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Sexistischer Sprachgebrauch 06:58 min

Textversion des Videos

Transkript Sexistischer Sprachgebrauch

Hey, ich bin’s, Tim.

Oder soll ich lieber sagen: Hey Jungs, wie geht’s? Was mache ich dann aber falsch? Ich spreche nur eine bestimmte Gruppe an: das männliche Geschlecht. Was aber ist mit den Mädchen und Schülerinnen, die mir zuhören? Dürfen sie nur danebensitzen und zuhören, während ich mich mit Männern unterhalte? Allein durch meine Anrede könnte ich nämlich sexistische Sprache gebrauchen. Und ist es nicht schlimm, wenn wir bestimmte Gruppen benachteiligen, ohne dass diese etwas daran ändern könnten?

Mit Sprache haben wir Macht. Mit Sprache können wir andere als unterlegen oder überlegen definieren. Wir können durch Sprache Gruppen abwerten und beleidigen. Sexistische Sprache ist dabei eine sprachliche Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Das muss nicht heißen, dass es keinen weiblichen Sexismus gibt: Theoretisch können auch Männer aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden. In unserer Gesellschaft haben aber trotz vielen Kämpfen noch immer die Männer die Vorherrschaft, was sich in einer frauenfeindlichen und ungleichen Sprache niederschlägt. Denn sexistische Ausdrucksweisen sind in unserer Sprache alltäglich. Ungleichheit bekämpfen heißt also auch, Sexismus in der Sprache zu bekämpfen.

Wann genau ist aber ein Sprachgebrauch sexistisch? Es gibt hier vier grobe Kategorien weiblicher Abwertung, die sich teils überschneiden: Frauen und ihre Leistungen werden ignoriert. Das passiert z.B. häufig in traditionellen Familien, wenn ein Mann der “Brotverdiener” ist, wenn er also als der wichtigere Teil der Familie gilt, weil er das Geld verdient. Die unersetzliche “Hausarbeit” der Frau in solchen Familien ist dabei unterbewertet, nur weil sie nicht bezahlt ist. In unserer Sprache äußert sich das z.B. in Formulierungen wie “sehr geehrte Herren…” oder “Liebe Kollegen”, wo ein gerechterer Gebrauch “Sehr geehrte Damen und Herren” und “Liebe Kolleginnen und Kollegen…” heißen müsste.

Frauen werden häufig nur in Abhängigkeit von Männern beschrieben und ihnen dabei als zweitrangig untergeordnet. Das passiert häufig bei Anreden und Einladungen, aber auch bei bürokratischen Angelegenheiten. Wenn es um die gesamte Familie geht, wird dabei der Mann - und nicht die Frau - als Repräsentant herangezogen. Das passiert z.B. in Wendungen, in denen der Mann als Erstes und namentlich genannt wird, so z.B. eine Einladung an “Herrn Müller und Gemahlin”. Alternativen wären z.B. “Frau Müller und Herr Müller”. Frauen werden hierbei zuerst genannt, um ihnen sozusagen eine Hilfe beim “Aufholen” gegenüber Männern zu geben.

Häufig werden Frauen als Stereotype dargestellt. Sie werden in traditionelle Rollen gedrängt: Meist müssen sie Hausfrauen, Mütter und Ehefrauen sein. Auch bestimmte Berufe sind verweiblicht und untergeordnet, so z.B. die Sekretärin. Höhere gesellschaftliche Positionen sind Männern vorbehalten. Das führt dazu, dass Frauen in diesen gesellschaftlichen Mustern gefangen bleiben. Anreden sollten wir daher z.B. nicht “Mädchen und Männer”, sondern “Mädchen und Jungen”, nicht “Damen und Männer”, sondern “Damen und Herren”.

Herablassende Sprache wird häufig verwendet, um Frauen zu demütigen und lächerlich zu machen. Dabei werden den Frauen spezifisch negative Eigenschaften zugeordnet. Das ist problematisch: Weil “schwach” z.B. als weiblich gilt und “stark” als männlich, sind “starke” Frauen gesellschaftlich als “dominant” und “beherrschend” verrufen. Andererseits müssen Männer Schwäche unterdrücken - und damit einen wichtigen Teil der menschlichen Gefühlswelt, die geschlechtsunspezifisch ist. Auch andere, rein negative Eigenschaften werden Frauen zugeschrieben - obwohl sie sich ebenso bei Männern finden, so z.B. List und Tücke, Geschwätzigkeit, Emotionalität, Hysterie und Unbeherrschtheit. Wie können wir sexistische Sprache also vermeiden? Wir können z.B. darauf achten, das weibliche Geschlecht immer aufmerksam zu berücksichtigen und Möglichkeiten und Existenz von Frauen auch sprachlich sichtbar zu machen. Dazu gibt es z.B. bei der Nennung von gesellschaftlichen Positionen die Möglichkeit der “Splittung”: Weibliche und männliche Form werden jeweils extra genannt oder graphisch markiert. Dazu gibt es vier verbreitete Varianten, hier am Beispiel “Leser”: Die weibliche Form in Klammern; einen Schrägstrich vor die weibliche Endung; die ausgesprochene Paarform, also Leserin und Leser; und das sogenannte großgeschriebene Binnen-i.

Fassen wir zusammen: Sexismus findet sich in unserer Sprache meist als Abwertung von Frauen. Formen der Diskriminierung sind dabei, -wenn 1. Frauen und ihre Leistungen ignoriert werden -wenn 2. Frauen in Abhängigkeit von Männern beschrieben werden -wenn 3. Frauen als Stereotype dargestellt werden -und wenn 4. Frauen durch herablassende Sprache gedemütigt werden. Um sexistische Sprache im Alltag zu vermeiden, können wir gesellschaftliche Positionen in geschlechtskennzeichnenden Formen aufsplitten. Das geht entweder durch Klammersetzung, Schrägstriche, Paarform oder das Binnen-I. Wenn wir jemanden beleidigend und herablassend behandeln, dann nur, weil wir uns selbst aus unserer niederen Stellung erheben wollen. Wo du wirklich stehst, zeigst du also, wenn du auf Herablassungen verzichten kannst - weil du sie nicht brauchst. Das trifft auf Geschlechterfragen genauso zu wie auf alle anderen Beziehungen - zwischen Fremden, Bekannten oder der Familie. Ich sag ciao.

3 Kommentare
  1. Hallo Sandfrauchen,
    das stimmt, so oft liest man die Anrede „Sehr geehrte Herren...“ heute glücklicherweise nicht mehr, da es nach und nach durch „Sehr geehrte Damen und Herren...“ ersetzt wird. Auch wenn dies nicht das aktuellste Beispiel ist, steht es dennoch stellvertretend dafür, dass heutzutage an vielen Stellen die weibliche Form noch immer nicht genannt wird. Prominente Beispiele dafür sind „Unsere Leser fanden, dass...“, „Lieber Kunde, ... “, „Der Autor des Textes...“, „Werden Sie Pate!“, „Ich gehe heute zum Arzt.“, „Studenten und Lehrer“ usw. An vielen Stellen hat sich leider in den letzten 50 bis 60 Jahren sprachlich noch nicht besonders viel getan.
    Beste Grüße aus der Redaktion

    Von Carolin Kasper, vor 11 Monaten
  2. ein bisschen altbacken: wer sagt heute noch "Sehr geehrte Herren!" ??? Dieses Video gibt ein falsches Bild ab. Das war der Fall vielleicht vor 50-60 Jahren.

    Von Sandfrauchen, vor 11 Monaten
  3. Gut brauchbares Video, leider kein Transskript.

    Von Andreas Kieber, vor mehr als 3 Jahren

Sexistischer Sprachgebrauch Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Sexistischer Sprachgebrauch kannst du es wiederholen und üben.

  • Bestimme, was sexistische Sprache ausmacht.

    Tipps

    Wer ist benachteiligt in unserer Gesellschaft? Wie funktionieren Unterdrückungsmechansimen?

    Lösung

    Sexistischer Sprachgebrauch bedeutet, dass man durch die Verwendung einer bestimmten Sprache eine bestimmte Geschlechtergruppe diskriminiert. Das heißt auch, dass man die Gruppe benachteiligt, beleidigt und ihnen durch abwertende Definitionen Chancen nimmt und Zugänge zu Ressourcen wie Bildung oder Kapital verwehrt.

    Sexismus in der Sprache kann sich prinzipiell gegen beide Geschlechter wenden. Da Frauen in unserer Gesellschaft aber immer noch weit benachteiligter sind und Männer in angeseheneren und profitableren Berufen arbeiten, richten sich sexistische Äußerungen zumeist gegen Frauen.

  • Bilde Aussagen, bei denen kein sexistischer Sprachgebrauch stattfindet.

    Tipps

    Wie können wir die weibliche Form bei den Wendungen kennzeichnen? Wie können wir sprachlich verhindern, dass Frauen vergessen und übergangen werden?

    Lösung

    In unserer Sprache manifestiert sich häufig eine strukturelle Benachteiligung von Frauen. Meistens werden Frauen dabei entweder ignoriert, vernachlässigt, negativiert oder ungewollt definiert. Häufig findet man das in Anreden und Stellenausschreibungen wie Liebe Kollegen statt richtig Liebe Kolleginnen und Kollegen oder Suchen Physiker statt Suchen Physikerin oder Physiker. Diese Nicht-Nennung der weiblichen Form führt dazu, dass sich Frauen häufig nicht angesprochen fühlen und dadurch eventuelle Möglichkeiten nicht ergreifen.

  • Beschreibe vier Kategorien, wie Frauen gesellschaftlich diskriminiert werden.

    Tipps

    Welche Rolle wird der Frau traditionell in unserer Gesellschaft zugeschrieben? Ist die Rollenverteilung gerecht und fair? Sind Frauen mit ihren Rollen zufrieden?

    Lösung

    Frauen werden durch Sprache in bestimmte Rollen gedrängt, indem man sie unsichtbar macht, herabwürdigt, nicht nennt, negativ bewertet, mit negativen Eigenschaften definiert oder ihnen eine unterwürfige Identität zuschreibt. Wir können dabei vier grobe Mechanismen erkennen, wie sexistischer Sprachgebrauch funktioniert:

    1. Frauen und ihre Leistungen werden ignoriert oder geringer geschätzt: Frauen verdienen ist fast allen Berufen und Branchen weniger Geld als Männer.
    2. Frauen werden nur in Abhängigkeit von Männern beschrieben: Wie soeben beschrieben, wird der Mann häufig als Familienoberhaupt und Entscheidungsträger wahrgenommen. Daher wird häufig auch der Mann als Repräsentant der Familie angesprochen und nicht die Frau.
    3. Frauen als Stereotypen: Frauen werden häufig in Rollen gedrängt, die als typisch weiblich erscheinen. Da z.B. Fürsorge als ein typisch weibliches Merkmal gilt, ist Frauen auch die meiste Pflege- und Sozialarbeit zugeteilt, die wiederum am schlechtesten bezahlt wird. Die Merkmale der Liebe, der Selbstaufgabe und des Mitgefühls, die als typisch weiblich gelten, drängen Frauen in die Rollen von Ehefrauen, Müttern und Hausfrauen.
    4. Frauen werden sprachlich benachteiligt: z.B. wird in Briefen manchmal nur die maskuline Anredeform (Sehr geehrte Herren) verwendet oder bei Berufsbezeichnungen wird nur die „männliche“ Form genutzt, z.B. Liebe Lehrer und Schüler...
  • Ermittle, welche Bezeichnungen als stereotyp weiblich oder männlich gelten.

    Tipps

    Denke für jeden Beruf und jede Charaktereigenschaft an Darstellungen in populären Filmen, Serien oder Büchern. In den Mainstreammedien werden oftmals stereotype Darstellungen von Geschlechterrollen verwendet.

    Lösung

    Sexistische Sprache ist Sprache, die Frauen aufgrund ihres Geschlechts in bestimmte Rollen drängt. Das passiert, weil man Frauen bestimmte Charaktereigenschaften zuspricht, die als typisch weiblich gelten, obwohl nicht alle Frauen sie haben und obwohl auch sehr viele Männer sie haben. Dabei wird häufig auf Binarismen, also auf gegensätzliche Begriffe gesetzt, die damit stärker weiblich und männlich entgegensetzen können, so z.B. Passivität (weiblich konstruiert) und Aktivität/Dominanz (männlich konstruiert). Frauen sind aufgrund ihrer zugeschriebenen mütterlichen Rolle zu Pflege, Erziehung, Haushalt und aufgrund vermeintlich fehlender Bildung und „passivem Charakter“ zu Hilfstätigkeiten verdonnert. Männer hingegen sind angeblich zu Technik, Handwerk und leitenden Tätigkeiten berufen. Dass Frauen und Männer derart in Berufe und Charaktereigenschaften aufgetrennt werden, liegt nicht am natürlichen Frau- oder Mann-Sein, sondern an historischen und sozialen Rollenverteilungen, die sich jederzeit wieder ändern können.

  • Bilde die gesplitteten Formen der Berufsbezeichnungen.

    Tipps

    Bei Benutzung des Binnen-I benutzt du den Wortstamm und hängst das Suffix -Innen an, z.B. StudentInnen.

    Lösung

    Das Splitting wir im Deutschen verwendet, um auch Frauen explizit zu machen und um zu vermeiden, dass Frauen übersehen werden oder sich übergangen fühlen. Es geht also um eine Sichtbarmachung in der Schrift. Da die meisten Berufs- und Positionsbezeichnungen eine männliche Standardform haben und die weibliche meist nur abgeleitet ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, deutlich zu machen, dass beide Geschlechter gemeint sind:

    1. die weibliche Form in Klammern setzen: Schüler wird zu Schüler(in), Anwalt wird zu Anwält(in). Das heißt die weibliche Form wird auch im Rest des Wortes verwendet. Bei Pluralformen wird nur ein Teil eingeklammert, sodass beide Aussprachen Sinn ergeben würden: Kollegen und Kolleg(inn)en.
    2. die weibliche Form durch Schrägstrich abtrennen: So wird aus Politiker Politiker/in.
    3. die weibliche Form durch ein großgeschriebenes Binnen-I verdeutlichen: Aus Kollege wird dann KollegIn. Männliche Endungen (hier das -e) werden weggelassen. Diese Form eignet sich gut für Pluralbildungen wie ProfessorInnen.
    4. die Paarform bilden. Hier werden beide Geschlechter ausgeschrieben. Ein Muss ist das z.B. bei festgelegten Geschlechtern wie Putzmann. Hier wird einfach das weibliche Pendant dazugenannt: Putzfrau und Putzmann.

  • Analysiere den folgenden Beispieltext auf sexistischen Sprachgebrauch.

    Tipps

    Solange Frauen und Männer nicht gleichberechtigt behandelt werden, stellt man den Frauennamen an erste Stelle, um so männliche Hierarchie des Zuerstgenannten zu vermeiden.

    Bei weiblichen Berufsbezeichnungen benutzt man die weibliche Form.

    Um Frauen nicht zu übergehen, spricht man sie mit einer zusätzlichen femininen Form an (eventuell auch Splitting).

    Ungerechte, verniedlichende oder beleidigende Wörter für Frauen werden umgeschrieben.

    Bei Abkürzungen wird die weibliche Form zur Verdeutlichung angehängt.

    Lösung

    Sprache und Grammatik bevorzugen das männliche Genus, zumindest in Sprachen wie dem Deutschen, wo wir meist das männliche grammatische Geschlecht benutzen, um über alle (nicht nur über Männer) zu reden. Es wird dabei als selbstverständlich angenommen, das Frauen sich auch bei Nennung der männlichen Form (kontextuell bedingt) angesprochen fühlen. Häufig ist jedoch das Gegenteil der Fall: Frauen werden übergangen oder unterbewertet. Daher gibt es einige Regeln:

    • Weibliche Berufsbezeichnungen werden nicht verniedlicht, wie das z.B. beim Beruf Hausmädchen passiert.
    • Berufe und Berufsabkürzungen (z.B. Prof.) werden mit einer spezifisch weiblichen Form gekennzeichnet, sobald Frauen gemeint sind, z.B. Anwältin, Professorin.
    • Notfalls muss man die Bezeichnungen splitten (wie jede/r) oder aus männlichen Bezeichnungen weibliche machen (z.B.Fachmann zu Fachfrau oder Expertin).