort zu kämpfen. „Die Lehrer konnten am Anfang mit der Situation, dass Andreas stottert, gar nicht umgehen. Das war wohl der erste Stotterer auch in der Schule. Sie haben ihm sogar unterstellt dass er extra stottert, damit er am mündlichen Unterricht nicht teilnehmen muss. Darauf sind wir dann in die Schule gegangen, mein Mann und ich, haben mit den Lehrern gesprochen, die Problematik dargelegt und heute klappt das eigentlich ganz gut.“ Doch nicht nur in der Schule mangelt es an Aufklärung. Stotterer stoßen überall auf Vorurteile. „Menschen die stottern unterscheiden sich grundsätzlich nicht von Normalsprechern. Sie sind nicht weniger intelligent, sie sind nicht sensibler oder schüchterner als Leute die flüssig sprechen. Wenn dieser Eindruck entsteht, dann kann es natürlich sein, dass das Stottern die größere Schüchternheit in der Kommunikation mit sich gebracht hat.“ Bei Andreas ist die Symptomatik so weit ausgeprägt, dass er wahrscheinlich sein Leben lang stottern wird. Doch durch die Unterstützung der Freunde hat er Vertrauen gefasst und an Selbstbewusstsein gewonnen. Wie seine Freunde, folgt auch er der Devise „Wichtig ist was gesagt wird und nicht wie es gesagt wird“.