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„Faust. Der Tragödie erster Teil“ – Entstehungsgeschichte (Goethe) 07:17 min

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Transkript „Faust. Der Tragödie erster Teil“ – Entstehungsgeschichte (Goethe)

Einleitung

Hört man den Titel “Faust” in Bezug auf Literatur, so denkt man sofort an Goethes Drama. Doch Johann Wolfgang von Goethe war bei weitem nicht der erste Dichter, der sich mit diesem Stoff beschäftigt hat. Die Sage des Dr. Faustus, der um jeden Preis sein Wissen vermehren will und einen Pakt mit dem Teufel eingeht ist viel älter.

Im 16. Jahrhundert wird die Geschichte populär und von Dichtern wie zum Beispiel Christopher Marlowe oder Gotthold Ephraim Lessing aufgegriffen. Und doch ist Goethes Faust anders, als diese Dichtungen und das hat hauptsächlich mit der Entstehungsgeschichte von “Faust. Der Tragödie erster Teil” zu tun.

Der Faust-Mythos

Goethe war mit dem Fauststoff wohl vertraut. Als gebildeter Sohn der oberen Mittelschicht gehörte diese Geschichte zum Allgemeinwissen. Berühmt wurde der Stoff Ende des 16. Jahrhunderts durch das sogenannte Volksbuch. Darin wurde unter anderem die Geschichte des Medizin und Theologiestudierten Dr. Faust erzählt. Dieser geht einen Pakt mit dem Teufel ein und landet dafür in der Hölle.

Berühmt war - wie schon erwähnt - auch das Stück von Christopher Marlowe. Hier ist Faust nicht der Lästerer gegen Gott, sondern eher ein Mensch der Renaissance, der darum bemüht ist, die Welt zu verstehen. Auch wenn es hier noch böse für Faust ausgeht, so ist eine deutliche Sympathie für die Hauptfigur erkennbar.

Versuch der Erklärung eines Kindsmordes

Die Hinrichtung der Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt 1770 gibt dem jungen Goethe dann vermutlich den Ausschlag eine eigene Faust-Version zu schreiben.

Es war zu dieser Zeit nicht selten, dass junge Frauen hingerichtet wurden, weil sie ihre Neugeborenen umgebracht haben. Diese Hinrichtungen waren öffentlich und stets gut besucht.

Es ist davon auszugehen, dass Goethe bei der Hinrichtung von Susanna Margaretha Brandt anwesend war. Die Zwänge und Umstände, in denen junge Frauen damals standen und die sie dazu trieben ihr eigenes Kind zu töten, waren bei den Prozessen nicht von Interesse.

Goethe erklärt diesen Hintergrund und zeigt im Faust eine junge Frau, die verführt und ins Unglück gestürzt wird. Hier ist sie keine teuflische Gestalt, die einfach tötet, sondern die töten muss, da sie ihr Kind ohnehin nicht ernähren könnte.

Gretchen als neue Figur und Urfaust

Goethe, damals 21 Jahre alt, beginnt seine Faustfassung mit der Szene im Studierzimmer, wie auch die endgültige Fassung beginnen wird. Allerdings rückt er die Gretchentragödie in den Vordergrund. Er entwickelt eine Liebesgeschichte um die Figur des Faust.

Gretchen, die von Faust verführt wird, ein Kind bekommt und es umbringt, wird also zur Hauptfigur in dieser ersten Fassung. In dieser fehlt zunächst sowohl der Pakt mit Mephisto, als auch die Verjüngung in der Hexenküche. Dieser Umstand zeigt, wie geläufig die Grundgeschichte des Faust gewesen ist. Goethe befindet sich hier noch im Universum des Fauststoffes und arbeitet mit den gegebenen Figuren und Handlungsmustern.

Bis 1775 dauert die erste Arbeitsphase am sogenannten “Urfaust”. Diese Version wird jedoch erst 1887 in Nachlässen gefunden und dann veröffentlicht. Obwohl Goethe sich weiterhin mit dem Stoff befasst, lässt er die konkrete Arbeit am Faust als Stück vorerst ruhen.

Vollendung und Veröffentlichung

1788 jedoch fasst er den Entschluss die Tragödie zu vollenden. In der Zwischenzeit ist er schon eine Größe der deutschen Literatur und Minister in Weimar. Der Fausstoff lässt ihm keine Ruhe und bis 1790 fügt er dem Urfaust einige Szenen hinzu und streicht andere.

So ist der Dialog zwischen Mephisto und Faust im Studierzimmer ausgebaut, jedoch immer noch ohne ausgesprochenen Pakt. Auch enthält diese Version nun die Verjüngung in der Hexenküche. Verzichtet wird auf das Ende Gretchens im Kerker.

Durch diese Veränderungen gewinnt die Gelehrtentragödie mehr an Gewicht und wird sichtbarer. Goethes Faust erhält damit eine größere Eigenständigkeit, da er eine eigene Version des Stoffes wird und sich langsam von älteren Fassungen löst. 1790 veröffentlicht er das Ergebnis der Arbeit unter dem Titel “Faust. Ein Fragment”. Der Titel zeigt schon die Unvollkommenheit des Textes an.

Trotz allem dauert es weitere sieben Jahre, bis Goethe sich ein letztes Mal “Der Tragödie erster Teil” annimmt. 1797 setzt er die Arbeit fort. Sie soll diesmal elf Jahre in Anspruch nehmen.

Ausschlaggebend für diesen erneuten Anlauf war unter anderem der Zuspruch des zum Freund gewordenen Friedrich Schiller. Goethe entwirft die Vorreden “Zueignung” und “Vorspiel auf dem Theater” 1797 hinzu. Darüber hinaus entsteht der “Prolog im Himmel”. Durch diese Veränderung bekommt der Fauststoff eine neue Rahmung. Es geht nicht mehr um Faust, als Person, die einen Teufelspakt schließt, sondern vielmehr um Faust als Wettobjekt zwischen Gott und Teufel.

Im Jahre 1808 schließlich geht "Faust. Der Tragödie erster Teil" in Druck. Das Stück wird sehr euphorisch aufgenommen. Erst 1829, drei Jahre vor Goethes Tod, kommt es zur Uraufführung in Braunschweig. Im selben Jahr wird der Faust noch in Weimar, Leipzig, Dresden und Frankfurt am Main aufgeführt. Alle Inszenierungen unterliegen jedoch der Zensur, sodass kirchenkritische und anzügliche Szenen ausgelassen wurden.

Schlussbemerkungen

Goethe hat sich fast sein gesamtes Leben mit dem Fauststoff auseinandergesetzt. Er hat es geschafft daraus ein Stück zu schreiben, das bis heute wegen seiner Beliebtheit unter den deutschen Dramen halten kann.

Es ist das meistgespielte Stück auf deutschen Bühnen. Schon während der Arbeit am Faust I entstehen Skizzen und Szenen für den zweiten Teil. Dieses Stück wird Goethe 1832, dem Jahr seines Todes, fertigstellen und somit seinen Faust als Gesamtes vollenden können.

„Faust. Der Tragödie erster Teil“ – Entstehungsgeschichte (Goethe) Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video „Faust. Der Tragödie erster Teil“ – Entstehungsgeschichte (Goethe) kannst du es wiederholen und üben.

  • Beschreibe die Endphase der Arbeiten Goethes am Faust-Stoff.

    Tipps

    Lies dir alle Sätze gut durch. Teilweise geben dir einige Sätze Hinweise auf Lücken in anderen Sätzen.

    Welchen Titel trägt die Endversion des Faust-Stücks?

    Lösung
    • Im Jahr 1808 geht Goethes „Faust. Der Tragödie erster Teil“ in Druck. Sein „Urfaust“ vollendete Goethe bereits 1788 und „Faust. Ein Fragment“ wurde 1790 veröffentlicht.
    • Die Uraufführung fand in Braunschweig im Jahre 1829 statt. In demselben Jahr gab es weitere Aufführungen in Weimar, Dresden, Leipzig und Frankfurt a.M..
    • Alle Inszenierungen unterlagen der Zensur. Dabei wurden Szenen verboten, in denen die Kirche zu kritisch dargestellt wurde (z. B. Spaziergang von Faust und Mephistopheles oder bei der bekannten Gretchenfrage) oder Szenen zu sexuell aufgeladen waren (z. B. Walpurgisnacht). Gesellschaftskritische Elemente des Stücks (im weitesten Sinne) wurden nicht untersagt.
    • Bereits während der Arbeit am Faust I entstanden Skizzen und Szenen für den zweiten Teil, welchen Goethe 1832, dem Jahr seines Todes, fertigstellte und somit Faust als Gesamtes vollendete.
  • Gib die Reihenfolge der wichtigsten Etappen der Entstehung von Goethes Faust wieder.

    Tipps

    Welches Ereignis motiviert Goethe dazu, einen eigenen Faust zu schreiben?

    Bedenke beim Sortieren der einzelnen Etappen, dass der „Urfaust“ vor „Faust. Ein Fragment“ bearbeitet wurde.

    Lösung

    Die richtige Reihenfolge der Etappen der Entstehungsgeschichte von Goethes Faust ist:

    • Hinrichtung der Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt als Anlass für Goethe, eine eigene Faustversion zu schreiben. (1770)
    • erste Arbeitsphase am sogenannten „Urfaust“ (bis 1775): Diese Version wird jedoch erst 1887, lange nach Goethes Tod, in Nachlässen gefunden und veröffentlicht.
    • Hinzufügung und Streichung von Szenen im „Urfaust“ (bis 1790): Zum Beispiel wird die Szene in der Hexenküche hinzugefügt, während die Szene mit Gretchen im Kerker gestrichen wird.
    • Veröffentlichung von „Faust. Ein Fragment“ (1790): Der Titel zeigt die Unfertigkeit des Textes an.
    • Fortsetzung der Arbeit an „Faust. Ein Fragment“ (1797): Der Zuspruch Friedrich Schillers gab für Goethe den Ausschlag, die Arbeit am Faust-Stoff wieder aufzunehmen.
    • „Faust. Der Tragödie erster Teil“ geht in Druck. (1808): Das Stück wird insgesamt sehr euphorisch aufgenommen.
    • „Faust. Der Tragödie erster Teil“ wird in Braunschweig uraufgeführt. (1829)
  • Bestimme, ob es sich beim „Urfaust“ eher um Gelehrten- oder Gretchentragödie handelt.

    Tipps

    Goethe versuchte in seinem „Urfaust“, auch die Gründe für einen Kindsmord aufzuzeigen.

    Der Fokus der Darstellung liegt beim „Urfaust“ auf der Liebesgeschichte zwischen Faust und Gretchen.

    Lösung
    • Hinrichtungen von Kindsmörderinnen im 18. Jahrhundert waren beim Volk beliebt und stets gut besucht. Bei der Verurteilung der Frauen ging es meist nicht um die tatsächlichen Gründe, weshalb sie ihre Kinder ermordeten. Die Hinrichtung der Kindsmörderin Susanne Margaretha Brandt im Jahre 1770 stellte für Goethe den Anlass dar, seine eigene Faustversion zu schreiben.
    • Der junge Goethe nimmt sich der Thematik an und entwickelt um Faust eine Liebesgeschichte. Goethes erste Faustfassung zeigt eine junge Frau, Gretchen, die verführt und ins Unglück gestürzt wird. Sie tötet ihr Kind als einzigen Ausweg, da sie es nicht ernähren konnte. Sie wird damit nicht als teuflische Gestalt dargestellt, sondern als rational denkender Mensch.
    • Der Pakt mit dem Teufel stand für Goethe erst später im Mittelpunkt. Gretchen, die von Faust verführt wird, ein Kind bekommt und es umbringt, ist im ersten Teil die Hauptfigur. Die Gretchentragödie steht im Vordergrund.
  • Ordne Goethes Arbeitsphasen am „Faust“ den entsprechenden Jahreszahlen zu.

    Tipps

    Führe dir die logische Reihenfolge der Arbeitsphasen vor Augen und ordne sie dann chronologisch den Jahreszahlen zu.

    Bedenke also, dass das Jahr der Fertigstellung vor dem Jahr der Veröffentlichung liegen muss.

    Lösung

    Zur Lösung dieser Aufgabe musstest du einerseits das im Video erworbene Wissen anwenden und dir andererseits die logische Reihenfolge der Arbeitsphasen vor Augen führen:

    1. Mit dem Entschluss zur Vollendung der Tragödie im Jahr 1788 hat die extrem lange Arbeitsphase am „Faust“ begonnen. Zu diesem Zeitpunkt war Goethe bereits ein sehr bekannter Dichter und außerdem Minister in Weimar.
    2. 1790 veröffentlichte Goethe "Faust. Ein Fragment". Dieser stellte einen noch unvollkommenen Text dar, was bereits im Titel ersichtlich wird.
    3. Nach über zwei Jahrzehnten ging „Faust. Der Tragödie erster Teil“ im Jahre 1808 schließlich in den Druck. Das Stück wird sehr euphorisch aufgenommen, erlebte seine Uraufführung aber erst im Jahr 1829.
    4. Im Jahr 1832, das Jahr seines Todes, stellt Goethe dann „Faust. Der Tragödie zweiter Teil“ fertig und vollendet somit „Faust“ als Gesamtwerk.
  • Bestimme, welche Aussagen auf die Entstehungsgeschichte von Goethes Faust zutreffen.

    Tipps

    Denke an die Namen anderer Dichter, die im Video genannt wurden, und ob sie ebenfalls den Faust-Stoff verarbeitet haben.

    Überlege, ob die Kindsmörderin im wahren Leben tatsächlich ebenfalls Gretchen hieß.

    Lösung

    Zwei der fünf Aussagen sind nicht korrekt:

    • Goethe war der erste Dichter, der sich mit dem Faust-Stoff auseinandergesetzt hat.
    Diese Aussage ist nicht richtig. In Wahrheit war Goethe bei weitem nicht der erste Dichter, der sich mit dem Stoff von Faust beschäftigt hat. Im 16. Jahrhundert wird die Sage des Dr. Faustus bekannt. Dichter wie Christopher Marlowe (1589) oder Gotthold Ephraim Lessing (1759) haben den Faust-Stoff ebenfalls verarbeitet.
    • Die Hinrichtung der Kindsmörderin Gretchen im Jahr 1750 hat Goethe veranlasst, eine eigene Faustversion zu schreiben.
    Diese Aussage trifft so nicht zu. Es war die Hinrichtung der Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt im Jahr 1770, die für Goethe ausschlaggebend war, seine eigene Faustversion zu schreiben. Die Kindsmörderin in seiner Tragödie trägt den Namen Gretchen.

    Die richtigen Aussagen waren:

    • Das sogenannte Volksbuch hat den Faust-Stoff Ende des 16. Jahrhunderts berühmt gemacht.
    Diese Aussage ist richtig. Im Volksbuch wurde u.a. die Geschichte des Dr. Faust erzählt, der mit dem Teufel einen Pakt eingeht und dafür in der Hölle landet.
    • In Goethes Faust wird die Kindsmörderin nicht als teuflische Gestalt dargestellt, sondern als Frau, die keinen anderen Ausweg hat, als ihr Kind zu töten.
    Auch diese Aussage stimmt. Goethe zeigt in seinem Faust eine junge Frau, die verführt und ins Unglück gestürzt wird. Die Frau wird nicht als teuflisch gezeigt, sondern sie wird zur Kindsmörderin, weil sie ihr Kind nicht ernähren könnte.
    • Die erste Faustfassung Goethes rückt die sogenannte Gretchentragödie in den Mittelpunkt.
    Diese Aussage ist korrekt. Obwohl Goethes erste Faustfassung bereits mit der Szene im Studierzimmer beginnt, ist Gretchen die eigentliche Hauptfigur, die von Faust verführt wird und das Kind letztendlich umbringt, weil es unehelich ist und sie es nicht versorgen konnte.
  • Bestimme Besonderheiten und Unterschiede zwischen den verschiedenen Faust-Versionen.

    Tipps

    Überlege, wie sich der inhaltliche Schwerpunkt zwischen den Versionen verändert hat.

    Welche Szenen wurden mit der jeweiligen Version hinzugefügt (+) und welche wurden entfernt (-)? Wie hat sich dadurch der Fokus der Tragödie verändert?

    Lösung

    Dem „Urfaust“ sind folgende Stichworte zuordnen:

    • Gretchentragödie: Die Gretchentragödie steht in der ersten Version im Vordergrund. Goethe fokussiert sich auf die Liebesgeschichte zwischen Faust und Gretchen, welche später in dem Stück ein Kind bekommt und dieses umbringt.
    • kein Pakt: Im „Urfaust“ hat Goethe zwar den Dialog im Studierzimmer zwischen Mephisto und Faust ausgebaut, jedoch immer noch ohne den ausgesprochenen Pakt.
    Zu „Faust. Ein Fragment“ gehören folgende Stichworte:
    • Gelehrtentragödie: Aufgrund des Dialogs zwischen Mephisto und Faust, der Szene der Verjüngung in der Hexenküche und des Verzichts auf Gretchens Ende im Kerker besitzt die Gelehrtentragödie mehr Gewicht und wird dominanter.
    „Faust. Der Tragödie erster Teil“ mussten folgende Wörter zugeordnet werden:
    • Vorreden: 1797 entwirft Goethe die Vorreden „Zueignung“ und „Vorspiel auf dem Theater“.
    • Faust als Wettobjekt: Mit dem „Prolog im Himmel“ erhält der Faust-Stoff eine neue Rahmung. Es geht nun um Faust als Wettobjekt zwischen Gott und Mephistopheles.